Nr. 45 / 10. November 2016

MDC-Forscher Klaus Rajewsky feiert 80. Geburtstag

Er ist einer der weltweit einflussreichsten Wissenschaftler auf den Gebieten der Genetik und Immunologie: Klaus Rajewsky, Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), begeht am 12. November 2016 seinen 80. Geburtstag.

Klaus Rajewsky, dessen Vater ein bekannter Biophysiker und Strahlenforscher war, wollte nicht unbedingt Wissenschaftler werden und studierte Medizin. Am Pariser Institut Pasteur erlebte er dann eine so mitreißende Aufbruchsstimmung in der noch jungen molekularbiologischen Forschung, dass er dennoch den Weg in die Wissenschaft nahm. Auf den Fachgebieten der Immunologie, Genetik und Blutkrebsforschung erbrachte er herausragende Leistungen, für die er international bekannt ist. Seit 2011 arbeitet der Spitzenforscher am MDC in Berlin.

Grundlegende Entwicklungen in Genetik und Immunologie

Klaus Rajewsky und seine Kollegen entwickelten in den 1990er Jahren die Methode der konditionalen Mutagenese, die es ermöglicht, in Mäusen gezielt Gene in bestimmten Geweben zu jedem gewünschten Zeitpunkt ein- oder auszuschalten. Diese Technik zählt heute zu den wichtigsten Methoden, um der Funktion von Genen und deren Rolle bei der Entstehung von Krankheiten auf die Spur zu kommen, und wird in den Laboren der biomedizinischen Forschung weltweit eingesetzt. Klaus Rajewsky gelang es zudem, B-Zellen als Ursprungszellen des bösartigen Hodgkin-Lymphoms (Lymphdrüsenkrebs) zu identifizieren. An dieser Erkrankung forscht er auch gegenwärtig am MDC: 2011 kam der Spitzenwissenschaftler von der Harvard University, USA zurück nach Deutschland, um die MDC-Forschungsgruppe „Immune Regulation and Cancer“ aufzubauen. Zuletzt konnte Rajewskys Gruppe neue Erkenntnisse zur Differenzierung und krankhaften Entartung von B-Lymphozyten beitragen, einer Unterart der weißen Blutkörperchen.

Die wichtigsten Stationen

Klaus Rajewsky wurde am 12. November 1936 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte zunächst Medizin und dann Chemie in Frankfurt und München. Im Anschluss an seine Zeit als Postdoktorand in Paris war Klaus Rajewsky ab 1964 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Genetik der Universität Köln tätig, zwei Jahre später wurde er Leiter der neu gegründeten Abteilung für Immunologie an diesem Institut. 1970 übernahm er den neu eingerichteten Lehrstuhl für Molekulargenetik und etablierte sein Labor als einen internationalen Hotspot der Immunologie- und Genetik-Forschung. Als Senior Fellow der European Molecular Biology Organization (EMBO) arbeitete Rajewsky Anfang 1969 in London mit Avrion Mitchison und erhielt kurz danach eine Professur für Molekulargenetik an der Universität Köln. Von 1996 bis 2001 war er Programmkoordinator des Mausbiologieprogramms des Europäischen Molekularbiologie Laboratoriums in Monterotondo bei Rom. Nach fast 40 Jahren Forschung in Köln wurde Klaus Rajewsky 2001 im Alter von 65 Jahren emeritiert. Statt in den Ruhestand ging er für zehn Jahre an die Harvard Medical School nach Boston in den USA, seit 2011 forscht er am MDC. Für seine Arbeiten wurde Klaus Rajewsky mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem 2009 mit der Max-Delbrück-Medaille, 1997 mit dem Körber-Preis für Europäische Wissenschaft sowie 1996 mit dem Max-Planck-Forschungspreis und dem Robert-Koch-Preis. Seit 1995 gehört Klaus Rajewsky der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina an, er ist auswärtiges Mitglied der US National Academy of Sciences (seit 1994), der American Academy of Arts and Sciences (seit 2001) und der Russischen Akademie der Wissenschaften (seit 2003).

Das MDC würdigte Klaus Rajewskys 80. Geburtstag mit einem Symposium über die „Mechanismen der molekularen und zellulären Immunität (1964-2016)“, das am 4. November 2016 stattfand. Ein Interview, in dem Klaus Rajewsky unter anderem aus seiner Kölner Zeit berichtet, finden Sie hier.

 

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