Die Mechanik des neuronalen Wachstums erforschen
Ich würde gern herausfinden, was diese Phase so besonders macht und wie wir dieses Wissen zur Behandlung von Verletzungen oder Krankheiten nutzen können.
Neuronen können im Vergleich zu anderen Zellen enorm lang werden. Interessanterweise beschleunigen mechanische Kräfte wie Dehnung ihr Wachstum. Als Mechanobiologin ist Dr. Abeer Hassan von dieser Schnittstelle zwischen Physik und Biologie fasziniert. Die Postdoktorandin möchte herausfinden, wie mechanische Dehnungskräfte nach der Geburt auf das neurale Wachstum einwirken.
In den meisten Fällen untersuchen Forscher*innen diesen Prozess zu festgelegten Zeitpunkten: anhand von adulten oder embryonalen Mauszellen. Hassan möchte dagegen wissen, wie dieser Prozess in den Lebensphasen aussieht, in denen der Körper am stärksten wächst – von der Geburt bis zum Erwachsenenalter.
„Ich würde gern herausfinden, was diese Phase so besonders macht und wie wir dieses Wissen zur Behandlung von Verletzungen oder Krankheiten nutzen können“, sagt Hassan. „Zum Beispiel werden vielleicht einige Moleküle in dieser frühen Phase stark exprimiert, bei Erwachsenen jedoch nicht mehr. Diese Erkenntnisse könnten uns helfen, geschädigte Neuronen zu retten oder den Reparaturprozess zu beschleunigen.“
Ein Stipendium für Wissenschaftlerinnen
Hassan konzentrierte sich schon in der Schule auf Physik, Mathematik und Informatik, bevor sie sich im Studium der Biologie zuwandte. Sie fand besonderen Gefallen an der Kombination dieser Disziplinen und erwarb ihren Doktortitel in zellulärer Biophysik und Biomechanik am Technion – Israel Institute of Technology.
Als Gast in der Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“ von Professor Gary Lewin am Max Delbrück Center wird Hassan verschiedene Zellkulturtechniken an Mäusen nutzen. Daran wird sie die Rolle von Mechanosensor-Kanälen – Proteine, die physikalische Reize in biochemische Signale umwandeln – bei der Stimulation des neuronalen Wachstums untersuchen.
Parallel dazu ist sie Postdoktorandin in der Gruppe für „Molekulare Neurobiologie“ von Professor Mike Fainzilber am Weizmann Institute of Science in Israel. Besonders reizvoll war für sie das Weizmann-Auslandsstipendium für Postdoktorandinnen, das speziell Frauen in der Wissenschaft fördert. Es bietet eine flexible Struktur für internationale Forschung, ohne ganz in ein neues Land ziehen zu müssen. Hassan wurde dieses Jahr mit dem Stipendium ausgezeichnet und wird in den nächsten zwei Jahren je nach Bedarf zwischen Israel und Deutschland pendeln, um wichtige Experimente am Max Delbrück Center zu machen. Sie hat dann die Möglichkeit, das Stipendium auf vier Jahre zu verlängern.
„Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Dr. Lewin, einem führenden Experten auf dem Gebiet der Mechanotransduktion, und ich bin dankbar für diese hervorragende Gelegenheit, im Ausland Erfahrungen zu sammeln, mein Netzwerk zu erweitern, neue Techniken nach Israel zu bringen und vice versa“, sagt Hassan.
Text: Laura Petersen
Weiterführende Informationen
- Fainzilber Lab am Weizmann Institute