Nr. 29/5. September 2005
Krebszellen legen T-Zellen des Immunsystems lahm
Neueste Erkenntnisse von MDC- und Charité-Wissenschaftlern
Krebszellen können bestimmte Zellen des Immunsystems lahm
legen und somit unkontrolliert weiterwachsen. Die Tumorzellen blockieren
ausgerechnet die T-Zellen des Abwehrsystems, die eigentlich die Tumoren
erkennen und zerstören sollen. Das haben die beiden Immunologen Dr. Gerald
Willimsky und Prof. Thomas Blankenstein (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin, MDC, Berlin-Buch und Charité) in siebenjähriger Forschungsarbeit an
transgenen Mäusen herausgefunden. Bisher ging die Forschung davon aus, dass
sich Tumorzellen vor den Spürhunden des Immunsystems verstecken und damit einer
Verfolgung entgehen. Weiter stellten die Forscher fest, dass das Immunsystem
die aus einer einzelnen Krebszelle entstandenen Tumoren zwar erkennt und auch
sehr stark reagiert, unter anderem mit vermehrter T-Zell-Produktion. Diese
T-Zellen sind jedoch wirkungslos. Die Arbeit von Dr. Willimsky und Prof. Blankenstein
über das Immunsystem und seine Rolle bei der Krebsbekämpfung hat jetzt die
Zeitschrift Nature* (doi:10.1038/nature03954)
veröffentlicht.
Die von den beiden Immunologen erzielten Ergebnisse treffen auf so genannte spontane, ohne äußere Einflüsse entstandene Tumore zu. Hingegen können T-Zellen Tumoren, die auf Virusinfektionen zurückgehen - etwa das von Epstein-Barr-Viren verursachte B-Zell-Lymphom – sehr gut unter Kontrolle halten. Für eine Immuntherapie setzen die jetzt gewonnenen Erkenntnisse nach Ansicht der Forscher dennoch ein gutes Zeichen: Zwar legen die Krebszellen das Immunsystem lahm. Aber die beiden Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Tumorzellen die Zielstrukturen, die Immunzellen theoretisch als Angriffspunkte nutzen könnten, entgegen bisheriger Vorstellungen nicht verlieren und damit erkannt und zerstört werden könnten.
*Sporadic immunogenic tumors avoid destruction by inducing T-cell
tolerance Gerald Willimsky1, Thomas Blankenstein1,2 1Institute
of Immunology, Charité Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12200 2Max-Delbrück-Center
for Molecular Medicine, Robert-Roessle-Straße 10, 13125
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Barbara Bachtler
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: 0049/30/94 06 - 38 96
Fax: 0049/30/94 06 - 38 33
e-mail:presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/de/news
