Nr. 11/16. März 2005
Neue Einblicke in die Entwicklung von Nervenzellen des Rückenmarks
Die wichtigste Schaltstelle für die Weiterleitung von
Sinneswahrnehmungen aus dem Körper in das Gehirn ist das Rückenmark in der
Wirbelsäule. Eine Zone spielt dabei eine große Rolle – das so genannte
Hinterhorn, in dem sich die Nervenzellen befinden, die Sinneswahrnehmungen empfangen,
verarbeiten und übermitteln. Eine Berührung der Haut etwa ist deshalb bewusst
erfahrbar, weil Neuronen des Hinterhorns diese Sinnesempfindung weiterleiten.
Die komplexen Regelkreise, in denen diese Neurone agieren, werden bereits in
der Embryonalentwicklung angelegt. Zwei verschiedene Klassen von Neuronen im
Hinterhorn des Rückenmarks, A und B, können während der Embryonalentwicklung
unterschieden werden. Die Klasse A-Neurone sind unter anderem für die
Übertragung von Informationen über die Position des Körpers und der Gliedmassen
verantwortlich, die Klasse B-Neurone für Berührungs-, Temperatur- und
Schmerzempfindungen der Haut. Sehr wenig war aber bisher darüber bekannt,
welche Faktoren die Entwicklung dieser verschiedenen Neuronenklassen steuern.
Jetzt haben Entwicklungsbiologen des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch in Zusammenarbeit mit Forschern des Europäischen
Molekularbiologischen Labors (EMBL) in Heidelberg neue Einblicke in die
Entstehung von Neuronen im Hinterhorn des Rückenmarks gewonnen. Sie konnten im
Tierversuch zeigen, dass der Transkriptionsfaktor Olig3 die Entstehung der
Klasse A-Neurone steuert. Gegenspieler von Olig3 ist der Transkriptionsfaktor
Lbx1, den die Forscher bereits wenige Jahre zuvor entdeckt hatten und der für
die Entwicklung von Klasse B-Neuronen wichtig ist. Die Arbeit von Dr. Thomas
Müller aus dem Labor von Prof. Carmen Birchmeier in Zusammenarbeit mit Dr.
Mathias Treier (EMBL) ist jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Genes and Development* online (Vol. 19,
Issue 6, pp.733-743, March 15, 2005) erschienen.
*The bHLH factor Olig3 coordinates the specification of dorsal neurons in the spinal cord Thomas Müller1,3, Katrin Anlag2,3, Hendrik Wildner1, Stefan Britsch1, Mathias Treier2* and Carmen Birchmeier1* 1Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, Robert-Rössle-Strasse 10, 13122 Berlin, Germany. 2European Molecular Biology Laboratory, Meyerhofstrasse 1, 69117 Heidelberg, Germany 3authors contributed equally *Corresponding authors: C. B.: Tel. +49 30 9406 2403; FAX. +49 30 9406 3765; e-mail: cbirch@mdc-berlin.de M. T.: Tel. +49-6221-387 428; FAX. +49-6221-387 166; e-mail: treier@embl.de
Barbara Bachtler
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