Nr. 34/ 12. Dezember 1996

Wander- und Lehrjahre von Immunzellen

MDC-Wissenschaftler grundlegendem Mechanismus auf der Spur

Myriaden von Immunzellen patrouillieren ständig durch den menschlichen Organismus, immer bereit Viren, Bakterien oder andere Krankheitserreger aufzuspüren und zu vernichten. Seit einigen Jahren wissen Immunologen, wie die Abwehrzellen des Menschen zu einem Infektions- oder Entzündungsort gelockt werden. Die Erreger selbst tragen auf ihrer Oberfläche Erkennungsmerkmale, die die Immunzellen mit ihren Antennenmolekülen (Rezeptoren) erkennen können und sie die Abwehr mobilisieren lassen. Aber auch wenn kein fremder Eindringling das Leben eines Organismus bedroht, müssen Immunzellen auf Wanderschaft gehen, um ihre Fähigkeit, Erreger zu erkennen und zu zerstören, zu entwickeln. Wodurch aber werden diese Immunzellen in Bewegung gesetzt? Einem grundlegenden Mechanismus, der die Wanderung bestimmter Immunzellen, der sogenannten Lymphozyten, auslöst, sind Dr. Reinhold Förster, Anita Mattis und Dr. Martin Lipp vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch auf der Spur. Mit der Entdeckung und Aufklärung der Funktion eines Steuermoleküls auf diesen Immunzellen hat die MDC-Forschungsgruppe von Dr. Lipp jetzt zum ersten Mal einen Regulator für die Wanderung dieser Zellen identifiziert. Das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit mit Dr. Elisabeth Kremmer (GSF-Forschungszentrum, München) sowie Dr. Eckhard Wolf und Dr. Gottfried Brem (Gen-Zentrum der Universität München) hat jetzt das amerikanische Fachblatt Cell (Vol. 87, Nr. 6, S.1037-1047, 12. Dezember 1996) veröffentlicht.

Nr. 33/ 4. Dezember 1996

Erneut Berliner Abiturientenstipendium vergeben

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und die Delbrück'sche Familienstiftung haben in diesem Jahr erneut das Berliner Abiturientenstipendium vergeben. Stipendiaten sind die in Breslau (Polen) geborene Abiturientin Malgorzata Lanowska und der Abiturient Ulf Peters aus Berlin-Buch. Die Auszeichnung wurde den beiden Stipendiaten am 4. Dezember in Berlin-Buch von Hans-Jürgen Delbrück (Delbrück'sche Familienstiftung, Ratingen) und Prof. Detlev Ganten (Stiftungsvorstand des MDC) überreicht.

Nr. 31/ 18. November 1996

3D-Live-Bilder aus dem OP auf der MEDICA ‘96

Mitarbeiter der chirurgischen Abteilung der Robert-Rössle-Klinik des Virchow-Klinikums der Humboldt-Universität zu Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch stellen auf der Medizintechnik-Messe MEDICA (20.-23. November 1996) in Düsseldorf ihr Gemeinschaftsprojekt SICONET / OP2000 mit der Deutschen Telekom vor. SICONET ist ein multimediales Netzwerk, das im Operationssaal der Zukunft die gleichzeitige Übertragung von hochaufgelösten dreidimensionalen Bildern, Ton und Computerdaten ermöglicht. Es erlaubt Chirurgen, während einer Operation externe Spezialisten zu Rate zu ziehen. Den Hauptnutzen von OP2000 für den Patienten sieht Prof. Peter Schlag, Leiter des Projekts und Direktor der chirurgischen Abteilung der Robert-Rössle-Klinik, in der Qualitätssicherung. Nach den Worten von Dr. Georgi Graschew (MDC) ist OP2000 „das erste Fernübertragungssystem, das die gemeinsame Live-Übermittlung von Computersimulationen und dreidimensionalen Bildern aus dem Operationssaal in Fernseh-Qualität per Satellit oder Hochgeschwindigkeitsdatenleitung (ATM) möglich macht“.

Nr. 30/ 6. November 1996

Robert Weinberg erhält Max-Delbrück-Medaille

Die Max-Delbrück-Medaille der Schering Forschungsgesellschaft geht in diesem Jahr an den Krebsforscher Prof. Robert A. Weinberg vom Whitehead Institute des Massachusesetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA). Der 1942 in Pittsburgh (USA) geborene Wissenschaftler wird damit für seine wissenschaftlichen Verdienste bei der Identifizierung bestimmter „Krebsgene“, sogenannter Onkogene geehrt. Bestimmte Veränderungen in diesen Genen können zu einer krankhaften Vermehrung von Körperzellen führen und lassen sich in den meisten Tumoren nachweisen. Seine Arbeiten haben maßgeblich zur Entwicklung neuer Verfahren der Tumordiagnose beigetragen. Darüber hinaus bilden die Ergebnisse seiner Forschung eine wesentliche Grundlage verschiedener neuer Ansätze der Krebstherapie.

Nr. 29/ 10. Oktober 1996

Wenn Herzzellen nicht zusammenhalten

Defekte Zellverbindungen möglicherweise Urheber bestimmter Herzleiden

Auf ein lebensnotwendiges Protein, das Herzzellen zusammenhält, sind Zellforscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gestoßen. Wie Dr. Patricia Ruiz und Dr. Volker Brinkmann aus der Forschungsgruppe von Prof. Walter Birchmeier in der Fachzeitschrift Journal of Cell Biology (Bd. 135/1, S. 215-225) berichten, sterben Mäuse, die das Protein Plakoglobin aufgrund einer Mutation nicht bilden können, bereits als Embryo an „gebrochenem Herzen”. Das Herz der Tiere, das in der zweiten Hälfte der Embryonalphase eigenständig zu schlagen beginnt, hält der mechanischen Belastung nicht stand und bricht auseinander. Analysen in Zusammenarbeit mit dem Labor von Prof. Werner Franke am Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg, zeigten, daß im Herzgewebe dieser Embryos spezifische Zellverbindungen (Desmosomen) fehlen, die gesunde Herzzellen wie Klettverschlüsse zusammenhalten. Plakoglobin ist eines von mehreren unterschiedlichen Proteinen, aus denen sich Desmosomen zusammensetzen. Gemeinsam mit Herzforschern des MDC wollen die Wissenschaftler jetzt untersuchen, ob ähnliche Veränderungen in Zellverbindungen möglicherweise zur Entstehung bestimmter Herzleiden beitragen.

Nr. 28/ 1. Oktober 1996

Mit OLA gegen zuviel Cholesterin

MDC-Wissenschaftler entwickeln neuen Gentest

Herzerkrankungen stehen an der Spitze der Todesursachen in den westlichen Industrieländern. Als Risikofaktoren gelten neben Bluthochdruck und Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie), falsche Ernährung und auch das Rauchen. Fünf Prozent der Herzerkrankungen, die vor dem 55. Lebensjahr auftreten, sind nach Schätzungen von Spezialisten die Folge eines Erbleidens, bei dem das Cholesterin dauerhaft erhöht ist, der sogenannten familiären Hypercholesterinämie (FH). Weil die Leber bei dieser Stoffwechselerkrankung das Cholesterin aus dem Blut nicht abbauen kann, steigt es im Blut übermäßig an und lagert sich in besonders schweren Fällen auch in der Haut und in den Sehnen ab. Viele Betroffene erleiden bereits in jungen Jahren einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Weltweit sind etwa zehn Millionen Menschen an familiärer Hypercholesterinämie erkrankt. Jetzt haben Wissenschaftler des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) in Berlin-Buch und der Franz-Volhard-Herz-Kreislauf-Klinik des Virchow-Klinikums der Humboldt-Universität zu Berlin gemeinsam mit Wissenschaftlern einer Gentechnologie-Firma in den USA einen Gentest entwickelt, der es erlaubt, dieses Erbleiden an Hand weniger Tropfen Blut oder Speichel frühzeitig zu diagnostizieren und dabei auch die Patienten zu erkennen, die ein besonders hohes Herzinfarktrisiko haben. Damit wird es nach Aussage des Leiters der MDC-Arbeitsgruppe Dr. Herbert Schuster möglich, die Betroffenen vorbeugend mit cholesterinsenkenden Medikamenten zu behandeln und ihr Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben, zu verringern. Die Forschungsarbeit von Heike Baron, Dr. Schuster, Prof. Friedrich Luft (Franz-Volhard-Klinik) und Dr. Steven Fung (Perkin Elmer, Foster City, Kalifornien) ist jetzt in der Fachzeitschrift Nature Biotechnology (Vol.14, S. 1279-1282, Oktober 1996) erschienen. Der neue Gentest wird derzeit in Berlin klinisch erprobt.

Nr. 27/ 21. September 1996

Jens Reich erhält Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte

Prof. Dr. Jens Reich vom MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH ist für seine „herausragenden und vielfältigen Beiträge in Wort und Schrift zu den Entwicklungen in der Genforschung“ mit der Lorenz-Oken-Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) ausgezeichnet worden. Die Ehrung wurde dem Arzt, Naturwissenschaftler und Publizisten am Samstag, den 21. September 1996, auf der 119. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Regensburg überreicht.

Nr. 26/ 5. September 1996

Wissenschaftler planen Zentrum für Bioinformatik

Wissenschaftler außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Deutschland beabsichtigen, ein überregionales Bioinformatik-Zentrum zu gründen. Damit sollen die finanziellen Ressourcen und Forschungen der im Verbund "Klinisch-Biomedizinische Forschung" (KBF) zusammengeschlossenen Einrichtungen gebündelt und effektiver genutzt werden. Das kündigte Prof. Dr. Detlev Ganten, Vorsitzender des KBF-Verbunds, am Mittwoch (5. 9. 1996) bei der Eröffnung des 4. KBF-Symposiums in Braunschweig an.

Nr. 25/ 22. August 1996

Leopoldina-Förderpreis an MDC-Wissenschaftler Ulrich Scheller

Der Dipl.-Biochemiker Ulrich Scheller, der im MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH im Forschungsschwerpunkt Zellbiologie tätig ist, hat den Förderpreis der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina erhalten. Die Auszeichnung ermöglicht dem Wissenschaftler, sein Forschungsvorhaben über die Kristallisation von Enzymen am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt/Main zu beginnen und dort die günstigen Arbeitsmöglichkeiten und Erfahrungen der Kristallographen für seine Forschungen zu nutzen, begründete die Akademie die Preisvergabe.

Nr. 24/ 16. August 1996

Gespräch mit der Schaltzentrale

MDC-Wissenschaftler zeigen Signalweg in den Zellkern auf

Im Organismus von Mensch und Tier sind die Zellen über Bindungsmoleküle (Adhäsionsmoleküle) miteinander verknüpft, über die sie Informationen austauschen. Die korrekte Weiterleitung dieser Signale ist z. B. entscheidend dafür, daß aus einer befruchteten Eizelle ein komplexer und gesunder Organismus entstehen kann. Sind die fein aufeinander abgestimmten und genau regulierten Signalwege gestört, kann es zu Fehlentwicklungen kommen, z. B. zur Entstehung von Krebs. In den vergangenen Jahren haben Entwicklungs- und Tumorbiologen immer größeren Einblick in die komplizierten Signalwege bekommen, die die Embryonalentwicklung steuern und die auch bei der Tumorentwicklung gestört sind. Jetzt ist es Wissenschaftlern des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH zum ersten Mal gelungen, den Signalweg von Adhäsionsmolekülen nicht nur von der Zelloberfläche in das Zellinnere zu verfolgen, sondern bis in die eigentliche Schaltzentrale der Zelle, den Zellkern. Dort sitzt die Erbinformation DNA mit ihren Informationseinheiten, den Genen, die die Lebensprozesse steuern. Die Ergebnisse von Dr. Jürgen Behrens und Prof. Walter Birchmeier (beide MDC) sind jetzt in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift Nature (Vol. 382, S. 638-642, 1996) erschienen. Diese Arbeiten wurden gemeinsam mit Dr. Jens P. von Kries (MDC), Dr. Michael Kühl und Prof. Doris Wedlich (Universität Ulm) sowie Dr. Laurakay Bruhn und Prof. Rudolf Grosschedl (Universität von Kalifornien, San Francisco/USA) durchgeführt.

Nr. 23/ 30. Juli 1996

Erster Nachweis von Schlaganfall-Genen

Erstmals haben jetzt Wissenschaftler der Harvard Universität Boston/USA, der Universität Neapel/Italien und des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH den Nachweis für die Existenz spezifischer Schlaganfallgene erbracht. In den Erbanlagen (Chromosomen) bestimmter Ratten lokalisierten sie drei genetische Faktoren, die ursächlich mit der Entstehung des Schlaganfalls zusammenhängen. Einer erhöht das Schlaganfallrisiko deutlich, während die beiden anderen genetischen Faktoren das Risiko vermindern und damit vor Schlaganfall schützen. Die Forschungsarbeit von Dr. Speranza Rubattu, Dr. Klaus Lindpaintner, Dr. Reinhold Kreutz (alle Harvard Universität), Dr. Massimo Volpe (Universität Neapel) sowie Prof. Detlev Ganten und Dr. Ursula Ganten (beide MDC) ist in der Augustausgabe der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht worden. Die Ergebnisse dieser Arbeit liefern nach Ansicht der Wissenschaftler wichtige Hinweise für die Schlaganfallforschung beim Menschen.

Nr. 21/ 11. Juni 1996

Ehrendoktor für Bucher Krebsforscher Prof. Bielka

Dem Bucher Krebsforscher und Molekularbiologe Prof. Dr. Heinz Bielka ist am Dienstag (11. Juni 1996) die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität zu Berlin verliehen worden. Prof. Bielka, der bis zu seiner Emeritierung im Dezember 1995 am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH tätig war, lehrt seit 1963 Molekularbiologie an der Humboldt-Universität.

Nr. 20/ 10. Juni 1996

Südafrikanischer Wissenschaftsminister besucht MDC

Der südafrikanische Minister für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technologie, Dr. Baldwin Sipho Ngubane, hat im Rahmen seines einwöchigen Deutschlandbesuchs am Montag, den 10. Juni, das MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH besichtigt. Dr. Ngubane, der in Durban/Südafrika Medizin studierte, informierte sich im MDC, einer Modelleinrichtung für die klinische Forschung in Deutschland, über die enge Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschern und Klinikern. Das MDC kooperiert mit den in unmittelbarer Nähe gelegenen Kliniken Robert-Rössle und Franz-Volhard, die zum Virchow-Klinikum der Humboldt-Universität zu Berlin gehören.

Nr. 19/ 29. Mai 1996

Forscher informieren über Bluthochdruck

MAX DELBRÜCK CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) und Franz-Volhard-Klinik in Berlin-Buch veranstalten Bürgerforum

Wie entsteht Bluthochdruck? Welche Rolle spielen dabei erbliche Faktoren? Wie können sich Betroffene vor den Gefahren durch chronischen Bluthochdruck, wie Schlaganfall, Arterienverkalkung und Nierenschäden schützen? Diesen und anderen Fragen zum Thema Bluthochdruckforschung wollen sich am kommenden Sonntag, dem 2. Juni 1996, Experten der Franz-Volhard-Herz-Kreislauf-Klinik und des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH im Rahmen eines Bürgerforums stellen. In zwei allgemeinverständlichen Vorträgen werden dabei die derzeitigen Möglichkeiten der Vorbeugung und Therapie erläutert sowie Ziele und Projekte der aktuellen Bluthochdruckforschung vorgestellt. In einer anschließenden Gesprächsrunde haben die Besucher Gelegenheit, mit den Referenten zu diskutieren.

Nr. 18/ 16. Mai 1996

Internationales Symposium über Gefäßerkrankungen

Herz-Kreislaufforscher tagen in Franz-Volhard-Klinik in Berlin-Buch

Krankhafte Veränderungen der Blutgefäße stehen im Mittelpunkt eines internationalen Symposiums, zu dem sich vom 16. bis 18. Mai 1996 rund einhundert Herz-Kreislauf-Forscher aus zahlreichen europäischen Staaten sowie den USA in der Franz-Volhard-Klinik in Berlin-Buch zusammenfinden. Naturwissenschaftler und Mediziner werden dabei neueste Erkenntnisse über frühe Prozesse der Entstehung chronischer Durchblutungsstörungen wie beispielsweise Arteriosklerose (im Volksmund: „Arterienverkalkung“) oder Nierenversagen austauschen. Im Mittelpunkt steht dabei die Funktion der Zellen, die die Gefäßwände auskleiden (Endothelzellen), und ihre Schädigung durch Cholesterin und Diabetes.

Nr. 17/ 29. April 1996

Eine Laune der Natur

Berliner Wissenschaftler auf der Spur eines Gens für Bluthochdruck

Einen bisher unbekannten Erbfaktor für Bluthochdruck hat jetzt eine Gruppe von Berliner Herz-Kreislaufforschern aufgespürt. Eine außergewöhnliche Laune der Natur wies den Wissenschaftlern dabei den Weg: In einer türkischen Familie wird seit Generationen nicht nur die Veranlagung zu Bluthochdruck weitervererbt. Alle von der Krankheit betroffenen Familienmitglieder - und nur sie - erben stets auch eine Anlage für auffallend verkürzte Finger und Zehen. Dieses äußere Merkmal, in der Medizin als Brachydaktylie bezeichnet, diente als entscheidendes Indiz für die Suche nach spezifischen Unterschieden zwischen dem Erbgut gesunder und betroffener Verwandter. Wie Prof. Friedrich Luft von der Franz-Volhard-Herz-Kreislauf-Klinik und seine Mitarbeiter vom MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH in der Mai-Ausgabe des Wissenschaftsjournals Nature Genetics berichten, konnten sie kürzlich die Lage der verantwortlichen Genregion auf Chromosom 12, einem der 23 Chromosomen aus denen das menschliche Erbgut besteht, bestimmen. Nun sollen die Identifizierung, Klonierung und Entschlüsselung dieses Gens folgen. „Eine Aufklärung dieser Erbkrankheit“, so Prof. Luft, „bringt vermutlich entscheidende, bisher unbekannte Mechanismen der Blutdruckregulation ans Licht“.

Nr. 16/ 19. April 1996

Mobilmacher des Immunsystems

Gentechnisch veränderte Abwehrzellen sollen Immunsystem zu Tumorvernichtung animieren

Bei ihrer Suche nach einer Immuntherapie gegen Krebs setzen Krebsforscher und Molekularbiologen neuerdings auf die Fähigkeiten spezieller Abwehrzellen. Sogenannte dendritische Zellen, die im Labor mit spezifischen Bruchstücken von Tumorzellen ausgestattet werden, scheinen die Angriffslust der körpereigenen Krankheitsabwehr wirkungsvoller stimulieren zu können, als gentechnisch veränderte Krebs- oder Bindegewebszellen. Über aktuelle Therapiekonzepte mit dendritischen Zellen, die sich teilweise bereits in klinischer Erprobung befinden, berichteten Wissenschaftler aus den USA und Deutschland im Rahmen des 4. Gentherapie-Symposiums des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH am Freitag, den 19. April 1996. Ziel dieser Behandlungsansätze sind vorerst bestimmte Formen von Blut- und Hautkrebs sowie Nierenzellkarzinome.

Nr. 15/ 19. April 1996

Impfung gegen Krebs

Noch ein weiter Weg

Seit mehr als 100 Jahren wird vermutet, daß das Immunsystem eine große Rolle im Kampf gegen Krebs spielt. In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler eine Reihe verschiedener, vom Körper gebildeter Proteine, sogenannte Zytokine, und die dazugehörigen Gene entdeckt, die tatsächlich in der Lage sind, Immunzellen gegen Krebszellen zu mobilisieren. Zytokine fungieren als Botenstoffe des Immunsystems. Einige von ihnen besitzen sogar die Fähigkeit, das Wachstum von Krebszellen zu blockieren. Seit rund sechs Jahren versuchen deshalb Grundlagenforscher gemeinsam mit klinischen Forschern, das Potential dieser Zytokine zu nutzen, um die Kampfkraft des Immunsystems gegen Krebs zu erhöhen. Ihr Ziel ist die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Krebs. „In Tierversuchen und auch einigen klinischen Versuchen mit Patienten sind ermutigende Ergebnisse erzielt worden“, sagte Prof. Guido Forni, Immunologe von der Universität Turin (Italien). „Jedoch ist es noch ein weiter Weg, bis es einen Impfstoff gegen Krebs geben wird“, betonte er am Freitag (19. April 1996) auf dem 4. Gentherapie-Symposium im MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) in Berlin-Buch.

Nr. 14/ 19. April 1996

Michael Blaese: Gentherapie kann Nutzen haben - noch jahrzehntelange Forschung nötig

Neue Strategie mit Blutstammzellen aus der Nabelschnur

Nach Auffassung des Gentherapeuten Dr. Michael Blaese von den Ame­rikanischen Gesundheitsinstituten der USA (NIH, Bethesda) „kann die Gentherapie für einige Patienten, die an der angeborenen Immun­schwäche ADA leiden, von Nutzen sein“. In einer Pressekonferenz im Rahmen des 4. Gentherapie-Symposiums im MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH (Freitag den 19. April) betonte Dr. Blaese mit Blick auf eine Ende vergangenen Jahres von den NIH veröffentlichten kritischen Bestandsaufnahme der bisherigen Stu­dien zur Gentherapie: „Es bedarf jedoch noch jahrzehntelanger For­schung, bis die Möglichkeiten, die in der Gentherapie stecken, umge­setzt werden können in die klinische Praxis. Wir müssen das Gleichge­wicht finden zwischen unserer Begeisterung und der Realität einer noch immer begrenzten Technologie.“ Dr. Blaese gehört zu den Pionieren der Gentherapie. Er hatte im September 1990 den ersten klinischen Ver­such mit zwei an der ADA-Immunschwäche erkrankten Kindern be­gonnen. Inzwischen werden nach seinen Worten noch elf Kinder mit diesem Erbleiden gentherapeutisch behandelt. Um eine anhaltende Wirkung zu erzielen, sollen statt reifer Immunzellen künftig deren Vorläufer, die Blutstammzellen, gentherapeutisch verändert werden. Einen ersten Schritt ist Dr. Blaese auf diesem Wege gegangen. Er ge­wann aus der Nabelschnur von Neugeborenen, die an ADA erkrankt sind, Stammzellen, die er gentherapeutisch veränderte und den Babies zurückgab.

Nr. 13/ 19. April 1996

Molekulare Bremse für Tumorzellen

Zellteilungskontrolle ist Ziel einer neuen Gentherapie von Krebs

Eine von Berliner Wissenschaftlern neu entwickelte Strategie für die Gentherapie von Krebs zielt auf den zentralen Mechanismus jedes Tumorwachstums ab - die krankhaft überaktive Zellvermehrung. Diese Maschinerie wollen der Zellforscher Prof. Michael Strauss von der Max-Planck-Arbeitsgruppe am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH und seine Mitarbeiter mit Hilfe eingeschleuster Ersatzgene zum Stillstand bringen. Nur wenn die unkontrollierte Teilung der Zellen gestoppt ist, so das Konzept, kann in den kranken Zellen ein zelleigenes Sicherungsprogramm ablaufen. Mit diesem lebenswichtigen Mechanismus können defekte Zellen - und nur diese - ihren eigenen Untergang auslösen. „Das biologische Prinzip dieser neuen Therapie ist vermutlich auf jede Krebsart anwendbar“, sagte Prof. Strauss im Rahmen des 4. Gentherapie-Symposiums des MDC am Freitag, den 19. April 1996. Der Forscher betonte jedoch auch, daß sich die Methodik erst im tierexperimentellen Stadium befinde und eine Anwendung zunächst auf Tumoren beschränkt bleiben müsse, für die es geeignete Genfähren gebe.

Nr. 12/ 18. April 1996

Krebs und Immunsystem

Schwerpunkte des 4. Internationalen Gentherapie-Symposiums am MDC

Die Entwicklung neuer Strategien zur Behandlung von Krebs, insbesondere die Verfolgung immunologischer Ansätze, bilden den Schwerpunkt des 4. Gentherapie-Symposiums, das das MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MO-LEKULARE MEDIZIN (MDC) vom 19. - 20. April in Berlin-Buch veranstaltet.

Nr. 11/ 5. April 1996

MDC-Vorlesungsreihe zur Zell- und Molekularbiologie

Beginn Sommersemester 1996

Eine Vorlesungsreihe zur Zell- und Molekularbiologie für Studenten, Doktoranden und promovierte Wissenschaftler (post docs) veranstaltet das MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) in Berlin-Buch zum Sommersemester 1996. Sie beginnt am 2. Mai 1996 mit einer Vorlesung von Dr. Claus Scheidereit (MDC) über die Kontrolle der Gen-Regulation. Weitere Dozenten sind Dr. Achim Leutz (MDC, Forschungsschwerpunkt Onkologie), Prof. Michael Strauss (Humboldt-Universität, Max-Planck-Arbeitsgruppe Zellteilungsregulation), Prof. Walter Birchmeier sowie Dr. Jürgen Behrens (beide MDC, Forschungsschwerpunkt Zellbiologie).

Nr. 10/ 26. Februar 1996

Mikrogliazellen - das Immunsystem des Gehirns

Störungen lösen offenbar Entstehung schwerer Nervenleiden aus

Erst seit kurzem ist bekannt, daß das Zentrale Nervensystem (ZNS) über ein eigenes Immunsystem verfügt. Das Abwehrsystem des ZNS (Gehirn und Rückenmark) wird von den sogenannten Mikroglia-Zellen gebildet, wie der Neurowissenschaftler Prof. Georg W. Kreutzberg vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie, Martinsried, nachweisen konnte. In einer Pressekonferenz anläßlich des 1. Kongresses der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft sagte Prof. Kreutzberg am Montag, den 26. Februar 1996, in der Humboldt-Universität zu Berlin, daß sich Hinweise verdichteten, wonach Mikrogliazellen offenbar auch eine Rolle bei der Entstehung oder Verschlechterung von Erkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer-Krankheit, Down-Syndrom, Multipler Sklerose, Parkinson sowie Demenz bei Aids spielten.

Nr. 9/ 26. Februar 1996

Chancen zur „Selbstheilung“

Bildgebende Verfahren zeigen Hirnaktivität

Schädigungen des Gehirns nach Verletzungen oder bei Erkrankungen können Neurologen mit Hilfe bildgebender Verfahren, z. B. der Positronen-Emissions-Tomographie (PET), einer Weiterentwicklung des Röntgenverfahrens, sichtbar machen. Sie hoffen, über die dabei gewonnenen Erkenntnisse, „Selbstheilungsprozesse“ des Gehirns gezielt beeinflussen zu können. Das berichtete Prof. Hans-Joachim Freund von der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf auf einer Pressekonferenz anläßlich des 1. Kongresses der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft am Montag, den 26. Februar 1996, in der Humboldt-Universität zu Berlin.

Nr. 8/ 26. Februar 1996

Komplexes Wechselspiel

Reparaturprotein von Nervenzellen trägt vermutlich zur Entstehung der Alzheimer Krankheit bei

Gedächtnisschwund, Denk- und Sprachstörungen - in diesen Symptomen gipfelt der jahrzehntelange, bisher unaufhaltbare Zerstörungsprozeß der Alzheimer Krankheit. Bis zu 90 Prozent der Nervenzellen fallen ihm in bestimmten Hirnregionen zum Opfer. Ungeklärt ist, was diese Erkrankung, an der rund eine Million Deutsche leiden, auslöst. Neueste Untersuchungen einer Forschergruppe um Prof. Konrad Beyreuther vom Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH) deuten jetzt auf eine maßgebliche Rolle des Amyloidvorläuferproteins (APP) hin, einem Eiweiß der Nervenzellhülle, das im Gehirn von Alzheimerpatienten gehäuft auftritt: APP scheint die Bildung sogenannter Sauerstoffradikale zu fördern, die Zellen massiv schädigen können. Im Rahmen des 1. Kongreß der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft, vom 24. bis 27. Februar 1996 an der Humboldt-Universität zu Berlin, wies Prof. Beyreuther darauf hin, daß sich diese Erkenntnisse möglicherweise zur Entwicklung einer Therapie nutzen ließen. Dennoch warnte der Wissenschaftler vor einfachen Schlüssen: Diese Krankheit werde im Körper durch zahlreiche Faktoren beeinflußt. Eine „Pille gegen Alzheimer“ werde es auch in Zukunft nicht geben.

Nr. 7/ 26. Februar 1996

Leistungsfähiges Netzwerk

Berlin wächst zu Zentrum für Neurowissenschaften heran

Die aktuelle Hirn- und Nervenforschung steuert nach Ansicht von Prof. Dr. Karl Einhäupl, Direktor der Neurologischen Kliniken der Humboldt-Universität zu Berlin, des Virchow-Klinikums und der Charité, auf ein neues Zeitalter zu. Dank moderner Untersuchungs- und Behandlungsmethoden werde es zunehmend möglich, neurologische Erkrankungen, wie beispielsweise Epilepsie oder die Folgen eines Schlaganfalls gezielt zu behandeln, sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz am 26. Februar an der Berliner Humboldt-Universität zum 1. Kongreß der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft.

Nr. 6/ 26. Februar 1996

Statement der Organisatoren des

1. Kongreß der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft

Neurowissenschaftliche Gesellschaft

Neurowissenschaftler arbeiten in ganz unterschiedlichen Disziplinen, wie in der Anatomie, der Biochemie, der Entwicklungsbiologie, der Immunologie, der Molekularbiologie, der Neurologie, der Pathologie, der Pharmakologie, der Pharmazie, der Physiologie, der Psychiatrie, der Psychologie, der Zellbiologie und der Zoologie. Um die Zusammenarbeit der Neurowissenschaftler dieser unterschiedlichen Fachrichtungen zu stimulieren, wurde 1993 die Neurowissenschaftliche Gesellschaft gegründet. Ziel dieser noch jungen Vereinigung mit über 900 Mitgliedern ist es, Forschung und Lehre in den Neurowissenschaften zu fördern. Über die Neurowissenschaftliche Gesellschaft sind deutsche Neurowissenschaftler jetzt auch stärker an europäische sowie internationale Dachorganisationen - „European Neuroscience Association“ (ENA) und „International Brain Research Organization“ (IBRO) - angebunden.

Nr. 5/ 8. Februar 1996

Weichenstellung

Neue Studie soll Feindiagnose von Blutkrebs bei Kindern verbessern

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 600 Kinder an Blutkrebs (Leukämie). Ihre Heilungschancen hängen entscheidend von der Art der Leukämie ab, an der sie leiden. Danach richtet sich auch die Form der Therapie. Die Feindiagnose dazu erfolgt heute maßgeblich anhand biologischer Eigenschaften der kranken Blutzellen im Labor. Durch die Untersuchung einer Gruppe von Zellbestandteilen, die den sogenannten programmierten Zelltod (Apoptose) regulieren, will nun ein Forscherteam um Prof. Wolf-Dieter Ludwig, leitender Oberarzt an der Robert-Rössle-Klinik der Humboldt-Universität zu Berlin in Berlin-Buch, die Feinbestimmung verschiedener Untergruppen akuter Leukämien weiter verbessern. Das Projekt wird von der Deutschen Leukämie-Forschungshilfe in Bonn für zwei Jahre mit 300 000 Mark gefördert und erfolgt in Zusammenarbeit mit mehreren Kliniken im In- und Ausland. Als sogenanntes „Zentrales Referenzlabor“ übernimmt die Bucher Klinik dabei die immunologische Charakterisierung aller gemeinsam untersuchten Kinderleukämien.

Nr. 4/ 2. Februar 1996

Verräterische Zigarettenkippen

Neue Methode der Geschlechtsbestimmung für die Gerichtsmedizin

Eine neuartige Methode, die es Gerichtsmedizinern erlaubt, anhand winziger Spuren von Erbmaterial (DNA), etwa von Zigarettenkippen oder Briefmarken, rasch und zuverlässig das Geschlecht eines Menschen zu bestimmen, haben die Firma InViTek auf dem Biomedizinischen Forschungscampus Berlin-Buch und das Institut für Gerichtliche Medizin der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelt. Dr. Peter Bendzko, Geschäftsführer der Bucher Firma, und Dr. Lutz Roewer (Charité) stellten das Verfahren auf dem 16. Spuren-Workshop der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin am 2. und 3. Februar 1996 in Würzburg vor.

Nr. 3/ 1. Februar 1996

C3-Professur für Dr. Marion Brach in Ulm

Dr. Marion A. Brach, Leiterin eines Arbeitsgruppe im MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH, hat den Ruf auf eine C3-Professur  für Angewandte Molekularbiologie an der Universität Ulm angenommen. Sie wird diese Sektion, die zur Abteilung für Innere Medizin III der Universität Ulm von Prof. Friedhelm Herrmann gehört, ab 1. Februar 1996 leiten. Prof. Herrmann, Onkologe in der Robert-Rössle-Klinik des Virchow-Klinikums der Humboldt-Universität zu Berlin in Berlin-Buch, hatte kürzlich einen Ruf auf eine C4-Professur in Ulm angenommen, und wird dort ebenfalls ab 1. Februar diesen Jahres seine Tätigkeit aufnehmen.

Nr. 2/ 25. Januar 1996

Prof. Herrmann nimmt Ruf an Universität Ulm an

Der Onkologe Prof. Friedhelm Herrmann von der Robert-Rössle-Klinik des Virchow-Klinikums der Humboldt-Universität zu Berlin hat einen Ruf an die Universität Ulm auf eine C4-Professur für Innere Medizin angenommen. In Ulm wird Prof. Herrmann ab 1. Februar 1996 die Leitung der Abteilung für Innere Medizin III übernehmen.

Nr. 1/ 19. Januar 1996

Molekulare Anstandsdamen

Produktion von Medikamenten soll mit Biomolekülen verbessert werden

Zahlreiche Eiweißmoleküle (Proteine), die bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten Einsatz finden, werden seit einigen Jahren biotechnologisch hergestellt. Die Ausbeute an funktionsfähigen Proteinen ist dabei allerdings häufig gering. Zu viele Moleküle verlieren bereits während der Produktion ihre Funktionsfähigkeit, indem sie sich falsch falten oder miteinander verklumpen. Diesem Schwachpunkt wollen Wissenschaftler des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN  (MDC) BERLIN-BUCH, der Universtität Halle, des Zentrums für Molekulare Biologie Heidelberg (ZMBH) und der Universität Regensburg jetzt zu Leibe rücken. In einem dreijährigen Verbundprojekt, das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) ab Januar 1996 mit insgesamt rund 3,5 Millionen Mark gefördert wird, wollen sie die Effizienz biotechnologischer Prozesse durch den Einsatz sogenannter „Chaperone“ (engl. Anstandsdamen) steigern. Chaperone sind Bestandteile lebender Zellen, die Proteinen zur richtigen Form verhelfen und sie stabilisieren.