Nr. 20/14. Mai 2004
Weshalb schwankt der Cholesterinspiegel?
Berliner Wissenschaftler können erstmals genetischen Einfluß quantifizieren
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen weltweit an erster Stelle
der Todesursachen. Blutfette, insbesondere das LDL-Cholesterin, gelten dabei
als die größten Risikofaktoren. Sie führen zur Verkalkung von Gefäßen. Die
Folgen sind Herzinfarkt und Schlaganfall. Doch der Cholesterinspiegel im Blut
ist Schwankungen unterworfen. Soviel ist bekannt: je größer der Quotient aus
"schlechten" LDL-Cholesterinwerten und "guten"
HDL-Cholesterinwerten, desto größer ist das Risiko für einen Einzelnen eine
Herz-Kreislaufkrankheit zu bekommen. Aber wie lassen sich die Schwankungen erklären?
Sind sie hauptsächlich genetisch bedingt oder spielt die Umwelt dabei eine
entscheidende Rolle? Bisher kennt die Wissenschaft eine Vielzahl von Genen, die
in den Cholesterinstoffwechsel involviert sind. Wissenschaftler der
Franz-Volhard-Klinik der Charité/Helios Klinikum Berlin und des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch haben in den
vergangenen zehn Jahren 13 besonders wichtige Gene des Fettstoffwechsels und
ihre spezifischen Veränderungen, in der Fachsprache kurz SNP`s genannt, bei 250
Familien mit insgesamt 1054 gesunden Personen untersucht. Dabei stellten sie
fest, daß zwei Drittel der genetisch bedingten Schwankungen im Cholesterinspiegel
durch die untersuchten SNP`s zu erklären sind. „Niemand wusste, wie groß der
Einfluß der SNP`s auf die genetische Variabilität der Cholesterinspiegel ist,
jetzt können wir das quantifizieren“, erläutert Dr. Hans Knoblauch von der
Charité. Die Arbeit von ihm, Prof. Friedrich Luft, Dr. Peter Nürnberg, Prof.
Jens Reich und weiteren Wissenschaftlern der Charité und des MDC ist jetzt in
der renommierten Fachzeitschrift Human
Molecular Genetics (2004, Vol. 13, No 10, pp 993 - 1004)* erschienen. Das nächste große Ziel
ist, anhand der unterschiedlichen Ausprägungen der Gene das Risiko für die
Betroffenen vorhersagen zu können, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.
*Haplotypes
and SNPs in 13 lipid-relevant genes explain most of the genetic variance in
high-density lipoprotein and low-density lipoprotein cholesterol Hans Knoblauch1,
Anja Bauerfeind3, Mohammad Reza Toliat2, Christian Becker2,
Tatjana Luganskaja3, Ulf Peter Günther3, Klaus Rohde3,
Herbert Schuster1, Christine Junghans1, Friedrich C. Luft1,
Peter Nürnberg2,4 and Jens Georg Reich3, 1Medical Faculty of the Charité, Franz Volhard Clinic, Helios Klinikum,
Berlin, Germany, 2Gene Mapping Center, 3Bioinformatics
Section, Max Delbrück Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany and 4Institute
of Medical Genetics, Charité University Hospital, Humboldt University, Berlin,
Germany
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/ueber_das_mdc/presse/index.htm

