Nr. 34/1. November 2000
S p e r r f r i s t: Mittwoch, 1. November 2000, 17.00 Uhr
Bluthochdruck in der Schwangerschaft
Junger Mediziner erhält Jan-Brod-Preis
Für seine Forschungen über Bluthochdruck in der
Schwangerschaft, einer schweren Komplikation für die werdende Mutter und ihr
Kind, hat Dr. Ralf Dechend vom Universitätsklinikum Charité der
Humboldt-Universität, Franz-Volhard-Klinik, Campus Berlin-Buch, den
Jan-Brod-Preis erhalten. Die mit 10 000 Mark dotierte Auszeichnung wurde dem
jungen Arzt am Mittwoch, den 1. November 2000, in Hannover von der Gesellschaft
der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover e.V in der niedersächsischen
Landeshauptstadt überreicht.
Bluthochdruck ist die Hauptursache für mütterliche und kindliche Sterblichkeit und Komplikationen während der Schwangerschaft. Er kann die Reifung des Kindes beeinträchtigen und eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft erforderlich machen. Er geht einher mit einer Nierenschädigung, vermehrter Eiweißausscheidung im Urin und Ödemen. Die Ursachen für diese in der Fachsprache als Präeklampsie oder Gestose (lat. gestare – tragen) bezeichnete Erkrankung sind noch unklar.
Im Blut von Schwangeren mit Präeklampsie entdeckten Dr. Dechend, Prof. Friedrich Luft, Priv.-Doz. Volker Homuth (Franz-Volhard-Klinik und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch), Prof. Hermann Haller (MHH) und Dr. Gerd Wallukat (MDC) Abwehrzellen des Immunsystem, die den eigenen Körper angreifen, sogenannte Autoantikörper. Die Autoantikörper binden an den Rezeptor für Angiotensin II, einem Hormon, das für die Steuerung des Blutdrucks mitverantwortlich ist. Dadurch wird der Rezeptor, in der Fachsprache AT1 genannt, aktiviert, was zur Steigerung des Blutdrucks führen kann. Unklar ist, wodurch die Bildung der Autoantikörper hervorgerufen wird. Sie kommen im Blut von gesunden Schwangeren nicht vor.
In weiteren Forschungsarbeiten soll jetzt untersucht werden, ob der Autoantikörper tatsächlich den schwangerschaftsspezifschen Bluthochdruck auslöst. Ziel ist die Entwicklung einer Therapie. Vorstellbar wäre, so die Kliniker, die Antikörper durch spezifische Auswaschverfahren aus dem Blut zu entfernen. Damit könnten möglicherweise eine Schwangerschaft verlängert und die Überlebenschancen des Kindes erhöht werden.
Dr. Dechend studierte von 1986 - 1993 an der MHH Medizin. Von 1995-1998 arbeitete er mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im MDC. Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Rainer Dietz, Kardiologe und Ärztlicher Leiter der Franz-Volhard-Klinik. Erst kürzlich hatte Dr. Dechend in Wien für seine Arbeiten den “Research Prize ´Update in Thrombolysis´” erhalten. Seine Kollegen hatten für ihre Arbeiten zum Bluthochdruck in der Schwangerschaft im vergangenen Jahr den Galenus-von-Pergamon-Preis erhalten.
Der jetzt in Hannover verliehene Preis ist nach dem tschechischen Nierenspezialisten Jan Brod (1912 - 1985) benannt, der ab 1969 an der MHH die Abteilung für Nierenheilkunde (Nephrologie) aufgebaut hatte. Zugleich hatte er zur verbesserten Versorgung chronisch nierenkranker Patienten in Schwerpunktzentren in Niedersachsen beigetragen.
Barbara Bachtler
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