Für mehr Transparenz bei Tierversuchen
Die Konferenz, eine Mischung aus Keynotes, Podiumsdiskussionen und interaktiven Formaten, war eine gemeinsame Initiative der European Animal Research Association (EARA), unseres Zentrums und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sie begrüßte über 200 Teilnehmer aus 23 Ländern innerhalb und außerhalb der EU, darunter Großbritannien, Kanada, die Vereinigten Staaten von Amerika, Südafrika, Mauritius und Neuseeland.
Das Treffen begann mit einem Impuls von Fiona Fox, CEO und Mitbegründerin des Science Media Centre (SMC) im Vereinigten Königreich. Sie betonte, dass die Kommunikation kontroverser wissenschaftlicher Themen im Mittelpunkt der Arbeit des SMC stehe. Über die Zeit seit der Gründung im Jahr 2002 und die Auseinandersetzung mit Kontroversen um Tierversuche in den Medien sagte sie: „Durch Offenheit wurde den Aktivist*innen der Boden unter den Füßen weggezogen – denn Geheimhaltung war ihr zentraler Vorwurf.“
Emotionen anzuerkennen, stärkt das Vertrauen
Auf ihren Beitrag folgten weitere Referate und eine Podiumsdiskussion mit Fachleuten auf den Gebieten Wissenschaftsjournalismus, Kommunikation in sozialen Medien über Tierversuche und dazu, wie KI die Kommunikation verändert. Die Session brachte unterschiedliche Perspektiven und Meinungen zusammen, inwiefern Emotionen bei der Vermittlung wissenschaftlicher Botschaften helfen. Sascha Karberg, Leiter des Wissenschaftsressorts bei Der Tagesspiegel, erklärte: „Emotionen anzuerkennen, ersetzt nicht die Genauigkeit, sondern stärkt das Vertrauen.“ Diskutiert wurde auch, wie man unkonventionelle Plattformen wie TikTok und KI-Modelle wie ChatGPT nutzen kann, um komplexe wissenschaftliche Themen verständlich aufzubereiten. Eine der Redner*innen, Alba Móran-Alvárez, sagte: „Die Menschen treffen Gesundheitsentscheidungen auf der Grundlage von TikTok und KI – daher müssen Expert*innen dort präsent sein.“ Andy Ridgeway bekräftigte diesen Punkt: „KI wird die [wissenschaftliche] Berichterstattung nicht ersetzen, aber sie wird sie neugestalten.“
Zum zehnjährigen Jubiläum richtete die European Animal Research Association (EARA) am Max Delbrück Center ihre erste Konferenz aus: „Shaping the Future of Animal Research Communication“ – ein Programmpunkt der Berlin Science Week.
Nach dem Mittagessen folgten Workshops zur Umsetzung von Transparenz, zur Vermittlung von Botschaften über soziale Medien und dazu, inwiefern institutionelle Websites öffentlich zugängliche Inhalte über Tierversuche enthalten müssen, um Transparenz zu fördern. Die Sessions wurden durch Kurzvorträge, Posterpräsentationen und zahlreiche Kaffee- und Essenspausen unterbrochen, die das Netzwerken förderten.
Am Nachmittag ging es mit verschiedenen Aspekten des Tierschutzes weiter – im Zentrum standen die 3Rs, insbesondere die am häufigsten vernachlässigte, die Verfeinerung, sowie genetisch veränderte Tiere und die umstrittene Nutzung nichtmenschlicher Primaten in der Forschung. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig all diese Technologien und Ansätze sind, wobei stets der humane Umgang mit Tieren im Vordergrund steht. Das könne bei der Vermittlung dieser Inhalte an die Öffentlichkeit jedoch verloren gehen. Es sind neue Strategien erforderlich, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in Tierversuche in jeder Phase und jedem Prozess zu stärken.
Offenheit, Verantwortlichkeit und Genauigkeit
In ihrer Keynote am Abend schilderte Lucie Côté, Direktorin des MUHC an der McGill University in Kanada, wie schnell sich das Blatt in forschungsintensiven Ländern wie Kanada wenden kann, wenn ein Skandal, der von Aktivist*innen und den Medien verzerrt dargestellt wird, die Wissenschaft trifft. Wegen dieser aktuellen Erfahrung entwickelt sich das kanadische Transparenzabkommen schnell weiter und hat bereits so viele potenzielle Unterzeichner, sagte sie: „Seien Sie bereit, seien Sie offen, seien Sie koordiniert.“
Der nächste Tag begann mit einer weiteren Keynote von Susanna Louhimies, Policy-Koordinatorin bei der Europäischen Kommission, die die Entwicklung proaktiver Kommunikation in den EU-Mitgliedstaaten vorstellte und über die Veröffentlichung jährlicher Statistiken und die obligatorische Veröffentlichung nichttechnischer Zusammenfassungen reflektierte. Sie sagte: „Wir nutzen Tiere unter einem Privileg, und unser Teil der Abmachung ist Offenheit, Verantwortlichkeit und Genauigkeit.“ Louhimies überraschte das Publikum auch mit der Vorstellung der neuen Plattform innerhalb von ALURES. Die neue Plattform, die den Zugang zu oft kryptischen Zusammenfassungen erleichtern soll, verfügt über Filter und Übersetzungen in die Landessprachen der EU, teilweise mithilfe von KI.
Die Session zu Offenheit und Transparenz zeigte, wie das britische Concordat, das weltweit erste Transparenzabkommen, die Welle des Wandels anführte. Sie breitete sich über ganz Europa aus, wie auch die Arbeit deutscher Partnerinstitutionen wie Max Delbrück Center und Charité zeigt. Den Abschluss bildeten Vorträge zur Beteiligung von Patient*innen, sowohl aus dem privaten Sektor als auch von Selbsthilfeverbänden. Sie hoben hervor, wie wichtig es ist, Patient*innen in die Diskussion einzubeziehen – nicht nur in Bezug auf Tierversuche, sondern auf die Forschung im Allgemeinen. Pepe Solves vom CUH in Spanien sagte: „Wenn man erklärt, was man tut und warum, können die Menschen uns unterstützen – auch wenn es heute noch keine Heilung gibt.“
Weniger Megaphon, mehr Dialog
In „Hot Topics in Science“ zeigten Kommunikationsprofis, die sich mit Impfskepsis, gentechnisch veränderten Organismen und Klimawandel beschäftigen, Strategien auf, die sich sehr gut auf die Tierforschung und kontroverse wissenschaftliche Themen im Allgemeinen übertragen lassen. Michael Fitzpatrick, Allgemeinmediziner und Experte für Impfskepsis, sagte: „Weniger Megaphon, mehr Dialog.“
Kirk Leech, Geschäftsführer der EARA, sagte in seinem Schlusswort: „Die EARA2025 hat bewiesen, dass Vertrauen wächst, wenn sich die Wissenschaft öffnet.“ Er dankte allen beteiligten Teams und Teilnehmer*innen, gab die Gewinner*innen des EARA 2025 Best Flash-Talk (Sebastian Löser – Universität Göttingen) und des Best Poster (Natascha Drude – Pro-Test Deutschland) bekannt und kündigte die nächste EARA-Konferenz an: Sie wird 2027 in Lissabon stattfinden.