Nr. 47/16. Dezember 2005

Prof. Erhard Geißler wird 75 – Genetiker und Abrüstungsexperte


Prof. Erhard Geißler wird 75

Prof. Erhard Geißler wird 75 - Photo: Klaus Lehmann/Copyright: MDC

Der Genetiker und Abrüstungsexperte Prof. Erhard Geißler wird am 17. Dezember dieses Jahres 75 Jahre alt. Früh hatte sich der Biologe mit Fragen der Ethik in der Wissenschaft befasst. Auslöser war das Symposium „Man and his Future” der CIBA Foundation 1962 in London. Unter dem Eindruck dieser Tagung, auf der Wissenschaftler über die Möglichkeiten des Einsatzes der Gentechnik am Menschen spekulierten, begründete er in dem Ostseebad Kühlungsborn in der DDR die „Kühlungsborner Kolloquien“, zu denen er Naturwissenschaftler, Ethiker, Juristen, Soziologen, Theologen sowie Künstler und Schriftsteller, auch aus dem Westen, zum interdisziplinären Diskurs einlud. Durch diese Kolloquien wurde das Friedensforschungsinstitut SIPRI in Stockholm (Schweden) auf ihn aufmerksam und bat ihn 1983 einen Beitrag über Gentechnik und biologische Waffen (B-Waffen) für das Jahrbuch des Instituts zu verfassen. Später gab er für SIPRI vier Bücher über B-Waffen und Abrüstung heraus. Einen zweijährigen Forschungsaufenthalt in Stockholm mit seiner Familie verhinderte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Trotzdem durfte er regelmäßig bis zu sechs Wochen nach Stockholm reisen. Mit Experten aus dem In- und Ausland erarbeitete er ab 1987 das Programm „Vaccines for Peace“. Er hatte dafür auf eigenen Wunsch die Leitung der Abteilung für Virologie am Zentralinstitut für Molekularbiologie (ZIM) der Akademie der Wissenschaften der DDR aufgegeben. Das Programm befasste sich mit der Frage, wie der Missbrauch der Biowissenschaften durch Militärs verhindert werden kann. Es sei aber, so Prof. Geißler, vor allem am Widerstand westlicher Militärs gescheitert. Weiter erforschte er die Geschichte der B-Waffen-Entwicklung.

Erhard Geißler wurde 1930 in Leipzig geboren, studierte dort von 1950 - 1955 Biologie und arbeitete danach in Berlin-Buch am Institut für experimentelle Krebsforschung der Deutschen Akademie der Wissenschaften. Nach Promotion (1959) und Habilitation (1964) an der Humboldt-Universität zu Berlin wurde er 1965 Direktor des Instituts für Mikrobengenetik der Universität Rostock, das er bis 1971 leitete. 1969 wurde er dort Ordentlicher Professor für Genetik, 1971 Leiter der Abteilung somatische Zellgenetik (ab 1980 für Virologie) am ZIM, verließ das Institut aber 1987. 1992 wurde er am neugegründeten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, das aus drei Bucher Akademieinstituten hervorgegangen ist, Leiter der Forschungsgruppe „Bioethik“. 2000 ging er in den Ruhestand, ist aber als freier Mitarbeiter der MDC-Arbeitsgruppe „Bioethik und Wissenschaftskommunikation“ noch immer aktiv. Vor dem Hintergrund der Diskussion um angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak verfasste er das Buch „Anthrax und das Versagen der Geheimdienste“. Wenige Tage vor seinem Geburtstag kehrte er von einer Vortragsreise aus England zurück.

 

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