Nr. 5/19. April 1999

Herz-Kreislauf-Erkrankungen - oft vererbt

Familiäres Risiko wird häufig unterschätzt - Wissenschaftler informieren auf der Hannover Messe

Herzinfarkt und Schlaganfall sind in Deutschland die häufigste Todesursache. Auslöser sind in den meisten Fällen Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinwerte und Bluthochdruck. Ein weiterer Risikofaktor wird jedoch häufig unterschätzt: die Familiengeschichte. Daß ein erhöhter Cholesterinspiegel vererbt werden kann, wissen nur wenige.

Etwa ein Drittel aller Herzinfarktpatienten leidet an einer erblichen Fettstoffwechselstörung, zum Beispiel der sogenannten familiären Hypercholesterinämie. Schätzungsweise zwei Drittel aller Fälle von Blut-hochdruck entstehen aufgrund erblicher Faktoren. Die frühzeitige Diagnose dieser genetischen Faktoren bei Fettstoffwechselstörung oder Bluthochdruck bietet die Chance, das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten gezielt und effektiv zu senken.

 

"Wir haben die Werkzeuge, um diese Risiken zu erkennen", sagt Prof. Herbert Schuster vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Prof. Schuster ist medizinischer Genetiker und Gründer des Instituts für Familienuntersuchungen der Infogen Medizinische Genetik GmbH auf dem Campus Berlin-Buch.

 

Jedem, in dessen Familie bereits Schlaganfall, Herzinfarkt oder auch erhöhte Cholesterinwerte aufgetreten sind, empfiehlt Prof. Schuster eine gezielte Untersuchung. Anhand von Fragebögen erstellt das Infogen-Team einen medizinischen Stammbaum und analysiert das individuelle Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Das Ergebnis erfährt der Ratsuchende entweder direkt von dem Bucher Institut oder - auf Wunsch - von seinem Hausarzt. Dieser kann dann, so erforderlich, die notwendigen Behandlungsmaßnahmen einleiten.

 

Bisher haben rund 3 500 Familien mit insgesamt 40 000 Personen an dem Programm teilgenommen. Bei etwa 5 000 Personen entdeckten die Genetiker behandelbare Riskofaktoren, über deren Existenz viele der Betroffenen nichts gewußt hatten. Über die Möglichkeiten von Familienuntersuchungen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen informieren Mitarbeiter des MDC und von Infogen auf der diesjährigen Hannover-Messe (19. - 24. April 1999, Halle 18, E12).

 

Barbara Bachtler
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