Die nächste Generation forschender Ärzt*innen treffen
Das Max Delbrück Center und das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) haben die Emerald Summer School sowie das Community-Treffen als Gastgeber in Berlin veranstaltet. Das Treffen brachte 20 Wissenschaftler*innen zusammen, die an sieben Instituten in sechs europäischen Ländern arbeiten. Wir haben mit den Organisator*innen Dr. Michaela Herzig von der Abteilung People & Culture am Max Delbrück Center in Berlin und Dr. David Brena, Emeralds Programm-Manager am Centre for Genomic Regulation in Barcelona, gesprochen. Im Interview berichten sie über einige Höhepunkte und zukünftige Pläne in dem einzigartigen Trainingsprogramm.
Können Sie kurz erklären, was Emerald ist?
David Brena: Die Idee hinter Emerald ist, erstmals ein europaweites PhD-Programm für Mediziner*innen zu schaffen. Manchmal gibt es eine Entkopplung von dem, was in der Klinik geschieht, und dem, was im Labor geleistet wird. Wir wollen Kliniker*innen mit den Spitzentechnologien vertraut machen, die in der Grundlagenforschung eingesetzt werden, und die nächste Generation forschender Ärzt*innen ausbilden.
Im Herbst haben sich die Emerald-Fellows in Berlin getroffen, u.a. zur Summer School. Was waren die Highlights?
Michaela Herzig: Zu Emerald gehören sieben europäische Partnerinstitute, darunter das Max Delbrück Center. Wir haben uns sehr gefreut, alle hier in Berlin zu begrüßen und das Netzwerk zu erweitern. Am BIH hielten zum Beispiel drei sehr engagierte Clinician Scientists spannende Vorträge. Dabei ging es nicht nur um Biomedizin. In der Notaufnahme hat ein Arzt über die Entlassung von Patient*innen gesprochen – was durchaus rätselhaft sein kann. In seinem Projekt hat er nach besseren Messgrößen als Grundlage für die Entscheidung gesucht. Mit einer wissenschaftlicher Ausbildung können die Kliniker*innen später alle möglichen Richtungen einschlagen. Die Vorträge waren sehr inspirierend.
Brena: Die Studierenden hatten eine ganze Woche lang Gelegenheit, in den Modulen Kompetenzen zu erwerben, die auf ihre Dissertation zugeschnitten sind. An den ersten beiden Tagen ging es um Datenvisualisierung. Das stieß auf positive Resonanz, da die Fellows bereits damit beginnen, Daten – Big Data – zu generieren. Und sie hatten ihr erstes Resilienz-Training. Das kommt für das zweite Jahr genau zum richtigen Zeitpunkt, denn normalerweise sinkt die Motivation, wenn Experimente scheitern. So ist es nun mal in der Forschung. Außerdem präsentierten die Fellows ihre Projekte als Pitches vor verschiedenen Zielgruppen: einem Schüler, einer älteren Patientin, einem Journalisten oder einer politischen Entscheidungsträgerin.
Ist ein Pitch besonders im Gedächtnis geblieben?
Brena: Ein Student aus der AG Rehm am Max Delbrück Center, Juan Pablo Ortiz Aguirre, arbeitet an CAR T-Zelltherapien. Er hatte einen Ballon mitgebracht, der für die Tumorzellen stand, und er versuchte dann, die Zellen abzutöten. Aber bevor er den Ballon platzen lassen konnte, musste er erst eine Barriere entfernen – die stand für die Mikroumgebung des Tumors. Übungen wie diese sind cool; so entstehen neue Ideen für die Kommunikation.
Spezielle Herausforderungen – und Möglichkeiten
Es gab auch einen runden Tisch für Karriereoptionen.
Herzig: Das war vor allem eine Gesprächsrunde mit klinisch tätigen Wissenschaftler*innen des BIH, die bereits als Forscher*innen und Ärzt*innen arbeiten. Es war eine sehr lebhafte Diskussion! Es wurde jedoch deutlich, dass die Arbeit in Forschung und Klinik eine Herausforderung sein kann. Beide Berufe sind zeitaufwendig. In Anbetracht des Drucks, Paper zu veröffentlichen, neue Technologien zu entwickeln und Patente anzumelden, kann eine Karriere in beiden Felder unter Umständen schwierig sein. Einige der Emerald-Fellows fragten sich, ob sie einen solchen Weg weitergehen wollen. Oder ob sie ganz in die Forschung wechseln wollen, um ihre Karriereziele zu erreichen.
Brena: Was Michaela anspricht, ist total wichtig. Wir wollen die nächste Generation forschender Ärzt*innen ausbilden. Aber sie können sich auch dafür entscheiden, später Arzt zu sein. Oder Wissenschaftlerin. Wir geben ihnen das Handwerkzeug für beide Felder. Wohin auch immer sie gehen – sie werden das Umfeld positiv beeinflussen und beide Seiten einander ein bisschen näher bringen.
So eine Veranstaltung ist sicher viel Arbeit. Warum hat es sich gelohnt?
Herzig: Nach der ganzen Last-Minute-Logistik war es einfach schön, alle persönlich zu treffen. Sie sind eine wirklich nette Gruppe.
Brena: Michaela hat das hervorragend organisiert! Uns freut besonders, die Entwicklung der Studierenden zu sehen. In der Zeit seit unserem ersten Treffen in Barcelona haben sie sich persönlich, professionell und wissenschaftlich weiterentwickelt. Sie stellen inzwischen ganz andere Fragen.
Auf welche künftigen Veranstaltungen freuen Sie sich?
Herzig: Im Jahr 2025 treffen wir uns in den Niederlanden, am Netherlands Cancer Institute in Amsterdam.
Brena: Es ist sehr wichtig, dass wir eine Community aufbauen. Das gilt ganz besonders für Karrieren, in denen man in zwei Welten unterwegs ist.
Weil man zwischen den Stühlen sitzt?
Brena: Genau. Deshalb haben wir auch eine Peer-Support-Gruppe ins Leben gerufen, die sich einmal im Monat trifft. Wir möchten, dass die Fellows wissen, dass sie nicht allein sind und dass sie natürlich über das Netzwerk Unterstützung bekommen können, aber auch in ihrer speziellen Community.
Interview: Zoé Valbret