Viral Corona particles in an isolate

Viren und wir

SARS-CoV-2 macht vielen Menschen Angst. Sie sind unsicher, wie sie mit dieser Epidemie umgehen sollen. Das ist verständlich, findet unser Autor. Aber die Forscherinnen und Forscher arbeiten weltweit daran, das neue Coronavirus zu verstehen. Sie wollen helfen, seine Ausbreitung einzudämmen.   

Emanuel Wyler arbeitet am MDC in der Arbeitsgruppe von Markus Landthaler.

Viren sind auf unserem Planeten allgegenwärtig. Alles was lebt, egal ob Mensch, Insekt, Muschel, Pflanze oder auch Bakterium, kann von Viren befallen werden. Das bedeutet, dass Viren in die Zellen des sogenannten Wirtsorganismus eintreten – dort vermehren sie sich entweder, indem sie die Zelle dazu bringen, viele neue Viren zu produzieren, oder sie schlafen quasi ein. Das ist beispielsweise bei Herpesviren der Fall, mit denen wir oft schon als Kleinkinder infiziert werden. Sie wohnen für den Rest unseres Leben in uns. Meist bleiben sie unbemerkt, gelegentlich aber verursachen sie unangenehme Ausbrüche, im Fachjargon „Reaktivierungen“, wie Fieberblasen.   

Die unzähligen verschiedenen Virusarten verändern sich dabei ständig. Fledermäuse, von denen es weltweit mehr als Tausend verschiedene Arten gibt, sind dabei eine ideale „Virenküche“. In ihnen verändert sich das Erbgut vieler verschiedener Viren permanent, oder kombiniert sich zu neuen Formen. Gelegentlich, und damit kommen wir zum neuen Coronavirus, entsteht dabei ein Virus, das auch Menschen anstecken kann. Oft über „Zwischenwirte“, wie Dromedare bei MERS vor einigen Jahren oder wie diesmal möglicherweise Schuppentiere, springt solch ein neu entstandenes Virus dann auf den Menschen über. Gelegentlich erlangt das Virus noch dazu die Fähigkeit, gut von Mensch zu Mensch übertragen zu werden (und nicht nur von Tier zu Mensch). Dann kann eine Pandemie, eine weltweite Verbreitung, entstehen. So wie wir sie jetzt gerade erleben. 

Enorme Geschwindigkeit und Kooperationsbereitschaft 

Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme eines Isolats aus dem ersten US-Fall mit SARS-CoV-2. Viruspartikel sind als kugelförmige, blau gefärbte Strukturen zu sehen.

Die aktuelle große Unsicherheit im Umgang mit dieser Epidemie ist verständlich. Es ist ein neues Virus, wissenschaftlich bislang kaum erforscht. Es könnte jederzeit mutieren – auch zu gefährlicheren Formen – und verursacht eine Sterberate, die höher liegt als beispielsweise bei der Grippe. Auch in Europa werden noch sehr viele Menschen daran erkranken, und – auch wenn wir es nicht hoffen! – einige sterben. 

Aber wir nehmen das nicht einfach hin. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen weltweit eine enorme Geschwindigkeit und Kooperationsbereitschaft. Impfstoffentwicklung, Medikamententests, Quarantänemaßnahmen, Übertragungswege – in allen Bereichen wird geforscht, um die Virusepidemie eindämmen zu können. Auf Plattformen wie Twitter tauschen Forscherinnen und Forscher sich permanent aus, führen Diskussionen und machen Daten auf Preprintservern und Datenbanken zugänglich, gerade auch aus dem früher eher abgeschotteten China. 

Viren sind in unserem Leben allgegenwärtig. Aber sie sind nur so gefährlich, wie wir sie gefährlich werden lassen. Mit den richtigen Maßnahmen und dem richtigen Verhalten in der Gesellschaft, sowie dem zunehmenden wissenschaftlichen Verständnis, werden wir daher auch mit dem neuen Coronavirus zurechtkommen.  Und hoffen, dass wir die für das Virus anfälligsten Menschen möglichst gut schützen. 

Der Autor Emanuel Wyler ist Molekularbiologe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin, und forscht gemeinsam mit Wissenschaftler*innen der Charité – Universitätsmedizin Berlin an verschiedenen Coronaviren. Sein Artikel erschien zuerst in dem Schweizer Newsletter der Organisation „Campax“.