Nr. 9/11.März 2005
Verhinderung von Rückfällen bei Leukämien
165 000 Euro für Forschungsprojekt zum Nachweis minimaler Resterkrankung
Ziel jeder Therapie gegen Blutkrebs (Leukämie) ist es, alle
bösartigen Zellen zu zerstören und ein Wiederauftreten der Erkrankung zu
verhindern. Trotz aller Therapieanstrengungen können jedoch einige Krebszellen
überleben und erneut zu einem Ausbruch der Erkrankung führen. Ärzte sprechen in
solchen Fällen von minimaler Resterkrankung. Gelingt es, diese persistierenden
Leukämiezellen zu entdecken, so ist es möglich, die Behandlung rechtzeitig
umzustellen und zu intensivieren, um den Patienten doch noch zu heilen. Um
beurteilen zu können, ob die Behandlung erfolgreich ist, oder ob die Therapie
verstärkt werden muss, setzen Ärzte für die Blutzellanalyse inzwischen die so
genannte Durchflusszytometrie sowie molekularbiologische Methoden ein. Bei der
Durchflußzytometrie laufen die Zellen hintereinander durch eine dünne Messsäule
und passieren dabei einen von der Seite kommenden Laserstrahl. Neben der
Zellgröße und Binnenstrukturen der Zelle können dadurch vier weitere, durch
Antikörper markierte Eigenschaften von Leukämiezellen erkannt werden.
Dr. Richard Ratei und Dr. Leonid Karawajew aus der Forschungsgruppe von Prof. Wolf-Dieter Ludwig (Robert-Rössle-Klinik, Charité – Universitätsmedizin Berlin/Helios Klinikum Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch) haben jetzt die so genannte multiparametische Durchflußzytometrie in der Klinik bei Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) erprobt. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass sie bei 90 Prozent der Patienten mit ALL eingesetzt werden kann. Die Blutkrebsspezialisten können somit noch unter 1 000 bzw. 10 000 gesunden Zellen eine Leukämiezelle aufspüren. Jetzt soll mit dieser Technik in Kooperation mit Arbeitsgruppen aus Wien (Institut für Kinderkrebsforschung, St. Anna Kinderspital), Monza (Centro Ricerca M. Tettamanti Clinica Pediatrica Università di Milano Bicocca) und Padua (Laboratorio di Oncoematologica Dipartimento di Pediatria Università di Padua) in einer internationalen Studie bei Kindern mit ALL der prognostische Stellenwert der multiparametrischen Durchflußzytometrie zum Nachweis persistierender Leukämiezellen geprüft werden. Für dieses Forschungsprojekt hat die Wilhelm Sander-Stiftung (Neustadt a. d. Donau) den Klinikern in Berlin-Buch für die nächsten zwei Jahre 165 000 Euro zur Verfügung gestellt. Weiter werden sie dabei auch erstmals einzelne Leukämiezellen aus dem Knochenmark oder peripheren Blut mit Hilfe der Durchflußzytometrie isolieren und umfassend molekularbiologisch analysieren, um neue diagnostische Marker und für die Entwicklung innovativer Therapiestrategien Kandidatengene zu identifizieren. Die ALL ist eine bösartige Erkrankung, die vor allem bei Kindern auftritt. Derzeit können fast 80 Prozent der Patienten im Kindesalter geheilt werden.
Barbara Bachtler
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