Nr. 56/15. Dezember 2006
MDC-Forscher: Ein Protein vermittelt Berührungsreize – Erster Nachweis eines Rezeptor-Gens für Berührungen bei Säugetieren
Die Haut ist das größte Sinnesorgan des Menschen, über das er
Berührung und Schmerz wahrnimmt. Christiane Wetzel und ihre Kollegen aus dem
Labor von Prof. Gary Lewin vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch haben jetzt erstmals bei Säugetieren ein Molekül
nachgewiesen, das eine wichtige Rolle bei der Umwandlung solcher mechanischer Reize in Nervenimpulse spielt.
Sie konnten zeigen, dass dieses Molekül, ein Protein kurz SLP3 genannt, notwendig
ist, um feinste Berührungen wahrzunehmen. Ihre Studie liefert damit zugleich
den ersten Nachweis eines Rezeptor-Gens für Berührungen bei Säugern. Solche
Moleküle könnten in Zukunft wichtige Angriffspunkte für die Therapie
chronischer Schmerzen sein. Die Arbeit von Christiane Wetzel und Prof. Lewin
ist jetzt in der Fachzeitschrift Nature
online (DOI: 10.1038/nature05394)* erschienen.
Nr. 55/14. Dezember 2006
Prof. Wolf-Dieter Ludwig - Neuer Vorsitzender der Arzneimittelkommission
„Informationsmonopol der Pharmaindustrie durch unabhängige Informationen brechen“
Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, leitender Arzt an der
Robert-Rössle-Klinik der Charité – Universitätsmedizin Berlin/Helios Klinikums
Berlin-Buch und Forschungsgruppenleiter am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch, ist neuer Vorsitzender der Arzneimittelkommission
der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Die Amtsdauer beträgt drei Jahre. Der
54jährige Internist, Hämatologe und Onkologe ist Nachfolger von Prof. Bruno
Müller-Oerlinghausen, der den Vorstand der Arzneimittelkommission seit 1994
geleitet hat. Ludwig ist seit 2000 Mitglied im siebenköpfigen Vorstand der
AkdÄ.
Nr. 54/7. Dezember 2006
Bösartige Helfer
Zellen des Immunsystems fördern Wachstum von Glioblastomen
Das Immunsystem erkennt und bekämpft Bakterien und Viren, aber
es bewahrt den Körper auch vor Schädigungen durch eigene Fehlentwicklungen, wie
zum Beispiel Krebs. Forschungen der vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt,
dass Tumore wie das Glioblastom, ein besonders aggressiver Hirntumor, die
Immunzellen dazu bringen können, ihr Wachstum zu fördern, statt sie zu
zerstören. Prof. Dr. Karl-Heinz Plate, Leiter des Neurologischen Instituts der
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und seine Mitarbeiter konnten
im Tierversuch zeigen, dass die Tumore sehr viel weniger wachsen, wenn die
Aktivität der Fresszellen gehemmt wird, berichtete er auf der Tagung Brain
Tumor 2006, die das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch und das Helios-Klinikum Berlin-Buch veranstalten, und die am Donnerstag
begann.
Nr. 53/7. Dezember 2006
Hirntumore aushungern - erste klinische Versuche in den USA und Deutschland
Glioblastome sind die häufigsten und bösartigsten Hirntumore.
Sie gehören zu den Tumoren des Menschen, die am besten durchblutet sind,
weshalb diese Hirntumore sehr schnell wachsen und meist innerhalb weniger
Monate zum Tod des Betroffenen führen. In klinischen Studien in den USA sowie
in Deutschland versuchen Ärzte deshalb das Blutgefäßwachstum mit
unterschiedlichen Ansätzen zu hemmen und damit die Hirntumore auszuhungern. Auf
einer Tagung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
und des Helios Klinikums Berlin-Buch über Hirntumore berichtete Prof. Peter
Vajkoczy vom Universitätsklinikum Mannheim der Universität Heidelberg über eine
klinische Pilotstudie, bei der Patienten statt einer hochdosierten, in
Intervallen verabreichten Chemotherapie, kontinuierlich über Wochen hinweg ein
niedrigdosiertes Krebsmedikament in Kombination mit einem Entzündungshemmer
erhielten. „Von den 30 Glioblastompatienten, die in die Studie eingeschlossen
waren, betrug die mittlere Überlebenszeit bei sehr guter Verträglichkeit 17
Monate, was günstig im Vergleich mit herkömmlichen Therapien ist“, sagte Prof.
Vajkoczy.
Nr. 52/ 7. Dezember 2006
Hirntumore können Immunsystem lahm legen - Erste Tierversuche, Blockade mit RNA-Interferenz aufzuheben
Glioblastome sind außerordentlich bösartige, sehr schnellwachsende
Gehirntumore. Sie schütten nicht nur Substanzen aus, um ihre Blutversorgung zu
sichern, sondern auch Botenstoffe, die sie vor Angriffen des Immunsystems
schützen. Auf der Tagung Brain Tumor 2006 des Max-Delbrück-Centrums für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und des Helios Klinikums Berlin-Buch berichtete
Prof. Michael Weller, Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeine Neurologie
am Universitätsklinikum Tübingen, dass es im Tierversuch möglich ist, mit Hilfe
der „RNA-Interferenz“ (RNAi) das Gen für einen zentralen Vertreter dieser
Botenstoffe, den Transforming Growth Factor-beta (TGF-beta), auszuschalten und
damit die Blockade des Immunsystems aufzuheben. Bei allen Mäusen mit
Glioblastom, bei denen die Forscher das TGF-beta Gen ausgeschaltet hatten,
wurden die Tumore vollständig abgebaut und alle Mäuse überlebten. Diese
Ergebnisse könnten nach Ansicht von Prof. Weller auch den Weg für Impfungen
gegen Gehirntumore öffnen, weil nur ein intaktes Immunsystem in der Lage ist, auf
eine Impfung mit einer entsprechenden Immunantwort zu reagieren.
Nr. 51/7. Dezember 2006
Brain Tumor 2006 – wichtigstes Forum der Hirntumorforschung in Deutschland – Grundlagenforscher und Kliniker an einem Tisch
Hirntumore, neue Konzepte der Tumorentstehung sowie
experimentelle Therapiestrategien stehen im Mittelpunkt der zweitägigen
Fortbildungstagung „Brain Tumor 2006“, die das Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und das Helios Klinikum Berlin-Buch
gemeinsam zum dritten Mal veranstalten. An der Tagung, die am Donnerstagmittag,
den 7. Dezember 2006 beginnt, nehmen Glioblastom-Spezialisten aus dem In- und
Ausland teil.
Nr. 50/6. Dezember 2006
Nr. 49/1. Dezember 2006
Mutation löst schwere Herzmuskelerkrankung aus
Forscher in Berlin und Boston weisen Gendefekt nach
Eine Mutation in einem Gen, das normalerweise Herzzellen
zusammenhält, ist die Ursache für eine potentiell tödliche
Herzmuskelerkrankung. Das haben Dr. Arnd Heuser vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, Dr. Eva R. Plovie vom Massachusetts
General Hospital (MGH) in Boston, USA, Prof. Ludwig Thierfelder (MDC und Helios
Klinikum Berlin/Charité sowie Dr. Brenda Gerull (MDC) jetzt nachgewiesen. Bei
88 Patienten, die unter arrhythmogener rechtsventrikulärer Kardiomyopathie
(ARVC) leiden, hatten sie gezielt nach Mutationen in dem Gen Desmocollin-2
(DSC2) gefahndet, und eine Veränderung entdeckt, die zu der
Herzmuskelerkrankung führt. Sie schalteten das Gen in Zebrafischen aus und
konnten damit zeigen, dass DSC2 in der embryonalen Entwicklung eine Rolle
spielt, und wichtig für einen reibungslosen Herzschlag beim erwachsenen
Organismus ist. Ihre Arbeit hat jetzt das American Journal of Human Genetics
(Vol. 79, pp. 1081-1088, 2006)* veröffentlicht.
Nr. 48/1. Dezember 2006
Prof. Rudolf Jaenisch mit Max-Delbrück-Medaille geehrt
Der Stammzellforscher Prof. Rudolf Jaenisch vom Whitehead
Institute for Biomedical Research in Cambridge, USA, ist am 1. Dezember 2006 in
Berlin mit der Max-Delbrück-Medaille ausgezeichnet worden. Damit werden seine
Forschungen über „epigenetische“ Mechanismen der Genregulation gewürdigt, die
für die Entwicklung lebensnotwendig sind und wenn fehlgesteuert, zur Entstehung
von Krankheiten führen. Die Forschungen sind vor allem in Hinblick auf die
embryonale Stammzellforschung und das „therapeutische Klonen“ von Bedeutung. In
seinem Festvortrag über „Nuclear Cloning, Embryonic Stem Cells and Cell
Therapy: Promise, Problems, Reality" (Klonen, Embryonale Stammzellen und
Zelltherapie: Verheißungen, Probleme, Wirklichkeit) in Berlin-Buch ging er kurz
auf die vor zwei Wochen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
ausgesprochene Empfehlung ein, die Stichtagsregelung für die Stammzellforschung
aufzuheben. Er bezeichnete sie als „sehr vernünftig“. Als Forscher wünsche man
sich, dass die Politiker sie läsen und sich bemühten, die Materie zu verstehen.
Nr. 47/30. November 2006
Zwei Helmholtz-Nachwuchsforscher kommen ans MDC
Der Biochemiker und Proteinkristallograph Dr. Oliver Daumke
und der Zellbiologe Dr. Matthias Selbach werden beide als
Helmholtz-Nachwuchsforscher an das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch kommen. Sie erhalten beide je 1,25 Millionen Euro für fünf
Jahre. Eine Hälfte davon kommt aus dem Impuls- und Vernetzungsfond des
Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, die andere Hälfte vom MDC. Insgesamt
fördert die Helmholtz-Gemeinschaft in der vierten Ausschreibungsrunde 19 Nachwuchsforscher,
darunter sechs Frauen. Sie richtete dieses Programm 2003 ein, um jungen
Forschern aus dem In- und Ausland die Möglichkeit zu geben, früh wissenschaftlich
selbständig zu arbeiten.
Nr. 46/24. November 2006
Prof. Thomas Willnow vom MDC erhält Alzheimer Förderpreis
Für sein Forschungsprojekt über die Entstehung der
Alzheimer-Krankheit ist Prof. Thomas Willnow vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch für die kommenden zwei Jahre der mit 80
000 Euro dotierte Förderpreis der Düsseldorfer Alzheimer Forschung Initiative
e.V. (AFI) zuerkannt worden. In Zusammenarbeit mit Forschern in Dänemark und
den USA hatte er entdeckt, dass ein von Nervenzellen gebildetes Molekül, kurz
sorLA (engl. für: sorting protein-related receptor) genannt, die Entstehung der
Eiweißablagerungen im Gehirn beeinflusst, die charakteristisch für die
Alzheimer-Krankheit sind. Damit können sie möglicherweise erklären, weshalb ein
Mensch an Alzheimer erkrankt. Von insgesamt 38 Forschungsanträgen hatte die AFI
die fünf besten ausgewählt. Das Projekt von Prof. Willnow wurde dabei als
„herausragend“ beurteilt, teilte die AFI weiter mit.
Nr. 45/15. November 2006
Neue Erkenntnisse über Metastasenbildung bei Dickdarmkrebs
Eröffnung eines neuen Ansatzes für Diagnose und Therapie
Die Behandlungssaussichten (Prognose) für Dickdarmkrebs hängen
davon ab, ob der Tumor Tochtergeschwulste (Metastasen) bildet oder nicht. Neue
Erkenntnisse über die Bildung von Metastasen beim Dickdarmkrebs, die Forscher
des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der
Robert-Rössle-Tumorklinik in Berlin-Buch sowie dem National Cancer Institute
(NCI), in Frederick, Maryland (USA) jetzt gewonnen haben, eröffnen in Zukunft
einen wichtigen neuen Ansatz für Diagnose und Therapie dieses Tumors. Die
Arbeit von PD Dr. Ulrike Stein, Prof. Peter M. Schlag und Prof. Walter Birchmeier
vom MDC und der Rössle-Tumorklinik sowie Dr. Robert H. Shoemaker vom NCI ist
jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift Gastroenterology (Vol. 131, Nr. 5,
pp. 1486-1500) erschienen.
Nr. 43/29.Oktober 2006
Neue Einblicke in die Evolution und die Regulation von menschlichen Genen Bedeutung für Gesundheit und Krankheit
Mit einen neuen methodischen Ansatz können der Bioinformatiker
und Systembiologe Prof. Nikolaus Rajewsky vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und Dr. Kevin Chen vom Center for
Comparative Functional Genomics, New York University, New York (USA) jetzt
gezielter nach Strukturen im Genom des Menschen fahnden, die mit großer
Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Krankheiten von Bedeutung sind. An
Hand kleinster vererbter Variationen im Genom des Menschen versuchen sie, neue
Einblicke in die Regulation von Genen und ihre Bedeutung für Gesundheit und
Krankheit zu gewinnen. Die Forscher interessiert dabei vor allem die Frage, wie
sich die Genregulation im Laufe der Jahrmillionen der Entstehung des Menschen
entwickelt hat. Dazu haben sie zwei Methoden der Genomforschung miteinander
verknüpft, die Suche nach einzelnen vererbten Unterschieden im Aufbau der DNA,
die das korrekte Ablesen (Expression) von Genen beinflussen können, und die
Populationsgenetik. Sie sind damit in der Lage, Aussagen über die Genregulation
zu treffen und solche Variationen im Genom ausfindig zu machen, die die Ursache
für Erkankungen sein können. Ihre Forschungsergebnisse sind jetzt als „Research
Highlight“ in der Fachzeitschrift Nature
Genetics (Vol. 38, Nr. 11, 29. Oktober 2006) erschienen.
Nr. 42/18. Oktober 2006
Prof. Erich Wanker unter den Gewinnern des GO-Bio Förderwettbewerbs des BMBF – Test von Substanzen gegen Chorea Hungtington und Alzheimer
Der Chorea Huntington- und Alzheimer-Forscher Prof. Erich
Wanker vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch ist
unter den Gewinnern des „GO-Bio“-Förderwettbewerbs des
Bundesforschungsministerium (BMBF). Mit rund drei Millionen Euro fördert das
BMBF sein Projekt, in dem er verschiedene Substanzen zur Diagnose und Therapie
der Alzheimer-Krankheit und der Chorea Hungtington testen will. Sollten sie
sich in den strengen präklinischen Versuchen als wirksam erweisen, werden sie
in klinischen Versuchen mit Patienten auf Verträglichkeit und Sicherheit (klinische
Phase 1) getestet. Das Projekt beginnt im Januar 2007 und hat eine Laufzeit von
drei Jahren. Es wird auch vom MDC unterstützt. Mit insgesamt 150 Millionen Euro
fördert das BMBF im Rahmen dieses Wettbewerbs zwölf von ursprünglich 176
eingereichten Projekten. Bundesforschungsministerin Annette Schavan zeichnete
am Mittwoch, den 18. Oktober 2006, diese zwölf Projekte der ersten Runde aus.
Mit dem Wettbewerb will das BMBF die Gründung von Biotechfirmen unterstützen.
Nr. 41/9. Oktober 2006
Risikoforschung in der Biomedizin – erster internationaler Workshop von neuem Jülicher und Berliner Forschungsprojekt
Verursacht die Benutzung von Mobiltelefonen Krebs oder nicht?
Diese Frage hat die Wissenschaft bis heute nicht eindeutig beantworten können.
Wie also geht die Gesellschaft mit solchen Unklarheiten um? Und, können
Forschungsansätze der molekularen Medizin die Wissenslücken füllen und damit
Unsicherheiten abbauen? Mit solchen Fragestellungen beschäftigt sich der erste
Workshop des im Sommer diesen Jahres gestarteten internationalen und
interdisziplinären Forschungsprojekts (IMBA) zur Technikfolgenbewertung, der am
Donnerstag, den 12. Oktober 2006 im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch beginnt.
Nr. 40/5. Oktober 2006
Wie sich aus Blutstammzellen das Blut bildet - Genschalter spielt Schlüsselrolle
Blutzellen haben nur eine begrenzte Lebensdauer und müssen
deshalb im Knochenmark ständig neu gebildet werden. Sie entstehen aus
Blutstammzellen, aus denen sich die verschiedenen Blutzellen entwickeln. Eine
Schlüsselrolle bei diesem Prozess spielt der Genregulator beta-catenin, wie Dr.
Marina Scheller aus der Forschungsgruppe von Prof. Achim Leutz vom
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch jetzt entdeckt
hat. Beta-catenin schaltet in einem intrazellulären Signalweg wnt, der unter
anderem für die Organentwicklung von zentraler Bedeutung ist, Gene an und
steuert damit auch die blutbildenden (hämatopoetischen) Stammzellen. Ihre
Arbeit hat jetzt Nature Immunology
veröffentlicht (Vol. 7, Nr. 10, Oktober 2006; online: 3. September 2006,
doi:10.1038/ni1387).
Nr. 39/22. September 2006
Forscher entdecken neue Schlüsselfunktion eines Enzyms im Nervensystem -Auswirkung auf die Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer
Seit die Wissenschaft die Entstehungsmechanismen der
Alzheimer-Krankheit aufgedeckt hat, die zum Untergang von Nervenzellen führen,
arbeiten Pharmaforscher daran, Hemmstoffe gegen diese schwere Demenzerkrankung zu entwickeln. Jetzt
haben Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch entdeckt, dass
ein Enzym, das dabei eine entscheidende Rolle spielt, eine weitere
Schlüsselfunktion bei der Entwicklung des Nervensystems hat. Das Enzym beta
secretase (kurz BACE1) sorgt dafür, dass die Fortsätze von Nervenzellen ähnlich einem Stromkabel mit
einer Isolierschicht, dem Myelin, ummantelt werden, so dass Erregungen rasch
ins Gehirn gelangen. Die Entdeckung von Dr. Michael Willem (LMU), Dr. Alistair
Garratt, Prof. Carmen Birchmeier (beide MDC) und Prof. Christian Haass (LMU)
hat auch Auswirkungen auf die Entwicklung von Alzheimer-Medikamenten. Forscher
hatten nämlich in Versuchen mit genetisch veränderten Mäusen zeigen können,
dass die Alzheimer Krankheit nicht ausbricht, wenn das Gen für BACE1 blockiert
wird. Jetzt konnten die Forscher in München und Berlin jedoch nachweisen, dass
sich die Myelinschicht bei neugeborenen Mäusen mit blockiertem BACE1-Gen nur
unvollständig ausbildet, was zu Nervenschäden führen kann. „Damit haben wir
erstmals die Möglichkeit, bei der Entwicklung von Hemmstoffen gegen die
Alzheimer-Krankheit Nebenwirkungen genau zu beobachten“, erläutert Prof. Haass
die Bedeutung der Arbeit. Sie ist jetzt in Science
Express, der online-Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift Science, erschienen.
Nr. 38/15. September 2006
Helmholtz-Humboldt Preisträger Prof. Hendrikus Granzier am MDC
Der Biologe, Muskelforscher und Helmholtz-Humboldt-Preisträger
Prof. Hendrikus Granzier von der Washington State Universität in Pullmann,
US-Staat Washington, hat Mitte September 2006 seinen Forschungsaufenthalt am
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch begonnen. In
Zusammenarbeit mit Prof. Michael Gotthardt (MDC) und der Universität Mannheim
will der niederländische Wissenschaftler die biomechanischen Grundlagen von
Herzerkrankungen untersuchen. Prof. Granzier ist mit Prof. Sergej Nedospasov
von der Russischen Akademie der Wissenschaften/Engelhardt Institut für
Molekulare Biologie in Moskau, Russland, der zweite Helmholtz-Humboldt-Preisträger,
der das MDC für seine Forschungsprojekte ausgewählt hat.
Nr. 37/9. September 2006
Neue Erkenntnisse über Entstehung der Alzheimer-Krankheit
Mögliche Ansatzpunkte für Entwicklung ursächlicher Therapien
Forscher gewinnen immer mehr Einblick in die
Entstehungsmechanismen der Alzheimer-Erkrankung. Sie können dadurch mögliche
Angriffspunkte für eine gezielte, ursächliche Behandlung der schweren
Hirnleistungsstörung, an der weltweit Millionen von Menschen erkrankt sind,
identifizieren, berichteten sie auf dem internationalen Konferenz über „Neurodegenerative
Diseases: Molecular Mechanisms in a Functional Genomics Framework“ im Max
Delbrück Communications Center (MDC.C) in Berlin-Buch. Alzheimer gehört zu den
neurodegenerativen Krankheiten, zu denen auch Chorea Huntington oder die Parkinson`sche
Krankheit zählen und als deren Ursache falsch gefaltete Proteine gelten.
Nr. 36/ 8. September 2006
Molekulare Anstandsdamen bieten Schutz vor Fehlfaltung
Neue Familie entdeckt
Fehl gefaltete Proteine und ihre Verklumpung gelten als
Ursache für neurodegenerative Krankheiten wie zum Beispiel Chorea Huntington.
Prof. Ulrich Hartl vom Max-Planck-Institut für Biochemie in München hat eine
neue Familie molekularer Anstandsdamen identifiziert, die verhindert, dass sich
Proteine „falsch verhalten“ und dafür sorgt, dass sie sich korrekt falten. Wie er
auf der internationalen Konferenz „Neurodegenerative
Diseases: Molecular Mechanisms in a Functional Genomics Framework“ im
Max Delbrück Communications Center (MDC.C) berichtete, ergänzt und unterstützt
die von ihm und seinen Mitarbeitern jetzt identifizierte neue Familie (kurz
TriC genannt) von Chaperonen (engl. für Anstandsdame), die Arbeit einer bereits
vor Jahren entdeckten Chaperon-Familie, die zu den so genannten
Hitzeschockproteinen (Hsp 70 - Familie) gehört. Beide Familien verhindern, dass
sich Proteine falsch falten, verklumpen und den Untergang von Nervenzellen auslösen.
Nr. 35/8. September 2006
Grüner Tee verringert Plaque Bildung bei Chorea Huntington
Erste Ergebnisse in Modellorganismen
Grüner Tee kann offenbar die Entstehung der tödlichen
Eiweißablagerungen bei Chorea Huntington verringern. Das berichtete Dagmar E.
Ehrnhoefer aus der Forschungsgruppe von Prof. Erich Wanker vom
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch auf der internationalen
Konferenz „Neurodegenerative Diseases: Molecular Mechanisms in a Functional
Genomics Framework“ in Berlin. Sie konnte im Reagenzglas zeigen, dass die Substanz
Epigallocatechin-3-gallate (EGCG), die aus grünem Tee gewonnen wird, zu einem
sehr frühen Zeitpunkt, während sich die Ablagerungen bilden, die Verklumpung
des Huntingtin-Proteins bremst. Auch reduzierte sich der Vergiftungsgrad von
Zellkulturen. Bei transgenen Fliegen, die das Huntington-Gen tragen,
verbesserte sich außerdem die Beweglichkeit, wenn sie mit der grünen
Tee-Substanz gefüttert wurden. Die Forschungsarbeit hat das Journal Human Molecular Genetics* jetzt
veröffentlicht (Vol. 15, Nr. 18, 15. September 2006, pp. 2743-2751, vorab
online 7. August 2006). Prof. Wanker und seine Mitarbeiter hoffen, dass diese
Erkenntnisse Ausgangspunkt für die Entwicklung einer medikamentösen Therapie
für Chorea Huntington und verwandte Krankheiten sein kann. Chorea Huntington
gehört mit Alzheimer und Parkinson zur Familie der neurodegenerativen Leiden, deren
Ursache falsch gefaltete Proteine sind.
Nr. 34/7. September 2006
Nervenzellen fressen ihre Feinde auf - Zelleigene Schutzprogramme
Nervenzellen des Zentralen Nervensystems können sich
verteidigen und sich von Schäden erholen, die eiweißähnliche Ablagerungen, wie
sie etwa für neurodegenerative Erkrankungen wie Chorea Huntington charakteristisch
sind, verursacht haben. Sie fressen die defekten Eiweiße, die sie angreifen und
mit dem Tod bedrohen, auf und verdauen sie. Jede Zelle hat dafür spezielle
Schutzprogramme. Die grundlegenden Schutzmechanismen bei Nervenzellen haben
jetzt der Biologe Prof. Ron Kopito und seine Mitarbeiter von der Stanford
Universität in Stanford, Kalifornien, USA entschlüsselt. Er berichtete darüber auf
der internationalen Konferenz „Neurodegenerative Diseases: Molecular Mechanisms
in a Functional Genomics Framework“ im Max Delbrück Communications Center
(MDC.C) in Berlin.
Nr. 33/7. September 2006
Rettung von Nervenzellen bei Neurodegenerativen Erkrankungen
Nervenzellen des Zentralen Nervensystems (ZNS) können vor dem
Untergang gerettet werden, wenn das körpereigene Kontrollsystem, das die Balance
zwischen Zellwachstum und Zelltod steuert, die Apoptose oder der programmierte
Zelltod, gehemmt wird. Das berichtete Professor Robert Korneluk von der
Universität von Ottawa, Kanada, auf der
internationalen Konferenz „Neurodegenerative Diseases: Molecular Mechanisms in
a Functional Genomics Framework“ im Max Delbrück Communications Center (MDC.C)
in Berlin. Er und seine Mitarbeiter konnten das für neurodegenerative
Erkrankungen wie Parkinson und eine erbliche Netzhauterkrankung, die Retinitis
pigmentosa, in Tierversuchen zeigen.
Nr. 32/7. September 2006
Kanadische Wissenschaftler stoppen Chorea Huntington in der Maus
Erstmals ist es
Wissenschaftlern gelungen, Chorea Huntington im Tierversuch erfolgreich zu behandeln.
Prof. Michael Hayden vom Child and Family Research Institute`s Centre
for Molecular Medicine and Therapeutics (CMMT), Vancouver, Kanada und seine
Mitarbeiter hatten in der Maus zeigen können, dass die mit der Krankheit
verbundenen degenerativen Störungen nicht auftreten, wenn es gelingt, die
Zerkleinerung der Eiweißablagerungen im Gehirn durch ein bestimmtes Enzym zu
verhindern. Er berichtete über seine Forschungen auf der internationalen
Konferenz „Neurodegenerative Diseases: Molecular Mechanism in a Functional
Genomics Framework” im Max Delbrück Communications Center (MDC.C) in Berlin.
Die Arbeit war kürzlich in der Fachzeitschrift Cell (June 16, 2006, Vol. 125,
6, 1179-91) erschienen.
Nr. 31/6. September 2006
Neurodegenerative Erkrankungen - wissenschaftliche und gesundheitspolitische Herausforderung – Erste internationale Konferenz von Genomforschern und Klinikern in Berlin
Rund 200 Genomforscher und Kliniker aus Europa, Japan, Kanada
und den USA diskutieren auf einer internationalen Konferenz im Max Delbrück
Communications Center (MDC.C) in Berlin-Buch die neuesten Erkenntnisse über
neurodegenerative Erkrankungen, die mit Hilfe der Gen- und Proteinforschung
erzielt worden sind. Zu den neurodegenerativen Krankheiten gehören unter
anderem Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington. Bei diesen bislang unheilbaren
Erkrankungen sterben zunehmend Nervenzellen ab, geistiger Verfall, schwere motorische
Störungen und Verlust verschiedener körperlicher Funktionen führen im Verlauf
mehrerer Jahre zum Tod. Die viertägige Tagung über „Neurodegenerative Diseases:
Molecular Mechanisms in a Functional Genomics Framework“ hat am Abend des 6.
September 2006 in der
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin begonnen.
Nr. 30/4. September 2006
Max-Delbrück-Centrum feiert 100. Geburtstag von Max Delbrück
Mit einer Festveranstaltung hat das 1992 gegründete Max-Delbrück-Centrum
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch den 100. Geburtstag seines
Namensgebers Max Delbrück gefeiert. Prof. Fritz Melchers (Max-Planck-Institut
für Infektionsbiologie, Berlin), der bei Max Delbrück promoviert hatte, schilderte
in seinem Festvortrag in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der
Wissenschaften (BBAW) die Anfänge der Molekulargenetik und würdigte dabei die
Verdienste Max Delbrücks als Mitbegründer dieser Forschungsrichtung. Prof. Jens
Reich (MDC), Molekularbiologe, Arzt und DDR-Bürgerrechtler, beschrieb in seinem
Festvortrag die Schwierigkeiten, sich in der DDR bis 1965 für Biologie und
Genetik zu interessieren. Damals herrschte das Weltbild des umstrittenen Trofim
Lysenko vor. Weiter würdigte er Delbrück`s Publikationen, die ohne
„Fachwortschwall“ auskamen. Von Seiten der Familie waren Hans-Jürgen Delbrück
aus Ratingen und Dr. Sebastian Delbrück (Berlin) von der Delbrück`schen
Familienstiftung zu der Festveranstaltung gekommen. Mit dem MDC und Berliner
Schulen haben sie viele Jahre junge Leute, die in die Wissenschaft gehen
wollen, gefördert. Der Geiger Mikhail Ovrutsky, Stipendiat der Freundeskreis
Anne-Sophie Mutter Stiftung und erster Konzertmeister des Beethoven Orchesters
Bonn gab den musikalischen Rahmen.
Einladung
Donnerstag, 7. September 2006,
zur ersten internationalen Konferenz
„Neurodegenerative Diseases: Molecular Mechanisms
in a Functional Genomics Framework"
Einladung
Erste internationale Konferenz
„Neurodegenerative Diseases: Molecular Mechanisms
in a Functional Genomics Framework"
Mi., 6. September - Sa., 9. September 2006
Max Delbrück Communications Center (MDC.C)
Nr. 27/14. Juli 2006
Lebenden Zellen bei der Arbeit zuschauen
Internationales Symposium „Optical Analysis of Biomolecular Machines” in Berlin
Forscher können heute lebenden Zellen bei der Arbeit zuschauen
und Strukturen von wenigen millionstel Millimetern erkennen. Möglich geworden
ist das durch technische Weiterentwicklungen in der Lichtmikroskopie. Auch
haben die Forscher gelernt, in der Natur vorkommende fluoreszierende Proteine,
wie das grün fluoreszierende Protein (GFP) der Qualle, als Farbstoff weiter zu
entwickeln. Zu den fundamentalen Lebensprozessen in Zellen, die Forscher jetzt
beobachten können, gehören zum Beispiel die Verdopplung der Erbsubstanz DNA vor
der Zellteilung, die Reparatur geschädigter DNA, das Umschreiben der Geninformation,
aber auch die Entwicklung einer einzelnen Blutstammzelle aus einer embryonalen
Stammzelle. Wie die „biomolekularen Maschinen“ - Komplexe aus einer Reihe von Proteinen oder
Nukleinsäuren – funktionieren, ist für die biomedizinische Forschung von großer
Bedeutung. Sie standen im Mittelpunkt eines internationalen Symposiums, das das
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und die
Universität Heidelberg gemeinsam veranstaltet haben. Organisatoren waren Dr. M.
Cristina Cardoso (MDC) und Prof. Christoph Cremer (Universität Heidelberg). Zu
dem Symposium, das Teil eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) ist, waren Mitte Juli 2006 rund 150 Wissenschaftler aus der ganzen Welt
in das Max Delbrück Communications Center (MDC.C) nach Berlin-Buch gekommen.
Nr. 26./ 10. Juli 2006
Helmholtz-Humboldt-Preisträger Prof. Sergej Nedospasov am MDC und am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin
Der Tumornekrosefaktor (TNF), ein Botenstoffs des
Immunsystems, und seine Rolle bei Entzündungen und Krebserkrankungen, stehen im
Mittelpunkt der Forschungen des russischen Immunologen Prof. Sergej Nedospasov
und seinen Kooperationen mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch und dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin. Ermöglicht wird
diese Zusammenarbeit, die mit einem längeren Forschungsaufenthalt in
Deutschland verbunden ist, durch den Helmholtz-Humboldt-Preis, der Prof.
Nedospasov am 11. Juli 2006 in Berlin verliehen worden ist. Der Preis wird
gemeinsam von der Helmholtz-Gemeinschaft und der Alexander von
Humboldt-Stiftung vergeben. Prof. Nedospasov ist Forschungsgruppenleiter am
Engelhardt Institut für Molekulare Biologie der Russischen Akademie der
Wissenschaften in Moskau und lehrt am Belozersky Institut der Moskauer
Staatsuniversität. Er ist mit Prof. Hendrikus Granzier von der Washington State
Universität in Pullmann, US-Staat Washington, der im September nach Berlin
kommen wird, der zweite Helmholtz-Humboldt-Preisträger, der mit dem MDC, einer
Einrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft, zusammenarbeitet.
Nr. 25/5. Juli 2006
Helmholtz-Hochschulnachwuchsgruppe am MDC für Hirnforscher
1,25 Millionen Euro für fünf Jahre
Der Hirnforscher Dr. Jochen Meier von der Charité -
Universitätsmedizin Berlin leitet seit Anfang Juli 2006 am Max-Delbrück-Centrum
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch eine
Helmholtz-Hochschulnachwuchsgruppe. Für die kommenden fünf Jahre erhält er für
seine Forschungsgruppe „RNA Editing and Hyperexcitability Disorders“ insgesamt
1,25 Millionen Euro. Die Hälfte davon kommt aus dem Impuls- und
Vernetzungsfonds des Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, die andere Hälfte
finanziert das MDC, das Mitglied dieser Forschungsorganisation ist. Dr. Meier
untersucht die Informationsverarbeitung im Gehirn und dabei vor allem die so
genannte RNA-Editierung im Zusammenhang mit Erkrankungen, bei denen das
Zentrale Nervensystem hypererregt ist, wie zum Beispiel bei Epilepsien und
Muskelkrämpfen. Für 2006 hat die Helmholtz-Gemeinschaft insgesamt 17 neue
Nachwuchsgruppen eingerichtet, davon 15 gemeinsam mit einer Universität.
Nr. 23/30. Juni 2006
Labor für Medizinische Genomforschung mit Bürgermeister Wowereit auf dem Campus Berlin-Buch offiziell eröffnet
In Anwesenheit des Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus
Wowereit, ist am Freitag, den 30. Juni 2006, das Labor für Medizinische
Genomforschung auf dem Campus Berlin-Buch offiziell eröffnet worden.
Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan hatte wegen der Debatte im
Bundestag kurzfristig abgesagt. Das Gebäude haben das Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und das Leibniz-Institut für Molekulare
Pharmakologie (FMP) gemeinsam gebaut. Sie schufen damit die Voraussetzung, unterschiedliche
Ansätze in der Genomforschung, die systematische Suche nach Kranheitsgenen
sowie die Erforschung der Funktion von Genen und ihren Produkten, den
Proteinen, zusammenzuführen. Diese Forschung ist für die Entwicklung neuer
Therapiekonzepte wichtig. Der für rund 19 Millionen Euro errichtete Bau des Berliner
Architekten Volker Staab wurde zu 56 Prozent aus dem Europäischen Fonds für
Regionalentwicklung (EFRE) finanziert, die restlichen rund 8,4 Millionen Euro
tragen der Bund mit 6,5 Millionen Euro und das Land Berlin mit 1,9 Millionen
Euro. Das Gebäude wurde nach dem russischen Genetiker Nikolai Wladimirovich Timoféeff-Ressovsky*
benannt, der von 1930 - 1945 am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in
Berlin-Buch gearbeitet hatte. Er gilt mit Max Delbrück, dem Namensgeber des
MDC, als einer der Begründer der molekularen Genetik. Vor der Schlüsselübergabe
wurde vor dem Gebäude die Büste Timoféeffs enthüllt, die der Berliner Bildhauer
Stefan Kaehne 2006 geschaffen hat. Zugleich begingen MDC und FMP 75 Jahre
medizinisch-biologische Forschung in Berlin-Buch. Das Kaiser-Wilhelm-Institut
in Berlin-Buch war am 2. Juni 1931 offiziell mit Max Planck eröffnet worden.
Nr. 22/29. Juni 2006
Immunologische Ansätze der Krebstherapie Sonderforschungsbereich /Transregio in Berlin und München eingerichtet
Zur Erforschung neuer Ansätze in der Krebstherapie unter
Zuhilfenahme des Immunsystems nimmt zum 1. Juli 2006 in Berlin und München ein
Transregio-Sonderforschungsbereich die Arbeit auf. An dem Projekt „Grundlagen
und Anwendungen der adoptiven T-Zell-Therapie“ sind die Charité (Freie
Universität Berlin und Humboldt Universität zu Berlin), das Max-Delbrück-Centrum
für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, das GSF - Forschungszentrum für
Umwelt und Gesundheit in München sowie die Technische Universität und die Ludwig-Maximilians-Universität
(beide München) und das Deutsche Rheumaforschungszentrum Berlin beteiligt. Die
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert diesen Sonderforschungsbereich für
zunächst vier Jahre mit sechs Millionen Euro.
Einladung
Festveranstaltung
„75 Jahre Forschung auf dem Campus Berlin-Buch und
Einweihung des Labors für Medizinische Genomforschung – Timoféeff-Ressovsky-Haus“
Nr. 20/23. Mai 2006
Neue Erkenntnisse über Herzmuskelbildung
Das Herz ist das erste funktionsfähige Organ, das sich im
Maus-Embryo bildet. Bei jedem Herzschlag zieht es sich zusammen und pumpt auf
diese Weise Blut durch den Körper. Die kleinsten Einheiten, die das
Zusammenziehen (Kontraktion) des Muskels bewerkstelligen, sind die so genannten
Sarkomere. Sie liegen in großer Zahl hintereinandergeschaltet im Muskel vor.
Ein bedeutender Bestandteil dieser Sarkomere ist das Titin, ein riesiges
Protein mit über 27 000 Bausteinen (Aminosäuren). Titin ist ein wichtiges
elastisches Gerüstprotein der Muskeln. Stefanie Weinert aus der
Forschungsgruppe von Prof. Michael Gotthardt vom Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch hat jetzt dieses größte bekannte Protein
unter die Lupe genommen. Die junge Forscherin konnte zeigen, dass Titin im
Zentrum des Sarkomers, der so genannten M-Linie, für Stabiliät und Wachstum
sorgt, und nicht, wie bisher angenommen, den Aufbau des Sarkomers einleitet. Maus-Embryonen,
denen Teile der M-Linie im Titin-Protein fehlen, bilden zwar zunächst funktionstüchtige
Sarkomere aus. Sie sind jedoch nicht stabil, so dass den Tieren nach
zehneinhalb Tagen der Embryonalentwicklung buchstäblich das Herz bricht. Die
Arbeit von Stefanie Weinert ist jetzt im Journal of Cell Biology (Vol. 173, Nr.
4, pp. 559-570, 2006) erschienen.
Nr. 19/12. Mai 2006
Europäische Kommission bewilligt 12 Millionen Euro für RUBICON
Mit 12 Millionen Euro fördert die Europäische Kommission in
Brüssel in den kommenden fünf Jahren Forschungen über ein Proteinnetzwerk, das
eine zentrale Rolle für die Zellfunktion hat und wenn es gestört ist, schwere
Krankheiten auslösen kann. Dieses so genannte „Ubiquitin-System“ (von ubiquitär
–allgegenwärtig, überall) sorgt zum Beispiel für den Abbau nicht mehr
benötigter oder fehlerhafter Proteine und spielt beim Zellzyklus, bei Immunantworten,
der zellulären Übermittlung von Informationen sowie bei
DNA-Reparaturmechanismen eine Rolle. An dem Forschungsprojekt „RUBICON“ (Role
of Ubiquitin and Ubiquitin-like Modifiers in Cellular Regulation) sind 15
führende Forschungseinrichtungen in Europa und Israel beteiligt, darunter das
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch mit Dr. Thomas
Sommer, sowie fünf mittelständische Unternehmen. Koordinatorin ist Prof. Maria
Masucci vom Karolinska Institut in Stockholm, Schweden.
Einladung
International Symposium on Epithelial Organization
and Organ Development
Do., 11. - So., 14. Mai 2006
Max Delbrück Communications Center (MDC.C)
Nr. 16/7. April 2006
Wo geht`s zum Start?
Dem Geheimnis der DNA-Verdopplung bei der Zellteilung auf der Spur
Zellen teilen sich, damit ein Organismus wachsen kann, Wunden
schließt oder Zellen erneuert. Bevor sich eine Zelle jedoch teilt und damit
vermehrt, muss sie ihren gesamten Chromosomensatz mit der Erbinformation DNA
verdoppeln. Dieses biologische Grundprinzip gilt für die Hefe, für Bakterien,
Viren, alle Säugetiere und damit auch für den Menschen. Dabei muss die Zelle
sicherstellen, dass die gesamte Erbinformation – beim Menschen immerhin rund
drei Milliarden Genbausteine - lückenlos kopiert wird, um genomische
Instabilität und damit Fehlbildungen oder Krankheiten wie Krebs zu vermeiden.
Wie und wo aber fängt dieser Vorgang der DNA-Verdopplung (Replikation) an?
„Seit 20 Jahren versucht die Forschung bei Säugern solche Startsequenzen zu
identifizieren, findet sie aber nicht“, sagt Dr. Manfred Gossen,
Forschungsgruppenleiter am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch. Licht in diese „Blackbox“, so Dr. Gossen, bringt jetzt
möglicherweise die Arbeit eines Mitarbeiters aus seinem Labor, Dr. Anand
Ranjan, die jetzt die Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)
(Vol. 103, No. 13, pp. 4864-4869, 2006) veröffentlicht haben.
Nr. 15/6. April 2006
Steuerungsmechanismus für Plaquebildung in Nervenzellen bei erblich bedingter Bewegungsstörung entdeckt
Sie erkranken
im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, haben einen taumelnden Gang, können kaum
ihre Hand- und Beinbewegungen koordinieren und haben eine undeutliche,
verwaschene Sprache. Diese Menschen leiden an einer „spinozerebellären Ataxie“,
einem genetisch bedingten, unheilbaren Nervenleiden, von dem es über 28
verschiedene Formen gibt. Die Symptome werden von absterbenden Nervenzellen
(Neuronen) im Kleinhirn (Cerebellum) ausgelöst, dem Zentrum, das die unbewusst
ablaufenden Bewegungen des Körpers steuert. Ursache für den Zelltod bei der
spinozerebellären Ataxie Typ 3 sind Eiweißablagerungen in den Neuronen, die aus
einer krankmachenden (pathogenen) Form des Proteins Atx-3 gebildet werden. Dr.
Annett Böddrich, Biochemikerin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch in der Forschungsgruppe von Prof. Erich Wanker, und Dr.
Sébastien Gaumer (Forschungsgruppe von Prof. Nancy Bonini, University of
Pennsylvania, Philadelphia, derzeit Universität Versailles, Frankreich) fanden
jetzt heraus, dass der krankheitsverursachende Prozeß der Atx-3 Ablagerungen
durch das so genannte Valosin-haltige Protein VCP beeinflusst wird. Ihre Arbeit
hat jetzt das EMBO-Journal (Vol. 25, Nr. 7, pp 1547 - 1558, 2006)*
veröffentlicht.
Nr. 14/6. April 2006
Prof. Walter Birchmeier neuer wissenschaftlicher Leiter des Max-Delbrück-Centrums
Der Zellbiologe Prof. Walter Birchmeier ist neuer wissenschaftlicher
Leiter des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Am
5. April 2006 hat Prof. Birchmeier den neuen Vertrag unterzeichnet. Das
Kuratorium des MDC hatte ihn rückwirkend zum 1. Januar 2006 zum
Vorstandsvorsitzenden für die kommenden drei Jahre berufen. Prof. Birchmeier
hatte im April 2004 die Nachfolge von Prof. Detlev Ganten angetreten, der
Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin geworden war, und das
MDC bis jetzt kommissarisch geleitet. Prof. Birchmeier wird das MDC und
insbesondere die so genannte translationale Forschung, die Zusammenarbeit der
Grundlagenforschung mit der klinischen Forschung, weiter ausbauen. Zusammen mit
der Charité wird das MDC ein Experimental and Clinical Research Center (ECRC)
einrichten.
Nr. 13/15. März 2006
Weltweit renommierter Neurobiologe kommt nach Berlin – Buch
Prof. Thomas Jentsch wird ab Mitte 2006 am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin arbeiten
Der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Thomas Jentsch (52) aus Hamburg
hat einen Ruf nach Berlin angenommen. Er wird vom Sommer an die Abteilung
„Physiologie und Pathologie des Ionentransports“ am Leibniz-Institut für
Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin-Buch leiten. Die erfolgreiche Berufung
ist das Ergebnis einer Kooperation über die Grenzen von
Forschungsorganisationen hinweg: Die Arbeitsgruppe des weltweit renommierten
Wissenschaftlers wird zu gleichen Teilen vom FMP (Leibniz-Gemeinschaft) und vom
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch (Helmholtz-Gemeinschaft)
finanziert, die Berufung auf eine W3-Professur erfolgte jedoch gemeinsam durch
das FMP und die Charité - Universitätsmedizin Berlin. Jentsch wird in das von
FMP und MDC gemeinsam neu errichtete Labor für Medizinische Genomforschung auf
den Campus Berlin-Buch ziehen.
Nr. 12/15. März 2006
Überlebensschalter - Schutz vor Herzversagen
Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine der
Haupttodesursachen weltweit bei Menschen über 65. Forscher der Charité –
Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin
(MDC) Berlin-Buch haben jetzt in Zusammenarbeit mit Klinikern in Würzburg und
Hannover erstmals zeigen können, dass Auslöser für das Herzversagen der
Selbstmord (Apoptose) der Herzmuskelzellen ist und dass es aber einen
Überlebensschalter (ARC) gibt, der gesunde Herzen davor schützt. Die Arbeit von
Dr. Stefan Donath, Dr. Peifeng Li, Prof. Rainer Dietz und Dr. Rüdiger von
Harsdorf ist jetzt in der Fachzeitschrift Circulation (2006; 113:1203-1212)*
erschienen.
Nr. 11/15. März 2006
„Thou shalt not clone!"- „Du sollst nicht klonen!"- Berufung auf Kant
„Die willkürliche Herstellung erbidentischer Menschen – das
reproduktive Klonen - verletzt die Autonomie
eines Individuums und muss deshalb moralisch geächtet und rechtlich verboten
werden.“ Diese Ansicht vertritt Dr. Christof Tannert, Leiter der Arbeitsgruppe
Bioethik und Wissenschaftskommunikation am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch in einem jetzt veröffentlichten Beitrag für die EMBO
reports (Vol 7, no 3, 2006 – pp. 238 – 240)*. Der Biologe und Theologe beruft
sich dabei als erster Ethiker in der Debatte um das Klonen von Menschen auf
Immanuel Kant und das so genannte Autonomieaxiom des kategorischen Imperativs:
„Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person
eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“
(Immanuel Kant: „Grundlegung der Metaphysik der Sitten“, 1785).
Nr. 10/10. März 2006
Schutz vor Herzvergrößerung
Ist das Herz geschwächt, versucht es, seine verminderte
Leistungskraft durch Vergrößerung der Herzmuskelzellen zu kompensieren.
Mediziner sprechen in diesem Fall von einer Hypertrophie, einer krankhaften
Vergrößerung des Herzens. Sie kann zum Beispiel eine Folge von Bluthochdruck
sein. Jetzt hat eine Gruppe von Wissenschaftlern unter Führung des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch im Tierversuch
nachgewiesen, dass ein bestimmtes Hormon, kurz CNP genannt, das Herz davor
schützen kann, sich krankhaft aufzublähen. Die Arbeit von Dr. Thomas
Langenickel, Jens Buttgereit und Prof. Michael Bader vom MDC in Zusammenarbeit
mit Forschern der Charité - Universitätsmedizin Berlin, der Freien Universität
Berlin und der Universitätsklinik Gießen haben jetzt die Proceedings of the
National Academy of Sciences (PNAS)* in ihrer online-Ausgabe am Montag, den 13.
März 2006 veröffentlicht.
Nr. 9/8. März 2006
Egoistisches „Dornröschen"
MDC-Forscher zeigen, wie künstliches springende Gen in Zellzyklus eingreift
Können „springende Gene“als Werkzeug für die Gentherapie
eingesetzt werden? Welche Auswirkungen haben sie auf die Wirtszelle? Und wie
repariert die Zellmaschinierie Schäden an der DNA, die diese springenden Gene,
auch Transposons genannt, verursachen? Mit diesen Fragen befassen sich Dr.
Zoltán Ivics und Dr. Zsuzsanna Izsvák vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch seit einigen Jahren. Aus springenden Genen von Fischen, die vermutlich vor rund 20 Millionen
Jahren aktiv gewesen waren, entwickelten sie ein künstliches Transposon, das sie „Dornröschen“ (Sleeping
Beauty) nannten, weil sie es nach langem Schlaf im Labor wieder aufgeweckt
hatten. Jetzt haben die Wissenschaftler untersucht, wie „Dornröschen“ in der
Wirtszelle in den Zellzyklus eingreift, einem Programm, das die Zelle während
der Zellteilung durchläuft. Sie konnten zeigen, dass „Dornröschen“ die Wachstumsphase
der Zelle (die so genannte G1-Phase) verlangsamt, da es mit einem bestimmten
Genregulator (Miz-1) interagiert. Die Forscher vermuten, dass sich
„Dornröschen“ sehr egoistisch verhält. In der G1-Phase ist nämlich ihre Chance,
sich in ein fremdes Genom einzubauen, am größten. Auch ist es die Phase, in der
die Zelle einen von dem Transposon verursachten DNA-Schaden am besten
reparieren kann. Die Forschungsergebnisse von Dr. Oliver Walisko, Dr. Izsvák
und Dr. Ivics hat jetzt die Zeitschrift Proceedings
of the National Academy of Sciences (PNAS) online (http://www.pnas.org/cgi/content/abstract/0507683103v1)* veröffentlicht. Als Nächstes wollen sie den
Einfluß von Dornröschen auf jede einzelne Phase des Zellzyklus erforschen sowie
die Bedeutung der DNA-Reparatur auf den Einbau springender Gene in eine Wirtszelle.
Nr. 8/ 6. März 2006
Sport in der Schwangerschaft fördert bei Mäusebabies Nervenbildung
Jogging ist offenbar für die Gehirnentwicklung von Vorteil.
Diesen Schluß legen neueste Ergebnisse von Hirnforschern des
Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Charité
- Universitätsmedizin Berlin nahe. Danach bilden Mäusebabies, deren Mütter
während der Schwangerschaft gern im Laufrad trainierten, rund 40 Prozent mehr
Nervenzellen als die Nachkommen träger Mäusemütter. Der Zuwachs trat im Hippocampus
auf, einer Hirnregion, die stark in Lern- und Gedächtnisvorgänge involviert
ist. Wie Dr. Anika Bick-Sander und Dr. Gerd Kempermann jetzt in der
online-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)* berichten,
ist noch nicht ganz klar, worauf dieser Effekt zurückzuführen ist. Eine Rolle
spielen dabei aber wohl bestimmte Wachstumsfaktoren sowie das Verhalten der
Mäusemütter während und nach der Schwangerschaft. „Zwar kann man die bei Mäusen
erzielten Forschungsergebnisse nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen“,
betont Dr. Kempermann, der sie deshalb auch noch nicht als Rat an werdende
Mütter verstanden wissen möchte, mehr Sport für die Hirnentwicklung ihrer
Kinder zu betreiben. „Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass zumindest bei Mäusen
die mütterliche Aktivität verblüffend direkte Auswirkungen auf die
Hirnentwicklung der Nachkommen hat.“ Bei Menschen gibt es hierzu bislang kaum
Studien. „Unsere Arbeiten lassen vermuten, dass dies ein lohnendes Forschungsgebiet
sein könnte“, sagt der Hirnforscher, der sich seit Jahren mit Stammzellen des
Gehirns und Fragen der Neubildung von Nervenzellen durch körperliche und
geistige Aktivität befaßt.
Nr. 7/ 1. März 2006
Prof. Nikolaus Rajewsky aus New York an das Max-Delbrück-Centrum und die Charité nach Berlin berufen - Nachfolger von Prof. Jens Reich
Der Bioinformatiker Prof. Nikolaus Rajewsky von der New York
University (New York, USA) hat den Ruf auf eine W3-Professur an das
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und die Charite -
Universitätsmedizin Berlin angenommen. Er tritt die Nachfolge von Prof. Jens
Reich an. Prof. Rajewsky, der seit 2003 eine Professur für Biologie und
Mathematik im „Center for Comparative Functional Genomics“ an der New York
University inne hat, kommt im Sommer 2006 an das MDC nach Berlin-Buch. Er wird
in dem gemeinsam von MDC und dem Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie
(FMP) errichteten Labor für Medizinische Genomforschung arbeiten.
MDC-Stiftungsvorstand Prof. Walter Birchmeier sagte: „Wir freuen uns, dass es
uns gelungen ist, mit Nikolaus Rajewsky einen der weltweit führenden
Bioinformatiker nach Berlin-Buch zu holen. Seine Berufung ermöglicht es uns,
die Bioinformatik am MDC auszubauen und die Zusammenarbeit mit den Forschungsgruppen
zu intensivieren.“
Nr. 6/ 8. Februar 2006
Forschungsbericht des Max-Delbrück-Centrums erschienen
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch wird seine Zusammenarbeit mit den Kliniken der Charite -
Universitätsmedizin Berlin im Bereich der neurologischen Forschung ausbauen.
Weiter richtet es mit der Charité ein „Experimental and Clinical Research
Center“ (ECRC) ein. Darauf weist MDC-Stiftungsvorstand Prof. Walter Birchmeier
in seinem Vorwort zu dem jetzt erschienenen Forschungsberichts des MDC, des
„Research Report“, hin. „Zusammen mit dem Partner-Institut des MDC, dem
Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), und den rund 30 Firmen
auf dem Bucher Campus steht in Berlin-Buch somit nahezu das gesamte Repertoire
an Techniken zur Verfügung, um Krankheiten molekular zu charakterisieren“,
betont er. Der „Research Report“ umfaßt die Jahre 2004 und 2005 und hat knapp
230 Seiten. Übersichtsbeiträge zu den drei Forschungsschwerpunkten des MDC,
Herz-Kreislauf-Forschung und Stoffwechselerkrankungen, Krebsforschung sowie
Neurowissenschaften, sind sowohl in Deutsch als auch Englisch verfaßt, die
Berichte der einzelnen Forschergruppen in Englisch.
Einladung
Gentherapie in Deutschland?
Mittwoch, 22. Februar 2006
Anatomisches Theater im Langhansbau
10117 Berlin - Mitte
Nr. 4/3. Februar 2006
Forscher wollen Nierenatlas erstellen
In den kommenden Jahren wollen Forscher einen
dreidimensionalen „Atlas der Niere“ erstellen. In ihm sollen die neuesten
Erkenntnisse über die Organentwicklung und die Entstehung von
Nierenerkrankungen gebündelt werden. Ziel der Forscher ist es vor allem
Schlüsselgene zu kartieren, die bei diesen Prozessen eine maßgebliche Rolle
spielen, um langfristig Diagnose und Therapie von Nierenkrankheiten zu
verbessern und die Behandlungskosten in Milliardenhöhe zu senken. Der Atlas ist
Teil eines von der Europäischen Union (EU) mit über 10 Millionen Euro
geförderten Forschungsprojekts „European Renal Genome Project“ (EuReGene).
Unter Federführung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch sind daran 18 Forschungsgruppen von außeruniversitären
Einrichtungen, Universitäten sowie sechs Universitätskliniken in neun
europäischen Ländern* beteiligt. Sie hatten am 3. Februar 2006 ihr erstes von
insgesamt drei Symposien veranstaltet, zu dem rund 150 Forscher aus Europa und
den USA in das MDC gekommen waren, darunter Prof. Gerd Walz von der Universitätsklinik
Freiburg, Prof. Adrian S. Woolf vom Institute of Child Health in London, sowie
Prof. Elizabeth Robertson von der Universität Oxford und Prof. Andy McMahon,
von der Harvard Universität in Cambridge, USA.
Nr. 3/3. Februar 2006
Krebsforscher Prof. Arnold Graffi in Berlin gestorben
Entdecker von Krebsviren und krebserregender chemischer Substanzen
Nach langer schwerer Krankheit ist der Mediziner und
Krebsforscher Professor Dr. Arnold Graffi im Alter von 95 Jahren in Berlin
gestorben. Wie seine Familie mitteilte, starb er am Montag, den 30. Januar
2006. „Professor Graffi war einer der Wegbereiter der experimentellen
Krebsforschung des 20. Jahrhunderts in Deutschland“, erklärte Professor Dr.
Walter Birchmeier, Stiftungsvorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare
Medizin (MDC) Berlin-Buch.
Nr. 2/ 20. Januar 2006
Prof. Gottfried Schatz: „Universitäten sollten unbequeme, brodelnde Ideenküchen sein – und den Mut haben, nur die besten Köpfe auszuwählen" – Charité-Dekan: Campus Berlin-Buch Vorbild für Berliner Wissenschaftslandschaft
„Solange viele unserer besten jungen Köpfe ihre Ausbildung
nicht in Europa, sondern an Universitäten in den USA suchen, haben wir ein
Problem, das wir lösen müssen“. Das erklärte Prof. Gottfried Schatz
(Universität Basel) in seinem Festvortrag auf dem Neujahrsempfang des Campus
Berlin-Buch*. „Universitäten sollten unbequeme, brodelnde Ideenküchen sein“,
stattdessen zählten sie zu den „konservativsten Institutionen unserer
Gesellschaft“, sagte er. Unter dem Titel „Gebrauchsanweisung
für Universitäten“ kritisierte der Biochemiker und ehemalige Präsident des Schweizerischen
Wissenschafts- und Technologierates sowohl die Universitäten als auch eine zu
dirigistische und auf schnelle Ergebnisse fokussierte Forschungspolitik und
zeigte auf, wie das wissenschaftliche Niveau der Universitäten und die
Ausbildung junger Forscher verbessert werden könnten. Politik und Universitäten sollten gemeinsam
danach trachten, „rigoros, aber fair“ die besten Köpfe auszuwählen, ihnen
gezielt die nötigen Mittel zu geben, und sie dann für „eine angemessene Zeit
frei denken, forschen und lehren zu lassen.“
Nr. 1/ 6. Januar 2006
Netzwerk von Stammzellgenen steuert Nervenzellneubildung bei Erwachsenen
Seit die Wissenschaft die Vorstellung umgestoßen hat, wonach
sich in einem erwachsenen Organismus keine neuen Nervenzellen bilden, will sie
wissen, wie diese „Neurogenese“ gesteuert wird. Ziel ist es, dieses Wissen für
die Entwicklung neuartiger Therapien neurodegenerativer Erkrankungen zu nutzen
und das Verständnis vom Zusammenspiel von Struktur und Funktion im Gehirn zu
verbessern. Komplexe Vorgänge wie die Nervenzellentwicklung werden nicht durch
einzelne Gene bestimmt sondern durch Netzwerke von Genen. Wie aber sehen solche
Netzwerke aus? Erste Einblicke in das komplizierte Regelnetzwerk hat jetzt Dr.
Gerd Kempermann vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Berlin-Buch und der Charité -Universitätsmedizin Berlin gewonnen. Die
Neurowissenschaftler zählten die neugebildeten Nervenzellen im Gehirn von 52
verschiedenen Mausstämmen und setzten diese Information in Beziehung zur
Expression von über 12 000 Genen in den Gehirnen dieser Mäuse. So
identifizierten sie 12 Gene, die wahrscheinlich Schlüsselpositionen in den
regulatorischen Netzwerken innehaben, da sie ihre eigene Expression
kontrollieren. Zwei dieser Gene waren bekannte Stammzellgene, für sechs ließ
sich ein plausibler Bezug zur Neurogenese herstellen, die Übrigen waren neu. Die Arbeit von Dr. Kempermann, Prof. Robert W.
Williams (University of Tennessee, Memphis, Tennessee, USA) und Prof. Fred H.
Gage (Salk Institute, La Jolla, Kalifornien, USA) ist in der online Ausgabe der
Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) am 9. Januar 2006
erschienen.* Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Forscher, dass bei
komplexen biologischen Vorgängen die Erforschung von Gen-Netzwerken hilfreicher
sein kann, als die Analyse einzelner Kandidatengene.

