Wasserflöhe pipettieren im Forscherferiencamp

Forschen, Feiern, Feriencamp

Für eine Woche verwandelte sich der Campus Buch in ein Ferienlager: Im ersten Helmholtz-Forscherferien-Camp am MDC konnten 64 Mädchen und Jungen unter anderem erleben, wie das Herz funktioniert – und wie es sich anfühlt, in einem Vorlesungssaal zu übernachten.

Paul und Jason sitzen hinter dem Empfangstresen des MDC.C und lehnen sich lässig in ihren Stühlen zurück. Gegenüber spielen vier Mädchen an einer Tischtennisplatte. Daran, dass dies die Eingangshalle des Veranstaltungsgebäudes einer wissenschaftlichen Einrichtung ist, erinnert in diesem Moment wenig. Feriencamps für Kinder der Campus-Mitarbeitenden gibt es am MDC schon seit 2011.

In diesem Jahr haben sich erstmals sieben Helmholtz-Forschungszentren zusammengetan und ein gemeinsames Camp organisiert. Es richtet sich an Jungen und Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren, deren Eltern Mitarbeitende in den teilnehmenden Zentren sind, und bietet neben einem Freizeit- und Spaßprogramm auch Laborkurse zu naturwissenschaftlichen Themen an.

Forscherferiencamp: Blutdruck messen, einfach am Handgelenk

Blutdruck messen, Hühnerherzen untersuchen

So ging es am zweiten Feriencamp-Tag um das Herz. Paul und Jason konnten bei den Experimenten für die Älteren unter anderem lernen, durch welche Merkmale sich Arterien und Venen unterscheiden. Sie konnten sogar ihr eigenes EKG aufnehmen. Am besten gefiel den beiden 14-Jährigen, den Blutdruck zu messen: „Es war total interessant zu sehen, wie das mit einem modernen Gerät funktioniert“, erzählt Paul. Die Werte wurden vor und unmittelbar nach einer sportlichen Belastung gemessen, außerdem nach weiteren fünf Minuten – und zwar direkt am Handgelenk, ohne vorherige Kompression der Arm-Arterie.

Mit dem Mikrofon kann man den Puls hören

Manuela Magarin, ehemalige MDC-Forscherin, die einen von fünf Herz-Experimente parallel betreute, zeigte den Jungen und Mädchen auch, wie man die Lautstärke des Blutdrucks misst. Ein weiteres Highlight war das Präparieren von Hühnerherzen aus der Supermarkt-Kühltruhe. Jason wollte das nicht selbst machen, fand es aber spannend zuzusehen: „Das Herz ist vom Aufbau dem des Menschen fast gleich. Wir konnten sehen, wo die Segel- und Taschenklappen liegen“, berichtet er.

Emma Marie und Linda Antonia präparierten das Herz selbst. „Das war schon ein bisschen eklig“, sagt Emma Marie. Der 13-Jährigen gefiel das Experiment mit den Wasserflöhen besser: Die Tierchen wurden per Pipette auf einen Objektträger pipettiert und mikroskopiert. Ihre Aufgabe war es zu zählen, wie oft das Herz eines Wasserflohs pro 15 Sekunden schlägt, Dieser Wert wurde auf die Frequenz pro Minute berechnet. Da kommen 200 bis 300 Schläge zusammen: „Schließlich haben Wasserflöhe keine Arterien und Venen, deswegen muss das Herz viel schneller pumpen“, erklärt Linda Antonia.

Eine Mitarbeiterin zeigt zwei Teilnehmerinnen, wie man ein Hühnerherz präpariert

Ausflüge, Sport und Spiele ergänzen das Camp-Programm

Die experimentellen Kurse – zu Herz und zu Energie – waren nur ein Teil des Programms. Es wurde von Ausflügen ins Planetarium und den Zoologischen Garten sowie durch Sport, Spiele und eine abwechslungsreiche Abendgestaltung ergänzt. Die Mischung kam gut an. „Das waren alles coole Sachen“, findet Emma Marie. Ihr gefällt auch, dass die Jungs und Mädchen gemeinsam in Vorlesungssälen und Seminarräumen übernachten.

Mikroskopieren auf dem Forscherferiencamp

Auch Paul und Jason sind begeistert und wollen im nächsten Jahr wieder dabei sein. Dann sind sie zwar mit 15 Jahren zu alt für das Camp – aber trotzdem zuversichtlich. „Wir haben schon angeregt, dass die Altersgrenze angehoben wird“, meint Paul. Am MDC wird das Forscherferien-Camp allerdings nicht so bald wieder stattfinden. Die Zentren haben sich darauf geeinigt, dass es jedes Jahr ein anderes Ziel gibt.