Nr. 33/26. Oktober 2000
S p e r r f r i s t: Donnerstag, den 26. Oktober 2000, 17.00 Uhr
Amerikanische Biochemikerin erhält Max-Delbrück-Medaille
Die amerikanische Biochemikerin Prof. Joan Argetsinger Steitz
von der Yale Universität in New Haven/Connecticut (USA) ist als erste Frau
(Donnerstag, 26. Oktober 2000) mit der Max-Delbrück-Medaille geehrt worden. Mit
ihren Forschungen trug Prof. Steitz erheblich zur Aufklärung des grundlegenden
Mechanismusses bei, wie die in den Genen enthaltene Erbinformation DNA in
Proteine, die Bau- und Betriebsstoffe des Lebens, übersetzt werden. Eine
entscheidende Rolle spielt dabei die Ribonukleinsäure (RNA), die eng mit der
DNA verwandt ist.
Prof. Steitz begann vor rund 30 Jahren über die Struktur und Funktion der RNA zu arbeiten. 1979 entdeckte die Biochemikerin kleine RNA-Bestandteile, kurz “Snurps” genannt (von “snRNP`s” für small nuclear ribonucleoproteins). Sie stellte fest, dass “Snurps” verschiedene lebensnotwendige Funktionen in der Zelle erfüllen. Zum einen steuern sie das An – und Abschalten von Genen, und damit auch, wann die “Produktion” der Proteine beginnt, bzw. gestoppt wird. Zum anderen sind “Snurps” dafür verantwortlich, dass nur nützliche DNA-Informationen für die Proteinproduktion eingesetzt werden. Die Forschungen von Prof. Steitz trugen unter anderem dazu bei, die Diagnose rheumatischer Erkrankungen zu verbessern.
Prof. Steitz wurde1941 in Minneapolis/Minnesota USA geboren. Sie studierte Chemie am Antioch College in Yellow Springs/Ohio. Ihre weitere Ausbildung machte sie bei den beiden Entdeckern der DNA, den Nobelpreisträgern James Watson und Francis Crick. Als Doktorandin arbeitete sie bei Watson, damals an der Harvard Universität in Cambridge/Massachusetts/USA. Nach ihrer Promotion 1967 ging sie in das Labor von Crick, damals an der Universität Cambridge/Großbritannien. 1970 kehrte sie in die USA zurück an die Yale Universität, wo sie 1978 einen Lehrstuhl erhielt.
Für ihre Forschungen erhielt Prof. Steitz in den USA zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1994 den erstmals vergebenen Weizmann-Preis für Frauen in der Wissenschaft und 1989, als erste Frau, den Warren Trienniel Preis, den sie mit Prof. Thomas R. Cech teilte, der im gleichen Jahr den Chemienobelpreis erhalten hatte.
Die Max-Delbrück-Medaille wird seit 1992 jährlich an einen herausragenden Wissenschaftler verliehen. Sie wird im Rahmen der “Berlin Lectures on Molecular Medicine” überreicht, die das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gemeinsam mit anderen Berliner Forschungseinrichtungen und der Schering Forschungsgesellschaft veranstaltet.
Im vergangenen Jahr hatte Nobelpreisträger Paul Berg (Stanford Universität/Kalifornien) die Max-Delbrück-Medaille erhalten. Der erste Berlin-Lecturer war Prof. Günter Blobel von der Rockefeller Universität New York, Medizinnobelpreisträger von 1999. Es folgten der Genetiker Prof. Sydney Brenner von der Universität Cambridge/Großbritannien, der Neurobiologe Jean-Pierre Changeux vom Pasteur-Institut in Paris, der Krebsforscher Prof. Robert A. Weinberg vom Whitehead Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/USA, der Prionenforscher Prof. Charles Weissmann von der Universität Zürich sowie der Genforscher Prof. Svante Pääbo (Ludwig-Maximilians-Universität München (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig).
Barbara Bachtler
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