Nr. 8/17. Mai 2001
S p e r r f r i s t: Donnerstag, 17. Mai 2001, 23.00 Uhr
Haut und Haare
MDC-Forscher entdecken Steuerungsmechanismus für Stammzellen
Neue Einblicke in die Entwicklung von Haut und Haaren haben
Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
gewonnen. Dr. Joerg Huelsken und Prof. Walter Birchmeier konnten nachweisen,
wie Stammzellen der Haut gesteuert werden. Diese Hautstammzellen tragen dafür
Sorge, dass sich sowohl Hautzellen als auch Haarfollikel bilden. Gesteuert
werden die beiden verschiedenen Entwicklungsprogramme von einem Signalmolekül,
dem Beta-Catenin. Die Ergebnisse von Dr. Huelsken, Regina Vogel, Dr. Bettina
Erdmann, Dr. George Cotsarelis (University
of Pennsylvania, Philadelphia, USA) und Prof. Birchmeier hat jetzt das
renommierte amerikanische Fachblatt Cell (Vol 105, Nr. 4, pp. 533 – 545*)
veröffentlicht.
Seit einiger Zeit schon hatten Forscher vermutet, dass Beta-Catenin in irgendeiner Weise in die Haut- und Haarbildung eingebunden sein muss. Völlig unbekannt war jedoch, in welchen Zellen und auf welche Weise dieses Molekül wirkt. Auf die Spur brachten die MDC-Forscher Mäuse, die kein Beta-Catenin bildeten. Dr. Huelsken hatte dazu das Gen für Beta-Catenin in der Haut der Mäuse spezifisch ausgeschaltet, in der Fachsprache konditionaler knock-out genannt. Diese Mäuse verlieren zwischen dem 20. und 30. Tag nach der Geburt ihr Haarkleid. Haarfollikel bilden sich bei ihnen danach nicht mehr. Stattdessen entstehen in der Haut Zysten, die normalerweise bei den Mäusen nicht auftreten, und die von Oberhautzellen ausgekleidet sind. Die Zysten gehen aus fehlgeleiteten Stammzellen der Haut hervor, die ihre Fähigkeit, Haarfollikelzellen zu bilden, verloren haben. Dr. Huelsken konnte mit seinen Forschungen zweierlei zeigen: 1. Stammzellen der Haut benötigen Beta-Catenin, um Haarfollikel bilden zu können. 2. Fehlt Beta-Catenin, bilden sich zwar Hautzellen, aber keine Haare.
Beta-Catenin gehört zu einer Gruppe von Molekülen, die in den vergangenen Jahren entdeckt worden sind. Die Forschungsgruppe von Prof. Birchmeier erforscht diese Moleküle seit zehn Jahren intensiv. Beta-Catenin sorgt dafür, dass Informationen von der Zelloberfläche in die Schaltzentrale der Zelle, den Zellkern, gelangen. Dort sitzt die Erbinformation DNA mit ihren Informationseinheiten, den Genen, die die Lebensprozesse steuern. Diese Signalmoleküle sind eingebunden in komplizierte Signalwege, die die Embryonalentwicklung steuern und die bei der Tumorentstehung gestört sind. Dass Beta-Catenin jetzt auch Stammzellen steuern kann, ist neu. Möglicherweise eröffnen sich für Stammzellforscher daraus neue Möglichkeiten, die Funktion von Stammzellen näher zu erforschen. Wissenschaft und Medizin erhoffen sich von dem Einsatz von Stammzellen neue Wege für die Behandlung schwerer Erkrankungen. Umstritten ist der Einsatz so genannter embryonaler Stammzellen, um die zur Zeit in der Öffentlichkeit eine heftige Diskussion entbrannt ist.
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ӧ-Catenin controls hair follicle morphogenisis and stem cell differentiation
in the skin” Joerg Huelsken, Regina Vogel, Bettina
Erdmann, George Cotsarelis‡, Walter Birchmeier Max Delbrück Center for Molecular Medicine
(MDC) Berlin-Buch, Germany, ‡Department of Dermatology, University of
Pennsylvania , Philadelphia, USA
Barbara Bachtler
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