Treppe

„Die akademische Karriere ist eine von vielen Optionen“

Im Sommer startet am MDC ein neues Programm namens ASPIRE. Es soll Postdocs des Zentrums dabei unterstützen, ihren ganz eigenen beruflichen Weg zu gehen.

Frau Dr. Krull, Sie leiten am MDC das Postdoc-Office und planen für den kommenden Sommer ein neues Programm namens ASPIRE. Wofür steht die Bezeichnung?

ASPIRE ist die Abkürzung für „Advanced Science career development Program for Innovation and REsearch“. Der Name sagt hoffentlich schon Einiges über die Absicht des von der Helmholtz-Gemeinschaft finanzierten Programms aus: Mit ihm wollen wir die Postdocs unseres Instituts darin unterstützen, ihre Karriere in der Wissenschaft ganz gezielt voranzutreiben. Deswegen besteht das Programm aus drei Bereichen, die unterschiedliche Berufswege zum Ziel haben. Und als Bewerber oder Bewerberin ist man aufgefordert, sich vorab für einen dieser drei Wege zu entscheiden.

Welche Wege sind das?

Die drei Bereiche von ASPIRE, wir nennen sie Tracks, haben die Titel „Academic Leadership“, „Entrepreneurship and Industry“ sowie „Science Management and Science Communication“. Der erste Track richtet sich an Postdocs, die eine akademische Karriere anstreben, die also beispielsweise Gruppenleiter oder Professorin werden wollen. Der zweite Track ist für diejenigen gedacht, die gerne in die pharmazeutische Industrie gehen möchten oder ihr eigenes Unternehmen gründen wollen. Der dritte Track wendet sich an all jene, die später gerne einmal eine wissenschaftliche Einrichtung leiten oder in einer Kommunikationsabteilung arbeiten würden.

Das heißt, man sollte als Bewerber oder Bewerberin bereits wissen, wo einen die eigene Karriere hinführen soll?

Einer der Hauptgründe, warum wir ASPIRE ins Leben gerufen haben, ist die Tatsache, dass zumindest momentan viel mehr Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für eine akademische Karriere ausgebildet werden, als anschließend Professuren zur Verfügung stehen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass deutschlandweit nur rund zehn Prozent aller Postdocs später einmal eine Professur erhalten. Das heißt, wir haben viele hochqualifizierte Leute – und mit ASPIRE wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es auch außerhalb der Grundlagenforschung hervorragende Optionen gibt, um sich beruflich zu etablieren. 

Kann man sich vorab über diese Optionen informieren?

Am 21. Mai bieten wir von 10 bis 12 Uhr eine Infoveranstaltung an, in der die verschiedenen Berufswege näher vorgestellt werden sollen. Dazu haben wir auch externe Sprecher und Sprecherinnen eingeladen und es wird Round-Table-Gespräche geben. Postdocs, die jetzt noch unentschlossen sind, in welche Richtung ihre Karriere gehen soll, sehen danach vielleicht klarer. Darüber hinaus organisiert das Postdoc-Office regelmäßig einen sogenannten „Career Day“ für Doktoranden und Doktorandinnen sowie für Postdocs. Anders als ASPIRE steht er nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des MDC offen, sondern auch Interessierten anderer Institute und Universitäten in und um Berlin. Auch an diesem Tag kann man konkrete Ideen für die eigene berufliche Karriere entwickeln. 

Wann genau beginnt ASPIRE, wie lange geht das Programm und für wie viele Bewerber und Bewerberinnen ist es gedacht?

Das Programm startet voraussichtlich im August und läuft dann für jeweils ein Jahr. Pro Track soll es maximal zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben. Es dürfen aber auch gerne weniger werden.

Wie bewirbt man sich um einen Platz?

Interessierte sollten ein Motivationsschreiben und einen Lebenslauf beim Postdoc-Office einreichen. Gemeinsam mit MDC-Gruppenleiterinnen und -leitern werden wir dann entscheiden, wer für das Programm geeignet ist. Im Track „Academic Leadership“ ist es beispielsweise von Vorteil, wenn man Publikationen vorweisen kann und schon erfolgreich Drittmittel eingeworben hat. Für eine erfolgreiche Bewerbung im Track „Entrepreneurship and Industry“ kann es hilfreich sein, eine konkrete Geschäftsidee vorzustellen. Und für den Track „Science Management and Science Communication“ wäre es zum Beispiel schön, wenn der Bewerber oder die Bewerberin schon einmal Pressearbeit oder Outreach gemacht haben – und sei es nur für den heimischen Verein.

Wir hoffen natürlich, dass alle Teilnehmenden ein Leben lang von diesem Jahr profitieren werden.
Dr. Sandra Krull
Sandra Krull Leiterin des Postdoc-Office

Was erwartet erfolgreiche Bewerber und Bewerberinnen während des einjährigen Programms und welchen Zeitaufwand sollten sie für die Teilnahme an ASPIRE einplanen? 

Letzteres ist recht schwer zu sagen und hängt auch von der Eigeninitiative der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab. Wir planen, überwiegend mit externen Trainern und Trainerinnen zusammenzuarbeiten, die für ein- bis dreitägige Workshops an unser Institut kommen werden. Insgesamt werden die Trainings in dem einen Jahr der Teilnahme vermutlich zehn bis zwölf Tage umfassen. Und wir hoffen natürlich, dass alle Teilnehmenden dann ein Leben lang von diesem Jahr profitieren werden.

Die Fragen stellte Anke Brodmerkel.