Nr. 26/2. August 2005
S p e r r f r i s t: Mittwoch, 3. August 2005, 19.00 MESZ
Doppeltes Sicherungssystem
Krebsforscher von Charité und MDC weisen zweites Zell-Schutzprogramm nach – Stoppt Lymphkrebs in der Entstehung
Zellen, die unter Stress geraten, verfügen offenbar über zwei
unterschiedliche Sicherungssysteme, die sie davor schützen zu entarten. Das
bekannteste ist die Apoptose, bei der sich geschädigte
Zellen selbst umbríngen, um den Organismus vor
Schaden zu bewahren. Das zweite Sicherungssystem hingegen hält den Zellzyklus
an, die Zelle kann sich nicht mehr teilen, lebt aber im Gegensatz zur Apoptose weiter und ist noch Stoffwechsel-aktiv. Hinweise
auf dieses Schutzprogramm gab es seit einigen Jahren aus
Zellkulturexperimenten. Jetzt haben Krebsforscher der Charité -
Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch dieses Programm, in der Fachsprache
Seneszenz (lat.: senex für
Alter) genannt, im Tierversuch nachgewiesen und zeigen können, dass es in der
Lage ist, die Entwicklung von Lymphkrebs (Lymphom) zu
stoppen. Die unter Federführung von Charité- und MDC-Forschungsgruppenleiter
Prof. Clemens A. Schmitt in europäischer Zusammenarbeit entstandene Arbeit von
Melanie Braig ist jetzt in Nature* online (doi:10.1038/nature03841) erschienen.
Eine wichtige Rolle für die Vermittlung der Seneszenz spielt ein Enzym, das die Forscher kurz Suv39h1 nennen. Es tritt auf den Plan, wenn das Krebsgen ras in weißen Blutzellen (Lymphozyten) Gene anschaltet und die Gefahr besteht, dass die Lymphozyten dadurch unkontrolliert wachsen und zu Krebszellen entarten. Das ist der Fall, wenn das Enzym Suv39h1 fehlt. Dann teilen sich die Lymphozyten endlos und es kann in der Folge ein sehr aggressives Lymphom entstehen. Da das ras-Krebsgen jedoch den Apoptosemechanismus nicht ausschaltet, ist bei diesen Zellen dieses Schutzprogramm noch in Takt und kann mit Hilfe einer Chemotherapie aktiviert werden.
*Oncogene-induced senescence as an initial
barrier in lymphoma development Melanie Braig1, Soyoung Lee1, Christoph Loddenkemper2,
Cornelia Rudolph3, Antoine H.F.M. Peters4,5, Brigitte
Schlegelberger3, Harald Stein2, Bernd Dörken1,6,
Thomas Jenuwein5 & Clemens A. Schmitt1,6 1Charité - Universitätsmedizin
Berlin/Haematology-Oncology, 13353
Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Clemens Schmitt, M.D.
Charité - Universitätsmedizin Berlin/MDC
Augustenburger Platz 1
D-13353 Berlin
Tel. +49-30-450 553 687
Fax +49-30-450 553 986
Mobile +49-163-7696864
e-mail clemens.schmitt@charite.de
Pressestelle des MDC
Barbara Bachtler
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: 0049/30/94 06 - 38 96
Fax: 0049/30/94 06 - 38 33
e-mail:presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/de/news
