Geschichte

Berlin-Buch hat als medizinischer Forschungsstandort Tradition: Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entstand hier ein bedeutendes Klinikzentrum mit mehreren Kliniken, das zeitweise über 5000 Betten umfasste.

Zwischen 1928 und 1930 errichtete die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft auf dem heutigen Campus in Berlin-Buch ein Institut für Hirnforschung, zu jener Zeit das größte und modernste seiner Art weltweit. Die Leitung des Instituts und der dazugehörigen Klinik übernahm Oskar Vogt, der gemeinsam mit seiner Frau Cécile zu den Begründern der modernen Hirnforschung gehörte. Vogt gelang es, den russischen Genetiker Nikolai Wladimirovich Timoféeff-Ressovsky für den Aufbau einer Abteilung für Experimentelle Genetik am Hirnforschungsinstitut zu gewinnen. Während der Nazizeit wurden im Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung Gehirne von Menschen, die im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms umgebracht worden waren, für Forschungszwecke benutzt. Ein Mahnmal auf dem Campus erinnert daran.

1947 gründete die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin im ehemaligen Institut der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft das Institut für Medizin und Biologie. Es entwickelte sich zu einem international bekannten Zentrum für Krebs- und Herz-Kreislauf-Forschung, in dem Grundlagenforschung und klinische Forschung eng miteinander verknüpft waren. 1972 wurden die Institute der Akademie der Wissenschaften der DDR, die nach 1947 aus dem Institut für Medizin und Biologie hervorgegangen waren, zu drei Zentralinstituten zusammengefasst: den Zentralinstituten für Krebsforschung, Herz-Kreislauf-Forschung und Molekularbiologie. Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten ging aus diesen drei Instituten 1992 das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch hervor. Die beiden zu den Zentralinstituten gehörenden Forschungskliniken wurden der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin angegliedert.

Das MDC ist nach dem deutsch-amerikanischen Nobelpreisträger Max Delbrück benannt. Gemeinsam mit Timoféeff-Ressovsky, der von 1930 bis 1945 in Buch arbeitete, legte Delbrück die Grundlagen für die molekulare Genetik. Richtungsweisend war ihre gemeinsam mit Karl Günter Zimmer 1935 veröffentlichte Schrift "Über die Natur der Genmutation und der Genstruktur". Ebenfalls in Berlin-Buch gearbeitet haben der Strahlenforscher Walter Friedrich, der Entdecker des Zell-Energieträgers ATP Karl Lohmann, die Krebsforscher Arnold Graffi und Hans Gummel, der Biochemiker Erwin Negelein sowie der Herzforscher Albert Wollenberger.