Nr. 53/4. Dezember 2008
Stammzellen reagieren auf Hirntumoren – aber können sie sie bekämpfen?
Seit kurzem hat die Hirnforschung das Dogma ad acta gelegt, wonach
sich im Gehirn erwachsener Menschen keine neuen Nervenzellen bilden können. Jüngste
Forschungen haben unter anderem gezeigt, dass sich Stammzellen nach einem
Schlaganfall stark vermehren und auf diese Weise auf die Verletzung antworten. Reagieren
Stammzellen auch, wenn sich ein Hirntumor gebildet hat? Auf dem Kongress „Brain
Tumor 2008“ im Max-Delbrück-Centrum (MDC) Berlin-Buch berichtete Dr. Stefan
Momma (Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt
am Main), dass sich am Tumorrand viele undifferenzierte Vorläuferzellen
ansammeln, die vermutlich nicht vom Tumor selbst stammen, und die den Krebs am
Wachstum hemmen könnten.
Dr. Momma und seine Kollegen, darunter auch Dr. Rainer Glass (MDC) und der Chirurg Dr. Michael Synowitz (Charité – Universitätsmedizin Berlin), hatten Hirngewebe verstorbener Gesunder und Patienten sowie Tumorgewebe von Tumorpatienten nach einer Operation untersucht und miteinander verglichen. Sie stellten fest, dass sich bei den Tumorpatienten die neuronalen Vorläuferzellen im Gehirn stark vermehrt hatten. Zudem hatten sich Vorläuferzellen verstärkt am Rand des Hirntumors gesammelt.
Weiter konnten sie zeigen, dass diese neuronalen Vorläuferzellen wahrscheinlich nicht vom Tumor selbst stammten, also keine Krebsstammzellen waren. Dr. Momma nimmt an, dass diese Vorläuferzellen versuchen, den Tumor zu unterdrücken. Im Reagenzglas brachte er neuronale Stammzellen mit Tumorzellen zusammen und konnte zeigen, dass die Stammzellen auf die Tumorzellen „reagieren“. Die Zukunft wird zeigen, ob es gelingt, diese Reaktion für eine Therapie zu nutzen.
Barbara Bachtler
Pressestelle
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