Nr. 3/18. Januar 2000
MDC und Charité-Kliniken: Kurzfristige Scheinlösungen führen zum Kollaps der Forschung in Berlin-Buch
Mit Nachdruck haben sich das Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) und die beiden Charité-Kliniken in Berlin-Buch,
Robert-Rössle und Franz-Volhard, gegen „kurzfristige und kurzsichtige
Maßnahmen“ in Berlin-Buch“ ausgesprochen. Die damit verbundene „konzeptlose
Kürzung des Budgets“ um mehr als die Hälfte führe zum sofortigen Kollaps der
Forschung in den Kliniken. „Diese Scheinlösungen richten nicht wieder
gutzumachenden Schaden an“, warnten Prof. Detlev Ganten, Stiftungsvorstand des
MDC, und die beiden Ärztlichen Leiter der Bucher Charité-Kliniken, Prof. Bernd
Dörken (Robert-Rössle-Krebs-Klinik) und Prof. Rainer Dietz
(Franz-Volhard-Klinik für Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Die Personalräte der
Bucher-Charité-Kliniken und des MDC, Helga Grunau und Marion Bimmler, sprachen
sich zudem ausdrücklich gegen betriebsbedingte Kündigungen aus. „Wir sind
bereit, uns an Sparmaßnahmen zu beteiligen“, sagten die Wissenschaftler und
Kliniker. „Wir haben auf dieser Basis ein Konzept vorgelegt, das, wie vom
Wissenschaftsrat empfohlen, 150 universitäre Betten für die Rössle- und
Volhard-Klinik vorsieht. Das setzt aber einen zügigen Abschluss des
Ausschreibungsverfahrens für den geplanten Neubau des Städtischen Klinikums
Buch voraus sowie die Festlegung auf einen Träger. Hier ist die Politik
gefordert.“ Mit dem Träger könnten dann eine langfristige Struktur mit
universitärer Forschung vereinbart und auch die notwendigen Sparmaßnahmen
realisiert werden.
Die Wissenschaftler, Kliniker und Personalräte reagierten damit auf die von der Senatsverwaltung für Gesundheit vorgelegten Vorschläge, noch in diesem Jahr in den universitären Spezialkliniken in Berlin-Buch 165 Betten abzubauen. Prof. Ganten, Prof. Dörken und Prof. Dietz wandten sich erneut dagegen, die gesamte Einsparsumme von 60 Millionen Mark ausschließlich in Buch „zu exekutieren“. „Die Vorstellung, in Buch sofort eine Abstrukturierung im Umfang der verlangten Sparsumme von 60 Millionen Mark vorzunehmen, ist destruktiv und daher nicht akzeptabel“, betonten sie. Für Berlin stelle sich die Frage, ob es weiter auf zukunftsträchtige Arbeitsplätze in der Genomforschung und Biotechnologie setze, oder ob es dieses Feld anderen in der Bundesrepublik überlassen wolle.
Sie wiesen zudem darauf hin, dass alle Kliniken in Berlin-Buch in den vergangenen Jahren einen „erheblichen Sparbeitrag“ geleistet haben. So wurden die ursprünglich in Berlin-Buch vorhandenen über 5 000 Betten auf 1 000 gekürzt. Außerdem könne der Senat, da der Anteil von AOK-Patienten in den Bucher Universitätskliniken lediglich 17 Prozent betrage, von einer sofortigen Bettenkürzung „nur geringfügig profitieren“.
Darüber hinaus würde diese Maßnahme den sofortigen Abbruch laufender Drittmittel-finanzierter Forschungsprojekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des Bundesforschungsministeriums (BMBF), der Deutschen Krebshilfe sowie der Europäischen Union (EU) bedeuten. Zugleich verlören die Klinikforscher die Möglichkeit, Drittmittel einzuwerben. Darüber hinaus würde das MDC-Ausbildungsprogramm für junge Ärztinnen und Ärzte in der Grundlagenforschung zerschlagen. Des weiteren wären wichtige Forschungsprojekte gefährdet, vor allem im Bereich der Genomforschung und der Gentherapie, die MDC und Kliniken gemeinsam mit der Firma Schering zur Zeit mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 10 Millionen Mark aufbauen. Die kurzfristige Reduzierung der universitären Betten würde zugleich die Geschäftsgrundlage zwischen Bund und Land in Frage stellen, was eine einseitige Kündigung der geltenden Kooperationsverträge bedeute.
Barbara Bachtler
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