Nr. 60/8. Dezember 2011

Prof. Nikolaus Rajewsky vom MDC erhält Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Höchstdotierter deutscher Förderpreis

Prof. Nikolaus Rajewsky

Prof. Nikolaus Rajewsky (Photo: privat)

Prof. Nikolaus Rajewsky vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin ist der höchstdotierte deutsche Förderpreis, der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, zuerkannt worden. Das teilte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am Donnerstag, den 8. Dezember 2011 mit. 2002 hatte Prof. Carmen Birchmeier vom MDC die Auszeichnung bekommen. Insgesamt forschen drei Leibniz-Preisträger am MDC. Prof. Thomas Jentsch vom MDC/Leibniz-Instutut für Molekulare Pharmakologie (FMP) hatte den Preis erhalten, als er noch am Zentrum für Molekulare Neurobiologie der Universität Hamburg (ZMNH) war. Insgesamt erhalten 2012 zwei Wissenschaftlerinnen und neun Wissenschaftler den Preis. Sie wurden aus 131 Vorschlägen ausgewählt. Die mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotierten Preise werden am 27. Februar 2012 in Berlin verliehen.

Nikolaus Rajewsky ist Professor für Systembiologie am MDC und an der Charité und wissenschaftlicher Leiter des „Berliner Instituts für Medizinische System Biologie“ (BIMSB) am MDC. Die Systembiologie verbindet Molekularbiologie, Biochemie, Mathematik und Physik mit dem Ziel, komplexe Vorgänge des Lebens quantitativ zu erfassen und vorherzusagen. In seiner Forschung befasst sich Prof. Rajewsky unter anderem mit einer erst seit wenigen Jahren bekannten Gruppe von Genen, den microRNAs. Sie spielen, wie er experimentell und mit Hilfe der Bioinformatik zeigen konnte, eine wichtige Rolle bei der Generegulation, auch von Genen, die eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Krankheiten spielen. Damit eröffnet sich ein großer Bereich für die Entdeckung von Zielstrukturen für neuartige Therapieansätze.

 

Darüber hinaus haben Prof. Rajewsky und seine Mitarbeiter wichtige methodische und technologische Fortschritte erzielt. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Marc Friedländer entwickelte er eine computerbasierte Methode, mit der sie microRNA-Gene identifizieren können. In einer wegweisenden Arbeit gelang es Prof. Rajewsky zusammen mit Prof. Matthias Selbach vom MDC zu zeigen, wie microRNAs die Aktivität von Genen regulieren und damit die Produktion tausender von Proteinen steuern. Mit Entwicklungsbiologen der New York University entwickelte er darüber hinaus eine Methode, mit der eine sehr große Anzahl von Fadenwürmern (C. elegans), ein wichtiger Modellorganismus in der Biologie, während der Embryonalentwicklung in verschiedenen Stadien untersucht werden kann. Weiter erstellte er zusammen mit Forschern in den USA und Kanada einen Katalog von microRNAs der Plattwürmer, (Planarien) und identifizierte dabei auch microRNAs, die bei der Regeneration und der Funktion von Stammzellen eine Rolle spielen könnten. Planarien besitzen die Fähigkeit, mit Hilfe ihrer Stammzellen aus einem beliebigen abgetrennten Körperteil einen vollständig neuen, lebensfähigen Plattwurm zu entwickeln und werden deshalb auch in dem Labor von Nikolaus Rajewsky intensiv erforscht.

 

Nikolaus Rajewsky studierte von 1988 - 1993 Mathematik und Physik an der Universität zu Köln, wo er 1997 in theoretischer Physik promovierte. Im Herbst 1998 ging er als Post-Doktorand in die USA, zunächst an die Rutgers University in New Jersey, und von 1999 - 2002 an die Rockefeller University in New York, wo er anschließend eine Forschungsprofessur erhielt, bevor er Assistant Professor an der New York University wurde. Darüber hinaus studierte er von 1991 - 1996 Klavier an der Folkwangschule Essen und schloss dieses Studium mit der „Künstlerischen Reifeprüfung“ ab.

 

Prof. Rajewsky hat bereits zahlreiche Ehrungen erhalten, darunter 2010 den Wissenschaftspreis des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Ebenfalls 2010 wurde er von der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO) zum Mitglied gewählt. 2008 wurde er Global Distinguished Professor of Biology an der New York University, USA.

 

Das BIMSB wurde 2008 vom MDC mit einer Pilotfinanzierung des Bundesforschungsministeriums und des Senats von Berlin auf dem Campus Berlin-Buch gegründet. Es arbeitet eng mit Forschungseinrichtungen zusammen, insbesondere mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie in den USA mit der New York University (NYU) und der Rockefeller University in den USA. Darüber hinaus richtete er zwischen der NYU und dem MDC mit dem BIMSB ein gemeinsames Doktorandenprogramm ein.

 

Bis 2015 wird das BIMSB einen Neubau mit rund 5 500 Quadratmeter für rund 300 Mitarbeiter auf dem Campus Nord der Humboldt-Universität beziehen, den der Senat von Berlin mit rund 30 Millionen Euro finanziert. Die Kosten für Forschung von jährlich rund 20 Millionen Euro werden zu 90 Prozent vom Bundesforschungsministerium und zu zehn Prozent vom Land Berlin getragen.

 

Barbara Bachtler
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