de la Rosa lab

Neu am MDC: Die Immunologin Kathrin de la Rosa

Am 1. Juli 2018 nimmt die neue Forschungsgruppe „Immune Mechanisms and Human Antibodies“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) ihre Arbeit auf. Sie wird von der Biologin Kathrin de la Rosa geleitet und aus Mitteln des Emmy-Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert

Kathrin de la Rosa (geb. Kathrin Pieper)

Kathrin de la Rosa (geb. Kathrin Pieper) hat sich in ihrer Forschungskarriere früh festgelegt. Bereits als Doktorandin drehte sich ihre Arbeit um die B-Zelle – also jenen Zelltyp, der im menschlichen Körper unverzichtbar für die Immunabwehr ist, weil er die Funktion hat, Antikörper zu produzieren. „Ich habe am Universitätsklinikum Freiburg immungeschwächte Patientinnen und Patienten mit B-Zell-Defekten untersucht“, berichtet die Biologin. Diese Arbeit habe sie so fasziniert, dass sie als Postdoktorandin in die Schweiz zu dem Immunologen Antonio Lanzavecchia gegangen ist, um die B-Zellen noch genauer zu studieren. „Dort habe ich gelernt, menschliche Antikörper zu isolieren, um die Immunantwort gegen Infektionskrankheiten zu analysieren und somit den Weg für neue Therapeutika und Impfstoffe zu bereiten.“

Während dieser Zeit entdeckte sie gemeinsam mit zwei Kollegen einen neuartigen Antikörper, der eine besondere Eigenschaft aufweist: Er „stiehlt“ sich ein Segment eines anderen Gens, LAIR1, und verfügt damit über eine Extra-Domäne. Mit genau dieser „gestohlenen“ Domäne kann der Antikörper verschiedene Varianten des Malaria-Parasiten Plasmodium falciparum erkennen. Für ihre Studien über den neuen Mechanismus zur Diversifizierung von Antikörpern wurden Kathrin de la Rosa und ihre Kollegen 2017 mit dem Pfizer-Forschungspreis ausgezeichnet.

B-Zellen dazu bringen, gewünschte Antikörper zu produzieren

Die Entdeckung des Antikörpers war ein Zufallsfund, den die neue Nachwuchsgruppenleiterin am MDC weiterverfolgen will. „Ich möchte eine effiziente Technik entwickeln, die zelleigene Fähigkeiten nutzt, um humane B-Zellen aus dem Blut so zu verändern, dass sie gewünschte Antikörper produzieren“, sagt Kathrin de la Rosa. Hierzu wird sie den neuen Mechanismus zur Diversifizierung von Antikörpern aufschlüsseln und zeigen, wie auf molekularer Ebene DNA-Segmente in die antikörperkodierenden Gene gelangen und neue Antikörpervarianten erzeugen.

Für die Emmy-Noether-Bewerbung konnte sie in Experimenten bereits B-Zellen zur Produktion von LAIR1-Antikörpern umprogrammieren. Die Forscherin plant, die Methode auf weitere Pathogenrezeptoren auszuweiten.  So möchte sie zum Beispiel auf das Immunschwächevirus HIV „spezialisierte“ B-Zellen herstellen. Dabei wird eine CD4-Domäne in den Antikörper eingefügt, jenen Rezeptor, über den HIV die Zellen infiziert.

Mit Hochdurchsatzverfahren die Immunantwort genau analysieren

Für ihre Arbeit nutzt Kathrin de la Rosa Hochdurchsatzverfahren zum Screening und zur Produktion humaner monoklonaler Antikörper. Sie bringt damit eine vielseitige Methode an das MDC, mit deren Hilfe genau analysiert werden kann, wie das Immunsystem des menschlichen Körpers auf einzelne Pathogene antwortet. „Wir lernen dabei nicht nur, welche Antikörper sich für eine mögliche Therapie anbieten, sondern auch welche Eigenschaften ein Impfstoff zur Vorbeugung einer Erkrankung besitzen sollte“, erklärt Kathrin de la Rosa.

Am MDC wird sie mit Klaus Rajewsky und mit Michela Di Virgilio zusammenarbeiten, deren Expertise auf dem Gebiet der B-Zellen und der DNA-Reparatur sehr hilfreich bei der Aufklärung des neuen Mechanismus sind. „Ich freue mich sehr darauf, meinen Beitrag zu der erstarkenden Immunologie-Community am MDC zu leisten“, sagt Kathrin de la Rosa – und ebenso auf den Wechsel von der beschaulichen Schweiz in das raue Berlin.