Nr. 31/19. Dezember 2001
Das Yin und Yang von Berührung und Schmerz
Forscher entdecken Ionen-Kanal, der für beide Sinne zuständig ist
Die beiden vermeintlich so unterschiedlichen Empfindungen wie
Berührung und Schmerz haben biologisch gesehen eines gemeinsam: Sie teilen sich
auf bestimmten sensorischen Nervenzellen (Neuronen) denselben Ionenkanal. Das
hat jetzt die Forschungsgruppe von Dr. Gary Lewin vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch zusammen mit Dr. Michael Welsh von der
Universität von Iowa in Iowa City (USA) herausgefunden. Damit haben sie zum
ersten Mal die unterschiedlichen Funktionen dieses Ionenkanals nachweisen
können. Ihre Forschungsarbeit ist jetzt in dem Fachblatt Neuron (Vol. 32, Nr.
6, pp. 1071-1083, 19. Dezember 2001)* erschienen. Die Forscher vermuten, dass
dieser Ionenkanal künftig für die Schmerzbehandlung von großer Bedeutung sein
könnte. Allerdings ist noch unklar, wie genau die Unterscheidung von Berührung
und Schmerz erfolgt. Offenbar hat der Ionenkanal noch weitere Mitspieler, die
die Forscher jetzt herausfinden wollen.
Einladung
9. Januar 2002 - 28. Februar 2002
Eröffnung: Mittwoch, 9. Januar 2002, 14.00 Uhr
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
MDC.C Communications Center
Nr. 29/12. Dezember 2001
Verpackungskunstwerk DNS
Bevor Gene abgelesen werden können, müssen sie ausgepackt werden
Die Frage, wie die Zellen eines Organismus werden, was sie
sind, zählt zu den derzeit aufregendsten Forschungsgebieten der Biologie. Wie
reifen Zellen, die alle die gleiche genetische Information besitzen, zu
Spezialisten mit definierten Aufgabengebieten heran, die beispielsweise als
Muskel-, Nerven-, Blut- oder Fettzellen hocheffizient ihren Dienst tun.
Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch haben zusammen mit Forschern des Universitätshospitals Kopenhagen
(Dänemark) einen grundlegenden Mechanismus erkannt, der erklärt, auf welche
Weise bestimmte Erbanlagen angeschaltet werden. Offenbar gilt es, die Gene
gezielt “auszupacken”. Die Forschungsarbeit von Dr. Askov Pedersen, Dr.
Elisabeth Kowenz-Leutz, Dr. Achim Leutz und Dr. Claus Nerlow ist jetzt in der
Fachzeitschrift “Genes & Development” (Vol 15, pp 3208-3216) * erschienen. Den
Weg zu dieser Erkenntnis hatten Dr. Kowenz-Leutz und Dr. Leutz bereits vor
einigen Jahren mit ihren bahnbrechenden Arbeiten über die Aktivierung von Genen
im blutbildenden System vorgezeichnet.
Nr. 28/5. Dezember 2001
Genomforscher Eric Lander erhält Max-Delbrück-Medaille
Der amerikanische Genomforscher Prof. Eric Lander vom
Whitehead Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in
Cambridge/USA hat am Mittwoch, den 5. Dezember 2001, die Max-Delbrück-Medaille
erhalten. Prof. Lander gilt als Wissenschaftler, der entscheidend zu der
“Revolution in der Genomforschung” beigetragen hat. Mit seinen Mitarbeitern
entwickelte er viele der heute in der Genomforschung eingesetzten Methoden und
Techniken. Dazu gehören so genannte Genomkarten zur Kartierung von Genen im
Genom sowie neuartige Automatisierungstechniken für die Genanalyse. Die
Auszeichnung wurde Prof. Lander im neuen Kommunikationszentrum des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, dem MDC.C Communications
Center, überreicht.
Nr. 27 /1. Dezember 2001
Von der Hydra bis zum Menschen
Metalloproteasen - eine Enzym-Familie und ihre Verbindung zur Tumorentstehung und Metastasierung
Vor einigen Jahren haben Forscher eine Familie von mehr als 25
Enzymen entdeckt, die viele grundlegende biologische Prozesse steuern und in
nahezu jeder Spezies vorhanden sind, von der Hydra (Süßwasserpolypen) bis zum
Menschen. Diese Enzyme, Metalloproteasen genannt, spielen jedoch auch eine
entscheidende Rolle bei der Entstehung von Tumoren und der Ausbreitung von
Tochtergeschwülsten (Metastasen). In den vergangenen Jahren gab es verstärkt
Hoffnungen, die Aggressivität der Metalloproteasen durch Hemmstoffe
(Inhibitoren) zu unterbinden. ”Die in Tierversuchen und in klinischen Studien
erzielten Ergebnisse waren jedoch enttäuschend”, sagte Prof. Zena Werb
(Universität von Kalifornien, San Francisco, USA) auf einem internationalen
Kongress des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) über
“Zellwanderung in der Entwicklung von Organismen und bei der Entstehung von
Krankheiten” in Berlin-Buch.
Nr. 26/ 30. November 2001
Neue Erkenntnisse über Morbus Hodgkin
Botenstoffe locken bösartige Zellen in bestimmte Regionen von Lymphknoten
Botenstoffe des Immunsystems, die normalerweise für den
gezielten Einsatz von Abwehrzellen sorgen, weisen offenbar auch bösartigen
Zellen ihren Platz für die Ansiedlung im Organismus zu. Diese neue Erkenntnis
über das Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Erkrankung, welche die Lymphknoten
befällt, stellte PD Dr. Martin Lipp (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin, MDC, Berlin-Buch) jetzt auf einem internationalen Kongress des MDC
über “Zellwanderung in der Entwicklung von Organismen und bei der Entstehung
von Krankheiten” in Berlin vor. Er konnte zeigen, dass sich die Hodgkin-Zellen
nur in bestimmten Regionen von Lymphknoten, den so genannten T-Zell-Zonen,
ansiedeln.
Nr. 25/29. November 2001
Vorfühlen - Wie Zellen ihren Weg finden
Zellen müssen in der Lage sein, miteinander zu kommunizieren,
um sich abzustimmen und auf ihre Umgebung reagieren zu können. Nur dann sind
sie in der Lage sich zu entwickeln, zu wandern, Bakterien und Viren zu
erkennen, Nervenverbindungen und Blutgefässe aufzubauen. Diese Prozesse sind
zum Beispiel für die Entwickung von Embryonen, für die Funktion des
Immunsystems, für die Wundheilung, die Entwicklung des Nervensystems und die
Blutgefäßbildung von Bedeutung. Ausgelöst werden sie von außerzellulären
chemischen Lockstoffen (Chemoattraktans). Zellen können diesen Lockstoffen
zielgerichtet folgen, was die
Fachsprache als Chemotaxis bezeichnet. Wie sie das bewerkstelligen?
“Alle lebenden Zellen können ihre Umgebung erfühlen", sagte Prof. Peter
Devreotes, Zellbiologe an der Johns Hopkins University in Baltimore (USA) auf
einem internationalen Kongress des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch über “Zellwanderung in der Entwicklung von Organismen und bei
der Entstehung von Krankheiten” in Berlin am Donnerstag, den 29. November 2001.
Nr. 24 / 27. November 2001
Vergabe des Deutschen Zukunftspreises 2001 durch Bundespräsident Johannes Rau im neuen Kommunikationszentrum des MDC
Mit der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises durch
Bundespräsident Johannes Rau am Donnerstag, den 29. November 2001, wird das
neue Kommunikationszentrum des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) in Berlin Buch erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Nr. 23/25. November 2001
Nierenspezialist Prof. Friedrich Luft erhält Lingen-Preis
Mit 100.000 Mark dotiert
Für seine “herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der
Pathophysiologie, Klinik und Therapie der Nieren- und Gefäßerkrankungen” hat
der Berliner Nieren- und Bluthochdruckspezialist Prof. Friedrich Luft am 30.
November 2001 den mit 100.000 Mark dotierten Preis der Helmut und Ruth-Lingen
Stiftung (Köln) erhalten. Prof. Luft ist Nephrologe an der Franz-Volhard-Klinik
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin
und leitet darüber hinaus eine Forschungsgruppe am Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Mit dem Preisgeld will Prof. Luft junge
Wissenschaftler fördern. Der Internist Prof. Wilhelm Krone (Universität Köln)
wurde für “herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Biochemie, Klinik und
Therapie der Störungen des Lipidstoffwechsels und der Arteriosklerose”
ausgezeichnet und erhielt ebenfalls 100.000 Mark.
Einladung
Verleihung Max-Delbrück-Medaille
Mittwoch, 5. Dezember 2001
Nr. 21/8. November 2001
Cholesterin lässt Nervenzellen Kontakte knüpfen
Möglicherweise neue Perspektiven für künftige Behandlung von Hirnverletzungen und Hirnfunktionsstörungen
Cholesterin ist einer der Faktoren, der dafür sorgt, dass
Nervenzellen (Neurone) miteinander in Kontakt kommen und elektrische Signale
austauschen. Diese Entdeckung, die für die Funktion des Nervensystems von
entscheidender Bedeutung ist, haben Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums
für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch mit einer gemeinsamen
Nachwuchsgruppe der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und des Centre National de la
Recherche Scientifique (CNRS) am Centre de Neurochimie in Strasbourg/Frankreich
gemacht. Die Forschungsergebnisse der
Neurobiologen Daniela Mauch und Dr. Frank Pfrieger hat jetzt das renommierte
amerikanische Wissenschaftsmagazin Science* (Vol. 294, Nr. 5545, pp. 1354-1357)
veröffentlicht. Cholesterin wird von Gliazellen gebildet, die einen Großteil des Hirngewebes ausmachen und
seine Entwicklung und Funktion in vielfältiger Weise unterstützen. Die
Ergebnisse der Forscher werfen ein völlig neues Licht auf die Rolle von
Cholesterin. Sie deuten darauf hin, dass der Cholesterin-Stoffwechsel im
Zentralnervensystem (ZNS) die Gehirnentwicklung sowie dessen Lern- und
Erinnerungsfähigkeit beeinflusst. Sie liefern auch neue Ansatzpunkte für die
neurobiologische Forschung und für die Entwicklung von Strategien zum Beispiel
zur Behandlung von Rückenmarksverletzungen oder krankheitsbedingten Störungen
der Hirnfunktion, wie etwa der Alzheimer Krankheit.
Einladung
International Conference
“Cell Migration in Development and Disease”
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Donnerstag, 29. November - Samstag, 1. Dezember, 2001, Berlin
Nr.19 /27. Oktober 2001
Adipositas – Eine weltweite Epidemie
“Gewichtige” Folgen westlichen, urbanen Lebensstils
Weltweit sind zur Zeit rund 250 Millionen Menschen
übergewichtig oder zu dick. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf
schätzt, dass sich diese Zahl bis 2025 auf 300 Millionen erhöht haben wird.
“Heute ist die Adipositas (Fettsucht) zu einer weltweiten Epidemie geworden”,
sagte Prof. Dr. Jaap Seidell von der Abteilung Epidemiologie chronischer
Erkrankungen des Niederländischen Instituts für Public Health und
Umweltforschung, Bilthoven, Niederlande am Samstag, den 27. Oktober beim “2.
Internationalen Symposium über Adipositas und Bluthochdruck” im
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. “Am meisten
macht sich der Anstieg in den Ländern Asiens und Lateinamerikas bemerkbar,
deren Volkswirtschaften wachsen”. Der niederländische Epidemiologe bezog sich
dabei auf einen Bericht der WHO, die den Hauptgrund für diese Entwicklung in
der Übernahme des westlichen Lebensstils, verbunden mit energiereicher
Ernährung sowie Mangel an Bewegung.
Nr. 18/26. Oktober 2001
Ein Glas Wasser
Rat für Patienten mit Blutdruckabfall im Stehen
“Wenn Sie merken, dass Ihr Blutdruck stark abfällt, trinken
Sie ein großes Glas Wasser”. Diesen Rat geben Ärzte ihren Patienten, die nach
dem Aufstehen, nach längerem Stehen oder nach dem Essen Gefahr laufen,
ohnmächtig zu werden. Diese Patienten haben eine so genannte orthostatische
Hypotonie. (Orthostase: aufrechte Körperhaltung; Hypotonie: niedriger
Blutdruck). Im Liegen haben sie meist einen normalen oder auch einen erhöhten
Blutdruck. Sobald sie stehen, fällt ihr Blutdruck stark ab. Bei ihnen ist die
Blutdruckregulation gestört. Wasser verengt offenbar die Blutgefäße, wodurch
der Blutdruck steigt. Wie Dr. Jens Jordan (Franz-Volhard-Klinik für
Herz-Kreislauferkrankungen, Charité der
Humboldt-Universität zu Berlin-Buch) auf dem 2. Internationalen
Symposium über Adipositas und Bluthochdruck im Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch jetzt berichtete, haben diese Beobachtungen
im Rahmen von klinischen Studien dazu geführt, dass die Patienten zum Teil
weniger Medikamente gegen ihren niedrigen Blutdruck benötigten. Weiter habe
sich gezeigt, dass ein Glas Wasser die Wirkung von blutdrucksteigernden
Medikamenten verstärken könne. Diese Präparate müssten deshalb besonders
vorsichtig dosiert werden.
Nr. 17/25. Oktober 2001
Wie Abnehmen und wie Gewicht halten?
Schlagen Gene uns ein Schnippchen?
Manche Menschen können essen, soviel sie wollen und nehmen
nicht zu. Umgekehrt schlägt eine Diät nicht bei allen, die ihre überflüssigen
Pfunde loswerden wollen oder aus gesundheitlichen Gründen loswerden müssen,
gleich gut an. “Warum das so ist, ist noch wenig verstanden, aber man muss
dabei sicher genetische Faktoren berücksichtigen”, sagte Prof. Vojtech Hainer
vom Adipositas-Therapiezentrum der Karls-Universität in Prag (Tschechische
Republik) beim “2. Internationalen Symposium über Adipositas und Bluthochdruck”
vor der Presse am 25. Oktober 2001 im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch. Wissenschaftler und Kliniker, die sich mit dem
Krankheitsbild der Adipositas (Fettsucht) befassen, versuchen die Rolle der Gene bei diesen
Stoffwechselprozessen zu erhellen, zum Beispiel mit Zwillingsstudien. Zwillinge
haben gleiche oder sehr ähnliche Erbanlagen, je nachdem ob sie eineiig oder
zweieiig sind. Eine Studie mit eineiigen weiblichen Zwillingen in Prag ergab,
dass die Gewichtsabnahme in der gesamten Gruppe um mehrere Kilogramm sehr stark
variierte von fast sechs Kilogramm (kg) bis 12,4 kg. Unter den eineiigen
Zwillingsgeschwistern jedoch war die Gewichtsabnahme nahezu gleich verteilt.
“Das zeigt, dass genetische Faktoren in der Tat beim Abnehmen eine Rolle
spielen”, betonte Prof. Hainer. “Möglicherweise können wir in Zukunft aufgrund
dieser Erkenntnisse die Adipositas besser behandeln, als das jetzt der Fall
ist”, sagte Prof. Hainer, der auch Vorsitzender der Tschechischen Adipositas
Gesellschaft ist.
Nr. 16/25. Oktober 2001
Adipositas – Forscher auf der Suche nach Genen
Genetische Ausstattung des Menschen für moderne Lebensweise nicht geschaffen - Gegen Stigmatisierung adipöser Menschen
Das genetische Programm, das unseren Vorfahren in der
Steinzeit das Überleben gesichert hat, ist für den modernen Homo sapiens
offenbar weniger von Vorteil. Konnten die Jäger und Sammler von den in guten
Zeiten angegessenen Fettpolstern in Hungerszeiten zehren, haben die Menschen
heute in der Regel jeden Tag genug zu essen und müssen nicht hungern.
Verbesserte Lebensbedingungen mit zu fettem Essen und mangelnder Bewegung haben
in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass Millionen von Menschen in den
westlichen Industrienationen aber auch in einigen Schwellenländern zu dick oder
sogar adipös (fettsüchtig) sind. Zunehmend sind auch Kinder und Jugendliche
übergewichtig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung geht davon aus, dass
etwa jedes 6. Kind im Einschulalter in der Bundesrepublik zu dick ist. Doch
sind zum Teil, so Prof. Johannes Hebebrand, Kinder- und Jugendpyschiater sowie
Biowissenschaftler an der Universität Marburg, die Gene mit an dieser
Entwicklung schuld. “Die genetische Ausstattung des Menschen ist für die
moderne Lebensweise nicht geschaffen. Das heißt, Adipositas ist auch genetisch
bedingt. Darauf deuten Studien mit Tausenden von Zwillingen, Adoptivkindern und
Familien hin”, sagte er in einer Pressekonferenz am 25. Oktober 2001 im Rahmen
des 2. Internationalen Symposiums über Adipositas (Fettsucht) und Bluthochdruck
im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC-Berlin-Buch).
Nr. 15./25. Oktober 2001
Abnehmen senkt Risiko für Folgekrankheiten von Fettsucht
Fettzellen regulieren Blutdruck - Wie wirksam sind Medikamente gegen Bluthochdruck und Diabetes?
Fettsucht (Adipositas) und ihre Folgeerkrankungen
Bluthochdruck und Typ 2 Diabetes schädigen die Blutgefäße, das Herz und die
Nieren. Viele adipöse Menschen entwickeln deshalb Herzgefäßerkrankungen, die
häufig einen Herzinfarkt oder Schlaganfall nach sich ziehen. “Der einzige Weg,
diese Folgen zu verhindern, ist abzunehmen. Doch wer jemals versucht hat,
schlanker zu werden, weiss, dass das kein Zuckerschlecken ist. Zumeist ist der
Erfolg auch nicht von Dauer. Dem Patienten allein die Schuld für den mangelnden
Erfolg zu geben, ist jedoch in der Regel zu einfach.” Das sagte Prof. Arya
Sharma, Internist und Nephrologe (Franz-Volhard-Klinik der Charité,
Humboldt-Universität zu Berlin, Campus Berlin-Buch) vor der Presse beim “2.
Internationalen Symposium über Adipositas und Bluthochdruck” am 25. Oktober
2001 im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Er
verwies in diesem Zusammenhang auf neueste Forschungserkenntnisse über die
Bedeutung von genetischen Faktoren für die Regulation des Körpergewichts.
Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Fettzellen selbst zu der Entstehung
von Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen beitragen können. Zudem erschwert offenbar auch die medikamentöse
Behandlung des Bluthochdrucks und des Diabetes oft das Abnehmen. Prof. Sharma
sprach die Hoffnung aus, dass auf der Basis dieser Erkenntnisse neue Strategien
sowie neuere und wirksamere Medikamnete zur Vermeidung von Adipositas und ihren
Folgen entwickelt werden können.
Nr. 14 /25. Oktober 2001
Adipositas – ein “gewichtiges” Gesundheitsproblem
Jährlich rund 35 Milliarden Mark Folgekosten in der Bundesrepuplik - Internationales Symposium im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch
Eines der größten Gesundheitsrisiken moderner Gesellschaften
ist die Fettsucht oder Adipositas. Menschen mit Übergewicht und Adipositas sind
anfällig für Herzerkrankungen, Bluthochdruck (Hypertonie), für Typ 2 Diabetes,
Arthritis, Brustkrebs und eine Vielzahl anderer Folgeerkrankungen. Die direkten
Folgekosten der Adipositas belaufen sich allein in der Bundesrepublik nach
Schätzungen auf jährlich 30 - 35 Milliarden Mark. Das entspricht etwa sieben
bis acht Prozent der Gesamtkosten im Gesundheitssystem. Darauf hat Prof. Arya
Sharma (Franz-Volhard-Klinik der Charité, Humboldt-Universität zu Berlin,
Campus Berlin-Buch) im Vorfeld des “2. Internationalen Symposiums über
Adipositas und Bluthochdruck, Genetik und Molekulare Mechanismen” (2nd
International Symposium on Obesity and Hypertension, Genetics and Molecular
Mechanisms) hingewiesen, das am Donnerstag, den 25. Oktober im
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch eröffnet wird.
Nr. 13/27. September 2001
“Meine Gene und ich”
Berliner und Münchner Helmholtz-Zentren auf Warschauer Wissenschaftsfestival
Zwei Forschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft
Deutscher Forschungszentren e.V. aus Berlin und München nehmen erstmals in
diesem Jahr am polnischen Wissenschaftsfestival in Warschau teil. Es sind das
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch mit dem
“Gläsernen Labor” und das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit aus
Neuherberg bei München.
Einladung
2nd International Symposium on Obesity and Hypertension
Donnerstag, 25. Oktober - Samstag, 27. Oktober 2001
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Nr. 11 /9. August 2001
Molekularbiologische Höhlenforscher
Geheimnis von Einbuchtungen auf Zelloberflächen gelüftet
Vor mehr als 50 Jahren haben Wissenschaftler sie entdeckt – aber erst jetzt ist es mit Hilfe gentechnischer Methoden gelungen ein Teil ihrer Funktion zu ergründen. Die Rede ist von sogenannten Caveolae (lat. für kleine Höhlen), kleinen Einbuchtungen oder Organellen auf der Oberfläche von Zellen. Wie Dr. Marek Drab* (Franz-Volhard-Klinik der Charité Campus Berlin-Buch und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch) und Prof. Teymuras Kurzchalia (Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, Dresden) jetzt zeigen konnten, spielen diese Organellen eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Signalen in Zellen. Des Weiteren scheinen sie auch bei der Aufrechterhaltung der Lungenfunktion und des Herzkreislaufsystems eine entscheidende Rolle zu spielen. Die Arbeit der Wissenschaftler ist jetzt in dem amerikanischen Wissenschaftsmagazin Science erschienen (Published online August 9, 2001; 10.1126/science.1062688, Science Express Reports).
Nr. 10/12. Juli 2001
Bucher Krebsforscher erhält Curt-Meyer-Gedächtnispreis
Selbstmordprogramme von Zellen liefern neue Therapieansätze
Für hervorragende wissenschaftliche Leistungen in der
Krebsforschung hat Dr. Peter Daniel vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Robert-Rössle-Klinik der Charité der Humboldt
Universität zu Berlin, Campus Berlin-Buch, den mit 20 000 Mark dotierten
Curt-Meyer-Gedächtnispreis der Berliner Krebsgesellschaft erhalten. Die
Auszeichnung wurde dem Krebsforscher, der als Kliniker in der von Prof. Bernd
Dörken geleiteten Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie
und Tumorimmunologie an der Rössle-Klinik arbeitet, am 12. Juli 2001 im Rahmen
des 10. Berliner Onkologischen Sommerseminars (BOSS) verliehen. Dr. Daniel wird
damit für seine Arbeiten zum programmierten Zelltod (Apoptose) und dessen
Auswirkungen auf die Entstehung und den Verlauf von Krebserkrankungen sowie
daraus abgeleiteten neuen Therapie-Ansätzen geehrt.
Nr. 9/6. Juli 2001
Gen für schwere angeborene Hautkrankheit lokalisiert
Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums finden auf Chromosom 17 neuen Genort für die Ichthyose – Kirchenarchive enthüllten bis dato unbekannte Familienbande der Betroffenen seit dem Jahre 1679
Ein bislang unbekanntes Gen, dessen Ausfall eine schwere
angeborene Hautkrankheit, die Ichthyose, verursacht, haben Wissenschaftler des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) lokalisiert. Dr. Hans
Christian Hennies und seine Mitarbeiter in der Abteilung “Molekulare Genetik”
des Zentrums für Genkartierung des MDC
orteten den Genort auf Chromosom 17. Sie
haben dazu deutsche und türkische Familien untersucht. Dabei stellte sich
heraus, dass die deutschen Eltern der betroffenen Kinder miteinander verwandt
waren, ohne davon gewusst zu haben.
Umfangreiche Recherchen in Kirchenarchiven enthüllten, dass ihre
Vorfahren im Jahr 1679 geheiratet hatten. Die Wissenschaftler vermuten deshalb,
dass die Kinder sowohl von väterlicher als
auch mütterlicher Seite dieselbe genetische Veränderung auf Chromosom 17
geerbt haben, die zu einer Verhornung der Haut (Ichthyose von griech. Fisch)
führt. Die Forschungsarbeit hat jetzt das renommierte American Journal of Human
Genetics (Am. J. Human Genet. 69: 216 – 222, 2001*) veröffentlicht. Die genaue
Kenntnis der genetischen Ursachen des Erbleidens ist eine Voraussetzung für
eine bessere Diagnose und Therapie der Krankheit, die bisher nicht ursächlich
behandelt werden kann.
Nr. 8/17. Mai 2001
Haut und Haare
MDC-Forscher entdecken Steuerungsmechanismus für Stammzellen
Neue Einblicke in die Entwicklung von Haut und Haaren haben
Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
gewonnen. Dr. Joerg Huelsken und Prof. Walter Birchmeier konnten nachweisen,
wie Stammzellen der Haut gesteuert werden. Diese Hautstammzellen tragen dafür
Sorge, dass sich sowohl Hautzellen als auch Haarfollikel bilden. Gesteuert
werden die beiden verschiedenen Entwicklungsprogramme von einem Signalmolekül,
dem Beta-Catenin. Die Ergebnisse von Dr. Huelsken, Regina Vogel, Dr. Bettina
Erdmann, Dr. George Cotsarelis (University
of Pennsylvania, Philadelphia, USA) und Prof. Birchmeier hat jetzt das
renommierte amerikanische Fachblatt Cell (Vol 105, Nr. 4, pp. 533 – 545*)
veröffentlicht.
Nr. 7/8. Mai 2001
Bundesgesundheitsministerin besucht bundesweit einmaliges Modell für klinische Forschung in Berlin-Buch
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat am Mittwoch (8.
Mai) das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch sowie
die beiden universitären Bucher Spezialkliniken der Charité, die
Robert-Rössle-Krebs-Klinik und die Franz-Volhard Herz-Kreislauf-Klinik, sowie
das Klinikum-Buch besucht. Dabei informierte sie sich unter anderem über die
molekulare Medizin, den Einsatz adulter Blutstammzellen in der Krebstherapie
sowie über die Kooperation zwischen universitären Kliniken und
Versorgungskrankenhaus.
Nr. 6/24. April 2001
SmithKline Beecham Preis an Dr. Young-Ae Lee
Erstmals Genregion für Neurodermitis identifiziert
Der mit 25 000 Mark dotierte Preis für klinische Forschung der
SmithKline Beecham Stiftung ist in diesem Jahr an Dr. Young-Ae Lee vom
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der
Charité-Kinderklinik (mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie) der
Humboldt-Universität zu Berlin gegangen. Die Kinderärztin und Wissenschaftlerin
erhielt den Preis in Wiesbaden für ihre Forschungen über die Neurodermitis,
eine der häufigsten chronischen Krankheiten im Kindesalter. In einer
europaweiten Studie hatte sie gemeinsam mit Wissenschaftlern aus der Bundesrepublik,
Italien, Schweden und den Niederlanden erstmals eine Genregion auf Chromosom 3
identifiziert, die ein Krankheitsgen der Neurodermitis enthält.
Nr. 5/4. April 2001
Prof. Peter Langen erhielt Karl-Heinrich-Bauer-Medaille
Für seine besonderen Verdienste um die Krebsforschung hat
Prof. em. Peter Langen (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC,
Berlin-Buch) von der Deutschen Krebsgesellschaft die
Karl-Heinrich-Bauer-Medaille erhalten. Die Medaille wurde ihm im Rahmen des
Symposiums der Arbeitsgemeinschaft Experimentelle Krebsforschung (AEK) in
Heidelberg überreicht.
Nr. 4/28. März 2001
Prof. Detlev Ganten wird 60 Jahre alt
Festveranstaltung mit Bundesforschungsministerin Bulmahn und Berliner Wissenschaftssenator Stölzl
Mit einer Festveranstaltung hat das Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch Stiftungsvorstand Prof. Detlev Ganten zum
60. Geburtstag beglückwünscht. Als Gratulanten kamen auch
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, der Berliner Wissenschaftssenator Dr.
Christoph Stölzl, Prof. Joachim Treusch (Jülich) für die Helmholtz-Gemeinschaft
Deutscher Forschungszentren sowie Prof. em. Heinz Bielka, (MDC; von 1982-1991
stellvert. Direktor des Zentralinstituts für Molekularbiologie der Akademie der
Wissenschaften der DDR) und Prof. Günter Stock (Aufsichtsratmitglied der BBB
GmbH und Forschungsvorstand der Schering AG). Zwei wissenschaftliche Vorträge
von Dr. Allen W. Cowley (Medical College Wisconsin, Milwaukee/USA) über
“Functional Genomics: Examples from Cardiovascular Research” und Prof. Walter
Birchmeier (MDC) über “Moleküle der Molekularen Medizin” rundeten das Programm
ab.
Nr. 3/1. März 2001
Warum Immunzellen bei AIDS schwach sind
Bei AIDS-Patienten ist das Immunsystem zu schwach, um die
Infektion mit dem HI-Virus zu bekämpfen. Das ist schon seit Jahren bekannt.
Jetzt haben Immunologen entdeckt, weshalb bei AIDS-Patienten die Bildung einer
bestimmten Gruppe von Immunzellen, den sogenannten CD8-Gedächtniszellen,
gestört ist. Die Arbeit der Forscher von den Universitäten von Lausanne
(Schweiz), der McGill Universität in Montreal (Kanada), des John Radcliff Hospitals
Oxford (Großbritannien) und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch, ist jetzt in der neuesten Ausgabe der britischen
Fachzeitschrift Nature (Vol. 410, 1. März 2001, pp.106-111) erschienen.
Nr. 2/9. Februar 2001
Arbeitstagung mit SPD-Bundestagfraktion zur Bio- und Gentechnik auf dem Campus Berlin-Buch
“Biomedizin: wissenschaftliche, wirtschaftliche, ethische und
gesellschaftspolitische Fragen” lautet der Titel einer Arbeitstagung, die die
SPD-Bundestagsfraktion zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung am Freitag und
Sonnabend (9./10. Februar 2001) auf dem Campus Berlin-Buch veranstaltet. Ziel
dieser Arbeitstagung mit Wissenschaftlern aus der Grundlagenforschung,
klinischen Forschung und von Biotech-Firmen ist nach Angaben der Veranstalter
die “Vermittlung von Sachzusammenhängen, insbesondere politische,
forschungspolitische und rechtliche Fragen in den Bereichen prädiktive
gentechnische Diagnostik, gentechnische Therapeutik, Fortpflanzungsmedizin und
präimplantative Diagnostik, Embryonenstatus sowie Transplantationsmedizin und
Stammzellen”. An der Tagung werden den Angaben zufolge auch der
SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Peter Struck sowie Bundesforschungsministerin
Edelgard Bulmahn, teilnehmen.
Nr. 1/19. Januar 2001
Ganten fordert rasche Entscheidung für Bucher Kliniken
Campus Berlin-Buch expandiert in der Biotechnologie
Der Stiftungsvorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch, Prof. Detlev Ganten, hat das Engagement des Bundes
und des Landes Berlin für den Ausbau des Campus Berlin-Buch gewürdigt, zugleich
aber die Berliner Senatsverwaltung zu einer raschen Entscheidung für den
geplanten Neubau des Klinikums Buch und der Bucher Charité-Kliniken
aufgefordert. Auf der Neujahrsveranstaltung des MDC (Freitag, den 19. Januar
2001) wies er darauf hin, dass noch in diesem Jahr mit Mitteln von Bund, Land
und der Europäischen Union ein Kommunikationszentrum und zwei Gebäude für den
Biotechnologiepark auf dem Bucher Campus eingeweiht werden. “Die Stärke des
Campus Berlin-Buch, um die wir in der Bundesrepublik, aber auch im Ausland
beneidet werden, ist die enge Zusammenarbeit von Grundlagenforschern, klinischen
Forschern und Biotechnologieunternehmen, der Bucher Dreiklang. Das Klinikum
Buch und die beiden universitären Kliniken Robert-Rössle-Krebs-Klinik und
Franz-Volhard-Herz-Kreislauf-Klinik brauchen eine Zukunft und wir
Grundlagenforscher vom MDC und vom Forschungsinstitut für Molekulare
Pharmakologie (FMP) brauchen die Kliniken, ebenso die vielen
Biotechnologiefirmen, die gerade wegen der Kliniken noch immer auf den Campus
Berlin-Buch drängen. Nur diese enge Zusammenarbeit erlaubt es, mit Hilfe der Gen-
und Biotechnologie neue Diagnosemethoden und Therapien für schwere Erkrankungen
zu entwickeln. Wenn Berlin sich nicht aus der Biotechnologie abmelden will und
diesen Wirtschaftszweig der Zukunft ernst nimmt und das sich daraus ergebende
Potenzial für Arbeitsplätze nutzen möchte, brauchen wir eine schnelle positive
Entscheidung für einen Investor des Klinikumneubaus”, betonte Prof. Ganten.

