Nr. 48/ 21. Dezember 2005
Hodgkin-Lymphom-Zellen: Paradebeispiel für Umprogrammierung
Das Erscheinungsbild der Hodgkin-Lymphom-Zellen hat Pathologen
viele Jahre Rätsel aufgegeben. Erst rund 160 Jahre nach der Beschreibung der
Krankheit durch den Briten Thomas Hodgkin (1832) fanden Wissenschaftler 1994
heraus, dass der nach ihm benannte Lymphdrüsenkrebs von weißen Blutzellen, den
B-Zellen, abstammt. Die Identifizierung der Ursprungszelle für das
Hodgkin-Lymphom dauerte deshalb so lange, weil sie alle Merkmale, welche an
eine B-Zelle erinnern, verloren hat, ein unter B-Zell-Lymphomen einzigartiger
Prozeß. Jetzt haben Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch und der Charité - Universitätsmedizin Berlin (Campus Virchow
und Campus Buch) einen molekularen Mechanismus beschrieben, welcher erklärt, warum
Hodgkin-Lymphom-Zellen ihr äußeres Erscheinungsbild völlig verändern, und sich
Merkmale anderer Zelllinien aneignen, also reprogrammiert werden. Die Arbeit
von Dr. Stephan Mathas, Dr. Martin Janz und Prof. Bernd Dörken ist jetzt vorab
online in Nature Immunology (doi:10.1038/ni1285)*
erschienen. Ihre Arbeit hilft auch zu verstehen, wie die normale, bzw. maligne
Entwicklung von B-Zellen verläuft.
Nr. 47/16. Dezember 2005
Prof. Erhard Geißler wird 75 – Genetiker und Abrüstungsexperte
Der Genetiker und Abrüstungsexperte Prof. Erhard Geißler wird am 17. Dezember dieses Jahres 75 Jahre alt. Früh hatte sich der Biologe mit Fragen der Ethik in der Wissenschaft befasst. Auslöser war das Symposium „Man and his Future” der CIBA Foundation 1962 in London. Unter dem Eindruck dieser Tagung, auf der Wissenschaftler über die Möglichkeiten des Einsatzes der Gentechnik am Menschen spekulierten, begründete er in dem Ostseebad Kühlungsborn in der DDR die „Kühlungsborner Kolloquien“, zu denen er Naturwissenschaftler, Ethiker, Juristen, Soziologen, Theologen sowie Künstler und Schriftsteller, auch aus dem Westen, zum interdisziplinären Diskurs einlud. Durch diese Kolloquien wurde das Friedensforschungsinstitut SIPRI in Stockholm (Schweden) auf ihn aufmerksam und bat ihn 1983 einen Beitrag über Gentechnik und biologische Waffen (B-Waffen) für das Jahrbuch des Instituts zu verfassen. Später gab er für SIPRI vier Bücher über B-Waffen und Abrüstung heraus. Einen zweijährigen Forschungsaufenthalt in Stockholm mit seiner Familie verhinderte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Trotzdem durfte er regelmäßig bis zu sechs Wochen nach Stockholm reisen. Mit Experten aus dem In- und Ausland erarbeitete er ab 1987 das Programm „Vaccines for Peace“. Er hatte dafür auf eigenen Wunsch die Leitung der Abteilung für Virologie am Zentralinstitut für Molekularbiologie (ZIM) der Akademie der Wissenschaften der DDR aufgegeben. Das Programm befasste sich mit der Frage, wie der Missbrauch der Biowissenschaften durch Militärs verhindert werden kann. Es sei aber, so Prof. Geißler, vor allem am Widerstand westlicher Militärs gescheitert. Weiter erforschte er die Geschichte der B-Waffen-Entwicklung.
Nr. 46/13. Dezember 2005
Nieren und Bluthochdruck DFG richtet neue Forschungsgruppe in Berlin ein
Die Nieren filtern täglich rund 1500 Liter Blut und sorgen
dafür, dass Schadstoffe aus dem Körper geschwemmt, nützliche Stoffe
zurückgehalten und dem Körper wieder zugeführt werden. Damit regeln sie
zugleich den Wasser- und Ionenhaushalt sowie den Blutdruck, steuern über das
Hormon Erythropoietin die Produktion der roten Blutzellen im Knochenmark, und
sie spielen beim Knochenwachstum eine Rolle. Seit Jahren ist bekannt, dass eine
gestörte Funktion der Nieren Bluthochdruck auslöst, an dem rund ein Drittel der
Bevölkerung der Bundesrepublik erkrankt ist. Bluthochdruck kann zu Herzinfarkt
und Schlaganfall führen. Doch die regulatorischen Prozesse, welche den Ionen-
und Wasserhaushalt in der Niere fehlsteuern und Bluthochdruck erzeugen, sind
noch unverstanden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat deshalb jetzt
an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und dem Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch eine neue Forschergruppe eingerichtet, die
gestörte Transportprozesse in der Niere erforschen wird. Beteiligt sind auch
das Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), ebenfalls
Berlin-Buch, und das Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH) in Hamburg.
Sprecher der Forschergruppe „Epitheliale Mechanismen der renalen
Volumenregulation“, in der Physiologen, Molekular- sowie Neurobiologen
zusammenarbeiten, ist Prof. Sebastian Bachmann (Charité), stellvertretende Sprecher
sind Prof. Michael Bader und Prof. Thomas Willnow (beide MDC). Das Projekt hat
eine Laufzeit von sechs Jahren.
Nr. 45/1. Dezember 2005
Max-Delbrück-Medaille für Harvard-Biochemiker Prof. Tom Rapoport
Für seine grundlegenden Arbeiten über den Transport von Proteinen, den Baustoffen und Maschinen des Lebens, die die Zellen am Laufen halten, ist der Biochemiker Prof. Tom Rapoport von der Harvard Medical School aus Boston, USA, in Berlin mit der diesjährigen Max-Delbrück-Medaille geehrt worden. Prof. Rapoport ist es gelungen, die Strukturen in einer Zelle zu entschlüsseln, welche die von der Zelle produzierten Proteine zu ihren Einsatzorten bringt.
Nr. 44 /27. November 2005
Hauptschalter für die Entwicklung von Blutzellen entdeckt
Bisher kennt die Forschung rund 20 Genschalter, welche die Entwicklung
der verschiedenen Blutzellen aus den Blutstammzellen des Knochenmarks steuern.
Eine zentrale Rolle unter diesen so genannten Transkriptionsfaktoren spielt
dabei der Genschalter PU.1. Er steuert die Entwicklung zweier großer
Blutzell-Linien des Immunsystems, einmal der Lymphozyten, zum anderen der
myeloischen Blutzellen. PU.1 reguliert auch die Entwicklung der
Blutstammzellen, und stellt damit sicher, dass sich immer wieder neue
Blutzellen bilden. Wie aber wird dieser Genschalter selbst gesteuert? Der
Zellbiologe Dr. Frank Rosenbauer, der kürzlich von den Harvard Institutes of
Medicine in Boston, USA, mit Förderung aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds des
Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft als Nachwuchsgruppenleiter an das zu
dieser Forschungsgemeinschaft gehörende Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch berufen worden ist, hat im Tierversuch einen
Hauptschalter für PU.1 nachgewiesen. Dieser Hauptschalter, kurz URE (upstream
regulatory element) genannt, dreht den Genschalter nicht einfach an- oder aus,
sondern kann ihn auch fein steuern, wie Dr. Rosenbauer jetzt erstmals zeigen
konnte. Je nachdem, ob URE den Genschalter hoch- oder herunterreguliert, bilden
sich aus den Vorläuferzellen der Lymphozyten entweder B- oder T-Zellen. Fehlt
URE, entwickeln die Tiere eine Reihe verschiedener Blutkrebsformen, an denen
sie innerhalb weniger Monate sterben. Die Arbeit von Dr. Rosenbauer und seinen
Kollegen aus den USA und dem MDC hat jetzt die Zeitschrift Nature Genetics*
in ihrer jüngsten online-Ausgabe (27. November 2005, doi:10.1038/ng1679)
veröffentlicht.
Nr. 43/27.Oktober 2005
Dick ist nicht gleich dick - Entscheidend ist der Bauch
Internationales Symposium zu Adipositas und Bluthochdruck im MDC
Dick ist nicht gleich dick. Galt noch bis in jüngster Zeit,
dass alle Menschen, die übergewichtig oder stark übergewichtig (adipös) sind,
ein großes Risiko haben, an Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck mit seinen Folgen
Schlaganfall, Herzinfarkt, und Nierenschäden zu erkranken, sieht die Medizin
das heute aufgrund neuester Erkenntnisse über die Adipositas differenzierter.
Demnach ist nicht mehr so sehr der so genannte Body Mass Index (BMI)
entscheidend, als vielmehr, an welchen Stellen der Körper das überschüssige
Fett einlagert. Gefährlich sind vor allem die Fettdepots um Bauch und Taille,
früher freundlich mit „Embonpoint“ umschrieben und als Zeichen des Wohlstands
angesehen. Mediziner sprechen von „abdominaler Adipositas“. Menschen mit dieser
Form des Übergewichts sind besonders gefährdet, frühzeitig an den Folgeerscheinungen
der Adipositas zu erkranken. Das ist eine der neuesten Erkenntnisse, die auf
dem 4. Internationalen Symposium „Adipositas und Bluthochdruck“ im
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch Ende Oktober 2005
in Berlin vorgestellt worden sind. Die Tagung vom 27. – 29. Oktober 2005, an
der rund 200 Experten aus Europa, Lateinamerika, Asien und den USA teilnehmen,
hatten Prof. Arya Sharma (McMaster University, Hamilton, Ontario, Kanada) und
Prof. Friedrich Luft (Franz-Volhard-Klinik, Charité - Universitätsmedizin
Berlin/Helios-Klinikum Berlin-Buch und MDC) veranstaltet.
Nr. 42/26. Oktober 2005
Prof. Walter Birchmeier und Prof. Achim Leutz Mitglieder von EMBO
Die beiden Krebsforscher und Zellbiologen Prof. Walter
Birchmeier und Prof. Achim Leutz vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch sind jetzt zu Mitgliedern der Europäischen
Organisation für Molekularbiologie (EMBO) in Heidelberg gewählt worden. Mit Prof.
Carmen Birchmeier und Dr. Thomas Sommer hat das MDC damit vier Vertreter in
dieser angesehenen internationalen Organisation. Prof. Walter Birchmeier, der
auch Stiftungsvorstand des MDC ist, erforscht die Entstehung von Krebs und die
Bildung von Metastasen, Prof. Leutz erforscht die Entstehungsmechanismen von
Blutkrebs (Leukämien).
Nr. 41/19. Oktober 2005
Prof. Jens Reich: „Teufelsfragen – Ethische Konflikte in der Biomedizin“ – „Was tun und was unterlassen?“ – Hörbuch zur Frankfurter Buchmesse
„Teufelsfragen – Ethische Konflikte in der Biomedizin“ lautet
der Titel einer CD* mit Prof. em. Jens Reich vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, die der Kölner Verlag supposé jetzt in
seinem Audioprogramm zur Frankfurter Buchmesse herausgebracht hat. Der
Bioinformatiker und Mediziner gibt dabei einen Überblick über die Geschichte
der Genetik und referiert unter anderem über gentechnische Probleme, die
Entschlüsselung des Genoms, Grundsatzfragen der Genforschung, die Würde des
Menschen, über die moralische Zwickmühle und die Verantwortung des Forschers.
„Wir haben Verantwortung für das Gesamtergebnis, und als kleines Rädchen im
Getriebe kann ich mich trotzdem nicht darauf berufen, daß ich nur
Zehntausendstel Verantwortung trage“, betont Prof. Reich. Er plädiert für eine
sachliche Aufklärung der Öffentlichkeit, das Vertrautmachen damit, was in der
Forschung Vision und Science Fiction ist und „dann kann die moralische
Bewertung beginnen – mit der alten Frage: Was tun und was unterlassen?“
Nr. 40/13. Oktober 2005
20 Jahre lang Ohnmachtsanfälle - Forscher in Berlin entdecken Auslöser für schwere neurologische Störung - Erstmals Hoffnung auf wirksame Therapie
Sobald er aufrecht stand, sackte sein Blutdruck innerhalb von Sekunden von 140 auf 50 mm Quecksilbersäule, so dass der 43-jährige Mann in den vergangenen 20 Jahren immer wieder zusammenbrach und das Bewusstsein verlor. Er konnte zudem kaum schwitzen, sein Mund und seine Augen waren trocken. Er hatte einen aufgedunsenen Bauch und Verdauungsprobleme. Sein Darm war so geschwollen, dass sich die Leber von der rechten auf die linke Bauchseite verschoben hatte und der Magen zwischen Leber und Milz eingequetscht wurde. Er konnte fast nichts mehr essen, nur sehr wenig trinken und magerte ab. Er befürchtete, langsam zu verhungern. Jetzt haben Dr. Christoph Schröder, Prof. Friedrich Luft und Prof. Jens Jordan vom Klinischen Forschungszentrum der Franz-Volhard-Klinik (Charité und Helios Klinikum Berlin-Buch und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch) möglicherweise den Auslöser für diese schwere und seltene Erkrankung gefunden: einen Autoantikörper, der die Nervenknoten (Ganglien) des autonomen (vegetativen) Nervensystems blockiert, das lebenswichtige Vorgänge wie Herzschlag, Blutdruck, Blutzuckerspiegel, Stoffwechsel, Lungen- und Blasenfunktion sowie die Verdauung reguliert. An vier aufeinander folgenden Tagen ersetzten sie das Blutplasma des Patienten durch Spenderplasma und wuschen auf diese Weise den Antikörper aus dem Blut. Zugleich erhielt er Medikamente (Prednisolon und Azathioprin), die die Bildung der Antikörper hemmen. Der Gesundheitszustand des Patienten verbesserte sich daraufhin so dramatisch, dass er inzwischen wieder arbeiten und sich seines Lebens erfreuen kann. Auch ein Jahr nach der Behandlung hält der Erfolg an. „Erstmals besteht damit für diese Patienten Hoffnung auf eine wirksame Therapie“, erklärte Prof. Jordan. Die Arbeit veröffentlichte jetzt das New England Journal of Medicine (NEJM)* (Vol. 353, Nr. 15, pp. 1585-1590, 13. Oktober 2005).
Nr. 39/13. Oktober 2005
MDC-Forscher identifizieren entscheidenden Helfer bei der Müllabfuhr der Zelle
Einen entscheidenden
Helfer bei der Müllabfuhr der Zelle haben Forscher des Max-Delbrück-Centrums
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch jetzt identifiziert. Er koppelt
Proteine, die als fehlerhaft erkannt und deshalb entsorgt werden müssen, an den
Transporter, der sie zu der Häckselmaschine der Zelle, den Proteasomen, bringt.
Fehlt dieser Helfer, in der Fachsprache kurz Ubx2 genannt, ist die zelluläre
Müllentsorgung gestört, und viele fehlerhafte Proteine werden nicht abgebaut.
Die Folge können schwere Krankheiten wie etwa Alzheimer,
Parkinson oder Mukoviszidose sein. Die
Arbeit von Oliver Neuber und Dr. Thomas Sommer ist jetzt in Nature Cell Biology (Oktober 2005, Vol.
7, Nr. 10, pp. 993-998)* erschienen.
Nr. 38/11. Oktober 2005
Renommierte US-Auszeichnung für Dr. Rainer Glaß und Dr. Michael Synowitz
Für ihren Nachweis, dass Stammzellen und neuronale
Vorläuferzellen offenbar in der Lage sind, Glioblastome zu zerstören, sind der
Hirnforscher Dr. Rainer Glaß (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC,
Berlin-Buch) und der Neurochirurg Dr. Michael Synowitz (Helios Klinikum
Berlin-Buch) von der Amerikanischen Gesellschaft für Hirntumoren mit dem „Tumor
Young Investigator Award“ ausgezeichnet worden. Den mit 2000 US-Dollar
dotierten Preis nahm Dr. Synowitz für beide Forscher auf dem 55. Kongress der
Amerikanischen Gesellschaft für Neurochirurgie in Boston, Massachusetts, USA,
entgegen. Ihre Forschungsarbeit hatte das Journal of Neuroscience (March
2005, Vol. 25, Issue 10, pp 2637 – 2646, www.jneurosci.org/cgi/content/full/25/10/2637)*
publiziert.
Einladung
4th International Symposium on Obesity and Hypertension
(4. Internationales Symposium zu Übergewicht und Bluthochdruck)
Donnerstag, 27. Oktober – Samstag, 29. Oktober 2005
Max Delbrück Communications Center (MDC.C)
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin
Nr. 36/ 30. September 2005
Auf die Verpackung kommt es an
MDC-Forscher gewinnen neue Erkenntnisse über die Entstehung von Leukämien
Neue Erkenntnisse über die Entstehungsmechanismen von
Blutkrebs (Leukämien) haben jetzt Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gewonnen. Sie konnten eine neuartige
Funktion eines Genschalters aufklären, der die Blutzellbildung steuert, und
wenn er mutiert ist, das Ablesen genetischer Information verhindert. Das kann
zur Entstehung von Blutkrebs (Leukämie) führen. Eine entscheidende Rolle spielt
dabei das Myeloblastose Protein (c-Myb), das die Vermehrung und Reifung von Blutzellen
nicht nur durch Bindung an die DNA steuert, sondern, und das ist neu, auch
deren Verpackung in bestimmte Protein-Strukturen, dem so genannten Chromatin.
Die Arbeit von Dr. Xianming Mo, Dr. Elisabeth Kowenz-Leutz, Dr. Yves
Laumonnier, Frau Hong Xu und Prof. Achim Leutz ist jetzt in der amerikanischen
Fachzeitschrift „Genes and Development“
online (doi: 10.1101/gad.355405)
erschienen.
Nr. 35/26. September 2005
Internationaler Tag der Bewegungsstörung
MDC-Forscherinnen informierten über schwere neurologische Erkrankung
Im Rahmen des weltweiten Tages der Ataxie, einer schweren
neurologischen Bewegungstörung, haben Forscherinnen des Max-Delbrück-Centrums
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch Schüler des Gymnasiums Oschersleben
(Sachsen-Anhalt) in ihr Labor eingeladen und über ihre Arbeit im Rahmen eines
von der Europäischen Union geförderten Ataxie-Forschungsprojekts informiert.
Nr. 34/23. September 2005
Ertappt – Forscher können erstmals Enzyme bei der Arbeit in lebender Zelle beobachten - Neue Methode für die Krebsforschung entwickelt
Eine neue Methode, mit der sie erstmals in der lebenden Zelle
beobachten können, wie Gene reguliert, das heißt, mit Hilfe von Enzymen
markiert und abgeschaltet werden, haben Forscher des Max-Delbrück-Centrums für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Ludwig-Maximilians-Universität
München (LMU) entwickelt. Ist dieser Vorgang gestört, können Mißbildungen und
schwere Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, die Folge sein. Die Technik ist
deshalb insbesondere für die Krebsforschung von großer Bedeutung. Jetzt hat Nature
Methods* die Arbeit von Dr. Lothar Schermelleh (LMU), Dr. Cristina Cardoso
(MDC) und Prof. Heinrich Leonhardt (MDC, LMU) vorab online (doi:10.1038/nmeth794) veröffentlicht.
Nr. 33/15. September 2005
Muskelspiel
MDC-Forscherinnen gewinnen neue Einblicke in die Muskelbildung beim Embryo
Was haben Zunge und Arm- und Beinmuskeln gemeinsam? Sie
entwickeln sich aus wandernden Zellen und ihre Entwicklung wird offenbar von
zwei verschiedenen Genen gesteuert. Das haben jetzt Elena Vasyutina und Prof.
Carmen Birchmeier vom Max-Delbrück Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch an Mäuse- und Hühnerembryonen herausgefunden. Muskeln bilden sich
aus so genannten Muskelvorläuferzellen. Sie kommen aus dem Somiten, einer
segmentierten Struktur, die bei Wirbeltieren in der Embryonalentwicklung
auftritt. Damit sich die Muskeln bilden, müssen sich ihre Vorläuferzellen zu
einem bestimmten Zeitpunkt aus ihrem Zellverband lösen und genau zu der Stelle
im embryonalen Bindegewebe wandern, wo die Zunge sowie die Arm- und Beinmuskeln
angelegt werden sollen. Zwei verschiedene Gene in den Muskelvorläuferzellen
steuern diesen Prozess. Ein Gen bildet den CXCR4 Rezeptor, der einen Botenstoff
(Chemokin) auf der Zelloberfläche der Vorläuferzellen erkennt, ein anderes den
Tyrosin-Kinase-Rezeptor c-Met. Beide regeln die Wanderung der
Muskelvorläuferzellen zum Ziel und sorgen dafür, dass sie unterwegs nicht
stecken bleiben. Ist das der Fall, können sich keine Muskeln bilden.
Wanderungsvorgänge in der Embryonalentwicklung ähneln häufig Prozessen bei der
Krebsentstehung. So spielen etwa die CXCR4 und Met Rezeptoren bei der
Entstehung von Tochtergeschwülsten von Brust- und Darmkrebs eine Rolle, die
ebenfalls aus wandernden Zellen entstehen. Die Arbeit der beiden
Entwicklungsbiologinnen ist jetzt in der Fachzeitschrift Genes and Development * (www.genesdev.org/cgi/doi/10.1101/gad.346205)
erschienen.
Nr. 32/9. September 2005
Molekulare Paketannahme für Sexualhormone
MDC-Wissenschaftler entschlüsseln grundlegenden Mechanismus
Den grundlegenden Mechanismus, wie Sexualhormone an ihre
Wirkungsorte gelangen, hat Dr. Annette Hammes aus der Forschungsgruppe von
Prof. Thomas Willnow vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Aarhus,
Dänemark, entschlüsselt. Ein Bindungsmolekül auf der Zelloberfläche, der
Rezeptor Megalin (griech. mega=groß), erkennt die Verpackung, in der diese
Steroidhormone durch die Blutbahn transportiert werden, und schleust das Hormonpaket
in das Zellinnere und von dort in den Zellkern. Megalin ist quasi die molekulare
Paketannahme für Sexualhormone. Bisher ging die Forschung davon aus, dass
Steroidhormone wahllos in alle Zellen des Körpers dringen, unabhängig davon, ob
diese Hormone benötigen oder nicht. „Diese so genannte freie Hormonhypothese
gilt nach unseren Erkenntnissen zumindest für diese Steroidhormone nicht in
jedem Fall. Es gibt Gewebe, welche große Mengen an Steroiden benötigen und
daher einen aktiven Mechanismus zur Aufnahme dieser wichtigen Botenstoffe
entwickelt haben“, erläutert Prof. Willnow das Ergebnis der Forschungsarbeit,
welche die Fachzeitschrift Cell*
(Vol. 122, DOI 10.1016/j.cell.2005.06.032) jetzt veröffentlicht hat.
Nr. 31/ 6. September 2005
Schutz vor der Alzheimer Krankheit
MDC-Forscher entdecken Funktion eines von Nervenzellen gebildeten Moleküls
Warum erkrankt ein Mensch im Alter an Alzheimer, ein anderer
aber nicht? Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch haben darauf jetzt eine mögliche Antwort gefunden. In Zusammenarbeit
mit Forschern in Dänemark und den USA haben sie entdeckt, dass ein von
Nervenzellen gebildetes Molekül, in der Fachsprache sorLA (engl. für: sorting
protein-related receptor) genannt, die Entstehung der Eiweißablagerungen im
Gehirn beeinflusst, die charakteristisch für die Alzheimer Krankheit sind. Die
Arbeit von Olav M. Andersen und Prof. Thomas Willnow (beide MDC) sowie Anders
Nykjær (Universität Aarhus, Dänemark) hat jetzt die amerikanische
Fachzeitschrift PNAS* (doi: 10.1073) veröffentlicht.
Nr. 30/5. September 2005
Einzigartige Landkarte des menschlichen Protein-Netzwerks erstellt
Wer arbeitet mit wem zusammen? Diese Frage haben
Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch bei menschlichen Proteinen untersucht. Das Ergebnis ist eine
weltweit einzigartige Karte, die 3.186 Protein-Wechselwirkungen zwischen 1.705
Proteinen darstellt. Darunter befinden sich auch bislang unbekannte Interaktionspartner von 195 krankheits-assoziierten
Proteinen. „Wir haben den Grundstein dafür gelegt, dass jetzt sozusagen ein
Schaltplan unseres Körpers erstellt werden kann. Die Karte hilft uns, die Funktionen
der Proteine aufzuklären und die komplexen Vorgänge in unseren Zellen zu
verstehen“, erklärt Prof. Erich Wanker, der die Studie leitete. Die Arbeit von
Prof. Wanker und Dr. Ulrich Stelzl, an der auch Wissenschaftler des
Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik (Berlin) und des Deutschen
Ressourcenzentrums für Genomforschung GmbH (Standort Heidelberg) beteiligt
sind, ist jetzt in der Zeitschrift Cell* online erschienen (DOI:
10.1016/S0092867405008664). Das international einmalige Projekt konnten
die Forscher mithilfe des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) realisieren –
ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiiertes
medizinisches Großprojekt. Das NGFN ermöglicht es den Wissenschaftlern
systematisch die Gene und Proteine des Menschen zu erforschen, um so ihre Rolle
bei Krankheiten zu verstehen.
Nr. 29/5. September 2005
Krebszellen legen T-Zellen des Immunsystems lahm
Neueste Erkenntnisse von MDC- und Charité-Wissenschaftlern
Krebszellen können bestimmte Zellen des Immunsystems lahm
legen und somit unkontrolliert weiterwachsen. Die Tumorzellen blockieren
ausgerechnet die T-Zellen des Abwehrsystems, die eigentlich die Tumoren
erkennen und zerstören sollen. Das haben die beiden Immunologen Dr. Gerald
Willimsky und Prof. Thomas Blankenstein (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin, MDC, Berlin-Buch und Charité) in siebenjähriger Forschungsarbeit an
transgenen Mäusen herausgefunden. Bisher ging die Forschung davon aus, dass
sich Tumorzellen vor den Spürhunden des Immunsystems verstecken und damit einer
Verfolgung entgehen. Weiter stellten die Forscher fest, dass das Immunsystem
die aus einer einzelnen Krebszelle entstandenen Tumoren zwar erkennt und auch
sehr stark reagiert, unter anderem mit vermehrter T-Zell-Produktion. Diese
T-Zellen sind jedoch wirkungslos. Die Arbeit von Dr. Willimsky und Prof. Blankenstein
über das Immunsystem und seine Rolle bei der Krebsbekämpfung hat jetzt die
Zeitschrift Nature* (doi:10.1038/nature03954)
veröffentlicht.
Einladung
Vorbesichtigung der Ausstellung:
Raffael Rheinsberg: „Abschied von OPAL“
Max Delbrück Communications Center (MDC.C)
Nr. 28/10. August 2005
„Abschied von OPAL“ – Installation von Raffael Rheinsberg im MDC
Ausstellung der Berliner Stiftung für Bildhauerei
Unter dem Titel „Abschied von OPAL“ zeigt die Berliner
Stiftung für Bildhauerei im Max- Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch eine Installation von Raffael Rheinsberg. Sie besteht aus 320
Bleiglas-Blöcken, die der Künstler exakt in Reihen aneinandergereiht hat. Die
Exponate stammen von „Opal“, einem von vier Teilchendetektoren des Ringbeschleunigers
LEP (Large Electron Positron Collider), der von 1989 bis Ende 2000 bei CERN* in
Genf, Schweiz, dem größten Elementarteilchenlabor der Welt, in Betrieb gewesen
war. Die Physiker erforschen mit solchen Beschleunigern, „was die Welt im
Innersten zusammenhält“. Die Bleiglas-Blöcke können zum Preis von je 1 500 €
erworben werden.
Nr. 26/2. August 2005
Doppeltes Sicherungssystem
Krebsforscher von Charité und MDC weisen zweites Zell-Schutzprogramm nach – Stoppt Lymphkrebs in der Entstehung
Zellen, die unter Stress geraten, verfügen offenbar über zwei
unterschiedliche Sicherungssysteme, die sie davor schützen zu entarten. Das
bekannteste ist die Apoptose, bei der sich geschädigte
Zellen selbst umbríngen, um den Organismus vor
Schaden zu bewahren. Das zweite Sicherungssystem hingegen hält den Zellzyklus
an, die Zelle kann sich nicht mehr teilen, lebt aber im Gegensatz zur Apoptose weiter und ist noch Stoffwechsel-aktiv. Hinweise
auf dieses Schutzprogramm gab es seit einigen Jahren aus
Zellkulturexperimenten. Jetzt haben Krebsforscher der Charité -
Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch dieses Programm, in der Fachsprache
Seneszenz (lat.: senex für
Alter) genannt, im Tierversuch nachgewiesen und zeigen können, dass es in der
Lage ist, die Entwicklung von Lymphkrebs (Lymphom) zu
stoppen. Die unter Federführung von Charité- und MDC-Forschungsgruppenleiter
Prof. Clemens A. Schmitt in europäischer Zusammenarbeit entstandene Arbeit von
Melanie Braig ist jetzt in Nature* online (doi:10.1038/nature03841) erschienen.
Nr. 25/23. Juni 2005
Centrum für Schlaganfall-Forschung Berlin gegründet
Initiative von Charité und MDC
Am 24. Juni 2005 ist in Berlin das Centrum für Schlaganfall-Forschung (CSB) gegründet worden. Damit sollen die Schlaganfallforscher und Kliniker in Berlin vernetzt werden. Ziel ist es, neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln, um die Behandlung von Patienten zu verbessern. Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für eine Behinderung im Erwachsenenalter. Allein in Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 200 000 Menschen einen Schlaganfall. Am häufigsten führen Blutgerinnsel, die von Gefäßwandveränderungen oder vom Herzen ausgehen, zum Verschluss von Hirnarterien. Trotz intensiver weltweiter Forschung, die im Labor und im Tierversuch Erfolge erzielt, lässt sich der Schlaganfall noch nicht befriedigend behandeln. Nur wenige Prozent der Patienten profitieren von der einzigen klinisch wirksamen Therapie, der medikamentösen Auflösung eines Blutgerinnsels in der Hirnarterie. Sie greift nur in den ersten drei Stunden nach einem Schlaganfall.
Nr. 24/20. Juni 2005
Forschungsthema „Stammzellen und Gliome“ im Helmholtz-Ideenwettbewerb prämiert
Stammzellen und die häufigsten und gefährlichsten Gehirntumore
(Gliome) ist ein Forschungsthema des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg
(DKFZ), das jetzt in dem Ideenwettbewerb der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren ausgezeichnet worden ist. In dem Projekt von Prof. Helmut
Kettenmann (MDC) und Dr. Bernhard Radlwimmer (DKFZ) wird untersucht, wie das
Wachstum von Gliomen von Stammzellen beeinflusst wird. Ziel sind neue Ansätze
in der Krebstherapie. Darüber hinaus ist das MDC auch an dem prämierten Forschungsthema
Meta-Erkrankungen und Krankheitsmechanismen zusammen mit dem DKFZ und der Gesellschaft
für Biotechnologische Forschung (GBF), Braunschweig, beteiligt. Insgesamt hat
eine Jury unter Vorsitz von Prof. Jutta Heim, Chief Scientific Officer der
Basilea Pharmaceutica Ltd., Basel (Schweiz), aus 69 Bewerbungen vier
Siegerteams gekürt. Sie erhalten jeweils vom 1. Juli 2005 für die kommenden
zwei Jahre 200 000 Euro aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds des Präsidenten
der Helmholtz-Gemeinschaft, Prof. Walter Kröll.
Nr. 23/17. Juni 2005
Krebsforscher Prof. Arnold Graffi wird 95 Jahre alt
Entdecker von Krebsviren und krebserregender chemischer Substanzen
Der Mediziner und Krebsforscher Prof. Dr. Arnold Graffi wird
am 19. Juni 2005 in Berlin 95 Jahre alt. Seine Entdeckungen haben maßgeblich
zum heutigen Verständnis der Krebsentstehung beigetragen. Prof. Graffi gelang
es aufzuzeigen, wodurch verschiedene chemische Substanzen krebserregend werden
und durch welche biologischen Prozesse aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle
wird. Weiter entdeckte er mehrere krebsauslösende Viren, von denen zwei nach
ihm benannt sind. Das Gebiet der Onko-Virologie hat durch ihn wesentliche neue
Impulse erhalten. Ein Großteil seiner Arbeiten fällt in die Jahre 1948 bis
1975. In dieser Zeit war er Abteilungsleiter am damaligen Akademieinstitut für
Medizin und Biologie in Berlin-Buch und später Direktor des dortigen Instituts
für Experimentelle Krebsforschung, das in das 1992 gegründete
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch eingegliedert
wurde.
Einladung
Bioethik-Vortrag
Mittwoch, 22. Juni 2005, 16.00 Uhr
Max Delbrück Communications Center (MDC.C)
Nr. 21/7. Juni 2005
Genschalter verändert Architektur des Genoms
Zusammenhang mit Rett-Syndrom entdeckt?
Das Rett Syndrom ist nach dem Down Syndrom (Trisomie 21) die
zweithäufigste (1:10 000) neuronale Entwicklungsstörung bei Mädchen. Die Kinder
kommen gesund zur Welt, gedeihen zunächst ganz normal, verlieren dann jedoch
zwischen dem sechsten und 18. Monat bereits erworbene Fähigkeiten und
entwickeln zusehends Sprach- und Bewegungsstörungen, sowie eine schwerwiegende
geistige Behinderung. Mittlerweile ist bekannt, dass bei diesen Patientinnen
das MECP2 Gen verändert (mutiert) ist, allerdings ist noch unklar wie diese
Veränderung zum Rett-Syndrom führt.
Nr. 20/25. Mai 2005
MDC-Krebsforscherin Dr. Ulrike Ziebold mit Monika Kutzner-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet
Für ihre Arbeiten zur Krebsentstehung und der Entwicklung von
Metastasen hat die Biologin und Krebsforscherin Dr. Ulrike Ziebold vom
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch den Monika
Kutzner-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW)
erhalten. Dr. Ziebold wurde die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung am
Freitag, den 27. Mai 2005, in Berlin überreicht. Mit ihr ist die Krebsforschung
des MDC zum zweiten Mal ausgezeichnet worden. 1999 erhielt Dr. Jürgen Behrens
(jetzt Professor an der Universität Erlangen) diesen Preis. Beide arbeiteten am
MDC in der Forschungsgruppe des Zellbiologen und Krebsforschers Prof. Walter
Birchmeier.
Nr. 19/17. Mai 2005
Amerikanische Gesellschaft für Bluthochdruck ehrt Prof. C. Friedrich Luft
Für die Entschlüsselung der Mechanismen, die bei Bluthochdruck
die Nieren schädigen und schwere Nierenerkrankungen verursachen, hat die
Amerikanische Gesellschaft für Bluthochdruck (American Society for
Hypertension, ASH) den Berliner Nieren- und Bluthochdruckspezialisten und
Wissenschaftler Prof. Friedrich Luft am 17. Mai 2005 in San Francisco, Kalifornien,
USA mit dem Richard Bright Award ausgezeichnet. Die ASH würdigte weiter die
außerordentlichen Verdienste des Klinikers und Forschers, die Erkenntnisse aus
dem Labor in die Behandlung von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
umgesetzt und vor allem junge Ärzte, die auch in der Forschung arbeiten,
ausgebildet zu haben. Der mit 10 000 US-Dollar dotierte Preis ist benannt nach
dem britischen Arzt Richard Bright (1789 – 1858). Bright hatte als erster
erkannt, dass die Niere als Organ geschädigt werden kann. Er konnte zwar noch
keinen Blutdruck messen, hatte aber erkannt, dass es einen Zusammenhang zwischen
Nieren- und Herzerkrankungen gibt. Bright wird deshalb als „Vater der
Nierenheilkunde“ geehrt. Friedrich Luft arbeitet an der Franz-Volhard-Klinik
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Helios Klinikum Berlin-Buch. Die Klinik ist
Teil der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Darüber hinaus leitet Prof. Luft
eine Forschungsgruppe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch.
Nr. 18/10. Mai 2005
Blockade von Genschalter verhindert Herzschaden bei Bluthochdruck
Gemeinsame Arbeit von Forschern und Klinikern am MDC
Bluthochdruck ist einer der Hauptverursacher der Herzschwäche
oder Herzinsuffizienz. Allein in der Bundesrepublik leiden Millionen von
Menschen an dieser Erkrankung, die das Herz auf Dauer schwer schädigt und eine
der häufigsten Ursachen für Luftnot und Leistungseinschränkung alter Menschen
ist. Jetzt gelang es Forschern und Klinikern der Franz-Volhard-Klinik (FVK) für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Helios Klinikum Berlin-Buch/Charité Campus Buch,
Universitätsmedizin Berlin) und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch in einem von ihnen entwickelten Tiermodell zu zeigen, dass
die Blockade eines Genschalters, NF-kappaB genannt, ausreicht, eine Schädigung
des Herzens zu verhindern. Die Arbeit von Christian Freund und Dr. Martin Bergmann
(FVK) sowie Dr. Ruth Schmidt-Ullrich und Prof. Claus Scheidereit (MDC) hat
jetzt die amerikanische Fachzeitschrift Circulation
am 10. Mai 2005 (www.circulationaha.org) veröffentlicht. Diese Forschungsarbeit
finanzierte das MDC im Rahmen eines speziellen Programms, mit dem es die
Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschung und Klinik fördert. Als Nächstes
wollen die Wissenschaftler und Mediziner in klinischen Studien prüfen, ob
NF-kappaB-Hemmer, die bereits gegen entzündliche Erkrankungen erprobt werden,
auch bei Herzinsuffizienz wirksam sind.
Nr. 17/6. Mai 2005
Pakistanischer Bildungsminister Prof. Dr. Atta-ur-Rahman besucht MDC
Der pakistanische Bildungsminister und Vorsitzende der
Kommission für höhere Bildung (HEC) in Islamabad, Prof. Dr. Atta-ur-Rahman, hat
am Freitag, den 6. Mai 2005, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch besucht. Im Gespräch mit Prof. Carmen Birchmeier und Prof.
Udo Heinemann, die dem Gast das MDC vorstellten, zeigte sich Prof.
Atta-ur-Rahman an einer wissenschaftlichen Kooperation mit dem MDC sehr
interessiert. In diesem Zusammenhang berichtete er über ein von der
pakistanischen Regierung finanziertes Ausbildungsprogramm, mit dem rund 15 000
– 20 000 jungen, exzellenten Nachwuchswissenschaftlern und Doktoranden seines
Landes die Möglichkeit gegeben werden soll, sich in Forschungseinrichtungen
unter anderem auch in Deutschland weiterzubilden.
Nr. 16/21. April 2005
Ein Protein hilft bei der Synapsenbildung nach der Geburt
Mit der Geburt ist die Entwicklung des Gehirns keineswegs
abgeschlossen. Zwar kommen Tier und Mensch mit allen Nervenzellen (Neuronen)
zur Welt, aber nur mit einem Bruchteil ihrer Hirnmasse. Der größte Teil des
Gehirns bildet sich offenbar nach der Geburt aus. Neugeborene reagieren auf
ihre Umwelt, sie lernen, sie erinnern sich und verstärken damit die vor der Geburt
begonnene Verschaltung von Neuronen, das heißt die Ausbildung von Synapsen. Wodurch
dieser Prozess auf molekularer Ebene gesteuert wird, ist bisher unvollständig
verstanden.
Nr. 15/8. April 2005
Bundesministerin Edelgard Bulmahn: „Türen für Stammzellforschung offen lassen“
Mit der Stammzellforschung verbindet sich nach Ansicht von
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, „viel medizinisches Potenzial,
doch viele wissenschaftliche Fragen sind noch offen. Sie müssen beantwortet
werden, ehe sich zuverlässige Aussagen über den
Einsatz stammzellbasierter Therapien treffen lassen“, sagte die
Ministerin am Freitag auf dem internationalen Kongress „Biopolitik und
Regenerative Medizin – Pro und Contra“ in Berlin, den das Max-Delbrück-Centrum
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gemeinsam mit der
Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet hat. „Das bedeutet allerdings, dass wir
der Wissenschaft die verschiedenen Türen der Stammzellforschung offen lassen und
Optionen nicht vorschnell aus der Hand nehmen dürfen“, betonte sie. „Niemand
kann heute bereits definitiv vorhersagen, ob es der Forschung eines Tages
wirklich gelingt, mit Hilfe der embryonalen Stammzellen das Wissen zu gewinnen,
das wir brauchen, um schwere Krankheiten zu heilen und unnötiges Leiden zu
vermeiden. Die Chance können wir mit dem Stammzellgesetz nutzen, solange
sichergestellt ist, dass die zur Verfügung stehenden Stammzelllinien für alle
wissenschaftlich wichtigen Fagestellungen als ausreichend angesehen werden
können. Sie betonte: „Wir müssen die weitere wissenschaftliche Entwicklung aufmerksam verfolgen und
sorgfältig prüfen, ob und inwieweit neue Erkenntnisse zu neuen Abwägungen
führen“. Das betreffe auch die Möglichkeiten deutscher Forscher, sich an
europäischen und internationalen Kooperationen zu beteiligen. Bisher dürfen
Forscher in Deutschland nur mit humanen embryonalen Stammzellen (hES) aus
Zelllinien arbeiten, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden sind. Sie
machen sich nach dem Stammzellgesetz strafbar, wenn sie sich an
hES-Forschungsprojekten im Ausland beteiligen, die im Inland verboten sind. Die
Ministerin machte aber auch deutlich, dass die Innovationspotenziale der
„regenerativen Medizin“, zu der auch die Stammzellforschung zählt, nur dann
ausgeschöpft werden können, wenn „ihre Produkte
und Verfahren von der Gesellschaft angenommen, ja gewollt sind.“
Nr. 14/7. April 2005
„Biopolitik und Regenerative Medizin - Pro und Contra“
Mit Bundesministerin Edelgard Bulmahn und Forschern aus EU-Mitgliedsländern Prof. Walter Birchmeier: Hohe, teils überzogene Erwartung an Stammzellforschung
Unter dem Titel „Biopolitik und Regenerative Medizin - Pro und
Contra“ sind am 7. April 2005 Politiker und Forscher aus mehreren Mitgliedsländern
der Europäischen Union zu einem zweitägigen internationalen Kongress in Berlin
zusammengekommen. Veranstalter sind das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch und die Friedrich-Ebert-Stiftung. „An die
Stammzellforschung und ihre medizinische Anwendung werden hohe Erwartungen
geknüpft, manchmal auch überzogene Erwartungen“, sagte MDC-Stiftungsvorstand
Prof. Walter Birchmeier zu Beginn der Tagung in der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Vor dem Hintergrund von Erkenntnissen über die Verunreinigung humaner
embryonaler Stammzellen (hES) durch das Heranziehen auf Mauszellen und die
Verwendung von Nährmedien mit Zusätzen tierischer Seren erklärte Prof.
Birchmeier, die klinische Anwendung von nahezu allen bisher etablierten
menschlichen embryonalen Stammzelllinien sei kritisch zu beurteilen.
Stammzellen können durch tierische Viren verunreinigt sein oder, da sie
tierische Biomoleküle in ihre Zellmembran integrieren können, unerwünschte
Immunreaktionen bei Patienten auslösen. „Damit entsteht die Frage nach einem
rational begründeten Stichtag neu“, betonte Prof. Birchmeier. Bisher dürfen in
Deutschland nur hES aus Zelllinien für die Forschung eingesetzt werden, die vor
dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden.
Nr. 13/6.April 2005
„Biopolitik und Regenerative Medizin - Pro und Contra“
Mit Bundesministerin Edelgard Bulmahn und Forschern aus EU-Mitgliedsländern
Unter dem Titel „Biopolitik und Regenerative Medizin - Pro und
Contra“ kommen am 7. und 8. April 2005 Politiker und Forscher aus mehreren
Mitgliedsländern der Europäischen Union zu einem internationalen Kongress in
Berlin zusammen. Veranstalter sind das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Schwerpunkt der
zweitägigen Veranstaltung ist der Stand der Forschung mit humanen embryonalen
Stammzellen und ihre Regulierung in Europa. Diese Forschung hat vor allem in
Deutschland heftige Diskussionen ausgelöst. Zu diesem Bereich gehört auch die
so genannte regenerative Medizin. Die Wissenschaft hofft, die Erkenntnisse, die
sie über die natürlichen Regenerations- und Reparaturprozesse des Körpers
zunehmend gewinnt, künftig gezielt für die Behandlung schwerer Krankheiten
einsetzen zu können.
Einladung
Internationaler Kongress
„Biopolitik und Regenerative Medizin - Pro und Contra“
Tagungsort: Friedrich-Ebert-Stiftung
Nr. 11/16. März 2005
Neue Einblicke in die Entwicklung von Nervenzellen des Rückenmarks
Die wichtigste Schaltstelle für die Weiterleitung von
Sinneswahrnehmungen aus dem Körper in das Gehirn ist das Rückenmark in der
Wirbelsäule. Eine Zone spielt dabei eine große Rolle – das so genannte
Hinterhorn, in dem sich die Nervenzellen befinden, die Sinneswahrnehmungen empfangen,
verarbeiten und übermitteln. Eine Berührung der Haut etwa ist deshalb bewusst
erfahrbar, weil Neuronen des Hinterhorns diese Sinnesempfindung weiterleiten.
Die komplexen Regelkreise, in denen diese Neurone agieren, werden bereits in
der Embryonalentwicklung angelegt. Zwei verschiedene Klassen von Neuronen im
Hinterhorn des Rückenmarks, A und B, können während der Embryonalentwicklung
unterschieden werden. Die Klasse A-Neurone sind unter anderem für die
Übertragung von Informationen über die Position des Körpers und der Gliedmassen
verantwortlich, die Klasse B-Neurone für Berührungs-, Temperatur- und
Schmerzempfindungen der Haut. Sehr wenig war aber bisher darüber bekannt,
welche Faktoren die Entwicklung dieser verschiedenen Neuronenklassen steuern.
Jetzt haben Entwicklungsbiologen des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch in Zusammenarbeit mit Forschern des Europäischen
Molekularbiologischen Labors (EMBL) in Heidelberg neue Einblicke in die
Entstehung von Neuronen im Hinterhorn des Rückenmarks gewonnen. Sie konnten im
Tierversuch zeigen, dass der Transkriptionsfaktor Olig3 die Entstehung der
Klasse A-Neurone steuert. Gegenspieler von Olig3 ist der Transkriptionsfaktor
Lbx1, den die Forscher bereits wenige Jahre zuvor entdeckt hatten und der für
die Entwicklung von Klasse B-Neuronen wichtig ist. Die Arbeit von Dr. Thomas
Müller aus dem Labor von Prof. Carmen Birchmeier in Zusammenarbeit mit Dr.
Mathias Treier (EMBL) ist jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Genes and Development* online (Vol. 19,
Issue 6, pp.733-743, March 15, 2005) erschienen.
Nr. 10/14. März 2005
Deutscher Krebspreis 2005 an Prof. Claus Scheidereit (MDC) und Prof. Bernd Dörken (Charité) - Molekulare Grundlagen des Hodgkin-Lymphoms entschlüsselt
Für die Entschlüsselung der molekularen Grundlagen des
Hodgkin-Lymphoms, einem bei Kindern und Erwachsenen häufigen Lymphdrüsenkrebs,
haben Prof. Claus Scheidereit vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch und Prof. Bernd Dörken (Charité – Universitätsmedizin Berlin,
Campus Berlin-Buch, Campus Virchow sowie MDC) den Deutschen Krebspreis 2005
erhalten. Die Auszeichnung wurde ihnen auf dem Kongress der Deutschen
Krebsgesellschaft am 14. März 2005 in Würzburg überreicht. Der Grundlagenforscher
und der Kliniker haben in „ihren exzellenten, teilweise in enger Kooperation entstandenen
Arbeiten, entscheidend zum Verständnis der molekularen Ursachen des
Hodgkin-Lymphoms beigetragen, und damit die Entwicklung neuer therapeutischer
Ansätze ermöglicht“, heißt es in der Begründung. Der Deutsche Krebspreis geht
damit zum zweiten Mal an Forscher und Kliniker vom MDC und der Charité. 1999
hatten Prof. Walter Birchmeier (MDC) und Prof. Peter M. Schlag (Charité –
Campus Berlin-Buch und MDC) diese Auszeichnung erhalten. Das MDC, eine
Einrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft, arbeitet seit seiner Gründung 1992 eng
mit Klinikern der Charité zusammen. Ein Schwerpunkt dabei ist die
Krebsforschung.
Nr. 9/11.März 2005
Verhinderung von Rückfällen bei Leukämien
165 000 Euro für Forschungsprojekt zum Nachweis minimaler Resterkrankung
Ziel jeder Therapie gegen Blutkrebs (Leukämie) ist es, alle
bösartigen Zellen zu zerstören und ein Wiederauftreten der Erkrankung zu
verhindern. Trotz aller Therapieanstrengungen können jedoch einige Krebszellen
überleben und erneut zu einem Ausbruch der Erkrankung führen. Ärzte sprechen in
solchen Fällen von minimaler Resterkrankung. Gelingt es, diese persistierenden
Leukämiezellen zu entdecken, so ist es möglich, die Behandlung rechtzeitig
umzustellen und zu intensivieren, um den Patienten doch noch zu heilen. Um
beurteilen zu können, ob die Behandlung erfolgreich ist, oder ob die Therapie
verstärkt werden muss, setzen Ärzte für die Blutzellanalyse inzwischen die so
genannte Durchflusszytometrie sowie molekularbiologische Methoden ein. Bei der
Durchflußzytometrie laufen die Zellen hintereinander durch eine dünne Messsäule
und passieren dabei einen von der Seite kommenden Laserstrahl. Neben der
Zellgröße und Binnenstrukturen der Zelle können dadurch vier weitere, durch
Antikörper markierte Eigenschaften von Leukämiezellen erkannt werden.
Nr. 8/11. März 2005
Schützen Stammzellen vor Glioblastomen?
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 4 000 bis 5000 Menschen an einem Glioblastom. Gliablastome gehören zu den häufigsten Hirntumoren und zu den bösartigsten. Sie treten meist bei Menschen Mitte Fünfzig, Anfang Sechzig auf. Die Ursachen sind nicht bekannt. Bisher ging die Forschung davon aus, dass fehlgesteuerte Stammzellen oder neuronale Vorläuferzellen Glioblastome auslösen. Jetzt haben Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, der Charité-Universitätsmedizin sowie Neurochirurgen des Helios Klinikums Berlin in Berlin-Buch im Gehirn von transgenen Mäusen Stammzellen und neuronale Vorläuferzellen nachgewiesen, die offenbar den Tumor zerstören. Hinzu kommt, dass der Tumor selbst wohl diese Stammzellen aus den Keimzentren (Stammzellnischen) des Gehirns über weite Strecken anlockt. Weshalb, ist völlig unklar. Dr. Rainer Glaß, Prof. Helmut Kettenmann, Dr. Gerd Kempermann (alle MDC) und Dr. Michael Synowitz (Helios Klinikum) bewerten dies jedoch als ersten Hinweis darauf, dass das Gehirn zumindest junger Tiere, Schutzmechanismen gegen Glioblastome hat. Das könnte auch erklären, weshalb dieser Tumor beim Menschen erst in höheren Lebensjahren auftritt, nicht aber bei Kindern und Jugendlichen. Die Forscher injizierten älteren Mäusen mit Glioblastom Stammzellen und es zeigte sich, dass die Tiere wie ihre jüngeren Artgenossen reagierten: der Tumor wurde kleiner. Noch ist unklar, welche Substanz die Stammzellen zu dem Tumor lockt und wie die Stammzellen auf den Tumor einwirken. Die Forschungsarbeit ist jetzt im Journal of Neuroscience (March 2005, Vol. 25, Issue 10, pp 2637 – 2646, www.jneurosci.org/cgi/content/full/25/10/2637)* erschienen.
Nr. 7/2. März 2005
Gläsernes Labor erhält Sonderförderung vom Bundesforschungsministerium
Intensivkurse zur Gentechnologie und Neurobiologie für 25 Schulen in der Region
Das Gläserne Labor beim Max-Delbrück-Centrum Berlin-Buch für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch ist eines von drei Schülerlaboren der
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die im Rahmen des Projekts
„Lernort Labor“ (LeLa) eine Sonderförderung vom Bundesministerium für Forschung
und Bildung (BMBF) erhalten. Gefördert werden weiter auch zwei Schülerlabore
des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen und
Köln-Porz. Die drei Projekte gehören zu 19 Vorhaben, die das BMBF aus über 170
Bewerbungen ausgewählt hat und mit Beträgen zwischen 10.000 und 25.000 Euro fördert
(www.lernort-labor.de).
Einladung
Internationaler Kongress
„Biopolitik und Regenerative Medizin - Pro und Contra“
Donnerstag 7. und Freitag 8. April 2005
Tagungsort: Friedrich-Ebert-Stiftung
Nr. 5/13. Februar 2005
Schärfere Gensonden
Den genetischen Ursachen des metabolischen Syndroms auf der Spur
Bei rund 20 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, etwa einem
Viertel der Bevölkerung, tickt eine Zeitbombe. Sie haben das, was Ärzte seit
einigen Jahren als Stoffwechsel- bzw. metabolisches Syndrom bezeichnen. In den
USA sind schätzungsweise 47 Millionen Menschen davon betroffen. Die Patienten
haben eine Reihe verschiedener Erkrankungen, die sich gegenseitig
hochschaukeln. Dazu zählen vor allem starkes Übergewicht (Adipositas),
Bluthochdruck, Typ-2 Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Dieses „tödliche
Quartett“ erhöht die Gefahr für Arterienverkalkungen und damit für Herzinfarkt
und Schlaganfall. Neben ungesunder Ernährung und mangelnder Bewegung werden
auch genetische Risikofaktoren als Auslöser für dieses hochkomplexe
Krankheitsbild diskutiert.
Nr. 4/10. Februar 2005
Neue Erkenntnisse zur Abstoßung von Nierentransplantaten
Neue Erkenntnisse zur Abstoßung von Nierentransplantaten hat
jetzt eine Gruppe von 18 Forschern der Charité - Universitätsmedizin Berlin
(Campus Mitte), der Franz-Volhard Klinik (FVK), Helios Klinikum-Berlin und des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gewonnen. Über
10 Prozent aller Abstoßungen von transplantierten Nieren kommen durch zirkulierende
antikörper-vermittelte so genannte „humorale“ Abstoßung zustande. Etwa die
Hälfte dieser Patienten bildet Antikörper gegen bekannte Gewebeantigene,
Strukturen, die das Immunsystem als fremd erkennt. Aber für die andere Hälfte
ist die Ursache der Transplantatabstoßung unbekannt. Die Berliner
Forschergruppe hat jetzt herausgefunden, dass die Patienten Antikörper gegen
einen Schlüsselrezeptor (Angiotensin II Rezeptor) bilden, die in der Lage sind,
den Rezeptor anzuschalten. Der Rezeptor spielt normalerweise eine wichtige
Rolle bei der Regulation von Gefäßen und des Salzhaushalts. Wird er
überstimuliert, können schwere entzündliche Gefäßschädigungen und schwerer
Hochdruck die Folge sein. Diese führen vermutlich zu dem Transplantatversagen.
Die Gruppe konnte zeigen, dass Medikamente, die den Rezeptor besetzen,
Angiotensin 1 Rezeptorblocker, und die Entfernung der Antikörper aus dem
Blutplasma durch Plasmapherese, eine Schädigung des transplantierten Organs
verhindern können. Tierexperimentelle Daten sowie Experimente zur
Signalübermittlung durch die Antikörper stützen diese Ergebnisse. Die Arbeit
der Forscher hat jetzt das New England Journal of Medicine (online; Vol.
352, No. 6, pp. 558-69, 2005)* mit einem begleitenden Editorial veröffentlicht.
Prof. Duska Dragun (Charité Mitte), die an der FVK promovierte, ist
Erstautorin, Dr. Gerd Wallukat (MDC) identifizierte und charakterisierte
umfassend als erster diese Antikörper, Dr. Dominik Müller, Helmholtz-Stipendiat
am MDC, leitete die Untersuchungen zur Signaltransduktion. Die Arbeit basiert
auf früheren Studien von Prof. Friedrich Luft (FVK) und Dr. Wallukat wonach
ähnliche Antikörper Bluthochdruck in der Schwangerschaft (Präeklampsie)
auslösen, die häufigste Ursache für eine Gesundheitsschädigung oder gar den Tod
von Mutter und Kind.
Nr. 3/21. Januar 2005
Über 200 Millionen Euro für Infrastrukturaufbau des Campus Berlin-Buch
Klinische Forschung soll verstärkt werden - Fünf neue Firmenansiedlungen
In den Aufbau einer modernen Infrastruktur für die Biomedizin
und Biotechnologie auf dem Campus Berlin-Buch sind nach der Wende von 1992 bis
2004 über 200 Millionen Euro geflossen. Damit ist der Auf- und Ausbau des
Campus nahezu beendet, sagten der Berliner Staatssekretär für Wissenschaft, Dr.
Hans-Gerhard Husung, und Prof. Peter Buckel, Chief Executive Officer (CEO) der
atugen AG, auf dem Neujahrsempfang des Campus Berlin-Buch am Freitag, 21. Januar
2005. Dr. Husung dankte in diesem Zusammenhang dem Gründungsdirektor des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und jetzigen
Vorstandsvorsitzenden der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Prof. Detlev
Ganten, für seine Arbeit, die den Campus entscheidend mitgestaltet habe. Sein
Nachfolger, der Krebsforscher Prof. Walter Birchmeier, richte jetzt seinen
Blick auf neue Herausforderungen, wie die Verstärkung der klinischen Forschung.
Stellvertretend für die Einrichtungen des Campus sprach sich Prof. Buckel für
eine noch engere Zusammenarbeit von Grundlagenforschung und Industrie aus, um
wissenschaftliche Erkenntnisse rascher nutzbar zu machen und durch Patente zu
sichern. Er dankte allen Zuwendungsgebern für die große Unterstützung. Es sind
die Europäische Union (EU), der Berliner Senat, der Europäische Fonds für
Regionalentwicklung (EFRE), die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der
regionalen Wirtschaftsstruktur (GA-Mittel), das Bundesforschungsministerium
(BMBF) und die Deutsche Krebshilfe. Den Festvortrag „Wissenschaft und Politik –
Szenen einer Ehe“ hielt Prof. Wieland Huttner vom Max-Planck-Institut für
Molekulare Zellbiologie und Genetik (Dresden) und Vorsitzender des
Wissenschaftlichen Ausschusses des MDC-Kuratoriums. Der Campus mit seinen rund
2 200 Mitarbeitern verfügt unter dem Dach der molekularen Medizin über eine in
Deutschland einmalige Verbindung von Grundlagenforschung, klinischer Forschung
und Biotechnologie.
Nr. 2/6. Januar 2005
Buch über erste „Bürgerkonferenz zur Stammzellforschung“ erschienen
„Stammzellen im Diskurs“ lautet der Titel eines Buches über
die erste Bürgerkonferenz in Deutschland zur Stammzellforschung. Herausgeber
sind Dr. Christof Tannert, er leitet am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch die Arbeitsgruppe Bioethik und
Wissenschaftskommunikation, und Dr. Peter Wiedemann, Leiter der Programmgruppe
Mensch, Umwelt, Technik (MUT) am Forschungszentrum Jülich (FZJ). Sie hatten
diese Bürgerkonferenz 2003/2004 im Auftrag des Bundesforschungsministeriums veranstaltet.
Sie stand unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.
Das Buch ist im oekom verlag München erschienen, umfasst rund 169 Seiten und
kostet 26,50 Euro (ISBN 3-936581-69-X).
Nr. 1/4. Januar 2005
Cholesterin und Gehirnentwicklung
Cholesterin hat einen schlechten Leumund. Zuviel davon im Blut
führt zu Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), die Herzinfarkt und Schlaganfall
auslösen können. Dass Cholesterin auch nützliche Seiten hat, wissen
Geburtshelfer und Entwicklungsbiologen. Fehlt es, kommt es zu schweren
Schädigungen eines Embryos im Vorderhirn (Prosencephalon), dem größten Bereich
des Gehirns. Eine von 250 Schwangerschaften bricht wegen solch einer Mißbildung,
in der Fachsprache Holoprosenzephalie (HPE) genannt, ab. Eines von 16 000
Kindern kommt mit HPE zur Welt, deren mildeste Form Gaumen-Lippenspalten sind.
HPE kann genetisch bedingt sein, aber auch durch eine Virusinfektion oder durch
Alkoholmißbrauch ausgelöst werden. Oft ist jedoch der Cholesterinstoffwechsel
gestört. So können manche HPE-Betroffene auf Grund einer genetischen Störung
kein Cholesterin bilden.

