In praktisch jedem modernen Lehrbuch über Sinneswahrnehmungen findet man im Kapitel Geruchssinn folgende Darstellung, wie das Gehirn Gerüche wahrnimmt: Flüchtige Duftmoleküle, heißt es da, gelangen in die Nase und binden dort an Rezeptorproteine an der Oberfläche von spezialisierten Neuronen, den Riechsinneszellen. Dort öffnen sich Ionenkanäle in der Zellmembran. Positiv geladene Natrium- und Calciumionen strömen in die Zelle. Beim Riechen galt der Einstrom von Calcium jedoch bisher hauptsächlich als Auslöser für die Öffnung eines weiteren Kanals, der das Signal verstärkt. Durch diesen strömen negativ geladene Ionen, vor allem Chloridionen, aus der Zelle, wodurch die elektrische Spannung über der Zellmembran noch weiter vergrößert wird. Dieser zweite Kanal konnte aber bisher noch nicht identifiziert werden. Im Labor von Thomas Jentsch am FMP und MDC ist das jetzt gelungen, und zwar mit einem überraschenden Ergebnis: Mäuse kommen beim Riechen auch sehr gut ohne ihn aus. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Juni-Ausgabe von Nature Neuroscience vorgestellt.
mehr