Mentorin und Mentee in einem Lab

Mentoring: Boost für die Karriere

Ohne großartige Wissenschaftler*innen gibt es keine großartige Forschung. Weil das so ist, fördert das Max Delbrück Center junge Forschende und Wissenschaftsmanager*innen in verschiedenen Mentoring-Programmen – intern wie extern. Für „Wir am MDC“ sprechen Mentees und Mentor*innen über ihre Erfahrungen.

Hinter großen Karrieren stecken nicht selten wohlmeinende Förderinnen und Förderer. In der Fachsprache heißt es „Mentoring“, wenn Menschen mit reichhaltigem Erfahrungsschatz – die Mentor*innen – ihr wertvolles Hintergrundwissen mit anderen – den Mentees – teilen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen oder neue Wege einschlagen möchten. Solche Patenschaften gibt es auch am Max Delbrück Center: Das Career Center organisiert gleich mehrere Mentoring-Programme für unterschiedliche Zielgruppen.

Im Frühjahr 2024 ist das 11. Mentoring-Programm für Postdoktorand*innen und Wissenschaftsmanager*innen gestartet. Bei dessen Konzeption und Umsetzung arbeiten Dr. Jean-Yves Tano und Gabriele Kollinger aus der Abteilung People & Culture mit der Gleichstellungsbeauftragten Dr. Christiane Nolte zusammen. Interessierte Postdocs bzw. Kolleg*innen aus dem Wissenschaftsmanagement konnten sich bewerben.

Gabriele Kollinger, Christiane Nolte und Jean-Yves Tano haben aus den Bewerber*innen zwölf Personen ausgewählt und mit externen Mentor*innen aus Wissenschaftscommunity, Industrie oder Wissenschaftsmanagement in Tandems zusammengebracht. Ausschlaggebend für die Auswahl der passenden Mentor*innen waren dabei die jeweiligen Fachgebiete, Karriereziele und persönlichen Präferenzen der Mentees. Ein Jahr lang treffen sich die Tandems nun regelmäßig, um sich auszutauschen – wie oft, ob persönlich oder via Videokonferenz, bleibt ihnen selbst überlassen. Zusätzlich finden Netzwerkveranstaltungen, Workshops und informelle Treffen statt.

Mentoring am Max Delbrück Center

Neben dem Mentoring-Programm für Postdoktorand*innen und Wissenschaftsmanager*innen gibt es auch Angebote für andere Zielgruppen. Beim Postdoc-2-PhD-Programm nehmen Postdoktorand*innen Doktorand*innen unter ihre Fittiche. Im Rahmen von ASPIRE (Advanced Science career development Program for Innovation and REsearch) bereitet das Max Delbrück Center Postdoktorand*innen auf zukünftige Karrieren sowohl in der Wissenschaft als auch in der Industrie vor. Über „MDC Connect“ können sich Mitarbeitende, Alumni und Projektpartner*innen mit der Community aus aktuellen und ehemaligen Mitarbeitenden vernetzen. Über eine Mentoring-Plattform kann sich jede*r als Mentor*in oder Mentee anmelden.

Überblick über Mentoring-Programme am Max Delbrück Center

Mehr als nur ein „perfect match“

Charlotte Quirin

Zu den diesjährigen Mentees gehört Dr. Charlotte Quirin, wissenschaftliche Referentin im Strategie-Stab. Dort ist die Biologin für die Positionierung des Max Delbrück Centers innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft zuständig. Das Mentoring-Team hat ihr die Physikerin Dr. Ricarda Opitz an die Seite gestellt, Administrative Geschäftsführerin und Mitglied des Vorstands am Berliner Weizenbaum-Institut. Die beiden Frauen verbindet, dass sie in der Wissenschaft bleiben möchten – allerdings nicht im Labor, sondern auf administrativer Seite.

Detlev Ganten

Dr. Valeriia Sapozhnikova, Postdoktorandin bei der Proteomik-Plattform von Dr. Philipp Mertins, möchte ihre Zukunftsaussichten ausloten; ihre Mentorin ist Dr. Giulia Caglio, Datenwissenschaftlerin bei einem Berliner Medizintechnikunternehmen. Professor Detlev Ganten, Gründungsdirektor des Max Delbrück Center, wird Dr. Ilais Moreno Velásquez vom Studienzentrum Berlin-Nord der Nationalen Kohorte auf ihrem Weg begleiten. Die Medizinerin aus Panama strebt eine Tätigkeit im Themenfeld Globale Gesundheit an. Einen passenderen Mentor als Ganten kann es dafür kaum geben – er ist unter anderem Gründungspräsident des World Health Summit und Mitgründer und Kuratoriumsmitglied der Virchow Foundation for Gobal Health.

Von einem „perfect match“ spricht auch Dr. Niels Weisbach aus der Forschungsgruppe von Dr. Jakob Metzger. Weisbach möchte nach seiner akademischen Karriere in die Industrie wechseln. Seine Mentorin Dr. Hana Cernecka ist diesen Weg ebenfalls gegangen; sie ist heute Head of Innovate Inflammation & Immunology bei Evotec, einem Hamburger Unternehmen, das in der Wirkstoffforschung und -entwicklung tätig ist.

Starthilfe für die eigene Forschung

Claudia Crocini

Wie hilfreich Mentoring sein kann, weiß Dr. Claudia Crocini. Sie ist Gastwissenschaftlerin am Max Delbrück Center und leitet seit etwas mehr als einem Jahr am Max Rubner Center (MRC) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin eine Nachwuchsgruppe des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). „Als ich damit begann, wusste ich genau, was ich brauchte: Unterstützung beim Aufbau einer neuen Forschungsgruppe“, erzählt sie.

Tim Schröder

In Dr. Tim Schröder, Professor für Integrierte Quantenphotonik an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU Berlin), fand sie einen kongenialen Partner. Der Physiker hatte ein Jahr zuvor die Leitung des Joint Lab Diamond Nanophotonics der HU Berlin und des Ferdinand-Braun-Instituts, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik, übernommen. „Er war mir immer einen Schritt voraus“, erinnert sich Crocini. „Außerdem war seine Sicht als Physiker auf meine Arbeit inspirierend.“ Er habe mit ihr seine Einblicke in die universitäre Forschung geteilt, die ihr bis dato neu waren. Neben den zahlreichen Treffen, in denen sie offen über ihre Sorgen und Nöte sprechen konnte, habe sie es als sehr hilfreich erlebt, ihn als Gruppenleiter agieren zu sehen.

Doch nicht nur die Nachwuchskräfte haben etwas von diesem Austausch – auch die Mentor*innen profitieren. „Ich habe über viele Dinge nachgedacht, die mir vorher nie in den Sinn gekommen wären“, erzählt Tim Schröder. Wichtig sei, sich auf Augenhöhe zu begegnen. „Der oder die Mentee hat viele Fragen, der Mentor bringt die Erfahrung mit. Beide Seiten sind dafür verantwortlich, sich darüber auszutauschen.“ Ein strukturiertes Vorgehen sei dabei hilfreich. So hatte Claudia Crocini bei ihren Treffen immer Fragen in petto. „Zu förmlich sollte das Ganze nicht ablaufen“, betont Schröder. „In einer lockeren Atmosphäre fällt es dem Mentee leichter, sich zu öffnen.“

Zia will Frauen zum Glänzen bringen

Wir lernen dort sehr viele erfolgreiche Frauen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern kennen.
Julia Kraxner
Julia Kraxner Teilnehmerin an Zia

Neben den hauseigenen Mentoring-Programmen kooperiert das Max Delbrück Center auch mit externen Programmen, etwa mit dem einjährigen Fellowship-Programm Zia des ZEIT Verlags. Der Name Zia – auf arabisch „die Glänzende“, auf lateinisch „das Saatkorn“ – ist Sinnbild für die Absicht dahinter: nämlich die Talente junger Wissenschaftlerinnen zu fördern und ihren Karrieren Rückenwind zu verleihen. Eine von ihnen ist Dr. Julia Kraxner aus der Forschungsgruppe von Professor Holger Gerhardt. Seit November 2023 nimmt sie zusammen mit 20 anderen Fellows an monatlichen Treffen teil, bei denen erfahrene Referentinnen über Themen wie Medienkompetenz, Sichtbarkeit, weibliche Rollenmodelle und Karrierewege reden.

„Wir lernen dort sehr viele erfolgreiche Frauen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern kennen“, berichtet Julia Kraxner. „Sie lassen uns an ihren Erfahrungen teilhaben und geben Tipps für den eigenen Werdegang.“ Dazu gehört etwa, gezielt unterschiedliche Qualifikationsangebote wahrzunehmen. Besonders spannend findet Julia Kraxner Kurse zur Wissenschaftskommunikation – nicht weil sie den Laborkittel irgendwann an den Haken hängen will, sondern weil sie lernen möchte, ihre Forschungsergebnisse so ansprechend und verständlich wie möglich darzustellen. Neben all dem fachlichen Input, den sie bei Zia erhält, schätzt sie besonders das Vernetzen mit Gleichgesinnten: „Es ist immer bereichernd, neue Leute kennenlernen“, sagt sie.

Mit BR50 lernen und vernetzen

Marta Patrycja Cipinska

Auch Dr. Marta Cipinska ging es ums Netzwerken, als sie sich im vergangenen Jahr um einen Platz beim gerade erst aus der Taufe gehobenem BR50-Mentoring-Programm beworben hat. BR50 ist ein Forschungsverbund, dem fast alle außeruniversitären Institute und Zentren im Berliner Raum angehören, das Max Delbrück Center gehört zu den Gründungszentren. Gemeinsam mit dem international tätigen Personalberatungsunternehmen Perrett Laver will BR50 Wissenschaftler*innen und Wissenschaftsmanager*innen auf ihrem Karriereweg unterstützen.

Marta Cipinska ist vor einem Jahr nach Berlin gekommen und koordiniert am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des Max Delbrück Center (MDC-BIMSB) unter anderem das PhD-Austauschprogramm mit dem Center for Genomics and Systems Biology an der Universität von New York. Ganz neu am MDC-BIMSB, denke sie noch nicht so sehr über ihren nächsten Schritt auf der Karriereleiter nach, erzählt sie – auf ihrer Position ausruhen wolle sie sich aber auch nicht. Außerdem wollte sie mehr Menschen außerhalb des Kosmos des Max Delbrück Centers kennenlernen.

Schub fürs Selbstbewusstsein

Das Programm startete im Oktober 2023 und lief über sechs Monate. In dieser Zeit fanden Netzwerktreffen und monatliche Workshops statt: etwa zu den Themen Führung, (Selbst)-Präsentation, Change Management und kollegiale Beratung. Gerade letzteres könne sie in ihrer täglichen Arbeit direkt nutzen, sagt Marta Cipinska. Daneben hat sie sich regelmäßig mit ihrer persönlichen Mentorin getroffen: Lisbeth van Cauwenberghe, Partnerin und Forschungsleiterin für Europa und die Niederlande bei Perrett Laver. Von ihr habe sie gelernt, dass sie ihre Fähigkeiten als Wissenschaftsmanagerin auch in anderen Feldern als den Lebenswissenschaften nutzen könne. Alles in allem sei sie selbstbewusster aus dem Mentoring-Programm hervorgegangen: „Ich konnte mich von dem Gefühl befreien, dass ich jung bin und meinen Weg erst noch finden muss“, sagt Marta Cipinska. „Ich weiß jetzt, was ich kann – und das ist eine ganze Menge.“

Michela Di Virgilio

Egal, ob Mentoring dabei hilft, den eigenen Lebenslauf zu überprüfen, neue Chancen zu entdecken oder sich auf eine Führungsrolle vorzubereiten – es ist immer ein Prozess der Selbsterkenntnis. Und zwar für alle Beteiligte, Mentor*innen und Mentees gleichermaßen. Sie habe viele Mentor*innen gehabt und habe sie noch, sagt Professorin Michela Di Virgilio, wenn auch nicht im Rahmen eines strukturierten Programms. Sie leitet am Max Delbrück Center die Gruppe Genomdiversifikation & Integrität und ist selbst Mentorin bei EU Life Pathfinder, einem Mentoring-Programm für Postdoktorandinnen. Auf einen Platz in einem Programm zu warten, sei nicht notwendig: „Man kann immer auf erfahrene Kolleg*innen zugehen und um Rat fragen“, ist sie überzeugt. Den Erfahrenen legt sie einen Satz der pakistanisch-amerikanischen Dramatikerin Ayesha Siddiqui ans Herz: „Sei die Person, die du gebraucht hast, als du jung warst.“

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

 

Weiterführende Informationen

Über das KI-generierte Bild

Das Bild wurde mit diesem Prompt generiert:

A rough yet expressive sketch on a whiteboard, drawn with vibrant blue, red, and teal marker colors. It shows a female person of color mentor and a male mentee collaborating in a biomedical research lab. They are both hunched over a microscope, analyzing samples. The lab environment is depicted with beakers, petri dishes, and various scientific equipment scattered around. The seminar room's atmosphere is lively, with a sense of focused learning and collaboration. In the background are a female and a male scientist working. The female scientist is working at a personal computer.