Nr. 31/ 6. September 2005
Schutz vor der Alzheimer Krankheit
MDC-Forscher entdecken Funktion eines von Nervenzellen gebildeten Moleküls
Warum erkrankt ein Mensch im Alter an Alzheimer, ein anderer
aber nicht? Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch haben darauf jetzt eine mögliche Antwort gefunden. In Zusammenarbeit
mit Forschern in Dänemark und den USA haben sie entdeckt, dass ein von
Nervenzellen gebildetes Molekül, in der Fachsprache sorLA (engl. für: sorting
protein-related receptor) genannt, die Entstehung der Eiweißablagerungen im
Gehirn beeinflusst, die charakteristisch für die Alzheimer Krankheit sind. Die
Arbeit von Olav M. Andersen und Prof. Thomas Willnow (beide MDC) sowie Anders
Nykjær (Universität Aarhus, Dänemark) hat jetzt die amerikanische
Fachzeitschrift PNAS* (doi: 10.1073) veröffentlicht.
Die Ablagerungen oder Plaques im Gehirn von Alzheimer Patienten bestehen aus Eiweißbruchstücken, Amyloid-beta Peptide genannt, die aus dem Amyloid-Vorläufer-Protein (engl. Abk. APP) entstanden sind und sich im Laufe vieler Jahre im Gehirn ablagern. Diese Plaques zerstören die Nervenzellen betroffener Menschen, was zu einem unheilbaren geistigen Verfall führt. Schätzungen zufolge leidet die Hälfte der Menschen über 85 Jahre an dieser Erkrankung. Weshalb APP in Bruchstücke wie das Amyloid-beta Peptid gehackt wird, ist zurzeit noch völlig unbekannt.
Wie Prof. Willnow und seine Kollegen nun zeigen konnten, bindet sorLA, das als Transportprotein in Nervenzellen arbeitet, normalerweise an APP und verhindert so dessen Abbau in das Amyloid-beta Peptid. Genetisch veränderte Mäuse, die kein sorLA mehr bilden können, zeigen entsprechend vermehrte Amyloid-beta Peptid Bildung. Bei ihnen wird verstärkt APP zerstückelt. Daraufhin untersuchten die Forscher Gehirne verstorbener Alzheimer-Patienten und von Menschen, die nicht an Alzheimer erkrankt waren. Sie stellten fest, dass die Nervenzellen der Alzheimer-Kranken kein sorLA gebildet hatten, die der Nicht-Betroffenen aber sehr wohl. Das deutet darauf hin, dass das Gehirn mancher Menschen kein oder sehr wenig sorLA produziert und dass die ungebremste Produktion von Amyloid-beta Peptid in diesen Patienten ein Risikofaktor zur Entstehung von Alzheimer sein könnte. Als nächstes wollen die Forscher deshalb jetzt nach Substanzen suchen, die die Produktion von sorLA in solchen Menschen fördert, die kein oder sehr wenig sorLa bilden, und hoffen, dass es in Zukunft möglich sein wird, die Entstehung der gefährlichen Ablagerungen im Gehirn zu vermindern.
*Neuronal sorting protein-rtelated
receptor sorLA/LR11 regulates processingof the amyloid precursor protein Olav M. Andersen*, Juliane Reiche*, Vanessa
Schmidt*, Michael Gotthardt*, Robert Spoelgen*,
Joachim Behlke*, Christine A. F. von Arnim†, Tilman
Breiderhoff*, Pernille Jansen‡, Xin Wu$, Kelly
R. Bales§, Roberto Cappai¶, Colin L. Masters¶,
Jørgen Gliemann‡, Elliot J. Mufson║, Bradley T.
Hyman†, Steven M. Paul§, Anders Nykjær‡, and
Thomas Willnow*,** *Max
Delbrueck Center for Molecular Medicine, 13125 Berlin-Buch, Germany; †Massachusetts
General Hospital, Charlestown, MA 02129; §Lilly Research Laboratories,
Indianapolis, IN •••; ║Department of Neurological Sciences,
Rush University Medical Center, Chicago, IL •••; ‡Institute of
Medical Biochemistry, University of Aarhus, DK-800, Denmark; and ¶Mental
Health Research Institute of Victoria, Parkville •••, Australia
Barbara Bachtler
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