Heinz Bielka

Ein Leben für die Wissenschaft

Professor Heinz Bielka, ein Pionier der Zell- und Molekularbiologie, ist am 19. März 90 Jahre alt geworden. Das MDC gratuliert dem Krebsforscher, Wissenschaftshistoriker und engagierten Bürger von Buch. Bielka hat von 1953 an bis zu seiner Emeritierung an bedeutenden Positionen auf dem Campus gearbeitet.

Als sich Heinz Bielka 1953 als Student nach Berlin aufmachte, da ahnte er gewiss nicht, dass er hier in Buch, am Stadtrand von Berlin, den Platz seines Lebens finden würde: Einen Ort, an dem er wissenschaftlich glänzen und der ihn prägen sollte und den er selbst bis heute, im Alter von 90 Jahren, gestalten und verändern würde.  

Heinz Bielka, damals 24 Jahre jung, war aufgewachsen bei Görlitz. Nach dem Krieg hatte er in Dresden und Leipzig angefangen zu studieren. Chemie, Biologie und Biochemie waren seine Fächer, wobei ihn, und wie noch heute, auch andere Disziplinen reizten –Philosophie, Literatur und Musik hatten es Heinz Bielka ebenfalls angetan. Doch verlor der Student sein Ziel nicht aus den Augen. Seit dem Krebstod der geliebten Großmutter war für Heinz Bielka klar: Er würde in die Krebsmedizin gehen. Deshalb zog es Bielka von Leipzig nach Buch, zu Professor Arnold Graffi, damals schon berühmter Krebsforscher. Bei ihm wollte er sein Diplom machen. 

Pionier der Krebsforschung 

Dr. Heinz Bielka, Prof. Dr. Arnold Graffi, Prof. Dr. Hans Gummel und Prof. Dr. Karl Heinrich Bauer, Gründer des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) (v.l.n.r.) 1959 bei einem Symposium zum Thema Karzinogenese.

Graffi nahm den zielstrebigen jungen Mann gerne auf, und für Bielka war es der Beginn seines großen und erfolgreichen wissenschaftlichen Lebens. Binnen weniger Jahre wurde aus dem Studenten ein einflussreicher Biologe: 1954 Diplom, 1956 Promotion in experimenteller Krebsforschung, 1961 Habilitation, daneben die Ernennung zu Graffis Stellvertreter. 1959 schrieben die beiden Männer gemeinsam ein Standardwerk: „Probleme der Experimentellen Krebsforschung“. 1965 schließlich wurde Heinz Bielka Direktor des Bucher Akademieinstituts für Zellphysiologie, was er bis 1981 blieb. Von 1982 bis 1991 leitete Bielka als stellvertretender Direktor das Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1968 ernannte ihn die Humboldt-Universität zu Berlin außerdem zum Professor für Biochemie. Nach Mauerfall und Wiedervereinigung setzte Heinz Bielka seine Arbeit am neu gegründeten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin fort.  

International erstes Lehrbuch für Molekularbiologie 

In all den Jahren arbeitete Heinz Bielka an seinem Thema, dem Krebs. Er untersuchte die Entstehung von Metastasen unter dem Einfluss von Steroidhormonen, die Wechselwirkung zwischen Energiestoffwechsel und Tumorwachstum sowie die Rolle von Viren bei der Entstehung von Krebs. Bielka verfasste bis zur Emeritierung mehr als 150 wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Sein wichtigstes Werk war zweifellos das international erste Lehrbuch über die „Molekulare Biologie der Zelle“ – eine Pionierleistung! 

Heinz Bielka ist für seine Arbeiten oft geehrt worden: Rudolf-Virchow-Preis (1974), Nationalpreis der DDR (1979), Gerhard-Domagk-Preis (1993). Ab 1976 war Bielka korrespondierendes und ab 1978 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1996 verlieh ihm die Humboldt-Universität die Ehrendoktorwürde. Bielka ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. 

Bucher Familie 

Aus dem Studenten-Professoren-Verhältnis zwischen Graffi und Bielka war übrigens schnell echte Freundschaft geworden: Graffi und Bielka forschten zusammen, sie schrieben zusammen und sie musizierten zusammen – Graffi am Klavier, Bielka an der Geige. Auch Tennis spielten die beiden miteinander.  

Buch und der Campus waren binnen weniger Jahre Bielkas Heimat geworden. Die Wissenschaftsgemeinschaft war „für uns eine große Familie. Wir fühlten uns zuhause“, erzählte Bielka in einem langen Gespräch. Wie die meisten, die zu dieser Zeit auf dem Campus arbeiteten, wohnte Bielka in Buch. Abends traf man sich auf der Parkbank oder werkelte gemeinsam im Garten, man spielte Skat, feierte, tauschte sich aus, unternahm gemeinsame Ausflüge und Dampferfahrten. Klinik und Forschung, die verschiedenen Berufe und Disziplinen, Wohnort und Arbeitsplatz, Privates und Berufliches – alles war damals enger als heute miteinander vernetzt und verwoben. Und Bielka war fester Teil des Netzes.  

Eine Rolle mag gespielt haben, dass die Forscher der DDR durch den fehlenden internationalen Austausch, den chronischen Materialmangel und die Einschränkungen des freien wissenschaftlichen Arbeitens stärker aufeinander angewiesen waren und man dadurch auch eng verbunden blieb. Bielka, Forscher mit Renommee, war zwar Reisekader, aber zur Partei gehörte er nach einer kurzen Anfangsphase und Austritt nach 1953 nicht mehr. Den großen Umbruch 1989, die Nacht des Mauerfalls am 9. November, hat Heinz Bielka allerdings verschlafen, wie er selbst erzählt. Doch die Aufbruchsstimmung in den Tagen und Monaten danach habe er genossen.  

Bucher Geschichte und Geschichten 

Das MDC und der Campus Buch haben Heinz Bielka sehr viel zu verdanken.
Martin Lohse
Martin Lohse Wissenschaftlicher Vorstand des MDC

Im neu gegründeten MDC spielte Bielka eine wichtige Rolle. Neben seiner Forschung ging es ihm um die Pflege der wissenschaftlichen Tradition. Bielka sorgte dafür, dass auch die Neuen die Geschichte des Gesundheitsstandorts und die hier geleistete Forschung kennenlernten. Bielka ist ein Chronist der Wissenschaftsgeschichte: Seine medizinhistorischen Bücher und literarischen Streifzüge („Die Medizinisch-Biologischen Institute Berlin-Buch – Beiträge zur Geschichte“, „Streifzüge durch die Orts- und Medizingeschichte von Berlin-Buch“ sowie „Siedlungs- und Kulturgeschichte von Berlin-Buch“), die er seit seiner Emeritierung im Jahr 1995 schrieb, zeugen von seiner Begeisterung für die Forschung und seiner Liebe zu Buch. Sie sind unverzichtbar für jeden, der die Bedeutung der Wissenschaftsstadt Buch verstehen will. 

Heinz Bielka

Und so überrascht es nicht, dass sich Bielka heute prominent für die Sanierung der Schlosskirche in Buch einsetzt. Der barocke Bau war im Krieg zerstört worden. Gemeinsam mit seiner Frau, der Pianistin und Professorin Galina Iwanzowa-Bielka und vielen anderen engagierten Bürgerinnen und Bürgern hat er beispielsweise Benefizkonzerte im MDC-Kongresszentrum zugunsten des Turmaufbaus organisiert. Viel Geld ist inzwischen zusammengekommen, die Arbeiten können kann bald beginnen.  

„Das MDC und der Campus Buch haben Heinz Bielka sehr viel zu verdanken. Er ist für viele von uns Vorbild und Inspiration“, sagt der Wissenschaftliche Vorstand Martin Lohse.  

Das Max-Delbrück-Centrum mit all seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gratuliert Heinz Bielka herzlich zum 90. Geburtstag! Wir wünschen ihm alles Gute!