Bioethik und Wissenschaftskommunikation
Die aktuelle biomedizinische Forschung wirft zentrale ethische Probleme auf, die vor allem den Schutz menschlicher Würde, die individuelle Selbstbestimmung und soziale Fragen im Umgang mit Krankheit und Heilungschancen betreffen. Ziel der Arbeitsgruppe Bioethik und Wissenschaftskommunikation am MDC ist es, Möglichkeiten der öffentlichen Partizipation und Kommunikation zu diesen Fragen der Biomedizin methodisch weiterzuentwickeln und in die Praxis umzusetzen und einen rationalen und fairen Diskurs zwischen Fachwissenschaftlern, organisierten Interessensvertretern, Laien und der Politik über die Möglichkeiten und Grenzen der Biomedizin und ihre ethischen Implikationen zu führen.
Aufgaben
Die vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch in Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) gegründete interdisziplinäre Arbeitsgruppe untersucht und entwickelt den gesellschaftlichen Diskurs zur Biomedizin. Dabei konzentriert sich die Gruppe auf zwei Schwerpunkte: Auf die ethischen Fragestellungen der biomedizinischen Forschung sowie auf die Wissenschaftskommunikation über Chancen und Risiken der Biomedizin. Im Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sollen Streitpunkte diskutiert, Lösungsansätze bewertet und tragfähige Handlungsoptionen ermittelt werden. Ziel ist die systematische Weiterentwicklung und Umsetzung von Dialog-Verfahren für einen umsichtigen Umgang mit der Biomedizin.
Schwerpunkte
Ethik in der Biomedizin: Innerhalb der Diskurse sollen die ethischen Grundlagen neuer Erkenntnisse und möglicher Anwendungen der Biomedizin transparent dargestellt und reflektiert werden. Im Mittelpunkt steht dabei gegenwärtig das Klonen, die Erzeugung und Verwendung von embryonalen Stammzellen, die Gentherapie sowie der Krankheitsbegriff. Wissenschaftskommunikation: Die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik, Medien und Öffentlichkeit soll verstärkt und strittige Fragen über Chancen und Risiken der Biomedizin sollen offen diskutiert werden. Erprobt wird, wie die Voraussetzungen für den zwanglosen Zwang des besseren Arguments geschaffen werden können. Dazu gehören: die Verständlichkeit und Aktualität der wissenschaftlichen Sachinformation, die Verdeutlichung von Unsicherheiten bei der Chancen- und Risikobewertung sowie die Vertrauensbildung auf Basis eines gerechten und ergebnisoffenen Dialogs.
Beteiligung
An den Diskursen werden Experten aller relevanten Disziplinen wie beispielsweise Biologen, Mediziner, Sozial- und Geisteswissenschaftler, Philosophen, Theologen und Juristen beteiligt. Sie sollen im Austausch mit Politikern, Patienten- und Betroffenenverbänden, der allgemeinen Öffentlichkeit sowie mit Vertretern der Wirtschaft nach tragfähigen Lösungen für gesellschaftlich strittige Fragen der Biomedizin suchen. Es ist geplant, ein Netzwerk zwischen den zentralen, an der Bioethik-Diskussion beteiligten Institutionen und Personen in Deutschland aufzubauen und auf europäischer Ebene fortzuführen.

