Der March for Science in Berlin 2017

Nerds im Kiez: Dialog statt Demo

Auf den March For Science folgten in Berlin dieses Jahr die Aktion „Kieznerds – Gemeinsam retten wir die Welt“. Forschende diskutierten in Kneipen und Cafés ihre Arbeit und brachten so Wissenschaft in die eigene Nachbarschaft.

„Wissenschaftler, geht raus und zeigt euch!“ lautete im letzten Jahr die Devise, als beim March For Science mehr als zehntausend Menschen in Berlin und mehr als eine Million weltweit für die Wissenschaft auf die Straße gingen. Sie standen dafür ein, dass Forschung und akademische Freiheit zu den schützenswerten Fundamenten der modernen Gesellschaft gehören. Schließlich wird die Wissenschaft in manchen Ländern in ihrer Freiheit zunehmend beschnitten, wie etwa in den USA oder der Türkei.

Raus aus Instituten, rein ins Leben

„In Berlin gibt's jeden Tag fünf Demos für irgendwas“, gibt MDC-Postdoc Emanuel Wyler zu Bedenken. Er marschierte zwar im letzten Jahr mit und lobt den Solidaritätsaspekt der Demonstration. „In Deutschland geht es aber weniger darum, für die Freiheit der Wissenschaft zu demonstrieren. Wir sind ja hier nicht in Gefahr“, sagt er.

Deshalb ließen sich die Ehrenamtlichen aus dem Umfeld des Berliner Marsches für 2018 etwas anderes einfallen. Bei ihrer Aktion „Kieznerds“ diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler („Nerds“) in einer Kneipe in ihrer Nachbarschaft („Kiez“) über ihre Arbeit und alle Dinge, die mit der Forschung zu tun haben. Am Stammtisch werden bekanntlich Weltprobleme gelöst – auch die wissenschaftlichen.

Am 14. April haben in Berlin 37 Kieznerds versucht, mit Gästen möglichst ohne große Hürden in Kontakt zu kommen: „Raus aus Instituten, rein ins pralle Leben“, sagt Wyler.

Wissenschaft in der Kneipe

Neben Emanuel Wyler standen Philipp Jordan, Niklas Meyer und Anne Merks vom MDC in ihrer Lieblingskneipe Interessierten Rede und Antwort – über Herpesviren, über Gliazellen im Gehirn oder über Herzkreislauf-Forschung an Zebrafischen. Unter den Teilnehmenden befanden sich zum Beispiel Erkrankte, die angeregt Details der Forschung diskutierten.

„Die Idee war aber auch, dass Gäste mich alles Mögliche im Wissenschaftskontext fragen könnten“, sagt die Herzkreislauf-Forscherin Anne Merks. Philipp Jordan sagt: „Eine Teilnehmerin hat mich nach der Finanzierung der Wissenschaft gefragt. Sie hatte die Idee, dass wir größtenteils bezahlte Auftragsforschung machen. Ich habe ihr dann das Prozedere der Forschungsförderung beschrieben, etwa über die DFG.“ Die meisten Gespräche drehten sich jedoch um sein Forschungsthema – Gliazellen – die Entwicklung des Gehirns und das Älterwerden.

So standen nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse im Mittelpunkt, sondern auch die innere Mechanik der Forschungs-Maschinerie in Deutschland und der Alltag der Forschenden. Die verhältnismäßig kleinen Runden von vier bis zehn Teilnehmenden ermöglichten einen besonders intensiven Austausch, wie Jordan und Wyler berichten. Allzu früh – etwa am Nachmittag – lohnt sich der Stammtisch allerdings nicht. So hatte Anne Merks gar keine Gäste für Diskussionen, sondern nur Besuch von Kolleginnen und Kollegen.

Ein Format mit Potenzial

Im nächsten Jahr würden alle MDC-„Nerds“ gern wieder teilnehmen, falls die Aktion wiederholt wird. Vielleicht müssen sich die Kieznerds in der Zwischenzeit noch besser in ihren Nachbarschaften herumsprechen, denn das Publikum reiste häufig quer durch die Stadt an, um sich mit den Forschenden über ihr Spezialthema auszutauschen. Das enge Kiez-Netzwerk will also erst noch geknüpft werden.

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