Dario Lupianez (1)

Darío Lupiáñez wird EMBO Young Investigator

Der 40-jährige Wissenschaftler vom Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des MDC ist als einer von 26 Forschenden für das EMBO-Förderprogramm ausgewählt worden. Von Januar 2022 an erhalten Lupiáñez und sein Team damit vier Jahre lang sowohl finanzielle als auch praktische Unterstützung.

Die Frage, die er gemeinsam mit seinem Team beantworten wolle, sei eine ganz grundlegende, sagt Dr. Darío Jesús Lupiáñez García: „Wie kann ein rund zwei Meter langer DNA-Strang in einem Zellkern, der etwa 200-mal kleiner als ein Stecknadelkopf ist, verpackt sein und trotzdem alle Informationen auf Abruf bereithalten, die ein Organismus zu seiner Entwicklung und seinem Fortbestehen benötigt?“

Man wisse inzwischen, dass die dreidimensionale Struktur des Genoms im Zellkern alles andere als zufällig sei, erklärt der Leiter der Arbeitsgruppe „Epigenetics and Sex Development“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört. Denn die Gene, die grundlegenden Einheiten der Information, müssen mit den Genom-Schaltern, von denen sie an- und ausgeknipst werden, in engem räumlichen Kontakt stehen. Ein Beispiel seien Enhancer.

Kontaktveränderungen im 3D-Genom verstehen

„Wenn die Verbindung zwischen den Genen und Enhancern verändert wird, kann dies zu Entwicklungsstörungen führen“, erläutert der spanische Forscher, der Ende 2017 ans BIMSB gekommen ist und dort eine eigene Arbeitsgruppe aufgebaut hat. Manchmal werden die Verbindungen jedoch auch so neu verkabelt, dass dies positive Konsequenzen hat und zur evolutionären Anpassung einer Art beiträgt. Auf den Punkt gebracht, wolle er in den kommenden Jahren folgende Frage erforschen, sagt Lupiáñez: „Wie beeinflussen Veränderungen in der 3D-Struktur des Genoms die Evolution und die Entstehung von Krankheiten?“

Dr. Darío Jesús Lupiáñez García, Leiter der Arbeitsgruppe „Epigenetics and Sex Development“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB)

Für seine Forschung wird Lupiáñez, der gerade 40 Jahre alt geworden ist, jetzt von der europäischen Wissenschaftsorganisation EMBO (European Molecular Biology Organization) vier Jahre lang als EMBO Young Investigator finanziell und praktisch unterstützt. Gemeinsam mit 25 weiteren Nachwuchswissenschaftler*innen wird Lupiáñez damit Teil eines Netzwerkes aus mehr als 500 aktuellen und ehemaligen Mitgliedern des Förderprogramms. Dieses unterstützt Biowissenschaftler*innen, die seit weniger als vier Jahren eine eigene Arbeitsgruppe leiten und bereits hervorragende wissenschaftliche Leistungen vorweisen können.

„Wir freuen uns, die 26 Nachwuchswissenschaftler in der EMBO-Community begrüßen zu dürfen“, sagt Professor Michael N. Hall, EMBO-Direktor (interim). „Sie haben bereits wissenschaftliche Exzellenz bewiesen. Das EMBO Young Investigator Programme wird sie dabei unterstützen, ihre Karriere auf die nächste Stufe zu heben.”

Viele Möglichkeiten zur Vernetzung

EMBO-Nachwuchswissenschaftler*innen erhalten eine finanzielle Auszeichnung in Höhe von 15.000 Euro und können sich um weitere Zuschüsse von bis zu 10.000 Euro pro Jahr bewerben. Darüber hinaus profitieren sie von zahlreichen Vernetzungsmöglichkeiten für sich und ihr Team, von einer Betreuung durch EMBO-Mitglieder, von Schulungen etwa in den Bereichen Forschungsleitung und -management sowie vom Zugang zu zentralen Einrichtungen des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg.

„Von EMBO ausgewählt zu werden, ist für mich wirklich eine große Ehre“, sagt Lupiáñez. „Sie zeigt, dass unsere Arbeit von den Kolleg*innen gesehen und wertgeschätzt wird.“ Allerdings gelte sie nicht ihm allein, sondern auch all jenen Menschen, die aktuell mit ihm zusammenarbeiten oder ihn auf seinem bisherigen Weg unterstützt hätten. „Bei allen, die mir im Laufe der Jahre geholfen haben, möchte ich bedanken“, betont Lupiáñez. Er betrachte es als einzigartige Chance, sich künftig mit einem so hochkarätigen Netzwerk austauschen zu können, gemeinsame Interessen zu finden und neue Ansätze zu entwickeln, um Antworten auf spannende Forschungsfragen zu finden. Besonders freue er sich darüber, dass alle Angebote nicht nur ihm, sondern der gesamten Arbeitsgruppe zugutekommen.

Die sexuelle Entwicklung im besonderen Fokus

Die Mechanismen, die zur Ausprägung eines bestimmten Geschlechts eines Individuums führen, sind von Art zu Art recht variabel.
Dr. Darío G. Lupiáñez
Dr. Darío Jesús Lupiáñez García Leiter der Arbeitsgruppe „Epigenetics and Sex Development“

Ein Augenmerk seines Teams liegt, wie der Name der Arbeitsgruppe bereits verrät, auf der sexuellen Entwicklung. „Die Mechanismen, die zur Ausprägung eines bestimmten Geschlechts eines Individuums führen, sind von Art zu Art recht variabel“, sagt Lupiáñez. „Bei Säugetieren sind im Wesentlichen die X- und Y-Chromosomen dafür verantwortlich – bei Schildkröten zum Beispiel bestimmt hingegen die Temperatur der Eier im Nest darüber, ob die Embryonen später als männliche oder weibliche Tiere schlüpfen.“

Der Forscher und sein Team untersuchen diesen Prozess derzeit bei einer Vielzahl von Tierarten, darunter Säugetiere, Vögel oder Schildkröten. „Wir wollen verstehen, warum molekulare Mechanismen, die die sexuelle Entwicklung steuern, diese bemerkenswerte Plastizität aufweisen“, sagt Lupiáñez. Seine Auszeichnung als EMBO-Nachwuchswissenschaftler werde dabei ganz bestimmt helfen.

Text: Anke Brodmerkel

 

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