MDC-Fahrer

Gut in Fahrt

Am MDC kümmert sich ein Team aus drei Fahrern darum, dass wichtige Personen und Gegenstände wohlbehalten und pünktlich von A nach B gelangen. Teamkoordinator Klaus Billep verrät, worauf es dabei ankommt – und dass er schon als kleiner Junge ans Steuer durfte.

Klaus Billep fährt Auto, seit er denken kann. Erst beim Vater auf dem Schoß, das ging gut beim Trabant, dem Familienauto. An Gefahren oder unerlaubtes Verhalten dachte die Familie damals nicht. „Zum ersten Mal selbst gefahren bin ich mit sieben“, erinnert sich der heute Sechzigjährige. Sein Vater wollte, dass Klein-Klaus das Auto auf der Wiese hinterm Haus wäscht – die Fahrt dorthin durfte der Junge alleine erledigen.

Die MDC-Piloten Alexander Kerrmann (hinten) und Klaus Billep (vorne) beim Fahrsicherheitstraining im vergangenen Jahr.
 

Seit 2012 arbeitet Klaus Billep als Fahrer am MDC, seit einigen Jahren auch als Koordinator des Teams Fahrer/Rezeptionen. Er und seine Kollegen Mike Brüggert und Alexander Kerrmann bringen Vorstandsmitglieder oder Leiter*innen von Forschungsgruppen des MDC zu Veranstaltungen, erledigen Transportaufträge, machen Bank-, Material- und Organisationsfahrten. Zwei Mittelklasse-PKW und ein Transporter (Kleinbus) bilden den Fuhrpark des Instituts; die Pflege der Fahrzeuge und kleinere Reparaturen gehören auch zu den Aufgaben von Billeps Team.

Wie man Motoren in Schuss hält, hat er in seiner Ausbildung zum Agrotechniker/Mechanisator in der DDR Ende der 1970er Jahre gelernt. „Nach meiner Armeezeit konnte man aber in der Landwirtschaft nicht mehr viel Geld verdienen, deswegen habe ich umgesattelt“, sagt Klaus Billep. Ab 1983 arbeitete er als Fahrer, zunächst für die „Hauptauftraggeber komplexer Wohnungsbau“ in Berlin. Später chauffierte er die Vorstände der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VDGB) zu Terminen. Nach der Wende kam er bei der R+V-Versicherung als Fahrer unter, danach über Empfehlungen bei weiteren Institutionen im Finanzsektor. „Während der Bankenkrise wurden Fahrer weggespart“, erzählt Billep. Nach zwei Jahren als  freiberuflicher Kurier, bewarb sich als Hausmeister am MDC, aber die Stelle war schon vergeben. Stattdessen war ein Job als ‚Fahrer zur Personenbeförderung‘ ausgeschrieben.

Ein erster und ein dritter Platz

Inzwischen ist Klaus Billep mehr als sieben Jahre am MDC, eine lange Zeit für einen Fahrer, wie er sagt. Das Wichtigste ist für ihn, seinen Fahrgästen unterwegs die größtmögliche Sicherheit zu bieten. „Deswegen habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir Fahrer regelmäßig Sicherheitstrainings machen, um unsere Kenntnisse und Fähigkeiten aufzufrischen“, sagt er. Die Technik in den Autos verändere sich schließlich ständig, und es sei gut, auch mal an Grenzbereiche zu gehen – und zwar nicht mit dem eigenen Auto, das auch zu sehr unter der Beanspruchung eines solchen Trainings leiden würde.

MDC-Fahrer Mike Brüggert (rechts hinten) belegte jeweils den dritten Platz im Endkampf zwischen 60 Profifahrern aus ganz Deutschland.

 „Das Gelernte kann man in Gefahrensituationen binnen Sekundenbruchteilen abrufen“, sagt er. Bei einem solchen Fahrsicherheitstraining im vergangenen Herbst mit etwa 60 Profifahrern aus ganz Deutschland konnte das MDC-Team zeigen, wie gut sie sind: Klaus Billep und Mike Brüggert belegten beim Abschluss-Wettkampf den ersten beziehungsweise dritten Platz. Dabei wurden alle eingeübten Gefahrensituationen auf Zeit in einem Parcours hintereinander weg absolviert; Billep war der schnellste fehlerfreie Fahrer.

Bei dem Training schulten die Fahrer ihr Können in verschiedenen Mercedes-Modellen, von der A-Klasse bis zur Sportvariante. Ein Beispiel: Man fährt auf ein Hindernis zu, muss nach links oder rechts ausweichen, was kurz vorher per Ampel angezeigt wird, und anschließend wieder in die markierte Gasse einschwenken, ohne Verkehrsleitkegel umzufahren. In einer weiteren Übung mussten alle Fahrer auf Kommando bei Tempo 150 eine Vollbremsung hinlegen: „Dafür sind 80 Kilo auf das Bremspedal zu bringen, das hat außer uns fast niemand geschafft“, berichtet Klaus Billep.

„Es ist schön, auf der Straße zu sein“

Sein Können führt er auf die Routine zurück, auf seine jahrzehntelange Erfahrung – obwohl er inzwischen kaum noch selbst fährt, sondern sich mehr ums Organisatorische kümmert. Privat legt der Berufsfahrer jedoch um die 15.000 Kilometer jährlich zurück, der Tochter wegen, die im Sauerland lebt. Wie man auf der Autobahn fährt, hat Klaus Billep übrigens auch schon früh gelernt: Mit elf durfte er sich zwischen die Beine des Vaters setzen, selbst lenken und Gas geben – Tempo 80 war die vorgegebene Grenze. Als Billep am Schnarchen merkte, dass der Vater hinter ihm eingeschlafen war, beschleunigte er auf 100, mehr war aus der „Rennpappe“ nicht herauszuholen.

Spaß macht ihm das Fahren noch immer: „Nicht nur weil ich gerne Auto fahre, sondern weil es eine Bestätigung für einen selber ist, wenn man sieht, wie entspannt die Fahrgäste im Fahrzeug sitzen und auch mal einnicken.“ Wenn viel los ist, springt er gerne als Fahrer ein. „Es ist immer schön, auf der Straße zu sein“, sagt Klaus Billep. Auch wenn in Berlin meist nur noch Rote Welle ist.
 

 

 

Bildunterschrift: Die MDC-Fahrer Mike Brüggert (2. von links) und Klaus Billep (3. von links) bei der Siegerehrung. Foto: Kommunikation, MDC