Nr. 4/10. Februar 2005
Neue Erkenntnisse zur Abstoßung von Nierentransplantaten
Neue Erkenntnisse zur Abstoßung von Nierentransplantaten hat
jetzt eine Gruppe von 18 Forschern der Charité - Universitätsmedizin Berlin
(Campus Mitte), der Franz-Volhard Klinik (FVK), Helios Klinikum-Berlin und des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gewonnen. Über
10 Prozent aller Abstoßungen von transplantierten Nieren kommen durch zirkulierende
antikörper-vermittelte so genannte „humorale“ Abstoßung zustande. Etwa die
Hälfte dieser Patienten bildet Antikörper gegen bekannte Gewebeantigene,
Strukturen, die das Immunsystem als fremd erkennt. Aber für die andere Hälfte
ist die Ursache der Transplantatabstoßung unbekannt. Die Berliner
Forschergruppe hat jetzt herausgefunden, dass die Patienten Antikörper gegen
einen Schlüsselrezeptor (Angiotensin II Rezeptor) bilden, die in der Lage sind,
den Rezeptor anzuschalten. Der Rezeptor spielt normalerweise eine wichtige
Rolle bei der Regulation von Gefäßen und des Salzhaushalts. Wird er
überstimuliert, können schwere entzündliche Gefäßschädigungen und schwerer
Hochdruck die Folge sein. Diese führen vermutlich zu dem Transplantatversagen.
Die Gruppe konnte zeigen, dass Medikamente, die den Rezeptor besetzen,
Angiotensin 1 Rezeptorblocker, und die Entfernung der Antikörper aus dem
Blutplasma durch Plasmapherese, eine Schädigung des transplantierten Organs
verhindern können. Tierexperimentelle Daten sowie Experimente zur
Signalübermittlung durch die Antikörper stützen diese Ergebnisse. Die Arbeit
der Forscher hat jetzt das New England Journal of Medicine (online; Vol.
352, No. 6, pp. 558-69, 2005)* mit einem begleitenden Editorial veröffentlicht.
Prof. Duska Dragun (Charité Mitte), die an der FVK promovierte, ist
Erstautorin, Dr. Gerd Wallukat (MDC) identifizierte und charakterisierte
umfassend als erster diese Antikörper, Dr. Dominik Müller, Helmholtz-Stipendiat
am MDC, leitete die Untersuchungen zur Signaltransduktion. Die Arbeit basiert
auf früheren Studien von Prof. Friedrich Luft (FVK) und Dr. Wallukat wonach
ähnliche Antikörper Bluthochdruck in der Schwangerschaft (Präeklampsie)
auslösen, die häufigste Ursache für eine Gesundheitsschädigung oder gar den Tod
von Mutter und Kind.
*Angiotensin II Type 1-Receptor-Activating Antibodies in Renal-Allograft Rejection Duska Dragun, M.D., Dominik N. Müller, Ph.D., Jan Hinrich Bräsen, M.D., Lutz Fritsche, M.D., Melina Nieminen-Kelhä, B.S., Ralf Dechend, M.D., Ulrich Kintscher, M.D., Birgit Rudolph, M.D., Johan Hoebeke, Ph.D., Diana Eckert, M.D., Istvan Mazak, M.D., Ralph Plehm, Ph.D., Constanze Schönemann, Ph.D., Thomas Unger, M.D., Klemens Budde, M.D., Hans-Hellmut Neumayer, M.D., Friedrich C. Luft, M.D., and Gerd Wallukat, Ph.D. From the Departments of Nephrology (D.D., L.F., M.N.-K., D.E., K.B., H.-H.N.) and Pathology (B.R.), and the Center for Cardiovascular Research (D.D., M.N.-K., U.K., T.U.). Charité University Hospital; the Franz Volhard Clinic and HELIOS Klinikum (D.N.M., J.H.B., R.D., I.M., F.C.L.); the Max Delbrück Center for Molecular Medicine (R.P., G.W.); and the HLA Laboratory (C.S.) – all in Berlin; an the Institut de Biologie Molêculaire et Cellulaire, Centre National de la Recherche Scientifique, Strasbourg, France (J.H.). Address reprint requests to Dr. Dragun at the Department of Nephrology and Transplantation, Charité University Hospital, Campus Mitte, Schumannstr. 20-21, 10117 Berlin, Germany, or at duska.dragun.@charite.de. N Engl J Med 2005; 352:558-69; Copyright © 2005 Massachusetts Medical Society
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/de/news

