„Als Wissenschaftlerin muss man mehr leisten“
Dr. Kathrin Saar will einiges bewegen: „Ich bin sehr motiviert, denn ich weiß, wie wichtig es ist, dass auf Gleichbehandlung geachtet wird“, sagt die neue Gleichstellungsbeauftragte, die am 30. Juni 2025 in dieses Amt gewählt wurde.
Kathrin Saar
Kathrin Saar kam bereits Ende der 1990er Jahre für einige Experimente ihrer Doktorarbeit das erste Mal ans Max Delbrück Center, kehrte nach Zwischenstopps in anderen Institutionen 2003 zurück, zunächst als Forscherin. Einige Jahre später wechselte sie ins Wissenschaftsmanagement, war zuletzt wissenschaftliche Referentin für das Helmholtz Institute for Translational AngioCardioScience (HI-TAC). Kathrin Saar kennt deshalb nicht nur das Zentrum und viele der hier arbeitenden Menschen gut. Auch die Arbeitsbedingungen für Frauen in der Forschung und in der Administration sind ihr vertraut. „Als Wissenschaftlerin ist man oft weniger sichtbar, muss manchmal mehr kämpfen und mehr leisten im Vergleich zu den männlichen Kollegen “, sagt die neue Gleichstellungsbeauftragte.
Warum verlassen Frauen die Wissenschaft?
„Für Frauen wie für Männer sollte es gleichermaßen möglich sein, Karriere zu machen“, sagt sie. Oft bewerben Frauen sich gar nicht erst für wissenschaftliche Auszeichnungen oder Leitungspositionen. In Gesprächen mit Nachwuchswissenschaftlerinnen möchte Kathrin Saar mehr darüber erfahren, warum das so ist und weshalb so viele Frauen nach der Postdoc-Phase der Wissenschaft den Rücken kehren.
Als eine zentrale Aufgabe sieht sie die Mitwirkung bei Berufungen an. Dabei geht es nicht zuletzt darum, die Zielvorgaben des sog. Kaskadenmodells am Zentrum im Blick zu behalten, also bestimmte Frauenquoten bei Einstellungen für Positionen der Entgeltgruppen 13 bis 15 zu erfüllen. „Ich möchte dafür alle Personen sensibilisieren, die an Rekrutierungen beteiligt sind. Unsere frühzeitige Einbeziehung in diese und andere wichtigen Prozesse ist dabei eine wichtige Voraussetzung“, betont Kathrin Saar.
Sie will für ihre Amtszeit auch die Ideen aller Kolleginnen, die bei der Wahl zur Gleichstellungsbeauftragten angetreten waren, berücksichtigen und mit ihnen überlegen, welche Projekte oder Veranstaltungen man gemeinsam planen und durchführen kann. „Diese verschiedenen Perspektiven einzubeziehen ist mir wichtig, weil ich als Frauenvertreterin alle Frauen an unserem Zentrum im Blick haben will, nicht nur die Wissenschaftlerinnen“, sagt Kathrin Saar.
Unterstützt wird sie von ihrer Stellvertreterin Aileen Cunningham, die dieses Amt zum dritten Mal in Folge übernommen hat. „Ich bin froh, dass ich auf sie und ihre Erfahrungen zurückgreifen kann“, sagt Kathrin Saar. Aileen Cunningham engagiert sich in verschiedenen Positionen für Gleichstellung am Max Delbrück Center, war mehr als zehn Jahre im Personalrat tätig, parallel stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte, ist außerdem als stellvertretende Schwerbehinderten-Vertreterin sowie in der Projektgruppe „Care“ aktiv. Die Office Managerin bei HI-TAC hat ein schwerstbehindertes Kind, das sie zu Hause pflegt, war lange alleinerziehend. „Deswegen weiß ich, wie wichtig es ist, Hilfe zu bekommen und sich vernetzen zu können“, sagt Aileen Cunningham.
Vernetzung – intern wie extern
Vernetzung ist auch ein zentrales Anliegen von Kathrin Saar. „Ich will regelmäßige Kontakte zu allen Schaltstellen im Haus pflegen, die eine Bedeutung für Gleichstellungsfragen haben, zum Beispiel unseren Gremien, der Personalabteilung, engen Partnerinstituten wie dem Berlin Institute of Health, und natürlich dem akfifz, dem Arbeitskreis der Helmholtz-Frauenvertreterinnen“, sagt sie.
Sichtbarer wollen die neuen Gleichstellungsbeauftragten auch durch Events werden, bei denen „Themen aufgenommen werden, die alle Frauen betreffen, aber am Arbeitsplatz bislang eher unsichtbar waren“, berichtet Aileen Cunningham. Dass sich Kolleginnen für solche Angebote interessieren, habe die Frauenversammlung gezeigt. Mehr Sicht- und Nahbarkeit schafft unter anderem ein neues Angebot ab Oktober: „Wir möchten jederzeit ansprechbar sein. Dazu gehören informelle Treffen im MDCafé, jeden zweiten Montag im Monat ab 14 Uhr. Wer mag, kann sich einfach zu mir setzen, jeder ist willkommen“, sagt Kathrin Saar. Feste Tage, an denen sie im MDC-BIMSB vor Ort sein wird, soll es ebenfalls bald geben.
Auch die Wissenschaft hat sie im Blick. „Geschlechtergerechte Forschung bringt eine andere wissenschaftliche Herangehensweise ins Spiel. Das Bewusstsein dafür wächst in der breiten Gesellschaft zunehmend“, sagt sie. Zum Beispiel gebe es heute ein größeres Wissen darüber, dass die Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen andere sind als beim Mann, oder Medikamente für Frauen und Männer unterschiedlich wirken. Auch für die Forschungsförderung werde dieser Aspekt relevant. „Dafür brauchen wir alle ein breiteres Bewusstsein – für die unterschiedlichsten Fragestellungen“, sagt sie. „Schließlich ist eine personalisierte Medizin, die auch die biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigt, ein Ziel des Max Delbrück Center.“
Text: Wiebke Peters