Sich schlängelnde Fadenwürmer

#LabHacks: Würmer ablichten: lächeln und stillhalten, bitte!

Würmer haben kein Gebiss und tragen keine Zahnspange. Warum braucht MDC-Forscher Andreas Ofenbauer dann Zahnarzt-Silikon, wenn er mit den Tierchen arbeitet? Wir verraten es Ihnen …

Theoretisch ist das Mikroskopieren ganz einfach. Man legt den zu untersuchenden Gegenstand auf den Objekttisch, beim Blick ins Okular erscheint er vergrößert – und schon lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die im Idealfall neu und spannend sind. In der Praxis sehen sich Laborarbeitende allerdings mit vielen kleinen Problemen konfrontiert, die gelöst werden müssen.

So geht es auch Andreas Ofenbauer. Der Biologe erforscht Fadenwürmer, genauer: die Spezies C. elegans, an der ihn besonders die Muskelzellen interessieren. Um Zellteilungen studieren zu können, verwendet er ein Fluoreszenzmikroskop. Dabei muss er ein Problem lösen: Wie lassen sich die lebendigen, in einer wässrigen Lösung schwimmenden Würmer auf dem Objektträger so fixieren, dass sie über mehrere Stunden beobachtet werden können?

Sich schlängelnde Fadenwürmer. Die drei Farbkanäle wurden separat und kurz hintereinander voneinander aufgenommen. Weil sich die Tiere in der Zwischenzeit bewegten, sind die Teilbilder nicht deckungsgleich

Fadenwürmer zum Stillhalten bewegen

Dazu vermischt Andreas mikroskopisch kleine Polystyrol-Kügelchen mit den Mini-Würmern. Kommt im nächsten Schritt das Deckgläschen darauf, können sich die Würmer praktisch nicht mehr bewegen. Der Wissenschaftler kann die Tierchen auf diese Weise alle paar Minuten ablichten und eine Zeitrafferaufnahme machen. Verwendete er Anästhetika, wären die Tiere zwar ebenfalls ruhiggestellt, es bestünde aber das Risiko, dass die Aufnahmen vorzeitig beendet wären, sprich: das Ganze für die Würmer tödlich endet.

Andreas hat eine weitere Nuss zu knacken. So hat die Lösung hat die für Langzeitbeobachtungen unpraktische Eigenart, nach einiger Zeit auszutrocknen, da die Flüssigkeit an den Rändern des Deckgläschens verdunstet. Der Wissenschaftler hat dafür ein besonderes Hilfsmittel gefunden: Er nutzt 2-Komponenten-Silikon. Das wird üblicherweise in Zahnarztpraxen eingesetzt, um Abdrücke des Kiefers zu erzeugen, die zur Herstellung von Zahnprothesen oder Zahnspangen dienen.

Zahnarzt-Silikon gegen die Verdunstung

Sobald die präparierten Würmer unterm Deckgläschen auf dem Objektträger liegen, kommt also das Silikon ins Spiel. Dessen zwei Komponenten mischt Andreas zu gleichen Teilen, anschließend wird die türkisfarbene Masse auf den Objektträger gegeben, und zwar um das Deckgläschen herum, unter dem sich die Würmer-Probe befindet. So wird der Spalt um das Deckgläschen herum abgedichtet und nichts verdunstet. Beim Auftrag des Silikons muss der Forscher schnell sein, denn es härtet innerhalb weniger Minuten aus.

Den Trick mit dem Zahnarzt-Silikon hat Andreas Ofenbauer von Anje Sporbert, der Leiterin der Advanced Light Microscopy-Plattform am MDC. „Das war ein Spezialtipp, den ich im Einzelgespräch zu meinem Projekt nach der allgemeinen Schulung zur Arbeit an den Mikroskopen bekommen habe“, berichtet der Forscher. Neue und spannende Erkenntnissen zu „seinem“ Fadenwurm hat er auch dank des Silikon-Tipps inzwischen einige gewonnen.

 

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