Nr. 5/18. Januar 2002

S p e r r f r i s t: Freitag, den 18. Januar 2002, 11.00 Uhr

Prof. Ganten fordert Erhalt des UKBF

Universitätsmedizin in Berlin hat Spitzenniveau - Zehn Jahre MDC

Der Stiftungsvorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, Prof. Detlev Ganten, hat den Berliner Senat aufgefordert, das Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) der Freien Universität (FU) Berlin zu erhalten. “Die klinische Forschung in Berlin hat Spitzenniveau und ist mit anderen medizinischen Zentren in der Bundesrepublik konkurrenzfähig. Sie darf nicht geschwächt werden. Darüber hinaus ist sie unabdingbar für den Wirtschaftszweig der Biotechnologie. Nur diese enge Zusammenarbeit erlaubt es, mit Hilfe der Gen- und Biotechnologie neue Diagnosemethoden und Therapien für schwere Erkrankungen zu entwickeln”, sagte Prof. Ganten, der auch einen Lehrstuhl an der FU Berlin für Klinische Pharmakologie und Toxikologie innehat, auf der Neujahrsveranstaltung des MDC am Freitag, den 18. Januar 2002. Die Veranstaltung bildete zugleich den Auftakt für eine Reihe von Aktivitäten, die das MDC zu seinem zehnjährigen Bestehen in diesem Jahr plant, darunter einen Tag der offenen Tür mit der Langen Nacht der Wissenschaft am 15. Juni. Prof. Ganten würdigte bei diesem Anlass auch die große Unterstützung, die das MDC und der Campus Berlin-Buch beim Aufbau und Ausbau von Bund, Land und der Europäischen Union (EU) erfahren haben.

Das MDC wurde am 1. Januar 1992 als Modell für die klinische Forschung in der Bundesrepublik gegründet. Es ist hervorgegangen aus drei ehemaligen Instituten der Akademie der Wissenschaften der DDR mit zwei Spezialkliniken für Krebs sowie Herz-Kreislauferkrankungen. Das MDC mit seinen rund 700 Mitarbeitern (davon 272 Wissenschaftler) bildet zusammen mit diesen jetzt zur Charité der Humboldt-Universität zu Berlin gehörenden Kliniken (Robert-Rössle-Klinik und Franz-Volhard-Klinik) - seit 1. Juni 2001 auch Teil der Helios-Kliniken GmbH -, dem Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und einem Biotechnologiepark ein biomedizinisches Forschungsnetz mit über 2 300 Mitarbeitern. “Die Stärke des Campus Berlin-Buch, um die wir in der Bundesrepublik, aber auch im Ausland beneidet werden, ist diese enge Zusammenarbeit von Grundlagenforschern, klinischen Forschern und Biotechnologieunternehmen”, betonte Prof. Ganten.

 

MDC plant Medizinisches Genomforschungsinstitut

Das MDC betreibt molekularbiologische Grundlagenforschung und klinische Forschung in den Bereichen Herz-Kreislauf, Krebs, Genetik, Bioinformatik und Strukturbiologie, Zellwachstum und Zelldifferenzierung, molekulare Therapie sowie molekulare Neurowissenschaften. Gemeinsam mit dem FMP will das MDC ein Institut für Medizinische Genomforschung für rund 120 Mitarbeiter auf dem Campus Berlin-Buch aufbauen. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 35 Millionen Mark, die von der EU, dem Land Berlin und dem Bund aufgebracht werden. “Mit der Entzifferung des menschlichen Genoms Ende des vergangenen Jahrhunderts gewinnt die Erkennung der Funktion von Genen und ihren Produkten, den Proteinen, an medizinischer und wirtschaftlicher Bedeutung”, begründete Prof. Ganten die Ausbaupläne des MDC.

 

Das MDC setzt sich, so Prof. Ganten weiter, besonders für die wirtschaftliche Nutzung von Forschungsergebnissen ein. Es gründete deshalb 1995 die jetzige BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch zum Aufbau eines Biotechnologieparks. Mitgesellschafter der BBB GmbH sind die Schering AG, Berlin, und das FMP. Bisher haben sich in dem Biotechnologiepark mehr als 40 Firmen mit über 600 Mitarbeitern angesiedelt.

 

Über zwei Milliarden Mark für Aufbau und Ausbau des Campus

Prof. Ganten würdigte die große Unterstützung durch den Bund, das Land Berlin und die Europäische Union für den Aufbau und Ausbau des Campus Berlin-Buch. Er wies darauf hin, dass in den vergangenen zehn Jahren - von  1992 bis Ende 2001 - in den Campus mit dem MDC, den Bucher Spezialkliniken des Universitätsklinikums Charité der Berliner Humboldt-Universität sowie in den Biotechnologiepark und das Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) über zwei Milliarden Mark geflossen sind. In dieser Zahl sind sowohl institutionelle Mittel als auch Fördermittel vom Bund, dem Land Berlin und der EU enthalten. Nicht darin enthalten sind die Gelder, welche die Firmen des Biotechnologieparks als Risikokapital (Venture Capital) erhalten haben und die rund eine Milliarde Mark betragen.

 

Vor wenigen Wochen konnte das zur Pflege des wissenschaftlichen Austauschs und des Dialogs mit der Öffentlichkeit vom MDC für rund 15,6 Millionen Mark aus dem Europäischen Fonds für die Regionale Entwicklung (EFRE) auf dem Campus errichtete Max Delbrück Communications Center (MDC.C) fertiggestellt werden. Es wurde am 29. November 2001 von Bundespräsident Johannes Rau mit der Vergabe des Deutschen Zukunftspreises erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft

Das MDC ist eine von insgesamt 15 Einrichtungen der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V. (HGF). Helmholtz-Zentren werden zu 90 Prozent vom Bundesforschungsministerium (BMBF) und zu zehn Prozent vom jeweiligen Bundesland, in dem sie ihren Sitz haben, finanziert. Das MDC hat ein Budget von jährlich rund 100 Millionen Mark. Hinzu kommen jedes Jahr rund 23 Millionen Mark, die die Wissenschaftler über Drittmittel einwerben. Mit der Einführung der programmorientierten Förderung wird sich der Finanzierungsmodus in den Helmholtz-Zentren ändern. Das Land Berlin profitiert in besonderer Weise von den Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft, da bei einer Finanzierung des Landes Berlin von rund 31 Millionen Mark zusätzlich das Zehnfache, nämlich 338 Millionen Mark, an Bundesmitteln nach Berlin fliesst. 

 

Benannt ist das MDC nach dem in Berlin geborenen deutsch-amerikanischen Nobelpreisträger Max Delbrück (4.9.1906 – 10.3.1981 Pasadena/USA). Zusammen mit dem russischen Genetiker Nikolai Wladimirovich Timoféeff-Ressovsky (7.9.1900 Provinz Kaluga – 28.3.1981 Obninsk/Rußland), der in Buch arbeitete, legte Delbrück die Grundlagen für die molekulare Genetik. Richtungsweisend war ihre gemeinsam mit Karl Günter Zimmer 1935 veröffentlichte Schrift “Über die Natur der Genmutation und der Genstruktur”. Ebenfalls in Berlin-Buch tätig waren Wissenschaftler wie Oskar und Cécile Vogt, Walter Friedrich, Karl Lohmann, Arnold Graffi, Erwin Negelein, Albert Wollenberger und Hans Gummel.

 

Zum achten Mal Delbrück-Stipendium vergeben

Zum achten Mal vergaben die Delbrück’sche Familienstiftung und das MDC das “Abiturientenstipendium” für Studienanfänger. Hans-Jürgen Delbrück von der Stiftung in Ratingen überreichte den beiden Stipendiaten für 2002, der Medizinstudentin Catrin List und dem Studenten der Biotechnologie, Rainer Stahn, jeweils einen Scheck über 1 000 Mark. Darüber hinaus erhalten sie zehn Studiensemester lang monatlich 50 Mark Büchergeld. Tutoren des MDC unterstützen sie während des Studiums, das sie im Oktober 2001 an Technischen Universität (TU) Dresden bzw. an der TU Berlin begonnen haben. Das Max-Delbrück-Stipendium wird seit 1994 vergeben. Es fördert naturwissenschaftlich besonders begabte Abiturienten und Abiturientinnen, die Humanmedizin, Biologie, Biochemie, Biophysik, Biotechnologie, Chemie, Physik oder Mathematik studieren wollen. Bisher haben, einschließlich der beiden diesjährigen Stipendiaten, 16 Studienanfänger diese Förderung erhalten.

 

Barbara Bachtler
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