Nr. 15/ 23. Dezember 1997

Molekulare Grundlage der Hodgkin-Krankheit entdeckt

Einen molekularen Schalter, der das bösartige Zellwachstum bei der Hodgkin´schen Krankheit auslöst, haben Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und der Robert-Rössle-Klinik des Virchow-Klinikums der Humboldt-Universität zu Berlin entdeckt. Die Erkenntnis der Grundlagenwissenschaftler und Kliniker ist für die Verbesserung der Diagnose dieser häufigen Erkrankung des lymphatischen Systems sowie für die Entwicklung einer gezielten Therapie von Bedeutung. Zugleich sind die Forscher damit möglicherweise dem Entstehungsmechanismus dieser bis heute rätselhaften Krankheit auf der Spur. Die Arbeit der Forschungsgruppen von Prof. Dr. Bernd Dörken (MDC und Rössle-Klinik) sowie Dr. Claus Scheidereit (MDC) ist jetzt in der neuesten Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift Journal of Clinical Investigation, Vol. 100, Number 12, December 1997, erschienen.

Nr. 14/ 28. November 1997

Neue Bettenstationen der Robert-Rössle-Klinik in Buch eingeweiht

Millionenspende der Deutschen Krebshilfe ermöglicht Modernisierung sowie Erforschung und Entwicklung neuer Therapien gegen den Krebs

Nach dreijähriger Umbauzeit sind am Freitag, den 28. November 1997, die Bettenstationen der Robert-Rössle-Klinik in Berlin-Buch, einer überregionalen Spezialklinik zur Behandlung von Tumorleiden und Bluterkrankungen, im Beisein von Vertretern der Deutschen Krebshilfe (Bonn) und der Berliner Humboldt-Universität offiziell eingeweiht worden. Die ungewöhnlich hohe Spende der Krebshilfe von sechs Millionen Mark hatte die Sanierung der vier Stationen einschließlich der chirurgischen Intensivstation der Klinik sowie die Einrichtung von Speziallabors ermöglicht. Damit wurden die Voraussetzungen für die Umsetzung neuer Therapiestrategien geschaffen. Dazu gehören die Hochdosis-Chemo-therapie mit Blutstammzelltransplantation, Gen- und Immuntherapiestrategien, die Erkennung und Klassifizierung von Leukämiezellen sowie neue Operationsverfahren zur besseren Unterscheidung zwischen Tumor- und Normalgewebe. Ziel ist, die Heilungsraten und die Lebensqualität von Krebs-patienten zu verbessern. Die Rössle-Klinik ist Teil des Virchow-Klinikums, Medizinische Fakultät Charité der Humboldt-Universität. Sie arbeitet eng mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch zusammen.

Nr. 13/ 27. November 1997

Prionenforscher Charles Weissmann erhält Delbrück-Medaille

Die Max-Delbrück-Medaille der Schering Forschungsgesellschaft geht in diesem Jahr an den Molekularbiologen Prof. Charles Weissmann von der Universität Zürich. Der Schweizer Wissenschaftler wird damit für seine Verdienste bei der Erforschung der Prionen geehrt. Die rätselhaften Erreger lösen seltene, tödlich verlaufende Hirnerkrankungen bei Menschen und Tieren aus. Zu diesen „übertragbaren spongiformen Enzephalopathien (TSE), bei denen das Gehirn wie ein Schwamm (engl. sponge) durchlöchert wird, zählen unter anderem die Creutzfeldt-Jacob-Krankheit (CJD), das Gerstmann-Sträusler-Syndrom sowie die Traberkrankheit (Scrapie) bei Schafen und der Rinderwahnsinn BSE. Letzterer ist vermutlich auch auf den Menschen übertragbar und löst eine CJD-Variante aus. Die Erforschung der Prionen, deren direkter Nachweis noch aussteht, und die Entwicklung von Therapien ist deshalb nach Ansicht von Prof. Weissmann eine der dringlichsten Aufgaben der Wissenschaft.

Nr. 12/ 20. November 1997

Prof. Detlev Ganten neuer Vorsitzender der Helmholtz-Gemeinschaft

Prof. Detlev Ganten ist neuer Vorsitzender der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF), dem größten geschlossenen Forschungsverbund in der Bundesrepublik Deutschland. Der 56 Jahre alte Mediziner und Vorstandsvorsitzende des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch ist Nachfolger von Prof. Joachim Treusch (Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich), der den HGF-Vorsitz vier Jahre inne hatte. Prof. Ganten wurde auf der Jahrestagung der HGF in Karlsruhe am 20. November 1997 in sein Amt eingeführt. Seine Amtszeit beträgt zwei Jahre. Berufen hatte ihn der HGF-Senat auf Vorschlag der HGF-Mitgliederversammlung. Mit Prof. Ganten steht erstmals ein Vertreter eines Helmholtz-Forschungszentrums aus den neuen Bundesländern an der Spitze der HGF.

Mr. 11/ 14. November 1997

Innovationspreis 1997 an Prof. Brigitte Wittmann-Liebold

Für die Entwicklung eines Analysesystems, mit dem kleinste Mengen an Proteinen untersucht werden können, sind die Chemikerin und Biochemikerin Prof. Brigitte Wittmann-Liebold (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch sowie WITA GmbH, Teltow) und ihr Mitarbeiter, Dipl.-Ing. Christian Wurzel (ebenfalls WITA GmbH) mit dem Innovationspreis Berlin/Brandenburg 1997 ausgezeichnet worden. Der Preis, der den beiden Wissenschaftlern am Freitag, den 14. November 1997, in Potsdam-Babelsberg verliehen wurde, ist mit 30 000 Mark dotiert. Darüber hinaus wurde der Preis an zwei Firmen in Berlin vergeben, die ebenfalls jeweils 30 000 Mark erhielten. Erst vor kurzem wurde Prof. Wittmann-Liebold und Christian Wurzel der mit 60 000 Mark dotierte Teilpreis der Karl Heinz Beckurts-Stiftung 1997 zuerkannt, der am 12. Dezember in München vergeben wird.

Nr. 10/ 12. November 1997

Beckurts-Preis für Prof. Brigitte Wittmann-Liebold

Vergabe im Dezember in München

Der Chemikerin und Biochemikerin Prof. Brigitte Wittmann-Liebold (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch sowie WITA GmbH, Teltow) und ihrem Mitarbeiter, Dipl.-Ing. Christian Wurzel, ist gemeinsam mit dem Biologen Prof. Wilhelm Barthlott (Universität Bonn) und dem Physiker Prof. Karl Ebeling (Universität Ulm) der Karl Heinz Beckurts-Preis 1997 zuerkannt worden. Die mit insgesamt 180 000 Mark dotierte Auszeichnung wird den vier Wissenschaftlern am 12. Dezember dieses Jahres in München überreicht.

Nr. 9/ 17. Oktober 1997

Neue Erkenntnisse über die Entstehung von Blutkrebs

MDC-Wissenschaftler falscher Signalgebung auf der Spur

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch haben jetzt in Zellkulturversuchen neue Erkenntnisse über die Entstehung von Blutkrebs (Leukämie) gewonnen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein Gen, das normalerweise die Teilung und Differenzierung von Blutzellen steuert, das sogenannte Myb-Gen. Ist es verändert (mutiert), kann es zu einem Krebsgen (Onkogen) werden. Wie die MDC-Forschungsgruppe „Tumorentwicklung und Differenzierung“ von Dr. Achim Leutz jetzt zeigen konnte, löst das Myb-Onkogen eine Kaskade falscher Signale aus. Sie stellte fest, daß das Myb-Onkogen unter anderem ein wichtiges Steuergen (Homöobox-Gen GBX2) aktiviert, das selbst wiederum andere Wachstums- und Differenzierungsgene anschaltet, mit der Folge, daß sich die Blutzellen unkontrolliert vermehren. Hinzu kommt, daß das Myb-Onkogen nicht mehr in der Lage ist, die Reifung von Blutzellen zu regulieren, so daß vermehrt unreife, nicht funktionstüchtige Blutzellen entstehen. Die Forschungsarbeit von Dr. Elisabeth Kowenz-Leutz, Dr. Petra Herr, Knut Niss und Dr. Leutz ist jetzt in dem amerikanischen Fachblatt Cell (Vol. 91, Nr. 2, S. 185-195, 17. Oktober 1997) erschienen.

Nr. 8/ 1. Oktober 1997

Gentest gibt Aufschluß über Herzinfarktrisiko

Präsentation auf der Zentralveranstaltung der „Tage der Forschung“ in Jena

Einen Gentest, mit dessen Hilfe sich ein erblich bedingtes Herzinfarktrisiko feststellen läßt, stellt das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch auf der Zentralveranstaltung der „Tage der Forschung“ am 1. Oktober 1997 in Jena vor. Den Test haben Wissenschaftler des MDC und der Franz-Volhard-Herz-Kreislauf-Klinik des Virchow-Klinikums, Medizinische Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin mit Unterstützung der amerikanischen Gentechnologie-Firma Perkin Elmer Applied Biosystems entwickelt. Der Gentest erlaubt es, ein Erbleiden, die sogenannte familiäre Hypercholesterinämie, an Hand weniger Tropfen Blut frühzeitig zu diagnostizieren und dabei Patienten zu erkennen, die ein besonders hohes Herzinfarktrisiko haben. Sinnvoll ist der Einsatz des Gentests nach Aussage von Prof. Dr. Herbert Schuster (MDC), bei den Menschen, die erhöhte Cholesterinwerte haben und in deren Familien bereits mehrfach Herzinfarkte aufgetreten sind.

Nr. 7/ 30. September 1997

Erforschung von Krebs- und Herz-Kreislaufkrankheiten

MDC-Symposium im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen

Die Erforschung der molekularen Ursachen von Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen bildet den Schwerpunkt eines Symposiums, welches das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Verbund Klinische Pharmakologie (VKP) Berlin-Brandenburg am 5./6. Oktober im Rahmen der Asien-Pazifik Wochen (15.9.-15.10.1997) in Berlin gemeinsam veranstalten. An dem Symposium im Japanisch Deutschen Zentrum in Berlin nehmen Wissenschaftler aus China, Japan, Kanada, den USA und der Bundesrepublik teil.

Nr. 6/ 17. September 1997

Zelluläre Helfer im Gehirn

Gliazellen verstärken Synapsenbildung - erste Zellkulturversuche

Für die Entwicklung und Funktion des Gehirns sind Gliazellen unerläßlich. Lange Zeit von der Wissenschaft lediglich als „Nervenkitt“ (griech. Neuroglia) angesehen, der als Stütz- und Bindegewebe für die Nervenzellen (Neurone) fungiert, haben Neurowissenschaftler in den vergangenen zehn Jahren neue Erkenntnisse über die Gliazellen gewonnen, die diesen Zellen eine aktive Rolle vor allem bei der Signalübermittlung im Nervensystem zuschreibt. So sind Gliazellen beispielsweise dafür verantwortlich, daß bestimmte Nervenfasern (Axone), deren Aufgabe die Weiterleitung von Signalen ist, im sich entwickelnden Gehirn ihre Zielpunkte finden. Außerdem bilden Gliazellen um die Axone eine schützende Myelinschicht. Diese Isolierung ermöglicht die rasche Weiterleitung von elektrischen Impulsen. Gliazellen umhüllen zudem die Kontaktstellen (Synapsen) am Ende von Nervenzellen, über die die Neurone Erregung an nachgeschaltete Nerven- oder Muskelzellen übertragen.

Nr. 5/ 16. September 1997

Neuer Gentest gibt Aufschluß über Herzinfarktrisiko

Max-Delbrück-Centrum auf Forschungsforum Leipzig

Einen Gentest, mit dessen Hilfe sich ein erblich bedingtes Herzinfarktrisiko feststellen läßt, stellt das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch auf dem Forschungsforum Leipzig (16.9.-20.9.1997) vor. Den Test haben Wissenschaftler des MDC und der Franz-Volhard-Herz-Kreislauf-Klinik des Virchow-Klinikums, Medizinische Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin mit Unterstützung der amerikanischen Gentechnologie-Firma Perkin Elmer Applied Biosystems entwickelt. Er erlaubt es, ein Erbleiden, die sogenannte familiäre Hypercholesterinämie, an Hand weniger Tropfen Blut frühzeitig zu diagnostizieren und dabei Patienten zu erkennen, die ein besonders hohes Herzinfarktrisiko haben. Sinnvoll ist der Einsatz des Gentests nach Aussage von Dr. Herbert Schuster (MDC), bei den Menschen, die erhöhte Cholesterinwerte haben und in deren Familien bereits mehrfach Herzinfarkte aufgetreten sind.

Nr. 4/ 8. August 1997

Neues Berliner Zentrum erforscht familiären Brustkrebs

In Berlin ist jetzt ein „Zentrum für familiären Brustkrebs“ eingerichtet worden. Ziel dieses Zentrums ist es, die Häufigkeit bestimmter genetischer Veränderungen und ihre Rolle bei der Entstehung von familiärem Brustkrebs zu untersuchen. Weiter sollen die Früherkennung und Behandlung dieser bösartigen Tumorerkrankung verbessert werden.  Das Berliner Zentrum ist Teil eines bundesweiten Projekts mit insgesamt zehn Brustkrebszentren. Sie befinden sich neben Berlin in Bonn, Düsseldorf, Frankfurt (Main), Heidelberg, Kiel, München, Münster, Ulm und Würzburg. Die Deutsche Krebshilfe (Bonn) finanziert diese zehn Forschungszentren mit insgesamt zehn Millionen Mark für drei Jahre.

Nr. 3/ 17. April 1997

Grundsteinlegung für Innovations- und Gründerzentrum

Ausbau des Biomedizinischen Forschungscampus Berlin-Buch

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, hat am Donnerstag (17. April 1997) den Grundstein für ein Innovations- und Gründerzentrum auf dem Biomedizinischen Forschungscampus Berlin-Buch gelegt. Er unterstrich damit die Bedeutung, die der Berliner Senat der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung dieses einzigen biomedizinisch ausgerichteten Technologieparks Berlins beimißt. In den Laborneubau, der für rund 22 Millionen Mark errichtet wird, sollen bis voraussichtlich September 1998 neun innovative Firmen und Existenzgründer aus dem Bereich der Biotechnologie einziehen.

Nr. 2/ 14. April 1997

Krebsforscher identifizieren Schalter für Chemotherapieresistenz

Tumoren können gegen Krebsmedikamente (Zytostatika) resistent sein oder im Laufe der Behandlung Resistenzen entwickeln. Damit ist eine Therapie mit Zytostatika unwirksam. Verantwortlich für dieses bei der Behandlung von Krebspatienten beobachtete Phänomen ist unter anderem das sogenannte MDR1-Gen (engl. multidrug resistance - Zytostatika-Mehrfachresistenz). Das vor mehr als 20 Jahren entdeckte Gen enthält die Bauanleitung für ein Protein (P-Glykoprotein), das wie eine Pumpe Zellgifte über die Zellmembran herausschleusen kann. Mit diesem Mechanismus schützen sich normalerweise gesunde Zellen in bestimmten Geweben vor schädlichen Substanzen. Aber auch manche Krebszellen sind in der Lage, auf diese Weise der Zerstörung durch Zellgifte zu entgehen. Bisher war unklar, wodurch diese Pumpe in Gang gesetzt wird.

Nr. 1/ 16. Januar 1997

100 Millionen für Forschungscampus Berlin-Buch

Mehr als 100 Millionen Mark werden in den kommenden drei Jahren in den Ausbau des Biomedizinischen Forschungscampus Berlin-Buch investiert. Das gab Prof. Detlev Ganten, Stiftungsvorstand des auf dem Bucher Campus gelegenen Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, auf dem ersten Neujahrsempfang des 1992 gegründeten Forschungszentrums bekannt.