Nr. 31/ 14. Dezember 1995

Delbrück’sches Abiturienten-Stipendium zum zweiten Mal vergeben

Christine Demuth und Stefanie Noll sind die beiden diesjährigen Berliner Abiturienten, denen die Auswahlkommission des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH jetzt das Berliner Abiturientenstipendium 1995 verliehen hat. Zum zweiten Mal erhalten damit zwei Studienanfänger aus Berlin eine einmalige Zuwendung von 1 000 DM sowie ein monatliches Büchergeld von 50 DM über die Dauer des gesamten Studiums. Neben der finanziellen Unterstützung werden die Stipendiaten zudem von zwei Wissenschaftlern des MDC betreut, die ihnen unter anderem bei der Vermittlung von Labor- und Auslandsaufenthalten helfen.

Nr. 30/ 14. Dezember 1995

Hochdotierter Lingen-Preis an Prof. Detlev Ganten

Für seine "herausragenden wissenschaftlichen Ergebnisse auf dem Gebiet der Bluthochdruckforschung" hat Prof. Dr. Detlev Ganten, Direktor des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH, am Donnerstag, den 14. Dezember, den Preis der Helmut und Ruth-Lingen Stiftung (Köln) erhalten. Zugleich wurde Prof. Dr. Rainer de Vivie, Chefarzt der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universität Köln diese Auszeichnung "für die Entwicklung richtungweisender Methoden bei herzchirurgischen Eingriffen" überreicht. Die beiden Preise sind mit jeweils 100 000 Mark dotiert.

Nr. 29/ 29. November 1995

Britischer Neurobiologe Gary Lewin an das MDC berufen

Der britische Neurobiologe Dr. Gary Lewin ist für fünf Jahre an das MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH berufen worden. Dr. Lewin befaßt sich vor allem mit Fragen der Entwicklung von Nervenzellen (Neuronen) und ihrer Regenerationsfähigkeit nach Verletzungen.

Nr. 28/ 3. November 1995

Ehrendoktor für Bluthochdruckforscher Prof. Detlev Ganten

Der Leiter des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH, Prof. Dr. Detlev Ganten, erhielt am Montag, 30. Oktober 1995, in Rumänien die Ehrendoktorwürde der Universität Iasi. Damit würdigte der Senat der ältesten Universität Rumäniens Gantens Einsatz für die Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der BRD und dem ehemaligen Ostblockstaat. In seiner Funktion als Präsident der Welt-Bluthochdruck-Liga (World Hypertension League) unterhält Prof. Ganten seit über 15 Jahren gemeinsame Projekte und einen wechselseitigen Wissenschaftleraustausch mit rumänischen Forschergruppen.

Nr. 27/ 27. Oktober 1995

Internationale Studentenkonferenz an der Charité

Wettbewerb von Nachwuchswissenschaftlern im Fach Medizin - erster Preis für Andreas Laubersheimer (MDC)

Mit einer offiziellen Preisverleihung endete am vergangenen Samstag die 6. Europäische Studentenkonferenz der Charité für Medizinstudenten und junge Ärzte. Rund 240 Nachwuchswissenschaftler zahlreicher Nationalitäten hatten auf der dreitägigen Konferenz die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeiten in Form von Kurzvorträgen oder Posterpräsentationen vorgestellt. Den mit 3 000 DM dotierten ersten "Zondek-Preis 1995" und damit die Auszeichnung als bester Referent des Symposiums erhielt Andreas Laubersheimer. Der Medizinstudent und Doktorand am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH (Forschungsgruppe Medizinische Onkologie und Tumorimmunologie) untersuchte im Rahmen seiner Promotionsarbeit, welche Gene an der Auslösung des genetisch programmierten Zelltods (Apoptose) in aktivierten Immunzellen beteiligt sind. Der zweite Zondek-Preis im Wert von DM

1 500 wurde Veronika Szánya aus Pecz, Ungarn, zuerkannt.

Nr. 26/ 11. Oktober 1995

Bucher Wissenschaftler entwickeln Bluttest zur Frühdiagnose von Herzinfarkt

Auf der MEDICA in Düsseldorf wird er erstmals vorgestellt

Biochemiker des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH haben einen hochempfindlichen Bluttest für die Diagnose des akuten Herzinfarkts entwickelt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Tests spricht er bereits zwei Stunden nach dem Auftreten der ersten Infarktsymptome, wie stechender und beengender Brustschmerz, Schwächegefühl und Atemnot, an. Diese Symptome entstehen durch Durchblutungsstörungen (Ischämie) in den Herzkranzgefäßen und führen zu krankhaften Veränderungen im Herzmuskelgewebe. Herkömmliche Tests reagieren frühestens nach vier Stunden. Über das von ihnen entwickelte Nachweisverfahren berichteten die Wissenschaftler Dr. Georg Rabitzsch, Prof. Ernst-Georg Krause (Forschungsgruppenleiter Kardiologie im MDC) und Prof. Franz Noll kürzlich in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift Clinical Chemistry (Vol. 41, S. 966-978, 1995). Der Test, der in der Notfallmedizin eingesetzt werden soll, wird von der Firma Laboserv (Gießen) auf der Medizinmesse MEDICA im November 1995 in Düsseldorf vorgestellt.

Nr. 25/ 5. Oktober 1995

Großes Bundesverdienstkreuz für Arnold Graffi

Der Berliner Krebsforscher Prof. Dr. Arnold Graffi hat am Donnerstag, 5. Oktober 1995, das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Bundespräsident Roman Herzog zeichnete den 85jährigen Wissenschaftler im Berliner Schloß Bellevue im Rahmen einer Festveranstaltung anläßlich des Tages der deutschen Wiedervereinigung aus. Das Bundespräsidialamt bezeichnete Graffi als international führenden Krebsforscher, der das Institut für Experimentelle Krebsforschung in Berlin-Buch (heute MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH) mit seinen Arbeiten zu international anerkannten Erfolgen geführt habe.

Nr. 24/ 4. Oktober 1995

Schülerforum im MAX-DELBRÜCK-CENTRUM

Wissenschaftler berichten über ihre Forschung

Neueste Erkenntnisse über Entstehung und Behandlungsmöglichkeiten von Krebs sowie über die molekularen Ursachen und Folgen von Herz-Kreislauferkrankungen stehen im Mittelpunkt eines Schülerinformationstages, zu dem das MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH am Mittwoch, den 15. November 1995, die 12ten und 13ten Jahrgangsstufen der Berliner Gymnasien einlädt. Leitende Wissenschaftler aus Grundlagen- und klinischer Forschung werden in Kurzvorträgen über ihre Arbeit berichten. In daran anschließenden Diskussionen und bei Laborbesuchen am Nachmittag erhalten die Schüler Gelegenheit, sich mit Fragen an Forscher zu wenden - von den Ursachen der Krebsentstehung über Möglichkeiten der Gentherapie bis hin zur Praxis gentechnischer Arbeitsmethoden.

Nr. 23/ 29. September 1995

Herzkrankheiten genetisch zerlegt

Ein vielschichtiges Krankheitsbild wird aufgeschlüsselt

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen Genforscher vor besondere Probleme. Denn meist sind an der Entstehung von Herzleiden, wie Herzrhythmusstörungen oder Herzmuskelverdickung, mehrere Faktoren gemeinsam beteiligt. Ihre einzelnen Funktionen und ihre jeweilige Struktur sind dabei schwer zu bestimmen. Durch die molekulare Analyse von Herzkrankheiten, die auf Einzelgendefekte zurückgehen, sind Herzforscher wie Dr. Ludwig Thierfelder, Arbeitsgruppenleiter am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH, jedoch auf Proteine von Herzmuskelzellen gestoßen, die vermutlich auch an der Entstehung erworbener Herzstörungen beteiligt sind. Das berichtete der Berliner Wissenschaftler auf einem Symposium des Verbunds Klinisch Biomedizinische Forschung (KBF) über "Komplexe genetische Erkrankungen".

Nr. 22/ 29. September 1995

Gene, die ins Gewicht fallen

Übergewicht - eine Frage mißlungener Zell-Kommunikation

Die Frage ist ebenso alt wie aktuell: Warum können manche Menschen ohne Reue schlemmen, während andere die kleinste "Sünde" in Speck umsetzen? Einen Teil der Antwort darauf lieferte Prof. Jeffrey Friedman von der Rockefeller University, New York, jüngst mit der Identifizierung des obesity-Gens (obese bedeutet auf Englisch fettsüchtig). Mäuse, bei denen dieses Gen defekt ist, können das Protein Leptin nicht bilden und setzen bei gleicher Nahrungsmenge mehr Fett an als gesunde. Wie Friedman zeigen konnte, bewirkt eine Verabreichung von Leptin bei diesen Tieren einen massiven, gezielten Abbau von Fettgewebe. Im Rahmen eines Symposiums des Verbunds Klinisch-Biomedizinische Forschung (KBF) am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH stellte Friedman am Donnerstag, den 28. September, jedoch fest, daß "eine erbliche Neigung zu Übergewicht beim Menschen wahrscheinlich durch mehrere verschiedene Gene gemeinsam verursacht wird".

Nr. 21/ 29. September 1995

Gefährliche Eindringlinge

Viren können Krebserkrankungen verursachen

Seit rund 30 Jahren ist bekannt, daß Viren Krebs auslösen können. So sind bei der zweithäufigsten Krebserkrankung der Frau nach dem Brustkrebs, beim Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), bestimmte Warzenviren (Papillomviren) beteiligt. Leberkrebs geht zum Teil auf Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus zurück, bestimmte Formen von Blutkrebs auf das sogenannte HTL-Virus, Formen von Lymphdrüsenkrebs bei Kindern oder Nasen-Rachenkrebs auf Infektionen mit dem Epstein-Barr Virus. "Jedoch ist keine einzige dieser Virusinfektionen allein ausreichend, um eine Krebserkrankung zu verursachen", betonte der Virologe Prof. Harald zur Hausen (Heidelberg) bei einem internationalen Kongreß des Verbunds Klinisch Biomedizinische Forschung (KBF) am Freitag, den 29. September, im MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH. "Offenbar sind zusätzliche genetische Veränderungen (Mutationen) im Erbmaterial (DNA) der Wirtszelle nötig, um Krebs auszulösen", sagte der Virusspezialist und Direktor des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) auf der Tagung.

Nr. 20/ 29. September 1995

Ohne Halt - Wenn Krebszellen wandern

Zellen verfügen normalerweise über eine Art Kitt, der sie fest in ihrem Zellverband hält und ein Ausscheren verhindert. Krebszellen besitzen jedoch die Fähigkeit, sich aus ihrem zellulären Gefüge zu lösen, in benachbartes Gewebe einzuwandern und Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden. Ihnen ist offenbar der "molekulare Kitt" abhandengekommen. Molekular- und Zellbiologen haben in den vergangenen Jahren Molekülstrukturen entdeckt, die die Bindung von Zellen untereinander aufrechterhalten (Adhäsionsmoleküle), sowie andere Moleküle, die das Vagabundieren von Krebszellen im Organismus ermöglichen. Neuere Forschungen legen nahe, daß bei der Zelladhäsion auch sogenannte Tumorsuppressorgene - sie verhindern die Umwandlung einer gesunden Zelle in eine Krebszelle - eine Rolle spielen. An der Auflösung von Zellverbindungen hingegen sind Onkogene beteiligt, die die Krebsentstehung fördern. Das berichtete der Zellbiologe Prof. Walter Birchmeier, Forschungsgruppenleiter im MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH auf einem Symposium des Verbunds Klinisch Biomedizinische Forschung (KBF) am Freitag, den 29. September 1995, in Berlin-Buch.

Nr. 19/ 28. September 1995

CEPH und Généthon - Genomforschung in Frankreich

Bis heute existiert in Frankreich kein übergeordnetes, nationales Projekt zur Entschlüsselung des menschlichen Erbguts (Genom). Stattdessen starteten der Medizin-Nobelpreisträger Jean Dausset und sein Schüler Daniel Cohen 1982 mit der Gründung des Centre d'Étude du Polymorphisme Humaine (CEPH) in Paris ein eigenes, privat finanziertes Projekt: Sie legten eine Sammlung des Erbmaterials (DNA) mehrerer großer Familien an, die Genforschern in aller Welt kostenlos für die Erforschung menschlicher Gene (Erbfaktoren) zur Verfügung steht. 1991 gründete Cohen mit der Französischen Muskel-Dystrophie-Stiftung (AFM) das Genomforschungsinstitut Généthon. Roboter und Computer beschleunigen dabei die Erforschung des menschlichen Erbguts. Innerhalb weniger Jahre erstellten Forscher beider Institute Karten des menschlichen Genoms, die zu einer wichtigen Grundlage für die Gensuche geworden sind.

Nr. 18/ 28. September 1995

Viele Wege führen zum Genom

Jean Weissenbach: Die Erforschung menschlicher Krankheitsgene würde von einer Koordinierung der einzelnen Projekte profitieren

Die Entwicklung neuer molekularbiologischer Werkzeuge war und ist die Voraussetzung für die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts. Das zeigt die Arbeit von Dr. Jean Weissenbach, dem wissenschaftlichen Direktor des nahe bei Paris gelegenen, privaten Forschungsinstituts Généthon. Seit Beginn seiner Tätigkeit bei Généthon im Jahr 1991 hat der französische Molekularbiologe eine Kollektion von 5 300 DNA-Stücken (Mikrosatelliten-Markern) entwickelt, aus der die erste umfangreiche, genetische Karte des menschlichen Genoms erstellt werden konnte. "Gute Genomkarten beschleunigen die Suche nach Krankheitsgenen um ein Vielfaches", betonte Dr. Weissenbach bei einem Symposium des Verbunds Klinisch-Biomedizinische Forschung (KBF) am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH am Donnerstag, den 28. September 1995.

Nr. 17/ 28. September 1995

Gen-Puzzle

Genomforschung und genetisch komplexe Erkrankungen

Die Erforschung des menschlichen Genoms kann wichtige Erkenntnisse für die Suche nach den genetischen Ursachen von Volkskrankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen liefern. Des weiteren eröffnet sie möglicherweise neue Wege zur Entwicklung verbesserter Diagnosemethoden sowie wirksamerer Therapien. Diese Ansicht vertraten Wissenschaftler auf dem dritten Symposium des Verbunds Klinisch Biomedizinischer Forschung (KBF) MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) in Berlin-Buch. In einer Pressekonferenz (Donnerstag 28. September) sprachen sie zugleich die Hoffnung aus, daß die im Sommer von Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers gestartete Inititiative eines Genomforschungsprogramms dieser in Deutschland lange vernachlässigten Forschung neue Impulse geben werde.

Nr. 16/ 31.08.1995

C4-Professur an der FU für Dr. Udo Heinemann

Dr. Udo Heinemann vom MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH hat einen Ruf auf die C4-Professur für Proteinkristallographie im Fachbereich Chemie an der Freien Universität (FU Berlin) angenommen. Die Professur für Dr. Heinemann ist eine gemeinsame Berufung zwischen dem MDC, an dem er seit Ende 1993 als Forschungsgruppenleiter im Forschungsschwerpunkt Zellbiologie tätig ist, und der FU Berlin.

Nr. 15/ 31. August 1995

Selbstgespräche mit fataler Folge

Berliner Wissenschaftler weisen Gen für Zellwanderung nach - neue Erkenntnisse über Metastasenbildung

Die Metastasierung von Krebszellen stellt einen entscheidenden Schritt für den Verlauf einer Tumorerkrankung dar: Sobald Krebszellen aus der ursprünglichen Geschwulst auswandern, um sich als "Keime" neuer Tumoren in anderen Regionen des Körpers anzusiedeln, sinken die Heilungschancen drastisch. Seit wenigen Jahren erst beginnen Wissenschaftler zu verstehen, welche Moleküle zu dem fatalen Szenario beitragen. Jetzt konnte Dr. Friedhelm Bladt aus der Forschergruppe von Dr. Carmen Birchmeier-Kohler am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKU-LARE MEDIZIN IN BERLIN-BUCH (MDC) erstmals ein Gen identifizieren, das in einer bestimmten Phase der Embryonalentwicklung die Wanderung einzelner Muskelzellen auslöst, berichten die Forscher in dem britischen Wissenschaftsjournal NATURE (Vol. 376, No. 6543, S. 768-772 und S. 723). Dasselbe Gen steht seit längerem in Verdacht, für die Metastasierung von Krebszellen verantwortlich zu sein.

Nr. 14/ 29. August 1995

Hirntumoren auf der Spur - Gliazellen haben Schlüsselrolle

Berliner Sonderforschungsbereich Neurobiologie - Kooperation zwischen Charité, Freier Universität und MAX-DELBRÜCK-CENTRUM

Die häufigsten bösartigen Tumore des menschlichen Zentralnervensystems sind Glioblastome. Die Prognose bei dieser Erkrankung ist äußerst schlecht, die meisten Patienten sterben innerhalb des ersten Jahres nach Entdeckung des Tumors. Glioblastome sind nach den Zellen benannt, aus denen sie entstehen: den Gliazellen. Die Rolle der Gliazellen bei der Entstehung von Hirntumoren untersuchen Dr. Helmut Kettenmann vom MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH und Dr. Stephan Patt vom Neuropathologischen Institut der Freien Universität (FU) Berlin in einem gemeinsamen Projekt im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs. Diesen Sonderforschungsbereich über die "Bedeutung nicht-neuronaler Zellen bei neurologischen Erkrankungen" hat jetzt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Charité der Humboldt- Universität zu Berlin eingerichtet. Dr. Kettenmann, Leiter der Forschungsgruppe "Zelluläre Neurowissenschaften" am MDC, ist Mitbegründer dieser interdisziplinären neurowissenschaftlichen Initiative. An ihr sind neben der Humboldt-Universität auch das MDC und die FU beteiligt. Dr. Kettenmann befaßt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung der Funktion von Gliazellen im gesunden und erkrankten Gehirn. Der Neurobiologe und seine Mitarbeiter wollen mit ihren Untersuchungen einen Beitrag zur Entwicklung wirksamerer Behandlungsmethoden für Hirntumoren leisten.

Nr. 13/ 25. August 1995

MAX-DELBRÜCK-CENTRUM vergibt Lizenz für Anti-Virus-Wirkstoff

Einen Lizenzvertrag zur Herstellung eines Medikamentes gegen Gürtelrose (Herpes zoster) haben jetzt das MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN IN BERLIN-BUCH (MDC) und die Berlin-Chemie AG unterzeichnet. Der Wirkstoff mit dem Namen Brivudin wurde bereits in den 70er Jahren von den Berliner Wissenschaftlern Dr. Dieter Bärwolff am damaligen Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Buch (heute: MDC/Arbeitsgruppe RNA-Chemie) und Dr. Jürgen Reefschläger (damals Charité) entwickelt und 1979 zum Patent angemeldet.

Nr. 11/ 25. Juli 1995

Spurensuche - Neuartige Biosysteme zum Nachweis und Abbau von Schadstoffen

Millionenförderung der DFG für Innovationskolleg unter Leitung von Prof. Scheller

Sie reichern sich in Ackerböden an und belasten das Grundwasser. Sie werden nicht abgebaut und können als Rückstände in Nahrungsmitteln auftreten. Die Rede ist von chemischen Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln (Pestiziden), die in der Landwirtschaft in großem Stil eingesetzt werden. Mit der Entwicklung neuartiger biologischer Erkennungssysteme, die die Schadstoffe im Boden binden und abbauen, will ein Team unter Leitung von Prof. Dr. Frieder Scheller (Universität Potsdam), dessen Labore am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH angesiedelt sind, diesem Problem zu Leibe rücken. Dafür hat er jetzt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn im Rahmen eines sogenannten Innovationskollegs für die kommenden drei Jahre rund vier Millionen Mark erhalten. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Berliner Humboldt-Universität und der Freien Universität (FU) Berlin sowie des MDC, sollen Erkenntnisse aus der Immunologie, der Enzym- und der Genforschung für die Entwicklung dieser Systeme eingesetzt werden. In dem Innovationskolleg "Biomolekulare Erkennungssysteme für die biochemische Analytik" werden mit Hilfe molekularer Mechanismen weitere biochemische Erkennungssysteme entwickelt, die unter anderem in der medizinischen Diagnostik und bei der Lebensmittelüberwachung zur Anwendung kommen sollen.

Nr. 9/ 30. Juni 1995

SmithKline Beecham-Preis 1995 an Bucher Forscher

Für seine Forschungsarbeiten über die genetischen Grundlagen eines erblichen Herzleidens ist Dr. Ludwig Thierfelder vom MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH der Preis für medizinische Grundlagenforschung der SmithKline Beecham Stiftung (Göttingen) zuerkannt worden. Der gleichzeitig vergebene Stiftungspreis für klinische Forschung geht in diesem Jahr an Prof. Ulrich Walter von der Medizinischen Universitätsklinik Würzburg für Arbeiten über die Signalübermittlung von Zellen des Herz-Kreislaufsystems. Die mit jeweils 20 000 Mark dotierten Preise werden den beiden Wissenschaftlern am 6. Juli in Göttingen überreicht.

Nr. 8/ 15. Juni 1995

Krebsforscher Arnold Graffi 85

Der Mediziner und Krebsforscher Prof. Dr. Arnold Graffi wurde am 19. Juni in Berlin 85 Jahre alt. Der 1910 in Bistritz (Rumänien) geborene Wissenschaftler hat maßgeblich zum Verständnis der Krebsentstehung beigetragen. So entdeckte Graffi zahlreiche krebserregende Viren, von denen einige nach ihm benannt sind. Vor allem klärte er Mechanismen der Auslösung von Krebs durch Viren auf. Außerdem lieferte er wichtige Beiträge zur Analyse der karzinogenen Wirkung chemischer Stoffe, wie beispielsweise polyzyklischer Kohlenwasserstoffe und Nitrosamine. Diese Arbeiten lieferten eine wesentliche Grundlage zur Mehrstadientheorie der Tumorbildung durch chemische Substanzen.

Nr. 7/ 22. April 1995

Verma: Gentherapie noch lange keine etablierte Methode in der Klinik Größte Hürde - Entwicklung geeigneter Gen-Taxis

3. Internationales Gentherapiesymposium in Berlin-Buch

Vor überzogenen Erwartungen über die Möglichkeiten der Gentherapie bei schweren, bislang kaum oder nur unzureichend zu behandelnden Erkrankungen hat der amerikanische Wissenschaftler Dr. Inder Verma vom Salk Institut im kalifornischen San Diego gewarnt. Auf dem 3. Internationalen Gentherapie-Symposium im MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH betonte Dr. Verma am Freitag (21. April 1995) in seinem Eröffnungsvortrag, "die Gentherapie wird noch lange Zeit keine etablierte Behandlungsmethode für schwere Krankheiten in der Klinik sein." Grundlagenforscher und Kliniker unternehmen gemeinsam jedoch große Anstrengungen, so Verma weiter, um die Erkenntnisse aus den Labors so rasch wie möglich den Patienten am Krankenbett zugute kommen zu lassen. Weltweit gibt es seit Beginn der Gentherapie 1990 in den USA über 100 klinische Studien, die meisten davon gegen Krebs.

Nr. 6/ 12. April 1995

Schwerkranker Herzpatient mit Kunstherz ohne Transplantation wieder gesund

Weltweit zum ersten Mal ist es Klinikern im Deutschen Herzzentrum Berlin in Zusammenarbeit mit Herzforschern des MAX-DELBRÜCK-CENTRUMS FÜR MOLEKULARE MEDZIN (MDC) BERLIN-BUCH gelungen, einen schwerkranken Herzpatienten, der für eine Herztransplantation vorgesehen war, allein durch den Einsatz eines Kunstherzens zu heilen. Der 38 Jahre alte Mann, der an Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) litt, lebt seit fünf Wochen wieder mit seinem eigenen Herzen.

Nr. 5/ 3. April 1995

Neue Methode zur Analyse genetischer Variationen am Menschen auf der Hannover Messe

Von der Entschlüsselung des menschlichen Genoms (Gesamtheit aller Gene) wird ein bedeutender Beitrag zum Verständnis der Struktur, Funktion und Regulation der Erbanlagen des Menschen erwartet. Doch selbst wenn irgendwann jeder der drei Milliarden einzelnen Bausteine, aus denen die Gene bestehen, identifiziert sein wird, bleibt die Frage, wie all diese Buchstaben letztendlich einen zusammenhängenden Text ergeben und welche Bedeutung einzelnen Genen für die Aufrechterhaltung des intakten Zusammenspiels komplexer biologischer Funktionen des Organismus zukommt. Diese Charakterisierung kann anhand einer umfassenden Analyse der genetischen Variationen und deren funktionellen Auswirkungen innerhalb der Bevölkerung erfolgen. Solche Forschungsarbeiten zur Untersuchung von DNA-Sequenz-Variationen werden am MAX-DELBRÜCK-CENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN (MDC) BERLIN-BUCH in der Arbeitsgruppe 'Genomforschung' von Dr. Margret Hoehe im Forschungsbereich 'Medizinische Genetik' durchgeführt.

Nr. 4/ 1. April 1995

Bucher FU-Kliniken jetzt an Humboldt-Universität angegliedert

Mit dem 1. April wird das Universitätsklinikum Rudolf Virchow (UKRV), das bisher zur Freien Universität (FU) Berlin gehörte, der Humboldt-Universität zugeordnet. Das ist das Ergebnis des im Januar 1995 verabschiedeten Berliner Neuordnungsgesetzes für die Hochschulmedizin. Von diesem Gesetz sind auch die beiden UKRV-Kliniken in Berlin-Buch, die Robert-Rössle-Krebs-Klinik und die Franz-Volhard-Klinik für Herz-Kreislaufkrankheiten betroffen. Sie werden ebenfalls ab 1. April zur Humboldt-Universität gehören. Die UKRV-Kliniken werden umbenannt in Virchow-Klinikum, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.

Nr. 3/ 24. März 1995

C3-Professuren für Bucher Kliniker

Peter Hohenberger und Martin Paul sind zu C3-Professoren an der Freien Universität Berlin ernannt worden.

Nr. 2/ 9. März 1995

Akademievizepräsident befürchtet Exodus von Wissenschaftlern

Mehr gemeinsame Forschungsprojekte zwischen Ost und West

Der Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Prof. Platon Kostyuk, befürchtet angesichts des Zusammenbruchs der Wirtschaft, einen Exodus von Wissenschaftlern aus seinem Land. "Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Ukraine leben an der Grenze zur Armut", sagte Kostyuk in einem Gespräch im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) am Donnerstag (9. März) in Berlin-Buch. Kostyuk, der zugleich Direktor des international renommierten Bogomoletz Instituts für Physiologie in der ukrainischen Hauptstadt Kiev ist, war zu einem wissenschaftlichen Symposium über Mechanismen der Kalzium-Regulation von Zellen nach Berlin-Buch gekommen, das gemeinsam von ihm und Dr. Helmut Kettenmann (MDC) im Vorfeld eines geplanten mehrjährigen Kooperationsprojekts veranstaltet worden war.

Nr. 1/ 15. Februar 1995

Leopoldina-Förderpreis an Dr. Andreas Busjahn

Für seine Arbeiten über die Regulation des Blutdrucks hat der klinische Psychologe Dr. Andreas Busjahn den Leopoldina-Förderpreis erhalten. Die Auszeichnung ermöglicht es Dr. Busjahn, seine Arbeiten, die er bisher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), Berlin-Buch ausgeführt hat, in den USA fortzusetzen. Er wird für sechs Monate bei Prof. Joe C. Christian und Prof. Richard J. Rose (beide Universität von Indiana) in Indianapolis arbeiten.