Nr. 16/18. November 1999

S p e r r f r i s t: Donnerstag, den 18. November 1999, 17.00 Uhr

Nobelpreisträger Paul Berg mit Max-Delbrück-Medaille geehrt

Der amerikanische Nobelpreisträger Paul Berg (Stanford Universität/Kalifornien), dessen Name eng mit der Entwicklung der Gentechnik und verantwortungsbewußtem Umgang mit dieser revolutionären Forschung verbunden ist, ist von mehreren Berliner Wissenschaftseinrichtungen jetzt (Donnerstag, den 18. November 1999) mit der Max-Delbrück-Medaille geehrt worden. Prof. Berg referierte anschliessend in der Berliner Charité der Humboldt-Universität über die Analyse des Genoms des Menschen: “Was kann die Sequenzierung des Genoms des Menschen uns mitteilen und was nicht“ lautete der Titel seiner Vorlesung.

Der 1926 im New Yorker Stadteil Brooklyn geborene Paul Berg entdeckte 1972, dass es möglich ist, die Erbinformation (DNA) eines Organismus im Labor mit der eines anderen über die Artengrenzen hinweg miteinander zu verbinden. Er hatte als erster ein solches Hybrid-DNA-Molekül gebaut. Für diese Entdeckung erhielt er 1980 den Nobelpreis für Chemie. Paul Berg war auch einer der ersten Wissenschaftler, der vor möglichen Gefahren dieser Gen-Neukombination warnte. Gemeinsam mit Kollegen forderte der Biochemiker bereits Mitte der 70er Jahre ein Moratorium für die Genforschung sowie die öffentliche Diskussion über mögliche Risiken. 1975 plädierten Berg und zahlreiche andere Genforscher auf einer Konferenz in Asilomar in Kalifornien für die Einführung von Richtlinien für die Genforschung.

 

1976 erließen die Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) der USA Richtlinien für gentechnische Experimente, die auch für Deutschland wegweisend waren. Dort richtete das Bundesforschungsministerium in Bonn 1978 die "Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit" (ZKBS) beim damaligen Bundesgesundheitsamt (BGA) in Berlin ein, das Richtlinien für Genlabors in Anlehnung an die NIH erließ. In Deutschland ist seit 1990 ein Ende 1993 novelliertes Gentechnikgesetz in Kraft.

 

Die Max-Delbrück-Medaille wird seit 1992 jährlich an einen herausragenden Wissenschaftler verliehen. Sie wird im Rahmen der „Berlin Lectures on Molecular Medicine“ überreicht, die das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gemeinsam mit anderen Berliner Forschungseinrichtungen und der Schering Forschungsgesellschaft veranstaltet.

 

Prof. Günter Blobel, der diesjährige Nobelpreisträger für Medizin von der Rockefeller Universität New York, war der erste Berlin-Lecturer. Es folgten der Genetiker Prof. Sydney Brenner von der Universität Cambridge/Großbritannien, der Neurobiologe Jean-Pierre Changeux vom Pasteur-Institut in Paris, der Krebsforscher Prof. Robert A. Weinberg vom Whitehead Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/USA, der Prionenforscher Prof. Charles Weissmann von der Universität Zürich sowie im vergangenen Jahr der Genforscher Prof. Svante Pääbo, Begründer der molekularen Archäologie, von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

 

Barbara Bachtler
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