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Deutsche Krebshilfe bewilligt Robert-Rössle-Klinik 6 Millionen Mark

Ungewöhnlich hohe Fördersumme

Sechs Millionen Mark hat die Deutsche Krebshilfe in Bonn der Robert-Rössle-Klinik des Universitätsklinikums Rudolf-Virchow am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch bewilligt. Mit dieser "ungewöhnlich hohen Fördersumme", so der Präsident der Deutschen Krebshilfe, Dr. Helmut Geiger, am Dienstag (30. August) vor Journalisten in der Rössle-Klinik in Berlin-Buch, sollen vor allem die Infrastruktur der früheren DDR-Klinik verbessert und "Notsituationen behoben" werden. Zugleich sollen mit den Geldern "dringend notwendige" Geräte angeschafft werden, um die Versorgung von Tumorpatienten weiter zu verbessern, betonten die Ärzte der Klinik Prof. Bernd Dörken (Leiter der Abteilung Medizinische Onkologie und Tumorimmunologie), Prof. Friedhelm Herrmann (Leiter der Abteilung Medizinische Onkologie und Angewandte Molekularbiologie) und Prof. Peter Schlag (Leiter der Abteilung für Chirurgie und Chirugische Onkologie).

Sowohl mit den baulichen Maßnahmen, die die Sanierung der beiden Stationen für Innere Medizin sowie der chirurgischen Intensivstation der Rössle-Klinik vorsehen, als auch mit der Anschaffung moderner Geräte, können die Voraussetzungen für die Umsetzung innovativer Behandlungsmethoden in der Klinik geschaffen werden, betonten die leitenden Ärzte. Dazu gehören unter anderem die Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation nach Hochdosis-Chemotherapie, neue Gen- und Immuntherapiemethoden, die Erkennung und Klassifizierung von Leukämiezellen, sowie die Umsetzung neuer Operationsverfahren und -techniken, mit dem Ziel, Heilungsraten und Lebensqualität von Krebspatienten zu verbessern.

Dringend erforderlich sind, so betonten Prof. Dörken und Prof. Herrmann, Labors für die Aufbereitung von Knochenmark- und Blutstammzellen, um Hochdosis-Chemotherapie bei Krebspatienten in der Rössle-Klinik einsetzen zu können. In einem ersten Schritt wollen die Kliniker deshalb mit den Geldern der Krebshilfe Geräte zur Zellaufbereitung für die Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation anschaffen. Stammzellen sind Vorläuferzellen der Blutzellen, die im Knochenmark gebildet werden.

Der Chemotherapie sind aufgrund schwerer Nebenwirkungen auf das Knochenmark Grenzen gesetzt. Die Übertragung von Stammzellen ermöglicht es jedoch, die Chemotherapie in höheren Dosen (Hochdosis-Chemotherapie) zu verabreichen und damit den Tumor wirksamer zu bekämpfen. Hierzu werden einem Patienten vor der chemotherapeutischen Behandlung blutbildende Stammzellen entnommen und bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff tiefgefroren. Nach der Hochdosis-Chemotherapie werden die Stammzellen aufgetaut. Anschließend erhält der Patient eine Transfusion mit seinen eigenen, gereinigten Stammzellen. Nach rund 14 Tagen ist das Knochenmark wieder aufgebaut. Hochdosis-Chemotherapie soll unter anderem bei malignen Lymphomen, akuten Leukämien, Brustkrebs, Knochen- und Weichteil sarkomen sowie bei Eierstockkrebs und Hodenkrebs eingesetzt werden. Spezielle Verfahren, mit denen die Stammzellen von eventuellen Tumorzellen gereinigt (Purging-Methoden) werden, entwickelt die Arbeitsgruppe von Prof. Dörken.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Herrmann will mit den Geldern der Krebshilfe ein hochmodernes fluoreszenzaktiviertes Zellsortiergerät für die Klinik kaufen. Die genaue Analyse von Zellen (Zytometrie) bei Patienten mit akuter Leukämie oder bösartigen Lymphomen hat in den vergangenen Jahren entscheidend dazu beigetragen, Subtypen dieser Erkrankungen zu erkennen, einzuordnen und danach die Therapie auszurichten. Mit dem neuen Gerät sollen die Methoden gemeinsam mit der deutschen Arbeitsgemeinschaft "Zytometrie und bildgebende Verfahren" (Regensburg) standardisiert werden. Weitet sollen mit dem neuen Gerät Leukämiezellen auf genetische Veränderungen untersucht und charakterisiert werden. Auch diese Untersuchungen sind für die Diagnose und die Einschätzung des Verlaufs der Erkrankung wichtig. Zudem erlauben solche Analysen, restliche Tumorzellen im Organismus von Patienten nachzuweisen.

Prof. Schlag wird mit den Geldern der Krebshilfe für die von ihm geleitete chirurgische Abteilung ein modernes Operationsmikroskop mit 3-dimensionaler Bildauflösung kaufen. Ziel ist, die Lebensqualität von Patienten nach eingreifenden Tumoroperationen (Brust-, Magen-Darm und Weichgewebstumoren) mit Hilfe von Gewebeübertragungen zu verbessern. Solche komplizierten Eingriffe können nur mit Hilfe eines Operationsmikroskops vorgenommen werden. Prof. Schlag erwartet sich von dem Einsatz des Mikroskops auch, daß während der Operation besser beurteilt werden kann, wie weit sich ein Tumor im Organismus ausgebreitet hat. Das bedeutet, daß präziser operiert und damit einem Tumorrückfall noch besser vorgebeugt werden kann, betonte er. Weiter ist vorgesehen, eine Zusatzeinrichtung für ein Bestrahlungsgerät anzuschaffen. Damit soll erreicht werden, daß die Strahlentherapie gezielter und effektiver wird. Gleichzeitig könnten die Auswirkungen auf gesundes Gewebe verringert werden. Diese sogenannte After-Loading-Eiririchtung soll zusammen mit der Strahlenabteilung der Klinik bei Patientinnen und Patienten eingesetzt werden, die an Brustkrebs, Mastdarm-und Weichteiltumoren leiden.

Die 200-Betten-Klinik war vor der Wende Teil des Zentralinstituts für Krebsforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR. Seit 1992 gehört sie zum Rudolf-Virchow-Universitätsklinikum der Freien Universität (FU) Berlin. Sie arbeitet eng mit dem MDC zusammen, einer im Januar 1992 gegründeten Großforschungseinrichtung im Ostteil Berlins. Beide Einrichtungen haben Grundlagenforschung und klinische Forschung eng miteinander verzahnt, was unter anderem in gemeinsamen Arbeitsgruppen zum Ausdruck kommt. Ziel dieser engen Zusammenarbeit ist es, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus den molekularbiologischen Forschungslabors rasch in die Klinik zum Wohle der Patienten umzusetzen. Auch können Fragestellungen, die sich bei der Behandlung der Patienten am Krankenbett ergeben, unmittelbar an die Grundlagenforscher herangetragen werden.

Die Deutsche Krebshilfe in Bonn wurde vor 20 Jahren von Dr. Mildred Scheel, Röntgenärztin und damalige Frau des Bundespräsidenten, gegründet. Seit ihrem Bestehen hat die Krebshilfe rund 930 Projekte mit insgesamt 700 Millionen Mark aus Spendengeldern gefördert. Darunter befinden sich allein 65 Projekte in Berlin mit einem Fördervolumen von 30 Millionen Mark. Das entspricht rund fünf Prozent der Gesamtfördersumme der Krebshilfe. Zu den ihr seit 1974 geförderten Vorhaben gehören unter anderem der Aufbau einer Datei von Knochenmarkspendern, die Einrichtung von Palliativstationen, die Finanzierung von klinischen Studien sowie die Einrichtung eines Härtefonds für Krebskranke, die durch ihre Krankheit in Not geraten sind.

 

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