Nr. 36/21. November 2000
Erstes transeuropäisches Kompetenznetzwerk für Telemedizin
14 Kliniken in sechs Ländern beteiligt - Forschungsgruppe OP 2000 aus Berlin-Buch stellt System auf der Fachmesse Medica in Düsseldorf vor
Zur Verbesserung der Diagnose und Behandlung von Krebs hat
jetzt die Forschungsgruppe OP 2000 der Robert-Rössle-Krebs-Klinik (Charité der
Berliner Humboldt-Universität, Campus Berlin-Buch) das erste funktionsfähige
transeuropäische Kompetenznetzwerk für Telemedizin eingerichtet. Über Satellit
verbindet es 14 Kliniken in sechs Ländern: Bulgarien, Deutschland, Frankreich,
Griechenland, Italien und Tunesien. Eingesetzt werden dabei Laser-, Video-,
Kommunikations- und Computertechnologien. Dieses System wird jetzt auf der medizinischen
Fachmesse Medica in Düsseldorf vom 22. - 25. November 2000 (Medica, Halle
14E29) vorgestellt.
Das Netzwerk ist Bestandteil des Projekts GALENOS (Generic Advanced Low-cost trans-European Network Over Satellite) der Europäischen Union (EU). GALENOS unterstützt auf der Basis einer einheitlichen und kostengünstigen Technologie eine Reihe von telemedizinischen Leistungen, zum Beispiel den offline Zugriff auf archivierte Daten sowie die interaktive online Telekonsultation von Spezialisten. Dazu wurde für GALENOS der WinVicos (Wavelet based interactive Video communication system) Modul entwickelt. Diese Technologie ermöglicht die gleichzeitige interaktive Übertragung von Video-, Audio- und Standbildern.
Die Telemedizin erlaubt eine enge Zusammenarbeit von Spezialisten über große Entfernungen hinweg und ermöglicht die Übertragung von Daten in hoher Qualität. Dazu gehören zum Beispiel Patientendaten von Untersuchungen mit Computertomographie (CT) und Magnetresonanz-Tomographie (MRT), Röntgenbilder, Videosequenzen von Untersuchungen mit Ultraschall, Endoskop und Laparoskop sowie online Übertragungen von Operationen.
Am Zielort können die Daten als dreidimensionale Ansichten von Organen, Blutgefäßen, Knochen etc. auf speziellen Monitoren sichtbar gemacht werden. So kann ein im OP 2000 tätiger Chirurg während der Operation einen oder mehrere externe Spezialisten über digitale Live-Video-Übertragungen via Satellit oder Hochgeschwindigkeits-Datenautobahnen (ATM) konsultieren und so die medizinische Behandlung und Betreuung verbessern.
Diese neuen Technologien verändern und optimieren auch die Aus-, Weiter- und Fortbildung. Bislang war für angehende Ärzte das “training on the job” die einzige Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Im OP 2000 hingegen kann ein Operationsteam die Durchführung hochpräziser chirurgischer Eingriffe mit Hilfe von verschiedenen Simulationstechniken sehen, lernen und trainieren.
Die Forschungsgruppe OP 2000 ist seit 1993 unter Leitung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter M. Schlag (Direktor der Klinik für Chirurgie und Chirurgische Onkologie der Robert-Rössle-Klinik) und der wissenschaftlichen Koordination von Dr. rer. nat. Georgi Graschew vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch auf dem Campus Berlin-Buch tätig. Das Projekt OP 2000 wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der EU, mehreren Industriepartnern und Organisationen unterstützt.
Dr. Georgi Graschew
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch/Robert-Rössle-Klinik
(Charité der Humboldt-Universität zu Berlin, Campus Berlin-Buch)
Lindenberger Weg 80;
13125 Berlin
e-mail: graschew@mdc-berlin.de;

