Nr. 57/26. Dezember 2003
Warum Blutplättchen zusammenklumpen
Berliner Wissenschaftler klären Mechanismus auf
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Molekulare
Genetik (MPIMG) in Berlin, der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben jetzt die Ursache dafür gefunden,
weshalb Blutplättchen (Thrombozyten) zusammenklumpen und sich an geschädigte
Blutgefäßwände heften. Dieser Mechanismus ist für die Blutstillung
lebensnotwendig, kann aber auch zu lebensgefährlichen Blutgerinnseln (Thromben)
mit der Folge von Schlaganfall oder Herzinfarkt führen. Seit Jahrzehnten ist
bekannt, dass bei diesem Prozess Serotonin eine Rolle spielt, unklar war bisher
aber wie. Serotonin fungiert als Neurotransmitter im Gehirn, ist aber auch im
Blut als Hormon aktiv. Wird ein Blutgefäß verletzt, setzen Thrombozyten dieses
Hormon frei. Serotonin zieht das Gefäß zusammen und verengt es. Verschlossen
wird es dann durch die Bildung eines Plättchenaggregats, das durch ein Eiweiß,
den von Willebrand-Faktor,
zusammengehalten und an die Gefäßwand gebunden wird. Jetzt haben Dr.
Diego J. Walther von dem Berliner MPIMG und Dr. Michael Bader (MDC) zeigen
können, dass Serotonin diesen Faktor aus
den Speicherkörperchen der Thrombozyten
freisetzt. Dazu wird Serotonin innerhalb der Zelle mit Hilfe von Enzymen
(Transglutaminasen) an so genannte GTPasen angeheftet. Durch diesen bisher
unbekannten Prozess, für den die Berliner Wissenschaftler den Begriff der
„Serotonylierung“, geprägt haben, werden Signale innerhalb der Zelle
weitergegeben, die die Entleerung der Speicherkörperchen mit dem von
Willebrand-Faktor auslösen und damit die Plättchenverklumpung und den
Wundverschluss ermöglichen. Die Wissenschaftler vermuten, dass dieser Vorgang
wahrscheinlich auch bei anderen lebenswichtigen Funktionen von Zellen eine
Rolle spielt, und möglicherweise auch in der Embryonalentwicklung sowie an der
Entstehung von Krebs ursächlich beteiligt sein könnte. Ihre Arbeit hat jetzt
die renommierte Fachzeitschrift Cell* (Vol.115, 851-862, December 26, 2003)
veröffentlicht.
Nr. 56/11. Dezember 2003
Max-Delbrück-Medaille für Stammzellforscher Prof. Ron McKay aus den USA
„Für seinen herausragenden Beitrag zur Stammzellforschung“ hat
Prof. Ronald McKay vom National Institute of Neurological Disorders and Stroke
(NINDS), Bethesda, USA (US-Institut für
Hirnerkrankungen und Schlaganfall) am Donnerstag, den 11. Dezember 2003, die
Max-Delbrück-Medaille erhalten. Sie wurde ihm von Prof. Björn Wallmark von
der Ernst Schering Research Foundation in
der Berliner Charité überreicht. Das Organisationskomitee der Berlin
Lectures on Molecular Medicine begründete die Vergabe weiter damit, dass Dr.
McKay mit Hilfe der Genomik und Genetik „die Entwicklung und die Funktion von
Stammzellen im Nervensystem von Maus und Mensch“ analysierte. „Seine Arbeit
leistete einen grundlegenden Beitrag zu unserem Verständnis der Kontrolle der
Proliferation und Differenzierung dieser Zellen. Er konnte zeigen, dass
Stammzellen synaptisch aktive Neuronen hervorbringen können und wendete dieses
Wissen auf klinische Modelle neurodegenerativer Erkrankungen an“.
Nr. 55/11. Dezember 2003
Was denkt der Bürger über die Stammzellforschung?
Bürgerkonferenz unter Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
In einem Grußwort zum Auftakt der Bürgerkonferenz über
Stammzellforschung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die Absicht des
Europäischen Parlaments kritisiert, ab 2004 die Forschung mit Embryonen fördern
zu wollen. Er sei froh, dass in Deutschland ein breiter Konsens darüber
bestehe, dass Forschungsinteressen in der Bioforschung nicht höher bewertet
werden dürfen als die Würde und das Lebensrecht menschlicher Embryonen. „Vor
diesem Hintergrund habe ich kein Verständnis für das Votum des Europäischen Parlaments,
die so genannte ‚verbrauchende‛ Embryonenforschung ab 2004 zu fördern“,
schreibt er weiter. Zugleich sprach er die Hoffnung aus, dass die Europäische
Union von diesen Planungen noch abrücke und die deutsche Auffassung in dieser
Frage nicht unterhöhle. Thierse ist Schirmherr für die von MDC und vom
Forschungszentrum Jülich (FZJ) gemeinsam veranstaltete Tagung.
Nr. 54/9. Dezember 2003
Ägyptischer Botschafter besucht Max-Delbrück-Centrum
Mohamed Al-Orabi, der ägyptische Botschafter in Deutschland,
hat am Dienstag, den 9. Dezember 2003, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch besucht. Vor dem Hintergrund der Einweihung der
Deutschen Universität in Kairo am 5. Oktober dieses Jahres, möchte Ägypten die
wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland intensivieren, sagte der
Botschafter im Gespräch mit MDC-Stiftungsvorstand Prof. Detlev Ganten.
Einladung
„Bürgerkonferenz zur Stammzellforschung“
Schirmherr Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
Auftaktveranstaltung: Donnerstag, 11. Dezember 2003
Max Delbrück Communications Center (MDC.C)
Nr. 51/17. November 2003
Dr. Martin Zenke nimmt Ruf auf C4-Professur in Aachen an
Der Zellbiologe Dr. Martin Zenke vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch hat jetzt einen Ruf auf die C4-Professur
für Zellbiologie und als Direktor am Helmholtz-Institut für Biomedizinische
Technologie am Universitätsklinikum der Rheinisch-Westfälischen Technischen
Hochschule (RWTH) Aachen angenommen und dort seine Arbeit aufgenommen.
Nr. 50/17. November 2003
Telemedizin für Katastropheneinsätze, Kreuzfahrtschiffe, Aus- und Weiterbildung
OP 2000 stellt neue Netzwerke auf Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf vor
Neue Kompetenznetzwerke für interaktive, Satelliten-basierte
Telemedizin, die für den Einsatz bei Katastrophen, aber auch zur Unterstützung
der medizinischen Versorgung von Passagieren und Besatzungsmitgliedern auf
Kreuzfahrtschiffen sowie zur Aus- und Weiterbildung geeignet sind, stellt die
klinische Forschungsgruppe OP 2000 (Robert-Rössle-Klinik der Charité,
Universitätsmedizin Berlin, Campus Berlin-Buch/Helios Klinikum Berlin und
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch) auf der
medizinischen Fachmesse Medica in Düsseldorf vom 19. - 22. November 2003
(Medica, Halle 3, Stand J 74) vor.
Einladung
„Identität und Körper“
Freitag, den 21. November – Samstag, 22. November 2003
Französischer Dom, Gendarmenmarkt/Berlin-Mitte
Nr. 48/31. Oktober 2003
Fast elf Millionen Euro für MDC-Genomforschung in den vergangenen Jahren
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin
Buch hat vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Zeitraum von
2001 – 2004 rund elf Millionen Euro für die Genomforschung im Rahmen des
Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) erhalten. 13 der 57 Forschungsgruppen
am MDC, und damit über 22 Prozent der Forschungsgruppen, erhielten
NGFN-Fördermittel. „Ohne die Unterstützung aus dem Nationalen
Genomforschungsnetz gäbe es am MDC keine Genomforschung“, machte Prof. Detlev
Ganten, MDC-Stiftungsvorstand, am Freitag auf einer Pressekonferenz mit
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn in Berlin anläßlich der Bekanntgabe
zur Weiterförderung des NGFN deutlich. Er begrüßte, dass das Ministerium die
„erfolgreiche Forschung im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes“
fortsetzt.
Nr. 47/28.Oktober 2003
Zellbiologe Dr. Thomas Sommer Mitglied von EMBO
Der Zellbiologe Dr. Thomas Sommer vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch ist jetzt zum Mitglied der Europäischen
Organisation für Molekularbiologie (EMBO) in Heidelberg gewählt worden. Er ist
mit Prof. Carmen Birchmeier, die im Jahr 2000 Mitglied wurde, der zweite
MDC-Vertreter in dieser renommierten internationalen Organisation. Dr. Sommer
erforscht den schnellen und spezifischen Abbau von Proteinen in der Zelle. Diese
so genannte Proteolyse ist für die Lebensfähigkeit jeder
Zelle essentiell. Fehlfunktionen bei der Proteolyse tragen entscheidend
zur Entstehung von Krankheiten bei, wie zum Beispiel von Mucoviszidose und Parkinson.
Nr. 46/25. Oktober 2003
Gesunde mediterrane Diät – Mythos oder Wirklichkeit?
Mit der rapiden Änderung des Lebensstils haben sich
gleichzeitig auch die Essgewohnheiten geändert. Die Menschen bewegen sich zu
wenig und essen zu fett. Die Folge davon ist, dass weltweit mehr als 250
Millionen Menschen übergewichtig oder gar extrem übergewichtig (adipös) sind,
und Epidemiologen gar von einer Epidemie sprechen. Übergewicht und Adipositas
sind die Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen. „Ärzte geben ihren
Patienten deshalb dringend den Rat, abzunehmen, sich mehr zu bewegen und sich
mit der traditionellen mediterranen Kost gesünder zu ernähren. Das heißt: Obst,
Gemüse, Reis, Nudeln, Brot, Hülsenfrüchte, Olivenöl, Käse, Milch, Eier, Fisch
und etwas Rotwein“, sagte Prof. Anthony Kafatos von der Universität Kreta in
Heraklion, Griechenland, auf dem 3. International Symposium zu Adipositas und
Bluthochdruck am 25. Oktober im Kommunikationszentrum des Max-Delbrück-Centrums
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch.
Nr. 45/25. Oktober 2003
Künftig gezieltere Therapie für Bluthochdruck bei stark Übergewichtigen?
Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung könnten in
Zukunft möglicherweise zu einer gezielteren Therapie von Bluthochdruck und
Diabetes bei stark übergewichtigen (adipösen) Patienten führen. Übergewicht und
Adipositas sind Hauptrisikofaktoren für Bluthochdruck, Herzerkrankungen sowie
Diabetes Typ 2. Einheitliche Empfehlungen zur Therapie des Bluthochdrucks bei
Adipösen liegen derzeit nicht vor, da sich bisher große klinische Studien mit
dieser Fragestellung nicht beschäftigten. Die blutdrucksenkende Therapie bei
diesen Patienten wird daher sehr stark von bestehenden Begleiterkrankungen
beeinflusst. Sehr häufig werden so genannte
Angiotensin-Converting-Enzym-Inhibitoren (ACE-Hemmer), Diuretika und
Kalziumkanalblocker als Initialtherapie angewendet.
Nr. 44/25. Oktober 2003
DASH – Mit gesunder Ernährung Bluthochdruck senken
Übergewicht, vor allem extremes Übergewicht (Adipositas) zählt
zu den größten Risikofaktoren für Bluthochdruck und Diabetes. In den USA gelten
rund 30 Millionen Erwachsene als adipös, das entspricht etwa 30 Prozent der
erwachsenen Bevölkerung, mehr als 60 Millionen (60 Prozent) gelten als zu dick.
„Eine Konsequenz dieser Epidemie ist, dass immer mehr Menschen einen zu hohen
Blutdruck haben“, sagte Prof. George A. Bray vom Biomedizinischen
Forschungszentrum Pennington der Universität von Louisiana in Baton Rouge, USA.
„Gelänge es uns, Adipositas zu verhindern oder besser zu bekämpfen, bekämen wir
auch den Bluthochdruck in den Griff. Dann brauchten wir auch weniger
Medikamente einzusetzen“, sagte er vor rund 250 Forschern und Klinikern des 3.
Internationalen Symposiums zu Adipositas und Bluthochdruck im
Kommunikationszentrum des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch.
Nr. 43/23. Oktober 2003
Bluthochdruck direkte Folge von Übergewicht – Schätzungsweise zehn Millionen Menschen in Deutschland betroffen
Weltweit sind mehr als 250 Millionen Menschen extrem
übergewichtig (adipös). Adipositas ist ein Hauptrisikofaktor für Bluthochdruck
und andere Herz-Kreislauferkrankungen. Wissenschaftler und Kliniker gehen davon
aus, dass über die Hälfte der Menschen, die übergewichtig sind, auch einen zu
hohen Blutdruck haben. Als übergewichtig oder adipös gelten Menschen mit einem
Body Mass Index (BMI) von mehr als 25 kg/m2 (Körpergewicht in Kilogramm
durch die Körpergröße in Metern zweimal dividiert). Danach haben in Deutschland
schätzungsweise zehn Millionen übergewichtiger Menschen Bluthochdruck. Das machten
Prof. Arya Sharma (McMaster University, Hamilton, Ontario, Canada) und Prof.
Friedrich Luft (Franz-Volhard-Klinik, Charité, Universitätsmedizin Berlin,
Campus Berlin-Buch in der Helios-Klinik und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin, MDC, Berlin-Buch), die Organisatoren des 3. Internationalen Symposiums
über Adipositas und Bluthochdruck im Kommunikationszentrum des
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, zu Beginn der
Tagung deutlich.
Nr. 42/15. Oktober 2003
Wie Prionen Nervenzellen infizieren - Immunzellen dienen als Vehikel
Die Creutzfeldt-Jacob-Krankheit (CJK) ist eine
Infektionskrankheit, die von bestimmten Eiweissen, Prionen, ausgelöst wird. Im
fortgeschrittenen Stadium zerstören die Erreger das Gehirn. Doch offenbar wird
das Gehirn nicht in jedem Fall direkt infiziert. Prionen gelangen zumeist über
die Peripherie - vermutlich über den Magen-Darm-Trakt - in den Körper und
vermehren sich ausgerechnet in den Organen des Immunsystems: in den
Lymphknoten, der Milz und in den Rachenmandeln. Fatalerweise hilft den Prionen
auch ein weiterer Bestandteil der Immunabwehr, das Komplementsystem, sich in
diesen lymphatischen Organen anzusiedeln, wie Prof. Adriano Aguzzi vom Universitätshospital
Zürich/Schweiz vor einiger Zeit nachweisen konnte. Noch ist jedoch der Mechanismus,
wie Prionen vom Immunsystem in das Nervensystem gelangen, unklar. Offenbar
gelingt es Prionen, die sich in der Milz angesiedelt haben, aber über eine
weitere Gruppe von Immunzellen, die so genannten follikulären dendritischen
Zellen (FDCs), periphere Nervenzellen zu infizieren. Das haben jetzt Prof.
Aguzzi, seine Mitarbeiter Dr. Marco Prinz und Dr. Mathias Heikenwalder in Zusammenarbeit
mit Dr. Martin Lipp vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch im Tierversuch gezeigt. Die Arbeit hat die Fachzeitschrift Nature
am 15. Oktober 2003 vorab online veröffentlicht (www.nature.com/nature | http://dx.doi.org/doi:10.1038/nature02072).
Einladung
3rd International Symposium on Obesity and Hypertension
(3. Internationales Symposium zu Übergewicht und Bluthochdruck)
Donnerstag, 23. Oktober – Samstag. 25. Oktober 2003
Max Delbrück Communications Center (MDC.C)
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin
Nr. 40/26. September 2003
KURZFASSUNG: MDC ehrt Zellbiologen und Krebsforscher Prof. Walter Birchmeier mit Geburtstagssymposium (Kurzfassung)
Mit einem Symposium über „Gemeinsame Mechanismen in der Entwicklungsbiologie und bei der Entstehung von Krebs“ am Freitag, 26. September 2003, hat das MDC den Zellbiologen und Krebsforscher Prof. Walter Birchmeier zu seinem 60. Geburtstag geehrt. Sprecher waren unter anderem: Nobelpreisträgerin Prof. Christiane Nüsslein-Volhard (Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen), Prof. Louis Reichardt (Universität von Kalifornien, San Francisco/USA), Prof. Rolf Kemler (Max-Planck-Institut für Immunologie, Freiburg), Prof. Hans Clevers (Universitätshospital Utrecht, Niederlande), Prof. Konrad Basler (Universität Zürich, Schweiz) und Prof. Christof Niehrs (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg). Diese Forscher haben, wie auch Prof. Birchmeier und seine Mitarbeiter, der Entwicklungs- und Krebsforschung entscheidende Impulse gegeben, wie der Titel des Symposiums zeigt. Sie haben zugleich deutlich gemacht, dass die zellbiologischen Prozesse nur in der Entwicklung der Organismen kontrolliert ablaufen, bei der Entstehung von Krebs jedoch enthemmt sind.
Nr. 39/26. September 2003
MDC ehrt Zellbiologen und Krebsforscher Prof. Walter Birchmeier mit Geburtstagssymposium
Mit einem Symposium über „Gemeinsame Mechanismen in der Entwicklungsbiologie und bei der Entstehung von Krebs“ („Common Mechanisms in Development and Cancer“) am Freitag, 26. September 2003, hat das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch den Zellbiologen und Krebsforscher Prof. Walter Birchmeier zu seinem 60. Geburtstag geehrt. Sprecher waren unter anderem: Nobelpreisträgerin Prof. Christiane Nüsslein-Volhard (Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie, Tübingen), Prof. Louis Reichardt (Universität von Kalifornien, San Francisco/USA), Prof. Rolf Kemler (Max-Planck-Institut für Immunologie, Freiburg), Prof. Hans Clevers (Universitätshospital Utrecht, Niederlande), Prof. Konrad Basler (Universität Zürich, Schweiz) und Prof. Christof Niehrs (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg). Diese Wissenschaftler haben, wie auch Prof. Birchmeier und seine Mitarbeiter, entscheidende Entdeckungen auf diesem Gebiet der Zellbiologie, der Entwicklungsbiologie und der Krebsentstehung gemacht.
Nr. 37/9.September 2003
Prof. Kettenmann zum Mitglied der Gelehrtengesellschaft Leopoldina gewählt
Der Neurobiologe Prof. Helmut Kettenmann vom
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch ist in die
Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt worden. Das teilte die
Leopoldina jetzt mit. Prof. Kettenmann leitet am MDC die Forschungsgruppe „Zelluläre
Neurowissenschaften“. Er erforscht die Funktion
so genannter Gliazellen im zentralen Nervensystem (ZNS). Gliazellen machen 90
Prozent aller Gehirnzellen aus, blieben aber von der Forschung weitgehend
unbeachtet, da sie ihnen lediglich Versorgungs-
und Stützfunktion zugeschrieben hatte. Erkenntnisse der vergangenen 15 Jahre aus der Forschungsgruppe von
Prof. Kettenmann haben jedoch gezeigt, dass Gliazellen außerordentlich wichtig
für die Entwicklung und Funktion des Gehirns sind. Weiter spielen sie auch bei
fast allen krankhaften Prozessen des Nervensystems eine wesentliche Rolle. Prof.
Kettenmann ist zudem Chefredakteur der Zeitschrift „Neuroforum“, des Organs der
Neurowissenschaftlichen
Gesellschaft sowie der Fachzeitschrift „GLIA“.
Nr. 36/4. September 2003
Dr. Stefan Schwartze neuer Administrativer Vorstand des MDC
Dr. Stefan Schwartze ist seit 1. August 2003 neuer
Administrativer Vorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch. Der 37 Jahre alte Jurist tritt die Nachfolge von Dr. Waltraud
Kreutz-Gers an, die jetzt als Abteilungsleiterin im nordrhein-westfälischen
Ministerium für Wissenschaft und Forschung tätig ist.
Nr. 35/18. August 2003
Von der Hydra zum Menschen Nur wenige Signalwege steuern Entwicklung von Lebewesen
In den vergangenen fünf bis zehn Jahren haben Biologen immer
tiefere Einblicke in die biochemischen und molekularen Netzwerke gewonnen, die
die Entwicklung von Lebewesen von der befruchteten Eizelle bis zum kompletten
Organismus mit Billionen von Zellen und unterschiedlichen Organen regulieren.
„Wir haben festgestellt, dass von der Hydra (Süßwasserpolyp) bis zum Menschen
nur eine Hand voll Signalwege diese Entwicklung steuert“, sagte Prof. Walter
Birchmeier, Forschungsgruppenleiter am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch. „Die Signalwege sind dabei genau aufeinander abgestimmt,
damit es nicht zu Fehlentwicklungen oder zur Tumorbildung kommt“, sagte er weiter.
Jetzt haben er und Natalia Soshnikova, eine Doktorandin aus seiner Forschungsgruppe,
bei Mäusen zeigen können, dass für die Bildung von Gliedmaßen zwei ganz
bestimmte Signalpfade nötig sind. „Beide Signalpfade sind gleich wichtig und
hängen voneinander ab. Fehlt einer von beiden, können sich die Gliedmaßen nicht
ausbilden“, betonen die Forscher. Zugleich gelang es ihnen, die zeitliche
Abfolge und die damit verbundene räumliche Ausbildung der Gliedmaßen (Achsenbildung)
zu verfolgen. Die Arbeit von Natalia Soshnikova, Dr. Dietmar Zechner und Prof.
Birchmeier in Zusammenarbeit mit Forschern aus den USA und Japan ist jetzt in
der renommierten Zeitschrift Genes and Development (Vol. 16, Nr. 17, August
15, 2003, pp. 1963-1968) und online www.genesdev.org/cgi/doi/10.1101/gad.263003
erschienen.
Nr. 34/27. Juli 2003
Molekulare Ursache für Arterienverkalkung im Säuglingsalter entdeckt
Die Kinder kommen bereits mit Arterienverkalkung zur Welt und
haben nur eine sehr geringe Lebenserwartung. Die meisten von ihnen sterben
bereits im Säuglingsalter. Jetzt haben Genforscher aus Deutschland, den USA,
Australien, Italien und Großbritannien die molekulare Ursache für die seltene
Arterienverkalkung bei Babies entdeckt. Die Untersuchung von DNA-Proben von elf
erkrankten Kindern und deren Eltern ergab, dass sie Mutationen in dem Gen
trugen, das die Bauanleitung für ein Enzym trägt, das für die Bildung eines
natürlichen Schutzstoffes gegen Verkalkung verantwortlich ist. Es handelt sich
dabei um anorganisches Pyrophosphat, das in etwas abgewandelter Form auch
Zahncremes beigemengt wird, um die Zahnsteinbildung zu unterdrücken. Die volle
Aktivität des Enzyms verhindert bei Gesunden, dass sich Kalk in den Gefäßwänden
ablagern kann. Wird das Enzym aufgrund des Gendefekts nicht gebildet oder ist
es inaktiv, kommt es zu den schwerwiegenden Kalkablagerungen mit einhergehender
Gefäßverengung, die für die Säuglinge meist tödlich sind, da ihr Herz nicht
ausreichend mit Blut versorgt wird. Die Krankheit wird rezessiv vererbt, das
heißt, die Kinder haben die Genmutation sowohl vom Vater als auch der Mutter
mitbekommen. Die Forschungsarbeit von Dr. Frank Rutsch, jetzt
Universitätskinderklinik Münster, und Prof. Robert Terkeltaub, University of
California San Diego, USA, sowie der Arbeitsgruppe von Priv. Doz. Dr. Peter
Nürnberg, Charité und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch* ist jetzt von der Fachzeitschrift Nature Genetics vorab
online http://dx.doi.org/10.1038/Ng1221 veröffentlicht worden.
Nr. 33/22. Juli 2003
Bundesjustizministerin besuchte Max-Delbrück-Centrum in Berlin-Buch
Fragen der Biopatentierung, des Klonens und der
Stammzellforschung sowie der Beschluß der EU-Kommission, der die Gewinnung von
Stammzellen von menschlichen Embryonen, die vor dem 27. Juni 2002 existiert
haben, erlaubt, standen im Mittelpunkt eines Informationsbesuchs von Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
am Dienstag, den 22. Juli 2003. An dem Gespräch nahmen von Seiten des MDC unter
anderem Stiftungsvorstand Prof. Detlev Ganten sowie Prof. Jens Reich teil.
Beide sind Mitglieder im Nationalen Ethikrat.
Nr. 32/16. Juli 2003
Max-Delbrück-Centrum unter den ersten drei bei Drittmitteleinwerbung
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch nimmt bei der Einwerbung von Fördermitteln bei der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 11,2 Millionen Euro unter 168
außeruniversitären Forschungseinrichtungen den dritten Platz ein. An erster
Stelle steht das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg mit 11,9
Millionen Euro, gefolgt vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Planegg mit
11,5 Millionen Euro. Das geht aus dem jetzt von der DFG veröffentlichten dritten
Bericht über die Bewilligung von Drittmitteln an Hochschulen und
außeruniversitäre Einrichtungen für den Zeitraum 1999 bis 2001 („Förder-Ranking
2003“) hervor. Wissenschaftler des MDC hatten im Jahre 2002 insgesamt über 13,1
Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben.
Nr. 31/8. Juli 2003
Molekulare Diagnostik rettet junge Männer vor dem plötzlichen Herztod – MDC-Wissenschaftler und Kliniker dem Gen auf der Spur
Der Nachweis einer Genveränderung durch ihre Ärzte führt zu
einer vorbeugenden Behandlung, die junge Männer vor dem plötzlichen Herztod
rettet. Betroffene Patienten erhalten einen Defibrillator, ein Gerät, das im
Notfall durch einen Stromstoß das Herz wieder in den normalen Rhythmus bringt.
Es gibt bereits einige Fälle in den betroffenen Familien, bei denen der
Defibrillator das Leben der jungen Männer verlängern konnte.
Nr. 30/24. Juni 2003
Grundstein für Institut für Medizinische Genomforschung gelegt
„Neue Qualität der Zusammenarbeit“
Das MDC und das Forschungsinstitut für Molekulare
Pharmakologie (FMP) haben am 24. Juni 2003 nach einjähriger Planungsarbeit den
Grundstein für ein gemeinsames neues Institut für Medizinische Genomforschung
gelegt. An der Veranstaltung nahmen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus
Wowereit und der Kuratoriumsvorsitzende des MDC, Ministerialdirektor Reinhard
Junker vom Bundesforschungsministerium, teil.
Einladung
Grundsteinlegung
Institut für Medizinische Genomforschung
Dienstag, 24. Juni 2003, 13.30 - 14.00 Uhr
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und
Forschungsinstitut für Molekulare Medizin (FMP)
Nr. 28/17. Juni 2003
Prof. Friedrich C. Luft erhält renommierte Preise in Mailand und Berlin
Der Berliner Nieren- und Bluthochdruckspezialist Prof.
Friedrich C. Luft (Charité der Humboldt-Universität, Campus Berlin-Buch/Helios
Klinikum Berlin) hat jetzt auf dem Kongreß der Europäischen Gesellschaft für
Bluthochdruck (engl. Abkürzung ESH) in Mailand/Italien den Björn Folkow Preis
für seine „wichtigen Beiträge in der Erforschung des Bluthochdrucks mit
molekularen Methoden in Labor und Klinik“ erhalten. Der renommierte Preis ist benannt
nach dem schwedischen Physiologen Prof. em. Björn Folkow (Universität
Göteborg). Folkow beschrieb grundlegende Veränderungen in der Blutgefäßwand von
Patienten mit Hypertonie. Der Preis wird seit 1987 von der ESH zusammen mit dem
Pharmakonzern AstraZeneca verliehen und ist mit einer Vorlesung des
Preisträgers verbunden. Prof. Luft hatte zuvor auf dem Weltkongreß für
Nephrologie in Berlin den „Anthony Raine Award“ erhalten, der ebenfalls mit
einer Vorlesung verknüpft ist. Der
Preis erinnert an Prof. Anthony Raine von der St. Bartholomew's & the Royal
London School of Medicine and Dentistry am Queen Mary and Westfield College,
Universität von London/Großbritannien. Raine war Nephrologe, der sich
Herz-Kreislaufproblemen von Patienten mit Nierenerkrankungen angenommen hatte.
Nr. 27/15. Juni 2003
Dem Geheimnis des Berührungssinns auf der Spur
Wissenschaftler des MDC entdecken wie „Mechanosensoren“ funktionieren
Die Fähigkeit, Blindenschrift zu erlernen, einen Safe zu
knacken oder einen Kuss zu genießen, verdankt der Mensch bestimmten Sensoren in
der Haut. Auch Tiere verfügen über solche so genannten „Mechanosensoren“ für
die Empfindung von Berührung und Schmerz, die für sie ebenfalls lebenswichtig
sind. Obwohl diese Sensoren so bedeutsam sind, weiß die Wissenschaft bis heute
noch wenig darüber, wie sie funktionieren und wodurch sie sich unterscheiden.
Licht ins Dunkel bringt jetzt eine Arbeit von Dr. Jung-Bum Shin von der
Forschungsgruppe von Dr. Gary Lewin vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin Buch. Die angesehene Wissenschaftszeitschrift Nature Neuroscience* hat
sie jetzt online veröffentlicht. Die Neurowissenschaftler erbrachten mit ihrer
Forschungsarbeit den ersten Nachweis in Wirbeltieren (Mäusen), dass für die
Funktion eines hochempfindlichen Mechanosensors ein bestimmter Ionenkanal, in
diesem Fall ein Kalziumkanal, benötigt wird. Es ist anzunehmen, dass es
ähnliche Sensoren auch beim Menschen gibt.
Nr. 24/14. Juni 2003
Prof. Balling: „Infektionskrankheiten stehen weltweit an erster Stelle der Todesursachen - Sauberes Trinkwasser und Impfstoffe bester Schutz für Menschen“
Glaubte der oberste amerikanische Gesundheitswächter, Surgeon
General William H. Stewart, 1962 noch, der Kampf gegen Infektionskrankheiten
sei gewonnen, müsste er sich heute eines Besseren belehren lassen. Heute stehen
die Infektionskrankheiten weltweit mit 17 Millionen Todesfällen pro Jahr an
erster Stelle der Todesursachen, gefolgt von 15 Millionen Herz-Kreislauf-Toten
und sieben Millionen Krebstoten. Darauf hat Prof. Rudi Balling, Genomforscher
und Wissenschaftlicher Geschäftsführer der GBF-Gesellschaft für
Biotechnologische Forschung mbH (Braunschweig) auf dem Berlin-Buch Congress on
Biotechnology 2003 im Max Delbrück Communications Center hingewiesen. Die
größten Killer unter den Infektionskrankheiten sind nach Angaben der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf AIDS, Tuberkulose und Malaria. Für
diese Erkrankungen gibt es noch keine wirksamen Impfstoffe. Andererseits
entstehen auch immer wieder neue Krankheitserreger. Das bekannteste Beispiel
ist AIDS, das jüngste die schwere Lungenkrankheit SARS (schweres akutes
respiratorisches Syndrom). Auslöser von SARS ist ein bisher für den Menschen
ungefährliches Coronavirus.
Nr. 26/14. Juni 2003
Prof. Jens Reich: „Der Begriff der Totipotenz ist unbrauchbar“
Plädiert für zeitlich begrenzten konkreten Handlungskatalog
Ein Schlüsselbegriff in der Diskussion um die Forschung mit
Stammzellen und dem so genannten reproduktiven und therapeutischen Klonen ist
der der Totipotenz. Eine totipotente Zelle kann alles. Embryonale Stammzellen
sind totipotent, weil sich aus einer einzelnen Zelle ein eigenständiger Mensch
entwickeln kann. Das 1991 in der Bundesrepublik in Kraft getretene Embryonenschutzgesetz
definiert einen Embryo als „die befruchtete, entwicklungsfähige menschliche
Eizelle vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung an, ferner jede einem Embryo
entnommene totipotente Zelle, die sich bei Vorliegen der dafür erforderlichen
weiteren Voraussetzungen zu teilen und zu einem Individum zu entwickeln
vermag.“ Nach diesem Gesetz ist deshalb die Gewinnung von embryonalen
Stammzellen des Menschen in Deutschland verboten. Das seit Juli 2002 geltende
Stammzellenimportgesetz stützt sich ebenfalls auf diese Definition, erlaubt
aber die Forschung mit embyronalen Stammzellen des Menschen unter strengen
Auflagen. Prof. Jens Reich, Mediziner und Bioinformatiker vom
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und Mitglied im
Nationalen Ethikrat, stellt die Brauchbarkeit dieser Definition für die Forschung
in Frage. „Der Begriff der Totipotenz ist beim gegenwärtigen Stand nicht mehr
praktisch brauchbar“, sagte Prof. Reich in einem Workshop über „Bioethik –
Gene, Geld und Wissenschaftler – Grenzziehung für verantwortungsvolles Handeln“
im Rahmen des Berlin-Buch Congress on Biotechnology 2003. „Ich bin mir bewusst,
dass diese Ansicht umstritten sein muss, zumal die Gesetzgebung darauf basiert.
Die jüngsten Erkenntnisse in der experimentellen Entwicklungsbiologie haben zu
diesem Problem geführt “, sagte er. Zugleich plädierte er für ein zeitlich
begrenztes, an den gentechnischen Entwicklungen ausgerichtetes Vorgehen, in dem
genau beschrieben wird, was ein Forscher in Deutschland tun darf und was nicht.
Nr. 25/14. Juni 2003
„Regenerative Medizin“ - neues Schlagwort in der Medizin - Erste klinische Erfolge mit Entwicklung von körpereigenem Knorpel und Knochen
„Regenerative Medizin“ ist das neue Schlagwort in der Medizin.
Was sich dahinter verbirgt, erläuterte Prof. Dr. Augustinus Bader vom
Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum (BBZ) der Universität Leipzig auf dem
Berlin-Buch Congress on Biotechnology 2003 im Max Delbrück Communications
Center (MDC.C) so: „Die Erneuerung von Geweben und Organen mit körpereigenen
Zellen. Der Vorteil von patienteneigenen (autologen) Zellen ist, dass das
daraus gewonnene Gewebe nach einer Transplantation nicht abgestoßen wird und
keine immunsuppressiven Medikamente genommen werden müssen“, sagte er. Dabei
müssen aus einzelnen Zellen funktionelle Gewebe entstehen. Dies geschieht durch
„Tissue Engineering“. Der Ausdruck stammt aus dem Englischen und bedeutet
Herstellung von Geweben mit innovativen Methoden. Dabei handelt es sich im
Bereich der Regenerativen Medizin um ein vergleichsweise junges
Forschungsgebiet, das erst seit 10 – 15 Jahren systematisch erschlossen wird“,
sagte Prof. Dr. Will Minuth von der Universität Regensburg. „Die wohl längste
klinische Erfahrung“, so Prof. Minuth weiter, „gibt es mit der
Knochenmarktransplantation zum Beispiel bei einer Leukämie und bei der
Hauttransplantation für Patienten mit schwersten Brandverletzungen.“ Erste
Erfolge zeigen sich nach rund zehnjähriger Entwicklungszeit jetzt offenbar bei
der Herstellung von autologem Knorpel- sowie Knochenersatz.
Nr. 23/13. Juni 2003
Pharmakogenetik und Pharmakogenomik
Schlüssel zur individualisierten Medizin?
In klinischen Untersuchungen werden neue Medikamente an großen
Patientengruppen getestet. Dabei kommt es immer wieder vor, dass manche
Patienten überhaupt nicht auf die angewendete Medikation ansprechen oder es
sogar zu Nebenwirkungen kommt. Den Grund dafür sehen Wissenschaftler in der genetischen Variabilität der Patienten. Mit
dieser Fragestellung beschäftigten sich zwei Fachgebiete, die so genannte
Pharmakogenetik und die Pharmakogenomik. Sie spielen bei der Entwicklung neuer
patientengerechter Arzneimittel und Therapien eine immer größere Rolle. Dabei
untersucht die Pharmakogenetik die Unterschiede des individuellen Ansprechens
auf Arzneimittel aufgrund erblich bedingter Faktoren, vor allem in der
klinischen Praxis. Die Pharmakogenomik widmet sich mehr der Erforschung neuer
Wirkstoffe im Labor und versucht zu klären, welche Genunterschiede für den
unterschiedlichen Abbau von Medikamenten oder für deren unterschiedliche
Wirkung in verschiedenen Patienten verantwortlich sind. In einem Workshop im Rahmen
des Berlin-Buch Congress on Biotechnology 2003 im Max Delbrück Communications
Center (MDC.C) diskutierten Wissenschaftler aus Universität und
Pharmaindustrie, darunter der Pharmakologe Prof. Ivar Roots von der Charité
(Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Andres Metspalu von der Universität
Tartu (Estland) und Prof. Thomas Weihrauch (Bayer AG, Wuppertal) Möglichkeiten
und Grenzen der Pharmakogenomik und Pharmakogenetik.
Nr. 22/13. Juni 2003
Deutsche Biotechnologie in einer Konsolidierungsphase
Der Boom in der deutschen Biotechnologiebranche ist vorbei.
Die Branche geht nach dem Aufschwung der vergangenen fünf Jahre in eine Phase
der Konsolidierung. Dieses Fazit ziehen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Ernst & Young (Mannheim) in ihrem „4. deutschen Biotechnologiereport 2003“
mit dem Titel „Zeit der Bewährung“ und der „Biotech Report 2002/2003
Berlin-Brandenburg“ des Aktionszentrums BioTop. Beide Berichte sind Anfang Mai
dieses Jahres erschienen. Erstmals seit fünf Jahren gab es 2002 keine Zunahme
bei der Anzahl der Firmen, des Umsatzes und der Arbeitsplätze, sondern einen
Rückgang. Dieser Trend wird sich wohl auch noch dieses Jahr so fortsetzen, prognostiziert
Ernst & Young. Die Lage der Biotechbranche im In- und Ausland war ein
Schwerpunktthema auf dem Berlin-Buch Congress on Biotechnology 2003 im Max
Delbrück Communications Center (MDC.C). Veranstaltet wird der internationale
Kongreß vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), BioTop
Berlin-Brandenburg, der Berlin-Buch Management GmbH (BBM) gemeinsam mit der
Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), der BBB Management GmbH Berlin-Buch, dem
Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), dem Bundesverband der
Pharmazeutischen Industrie (BPI) sowie den Berliner Wirtschaftsgesprächen.
Nr. 21/13. Juni 2003
Arnold-Graffi-Haus auf dem Campus Berlin-Buch eröffnet – Fünf Jahre Innovations- und Gründerzentrum – Eines der großen Biotechzentren in Deutschland – 45 Millionen Euro Fördermittel
Das Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) des Campus
Berlin-Buch hat jetzt ein mit rund 18 Millionen Euro errichtetes Labor- und
Bioinformatikgebäude eröffnet und damit gleichzeitig sein fünfjähriges Bestehen
gefeiert. Das Innovations- und Gründerzentrum ist Teil des Biotechnologieparks auf
dem Campus Berlin-Buch. Für den Aufbau des Innovations- und Gründerzentrums
konnte die Betreibergesellschaft des Campus, die BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch,
seit 1998 rund 45 Millionen Euro Fördermittel aus der „Gemeinschaftsaufgabe zur
Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GA-Mittel) und des
„Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) einwerben. „Mit der
Eröffnung des Neubaus gehören das IGZ und der Biotechnologiepark des Campus
Berlin-Buch mit Heidelberg und Martinsried zu den drei größten
Biotechnologieparks in Deutschland“, sagte Dr. Gudrun Erzgräber, Geschäftsführerin
der Betreibergesellschaft BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch. Dr. Erzgräber
zeigte sich für die künftige Entwicklung des Campus optimistisch. „Die einmaligen
Synergiemöglichkeiten durch die unmittelbare Nähe von Forschung, Kliniken und
Unternehmen sollten auch weiterhin und trotz derzeit abgeschwächter Konjunktur
zu Gründungen und kontinuierlichen Firmenentwicklungen führen. So stehen in den
Jahren 2002 und 2003 vier Firmeninsolvenzen bisher acht Neugründungen bzw.
Neuansiedlungen gegenüber.“ Um diese Entwicklung zu unterstützen, habe die BBB
GmbH ihr Beratungs- und Betreuungsangebot verstärkt. Zum IGZ gehören insgesamt
fünf Laborgebäude und das „Gläserne Labor“ (siehe Anlage Hintergrundinformation)
mit über 22 000 Quadratmeter Labor- und Bürofläche für start-up Unternehmen bis
zur Expansionsphase. Es stellt forschenden Unternehmern Labore der Sicherheitsstufen
1 – 3 zur Verfügung. Auf dem Campus Berlin-Buch haben sich bisher rund 30
Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern angesiedelt.
Nr. 20/13. Juni 2003
Prof. Gänsbacher: “Wirksame Strategien der molekularen Medizin - Jüngstes Beispiel - Antikörper gegen Darmkrebs”
Eine Million Menschen erkranken jedes Jahr in den USA an
Krebs. Im selben Jahr sterben daran rund 500 000 Menschen. Ähnlich sieht das
Verhältnis von Neuerkrankungen und Sterbefällen in der Bundesrepublik aus. Rund
300 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs, im gleichen
Zeitraum erliegen 200 000 Menschen ihrer Krebserkrankung. “Vor dem Hintergrund
dieser dramatischen Zahlen müssen wir versuchen, etwas gegen die
Krebserkrankungen zu tun”, sagte Prof. Bernd Gänsbacher vom Institut für
Experimentelle Onkologie und Therapieforschung der Technischen Universität
München (TU) auf dem Berlin-Buch Congress on Biotechnology 2003 am Freitag, den
13. Juni 2003, im Max Delbrück Communications Center (MDC.C) in Berlin-Buch. Er
wies darauf hin, dass Mediziner und Biologen in den vergangenen Jahren neue Erkenntnisse
über die Regulation von Zellwachstum und Zellvermehrung gewonnen haben und damit
lernen konnten, wie Krankheiten entstehen. “Die molekulare Medizin hat uns ein
ganzes Arsenal an Handwerkszeug an die Hand gegeben. Aus dieser breiten Front
schält sich in jüngster Zeit eine Reihe von Strategien heraus, die sich bereits
als wirksam erwiesen haben”, sagte er. Dazu gehören verschiedene Antikörper und
Wachstumshemmer, die direkt in die Regulationsmechanismen der
Tumorzellvermehrung eingreifen.
Nr. 19/13. Juni 2003
Prof. Ganten: „Die Genomforschung fängt erst jetzt richtig an“ - Walter Momper betont Bedeutung der Biotechnologie für die wirtschaftliche Zukunft
„Wer geglaubt hat, mit der Entzifferung des Genoms des
Menschen sei die Genomforschung beendet, der irrt. Die Arbeit fängt erst
richtig an“, sagte Prof. Detlev Ganten, Stiftungsvorstand des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch zum Auftakt des
zweitägigen Berlin-Buch Congress on Biotechnology 2003. „Ziel ist, anhand des
Genoms Krankheiten und die Veranlagungen für Krankheiten auf individueller
Basis zu erkennen und spezifische Diagnostik, Therapie und insbesondere auch
Vorbeugung zu betreiben.“ Zugleich wies er darauf hin, dass Deutschland in den
vergangenen Jahren in der Genomforschung deutlich aufgeholt hat. 2002 standen
für die Genomforschung rund 180 Millionen Euro Projektmittel im Wesentlichen
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Verfügung, etwas
mehr als in Großbritannien mit rund 175 Millionen Euro. In Frankreich waren es
130 Millionen Euro. Die USA verfügten im gleichen Jahr über mehr als 900
Millionen Dollar für die Genomforschung. Walter Momper, der Vorsitzende der
Berliner Wirtschaftsgespräche und Mitveranstalter des Kongresses, erklärte:
„Die Berliner Wirtschaftsgespräche bieten Wirtschaft, Wissenschaft und Politik
eine Kommunikationsplattform auch im Bereich der Neuen Technologien. Wir
engagieren uns deshalb besonders für die Biotechnologie, da sie als
Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts ihre Potenziale für die Entwicklung
neuer Strategien für Diagnose und Therapie nur in enger Kooperation mit der
Wirtschaft entfalten kann.
Nr. 18 /10. Juni 2003
Kliniker aus Berlin-Buch auf Weltkongress für Nierenheilkunde ausgezeichnet
Für ihre Forschungen auf dem Gebiet der
Herz-Kreislaufkrankheiten und Nierenerkrankungen sind jetzt (Montag, 9. Juni
2003) Dr. Maik Gollasch und Dr. Ralph Kettritz von der Franz-Volhard-Klinik für
Herz-Kreislauferkrankungen (Charité der Humboldt-Universität zu Berlin, Campus
Berlin-Buch/Helios Klinikum Berlin) auf dem Weltkongress für Nierenheilkunde in
Berlin ausgezeichnet worden.
Nr. 17/5. Juni 2003
Prof. Ludwig: „Präziser werdende Diagnostik verbessert Krebstherapie
In der Bundesrepublik erkranken jedes Jahr rund 11 000
Menschen an Blutkrebs (Leukämie), darunter etwa 600 Kinder bis zum 15.
Lebensjahr an akuter Leukämie. In den vergangenen Jahren haben sich
diagnostische Möglichkeiten und Klassifikation der verschiedenen Leukämieformen
erheblich verbessert. Das hat auch Auswirkungen auf die Therapie. War die so genannte
akute lymphatische Leukämie (ALL) 1950 noch eine innerhalb weniger Wochen
tödlich verlaufende Krankheit, können heute rund 80 Prozent der betroffenen
Kinder und 35-40 Prozent der Erwachsenen durch risikoadaptierte
Therapiestrategien (Kombination verschiedener Zytostatika, Bestrahlung des
zentralen Nervensystems) geheilt werden. Darauf hat jetzt Prof. Wolf-Dieter
Ludwig, Hämatologe und Onkologe in der Robert-Rössle-Klinik der Charité
(Humboldt-Universität zu Berlin/HELIOS Klinikum Berlin) im Vorfeld eines
Symposiums zur Leukämie- und Lymphomdiagnostik in Berlin-Buch hingewiesen.
Schwerpunkte des viertägigen Symposiums (http://www.kieler-symposium.de),
das am Mittwoch, den 18. Juni 2003, im Kommunikationszentrum des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch beginnt, sind
unter anderen die neue Klassifikation der verschiedenen Blutkrebsformen durch
die Weltgesundheitsorganisation (WHO), moderne Methoden zum Nachweis residualer
Leukämiezellen (so genannte minimale Resterkrankung) unter Therapie, Genexpressionsanalysen
bei akuten Leukämien mit Hilfe der Chip-Technologie sowie Blutkrebs bei Neugeborenen.
Ergänzt werden die Vorträge der Referenten aus den USA, Frankreich, England und
der Bundesrepublik durch zahlreiche praktische Kurse für Ärzte und Ärztinnen.
Veranstalter des Symposiums, zu dem rund 150 Teilnehmer erwartet werden, sind
neben der Robert-Rössle-Klinik das vom Bundesforschungsministerium geförderte
Kompetenznetzwerk akute und chronische Leukämien, der Arbeitskreis Labor der
Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) und die
Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO).
Nr. 16/23. Mai 2003
Mediziner vom MDC und Virchow-Klinikum erhält Kind-Philipp-Preis
Für die Erforschung der Wirkungsweise von Zellgiften
(Zytostatika) auf Tumorzellen hat Dr. Clemens A. Schmitt vom
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Klinik
für Hämatologie und Onkologie, Campus-Virchow-Klinikum, Universitätsklinikum
Charité der Humboldt-Universität zu Berlin den Forschungspreis 2002 der
Kind-Philipp-Stiftung für Leukämieforschung im Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft erhalten. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wurde dem Mediziner
am Freitag, 23. Mai 2003, im Virchow-Klinikum in Berlin überreicht.
Nr. 14/6. Mai 2003
Verwaltungstrakt von Hermann von Helmholtz-Haus eingeweiht
Zweiter Neubau des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
Der Bürotrakt des neuen Forschungs- und Verwaltungsgebäudes
des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und des
Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) auf dem Campus
Berlin-Buch ist jetzt nach über zweieinhalbjähriger Bauzeit fertiggestellt und
am Dienstag, den 6. Mai 2003, offiziell seiner Bestimmung übergeben worden.
Ende 2003 soll das zu dem Bau gehörige Tierlabor fertig sein. Die Baukosten von
insgesamt 28 Millionen Euro tragen der Bund und das Land Berlin. Der Bau hat
eine Gesamtnutzfläche von über 14 000 Quadratmetern, davon entfallen 12 000
Quadratmeter auf Labors und modernste Anlagen für Tiere. Gebaut hat das Haus
das Architekturbüro Eckhard Fröse (Braunschweig). Der Neubau ist benannt nach
dem Mediziner und Physiker Hermann von Helmholtz (1821 Potsdam – 1894 Berlin),
Namensgeber der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, zu der
neben dem MDC weitere 14 Forschungseinrichtungen wie zum Beispiel das Deutsche
Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg gehören.
Nr. 13/30. April 2003
„Lust auf Karriere?“ - Erstes Mentoringprogramm für Wissenschaftlerinnen im MDC erfolgreich - Zweite Bewerbungsrunde gestartet
Das vor rund eineinhalb Jahren im Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gestartete Mentoringprogramm*
speziell zur Karriereförderung bereits promovierter Wissenschaftlerinnen
(Post-Doktorandinnen) ist erfolgreich verlaufen und soll deshalb in einer
zweiten Runde fortgesetzt werden. Das hat der Vorstand des MDC beschlossen und
die zweite Bewerbungsrunde im MDC ausgeschrieben. Das jetzt ausgelaufene
Programm war ursprünglich auf ein Jahr konzipiert und dann um sechs Monate
verlängert worden. Für das Folgeprogramm ist eine Laufzeit von 15 Monaten veranschlagt.
Nr. 12/28.April 2003
Neue Einblicke in die Entstehung von Krebs
Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass genetische Veränderungen
zur Entstehung von Krebs führen können. Die genetische Information ist in der
Basenabfolge (A, C, G und T) der Erbsubstanz DNA enthalten und stellt den
genetischen Bauplan des Körpers dar. Alle Zellen des Körpers enthalten eine
identische Kopie dieses Bauplans. Trotzdem können die Zellen verschieden
aufgebaut sein und sehr unterschiedliche Funktionen ausüben. Der Grund dafür
ist, dass je nach Zelltyp – zum Beispiel Muskel- oder Nervenzelle - jeweils nur
ein bestimmter Teil der genetischen Information abgelesen wird. Das hängt von
der Verpackung (Chromatinstruktur) und der Modifikation der DNA durch Anhängen
so genannter Methylgruppen (Methylierung) ab. Chromatinstruktur und
DNA-Methylierung werden daher auch epigenetische Information (griech.Vorsilbe
epi: über) genannt, also Informationen, die über die rein genetische
Information der Basenabfolge hinausgehen. Jetzt hat in einer Kooperation mit
Prof. Dr. Rudolf Jaenisch (Whitehead Institute am Massachusetts Institute of
Technology, MIT, in Cambridge/USA) und Prof. Dr. Joe Gray (Universität von
Kalifornien) die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Heinrich Leonhardt (Ludwig-Maximilians-Universität
und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch) zeigen
können, dass auch epigenetische Veränderungen zur Entstehung von Krebs führen
können. Die Arbeiten sind in der renommierten Fachzeitschrift Science
(Vol. 300, No. 5618, pp. 442-443; 455; 489-492) erschienen.
Nr. 11/15. April 2003
Der Entwicklung von Blutzellen auf der Spur
MDC-Wissenschaftler erforschen molekularen Schlüsselprozess
Einer der grundlegenden Prozesse in der Biologie ist die
Umsetzung der in den Genen enthaltenen Bauanleitungen in Proteine, den
universalen Baustoffen und Maschinen des Lebens. Zuerst wird dabei eine
Bauanleitung von der Sprache der Gene, der DNA, in die Sprache einer
transportablen Botenform, der RNA, übersetzt. Die Boten-RNA transportiert diese
Information weiter zu den Proteinfabriken der Zelle, den Ribosomen. Diese
setzen die Proteine entsprechend dem RNA-Bauplan aus Einzelbausteinen, den so
genannten Aminosäuren, zusammen. Die Übertragung der Information von der
Boten-RNA in die spezifische Abfolge der Aminosäure-Bausteine der Proteine
bezeichnen Biologen als „Translation“, d.h. Übersetzung. Wie die Translation im
Einzelnen kontrolliert wird, war bislang weitgehend unbekannt. Jetzt gelang es
Dr. Cornelis F. Calkhoven und Dr. Christine Müller aus der Forschungsgruppe von
Dr. Achim Leutz vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch in Zusammenarbeit mit Forschern des Klinischen Forschungsinstituts
in Montreal/Kanada einen neuartigen Regulationsmechanismus für diese
Übersetzung zu entschlüsseln, der eine entscheidende Rolle bei der Bildung
verschiedener Blutzellen spielt. Ihre Arbeit ist jetzt in der angesehenen
Fachzeitschrift Genes and Development (Vol. 17, No. 8, April 15, 2003)*
erschienen.
Nr.10/1. April 2003
Bazooka für Überraschungen gut
Neue Erkenntnisse über Zellwanderungen in der Fruchtfliege Drosophila
Zellen müssen in bestimmten Entwicklungsphasen eines
Organismus in der Lage sein, ihren Entstehungsort zu verlassen, gezielt zu
wandern und sich gegebenenfalls wieder festsetzen zu können. Diese
grundlegenden Prozesse sind sowohl bei der Embryonalentwicklung als auch für
die Funktion eines ausgereiften Organismus von entscheidender Bedeutung.
Geraten diese sehr genau aufeinander abgestimmten Prozesse aus dem Takt, können
Krankheiten etwa des Herz-Kreislauf- sowie Nervensystems die Folge sein, aber
auch Tumorerkrankungen. Grundlagenforscher gehen deshalb auch der Frage nach,
auf welche Weise Tumorzellen wandern und Tochtergeschwülste (Metastasen)
bilden.
Nr. 9/18. März 2003
Prof. Ganten zum Ritter der Ehrenlegion ernannt
Mit der höchsten Auszeichnung Frankreichs ist jetzt Prof.
Detlev Ganten, Stiftungsvorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch, geehrt worden. Der französische Botschafter in
Deutschland, Claude Martin, zeichnete ihn im Namen des Präsidenten der
französischen Republik mit dem Orden eines Ritters (Chevalier) der Ehrenlegion
(Legion d`Honneur) aus. Damit sollen nach Angaben der französischen Botschaft
die Verdienste von Prof. Ganten für die deutsch-französische Zusammenarbeit auf
den Gebieten der Biomedizin und der Genetik gewürdigt werden. Die Zeremonie
fand in der neuen französischen Botschaft am Pariser Platz in Berlin-Mitte
statt. Den Orden hatte 1802 Napoleon I. gestiftet.
Nr. 8/28. Februar 2003
Wissenschaftler von Charité und MDC entdecken neues Gen für erbliche Herzmuskelerkrankung
Eine der am häufigsten vererbten Erkrankungen des Herzens ist
die Verdickung des Herzmuskels, die so genannte Hypertrophe Kardiomyopathie
(HCM). Typischerweise macht sich die Erkrankung durch eine Einschränkung der
körperlichen Leistungsfähigkeit bemerkbar: Betroffene spüren bei Anstrengung
Luftnot und Druckgefühl auf der Brust. Viele Betroffene haben jedoch keine oder
nur sehr gering ausgeprägte Beschwerden, so dass die Erkrankung in vielen
Fällen unbemerkt verläuft. Gefürchtet ist ein plötzlicher Herztod infolge der
Erkrankung. So ist eine HCM die häufigste Ursache für einen plötzlichen Herztod
bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Deshalb ist es wichtig, die
Erkrankung möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Jetzt haben Christian
Geier und Prof. Karl Josef Osterziel von der Franz-Volhard-Klinik und dem
Virchow Klinikum (beide Charité der Humboldt Universität zu Berlin) und
Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch sowie der Universitäten Potsdam und Witten-Herdecke ein neues
Krankheitsgen als Ursache der Erkrankung entdeckt. Ihre Arbeit ist jetzt in der
angesehenen amerikanischen Fachzeitschrift Circulation*
online veröffentlicht worden (http://circ.ahajournals.org/rapidaccess.shtml, Digital Object Identifier, doi:
10.1161/01.CIR.0000056522.82563.5F; gedruckte Ausgabe mit begleitendem
Editorial: Circulation.
2003;107:1390-1395, 18. März 2003).
Nr. 7/24. Februar 2003
Wie aus einer Blutstammzelle eine Langerhans-Zelle wird
MDC-Wissenschaftler entdecken Steuerungsmechanismus für Immunzelle
Wie wird aus einer Stammzelle eine spezialisierte Körperzelle?
Mit diesen Fragen befasst sich die Forschungsgruppe „Molekulare Zellbiologie
hämatopoetischer (blutbildender) Zellen“ von Dr. Martin Zenke am
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Im Blickfeld
seiner Forschungsarbeiten stehen dabei bestimmte Zellen des Immunsystems, die
dendritischen Zellen, so genannt wegen ihrer bäumchenartigen Verästelungen. Sie
haben die Aufgabe, Erreger dingfest zu machen und sie anderen Zellen des
Immunsystems, den T-Zellen, vorzuführen, damit sie unschädlich gemacht werden
können. Zusammen mit Dr. Christine Hacker und Dr. Ralf D. Kirsch aus seinem
Labor hat der Biologe jetzt zeigen können, dass ein bestimmter Faktor, kurz Id2
genannt, die Entwicklung der vor allem in der Haut vorkommenden dendritischen
Zellen, den Langerhans-Zellen, aus Blutstammzellen steuert. Ihre Arbeit hat
jetzt die renommierte Fachzeitschrift Nature Immunology online veröffentlicht*
(www.nature.com/natureimmunology,
Advance Online Publication, AOP, Digital Object Identifier, doi: 10.1038/ni903)
Nr.6/6.Februar 2003
Das Puzzle der Proteinfaltung
Galt die Erforschung der Faltung von Proteinen noch vor Jahren
als hochinteressante, aber eher akademische Fragestellung, hat diese
Forschungsrichtung inzwischen auch ein medizinisches Gewicht bekommen. Das hat
verschiedene Gründe. So konnte die Forschung zum einen zeigen, dass fehlerhaft
gefaltete Proteine schwere Erkrankungen auslösen, weil die zusammengeklumpten
Eiweiße nicht mehr abgebaut werden können. Dazu zählen etwa Alzheimer, Creutzfeldt-Jacob,
Rinderwahn (BSE), die Traberkrankheit Scrapie bei Schafen sowie einige
Muskelerkrankungen. Zum anderen spielt die effiziente und korrekte Faltung von
Proteinen bei der gentechnischen Produktion zum Beispiel von Medikamenten eine
wichtige Rolle. Darauf hat Prof. Thomas Kiefhaber vom Biozentrum der
Universität Basel (Schweiz) auf einem wissenschaftlichen Symposium im
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch am Mittwoch, den
5. Februar 2003, anlässlich des 65. Geburtstags des Proteinforschers Prof.
Gregor Damaschun (MDC) hingewiesen. Prof. Damaschun gilt auf diesem Gebiet als
einer der international renommiertesten Proteinforscher. Zugleich stellte Prof.
Kiefhaber neue biophysikalische Techniken vor, die es ermöglichen, die
elementaren Prozesse der Proteinfaltung zu verfolgen, die innerhalb von
millionstel bis milliardstel von Sekunden ablaufen.
Nr.5/5. Februar 2003
Prof. Detlev Ganten zum Präsidenten von internationaler Gutachterkommission des Collège de France gewählt
Eine der renommiertesten wissenschaftlichen Einrichtungen
Frankreichs, das 1530 gegründete Collège de France, strukturiert sich um und
hat eine internationale Kommission, das Comité international d`orientation
scientifique et stratégique (COSS) einberufen, diesen Prozess kritisch zu
begleiten. Zum Präsidenten dieser Kommission ist jetzt der Mediziner und Stiftungsvorstand
des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, Prof. Detlev
Ganten, gewählt worden. Sein Stellvertreter ist der ungarische Archäologe Prof.
Miklós Szabó von der Eötvös Loránd Universität in Budapest. Dem Gremium gehören
12 international renommierte Wissenschaftler aus Europa, darunter je drei aus
Deutschland sowie Belgien an. Die anderen Mitglieder kommen aus Großbritannien,
Italien, Ungarn, Brasilien und den USA. Den ersten Bericht soll das Komitee im
Jahre 2004 vorlegen.
Nr. 4 /31. Januar 2003
Chagas-Krankheit und Herzmuskelschwäche
Millionen von Menschen in Lateinamerika betroffen
In Mittel- und Südamerika tritt eine Infektionskrankheit auf,
die Millionen von Menschen betrifft und dennoch im Rest der Welt nahezu
unbekannt ist - die Chagas-Krankheit. Erreger ist ein einzelliges
Geißeltierchen (Trypanosoma cruzi), das von Raubwanzen übertragen wird, die
sich von Blut ernähren und vor allem nachts Menschen und Tiere befallen. Der
Parasit kann auch bei Transfusionen mit verseuchtem Spenderblut übertragen
werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf (Schweiz) schätzt, dass
16 - 18 Millionen Menschen mit dem Erreger infiziert sind und rund 100
Millionen Menschen Gefahr laufen, sich anzustecken. Betroffen von der
Krankheit, die der brasilianische Arzt Carlos Chagas 1909 entdeckt hatte, sind
vor allem Menschen, die in stroh- und palmbedeckten Lehmhütten auf dem Land und
in den Slums der Großstädte leben. Im Akutstadium, das bei 30 bis 40 Prozent
der Infizierten, zumeist Kindern, auftritt, sterben rund fünf – zehn Prozent an
Herzversagen oder einer Hirnerkrankung. Die chronische Phase, die häufig erst
nach einer symptomfreien Zeit von 20 - 30 Jahren ausbricht, verursacht bei 10 -
20 Prozent der Erkrankten schwere Organschäden, hauptsächlich am Herzen. Als
Folge der Chagas-Krankheit
Nr. 3/31. Januar 2003
Neue Erkenntnisse über Bluthochdruck in der Schwangerschaft
Gefürchtete Komplikation für Mutter und Kind
Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist die häufigste Ursache
für eine Gesundheitsschädigung oder gar den Tod von Mutter und Kind. Die
Ursache für diese als Präeklampsie oder Gestose (lat. gestare - tragen)
bezeichnete Erkrankung ist noch unklar. Möglicherweise spielen bei der
Entstehung Autoantikörper eine Rolle, Proteine, die den eigenen Körper
angreifen. Bei Schwangeren mit Präemklampsie entdeckten Forscher des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in
Zusammenarbeit mit der Franz-Volhard-Klinik des Universitätsklinikums Charité
der Humboldt-Universität, (Campus Berlin-Buch/Helios Kliniken Berlin)
Autoantikörper, die gegen einen Rezeptor (Angiotensin II AT1) gerichtet sind,
der an der Blutdruckregulation beteiligt ist. Kürzlich konnten sie zeigen, dass
die Autoantikörper ein bestimmtes Enzym (NADPH-Oxydase) aktivieren, das
Sauerstoffradikale freisetzt, die wiederum die Blutgefäße schädigen können.
„Das könnte ein erster Hinweis darauf sein, wie die Krankheit entsteht“, sagte
der Bluthochdruckforscher und Nierenspezialist Prof. Friedrich Luft (FVK und
MDC) auf einer internationalen Tagung in Berlin-Buch. Das eintägige Symposium
über Autoantikörper, die so genannte G-Protein gekoppelte Rezeptoren aktivieren
und Krankheiten auslösen können, fand aus Anlass des 60. Geburtstags von Dr.
Gerd Wallukat (MDC) statt, der in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus dem
In- und Ausland eine Reihe von Autoantikörpern, darunter auch die bei
Schwangeren mit Bluthochdruck, entdeckt hat.
Nr. 1/ 3. Januar 2003
MDC-Wissenschaftler entdecken zweites Gen für Bildung von Serotonin
Es sorgt für gute Laune, reguliert den Schlaf, den Appetit und
den Blutdruck und hält den Darm in Bewegung - das Hormon Serotonin. Was
geschieht, wenn der Organismus kein Serotonin mehr bilden kann? Dieser Frage
sind Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch zusammen mit Forschern der Freien Universität (FU) Berlin und der
Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) nachgegangen. Dabei haben sie ein neues
Gen entdeckt, dessen Produkt für die Serotoninbildung im Gehirn sorgt. Bei
Mäusen hatten sie das Gen ausgeschaltet, welches das Enzym
Tryptophan-Hydroxylase produziert, das für die Serotonin-Bildung verantwortlich
ist. Ergebnis: im Darm der Tiere war die Serotoninproduktion gestoppt, nicht
hingegen im Gehirn. Die Ergebnisse von Dr. Diego J. Walther und Dr. Michael
Bader hat jetzt die renommierte amerikanische Fachzeitschrift „Science“ (Vol.
299, No 5603, http://www.sciencemag.org)*
veröffentlicht.

