Dr. Jean-Yves Tano

ASPIRE bietet Postdocs einen Karriereschub

Bis zu sechs Jahre lang währt die Postdoktorand*innen-Zeit. All jenen, die sich unsicher sind, was danach kommen soll, bietet das ASPIRE-Programm des MDC Orientierung. Dr. Jean-Yves Tano aus dem MDC-Career Center, welches sich auch um Postdoktorand*innen kümmert, koordiniert zusammen mit Dr. Rose Burden die Zukunftsschulung für Forscher*innen. Er verrät, welche Chancen ASPIRE bietet.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft ist „mit seiner hervorragenden technologischen Ausstattung ein großartiges Betätigungsfeld für Forscherinnen und Forscher“, findet Dr. Jean-Yves Tano aus dem Postdoc Office. Doch für die circa 300 Postdoktorand*innen ist die Zeit am MDC begrenzt. Nach spätestens sechs Jahren brechen sie zu neuen Ufern auf. Dabei unterstützt sie Jean-Yves Tano: Der promovierte Biologe koordiniert das ASPIRE-Programm. ASPIRE steht für Advanced Science career development Program for Innovation and Research und umschreibt ein Programm, das aufstrebenden jungen Wissenschaftler*innen Orientierung geben will über die vielen Wege, die sie einschlagen können.

Jean-Yves Tano ist 36 Jahre alt, hat bis zu seinem 15. Lebensjahr an der Elfenbeinküste in Afrika gelebt, danach in den USA, wo er Biologie studiert und auf dem Gebiet der Herz-Kreislauferkrankungen promoviert hat. Seit acht Jahren ist er am MDC tätig, davon seit 2018 im Postdoc Office, welches zum Career Center des MDC gehört.

Wenn Sie nur drei Worte hätten, um das ASPIRE Programm zu beschreiben – welche wären das?

Dr. Jean-Yves Tano: Karriere – Entwicklung – Chance.

Wir werben dafür, möglichst früh mit uns ins Gespräch zu kommen und am Programm teilzunehmen.
Dr. Jean-Yves Tano
Dr. Jean-Yves Tano Koordinator des ASPIRE-Programms

Für wen ist das Programm konzipiert?

ASPIRE richtet sich an alle Postdoktorand*innen am MDC. Das Programm will ihnen die vielfältigen Karrieremöglichkeiten aufzeigen, zu denen ihnen ihr Doktortitel verhilft – sowohl in der Wissenschaft als auch außerhalb des Wissenschaftsbetriebes, in der Industrie oder als Unternehmensgründer*in. Entsprechend können sie zwischen Kursen und Workshops in fünf Schwerpunkten – Wissenschaft, Wissenschaftsmanagement, Wissenschaftskommunikation, Industrie und Unternehmertum – wählen.

Die Promotion eröffnet hervorragende berufliche Aussichten. Brauchen die Postdoktorand*innen ein Programm, um das zu erkennen?

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Es kann schwerfallen, sich zu entscheiden, umso mehr, wenn man nicht alle Optionen kennt. Viele von denen, die zu uns kommen, sind an einem Scheideweg in ihrer Karriere angekommen, weil zum Beispiel ihr Vertrag demnächst ausläuft. Dabei ist das ist eigentlich zu spät. Wir werben dafür, möglichst früh mit uns ins Gespräch zu kommen und am Programm teilzunehmen.

Warum lohnt sich das?

In Deutschland gibt es das Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das jungen Wissenschaftler*innen nach der Promotion sechs Jahre Zeit als Postdoc einräumt. Doch was viele nicht wissen: Zahlreiche Forschungsstipendien müssen spätestens im vierten Jahr nach der Promotion beantragt werden. Deshalb sollte man sich möglichst früh klar darüber werden, welche Richtung man einschlagen, ob man in der Wissenschaft bleiben oder etwas ganz anderes machen möchte. Und dabei hilft unser ASPIRE-Programm sehr. Die Teilnehmer*innen haben mit unserer Unterstützung ein Jahr Zeit zu prüfen und auszuprobieren, was ihnen am ehesten liegt. Sie können sich mit anderen austauschen, denen es genauso geht wie ihnen. Die Workshops vermitteln ihnen Einblicke in Bereiche, von denen sie möglicherweise bislang keine Vorstellung hatten. Das alles verschafft den Postdocs einen – sagen wir mal – guten Blick über Tellerrand des eigenen Labors hinaus. Es befähigt sie, sich einen Überblick über das große Ganze zu verschaffen.

Flexible Workshops mit Expert*innen

Welche Voraussetzungen müssen die Teilnehmer*innen erfüllen?

Einmal im Jahr – für gewöhnlich im Februar – können sich Interessent*innen bewerben. Voraussetzung ist, dass sie einen gültigen MDC-Vertrag haben, während sie das ASPIRE-Programm durchlaufen möchten. Wer sich also ein halbes Jahr vor dem Ende der Postdoc-Zeit für ASPIRE bewirbt, hat schlechte Karten. Für die Bewerbung müssen Postdocs einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben einreichen. Im Motivationsschreiben sollten sie sehr detailliert darlegen, welchen Schwerpunkt sie setzen möchten und warum. Diejenigen, die sich für eine wissenschaftliche Laufbahn interessieren, sollten ihre Veröffentlichungen und Präsentationen benennen und darauf eingehen, ob und wann sie bereits Studierende betreut haben oder ähnliches. Bewerber*innen für die Industrie-Schiene sollten zeigen, inwiefern sie sich mit dem Thema bereits beschäftigt, Kurse belegt oder in einem Unternehmen gearbeitet haben. Beim Schwerpunkt Unternehmertum sind wir etwas flexibler – die wenigsten bringen ja bereits Gründungserfahrung mit. Zusätzlich sollten die Bewerber*innen eine Liste mit den Workshops schicken, an denen sie teilnehmen möchten. Die Schwerpunkte dienen der Orientierung. Unsere Erfahrungen der vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass die Postdocs meist an mehr als einem Schwerpunkt interessiert sind und zwischendurch auch manchmal wechseln.

Dr. Jean-Yves Tano mit seinen Kolleginnen aus dem MDC Career Center: Dr. Rose Burden (Mitte) und Dr. Sandra Krull (rechts), die als frühere Leiterin des Career Centers das Konzept für das ASPIRE-Programm geschrieben, das MDC aber mittlerweile verlassen hat. Das Foto entstand im September 2019, als das Postdoc BBQ noch möglich war...

Bekommt jede*r Bewerber*in auch einen Platz bei ASPIRE?

Nein, das ist leider nicht möglich. Im ersten Jahr – also 2018 – hatten wir 16 Teilnehmer*innen. Im darauffolgenden Jahrgang – 2019/20 – waren es bereits 38 Teilnehmer*innen. Für das jetzt laufende Jahr 2021 haben wir die Teilnehmer*innenzahl auf 30 beschränkt. Beworben hatten sich 40 Postdocs.

Müssen die Postdoktorand*innen für die Teilnahme an ASPIRE bezahlen?

Nein. Die Helmholtz-Gemeinschaft finanziert derzeit das ASPIRE-Programm aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds, wie übrigens das gesamte Postdoc-Büro. Denn unser ASPIRE-Programm ist der Kern des Postdoc Office.

Wieviel Zeit müssen die Teilnehmer*innen investieren?

Insgesamt läuft das Programm jeweils für ein Jahr. In dieser Zeit absolvieren die Postdocs drei obligatorische Kurse, die jeweils zwei Tage dauern. Dazu können sie weitere Workshops auf freiwilliger Basis wählen. Insgesamt beläuft sich der Zeitaufwand für die ASPIRE-Veranstaltungen während des gesamten Jahres auf etwa zwei Wochen.

Muss die Gruppenleiterin oder der Gruppenleiter zustimmen?

Nein. Die Teilnehmer*innen müssen sie darüber informieren, benötigen aber nicht ihre Zustimmung.

Findet am Ende eine Art Abschlussprüfung statt? Und erhalten die Teilnehmer*innen ein Zertifikat?

Sie bekommen Teilnahmebestätigungen für einzelne Workshops und am Ende ein Zertifikat. Mit den Postdocs, die den wissenschaftlichen Schwerpunkt gewählt haben, führen wir zum Abschluss außerdem ein Praxisinterview, in dem wir ein Bewerbungsgespräch als Gruppenleiter*in simulieren.

Vom MDC in die Unternehmensberatung

Beiden hat die Teilnahme an ASPIRE zu einem Karriereschub verholfen, der sehr genau auf ihre Neigungen zugeschnitten ist.
Dr. Jean-Yves Tano
Dr. Jean-Yves Tano Koordinator des ASPIRE-Programms

Kennen Sie Beispielkarrieren, von denen Sie sagen würden, das ASPIRE-Programm hatte einen wesentlichen Anteil daran?

Auf jeden Fall! Die Postdocs bekommen für die Dauer des Programms Mentor*innen, die sie wirklich gut beraten. 2018 gab es eine Postdoktorandin, deren Mentorin in einer Unternehmensberatung tätig war. Die Mentorin hat die Wissenschaftlerin sehr unterstützt und viele Tipps für ihre Bewerbung in diesem Berufsfeld gegeben. Sie ist jetzt erfolgreich als Unternehmensberaterin unterwegs. Ein anderer Postdoktorand, der sich für den Industrie-Zweig beworben hatte, hatte seinen Job in einem Unternehmen bereits in der Tasche, bevor er das ASPIRE-Programm komplett durchlaufen hatte. Beiden hat die Teilnahme an ASPIRE zu einem Karriereschub verholfen, der sehr genau auf ihre Neigungen zugeschnitten ist.

Wie hat es Sie ans MDC verschlagen?

Ich habe 2013 als Postdoc in der Arbeitsgruppe von Professor Maik Gollasch am Experimental and Clinical Research Center (ECRC ) angefangen. In den USA hatte ich auf dem Gebiet der Herz-Kreislaufforschung promoviert und kam dann mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt Stiftung nach Berlin. Aber schon nach meinem ersten Jahr als Postdoc habe ich festgestellt, dass mir neben der Forschung auch das Organisieren sehr liegt. Ich habe mit meinem Chef darüber gesprochen, und er hat mich Professor Detlev Ganten vorgestellt. Ich habe dann einige Stunde pro Woche im Organisationsteam des World Health Summit mitgearbeitet, den Professor Ganten aus der Taufe gehoben hatte. Danach wechselte ich als Postdoc nach Würzburg in die Arbeitsgruppe von Professor Martin Lohse, kehrte aber 2016 ans MDC zurück. Als die Stelle im Postdoc Office ausgeschrieben war, habe ich mich beworben – und es hat geklappt!

Gibt es so etwas wie einen typischen Arbeitstag im Postdoc-Office?

Neben ASPIRE kümmern wir uns um die Karriereberatung für Postdocs, verschiedene Mentor*innenprogramme, wir organisieren Seminare und unterstützen Postdocs wie Gruppenleiter*innen bei ihren Mitarbeiter*innengesprächen.

Und was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrer Arbeit?

Es macht mir sehr viel Freude zu sehen, wie die Postdocs von unserer Arbeit profitieren. Ich war ja selbst mal einer und kann mich an die Bedürfnisse noch sehr gut erinnern. Wir bekommen auch sehr viel positives Feedback. Die Postdocs geben uns zu verstehen, wie hilfreich es für sie war, an ASPIRE teilzunehmen und eine Vorstellung davon zu entwickeln, welche Möglichkeiten ihnen mit einer Promotion offenstehen.

Die Fragen stellte Jana Ehrhardt-Joswig.

 

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