Amani Said

Open Science: Von vernachlässigten Ergebnissen und verborgenen Talenten

Es gibt mehr als einen Weg, in der Wisseschaft zu arbeiten und Ergebnisse zu publizieren. Dr. Amani Said zum Beispiel hat die ausgetretenen Pfade verlassen: mit ihrer Karriere und auch mit ScienceMatters, einer Plattform für Open Science.

Die Wege im Wissenschaftsbetrieb erscheinen manchmal sehr geradlinig und definiert. Die einzelnen Schritte sind wohlbekannt und eingeübt, auch wenn jeder mit großer Anstrengung verbunden ist. Eine wissenschaftliche Laufbahn beginnt nach der Universität, verläuft über die Doktoranden- bis zur Postdoc-Stelle. Die Handelnden agieren fast wie Figuren einer Fabel, Erwartungen und Rollenverteilung sind klar.

Ähnliches gilt, wenn Forschungsergebnisse ausgetauscht werden. Für einen guten Artikel müssen sich die Resultate zu einer überzeugenden Geschichte fügen. Wer nicht in das erwartete Narrativ passt, kann sich von der Wissenschaft schnell ausgeschlossen fühlen.

So muss es für Amani Said gewesen sein, die das MDC kürzlich für zwei Vorträge und ein Interview für das Open-Science-Projekt ORION besucht hat. Am Schluss ihrer Doktorarbeit hatte sie keine positiven Ergebnisse und keine Geschichte zu erzählen. Said war desillusioniert und wandte sich von der akademischen Welt ab.

Amani Said sprach am MDC über die Publikationsplattform ScienceMatters

Weniger vergeudete Arbeit, einfacherer Zugriff

Amani Saids erster Vortrag handelte von ihrer Aufgabe als Editorial Coordinator bei ScienceMatters, einer Plattform für wissenschaftliche Veröffentlichungen. Sie folgt dem Grundsatz „Stories Can Wait. Science Can't“. Wer bei dem Start-up aus der Schweiz publiziert, verlässt den traditionellen Weg für Forschungsergebnisse.

ScienceMatters veröffentlicht Forschungsaufsätze zu „einzelnen, validierten Beobachtungen“ online und für jedermann zugänglich. Damit arbeitet die Plattform gegen ein weitverbreitetes Problem in der Wissenschaft an. Denn obwohl Experimente oft zu wichtigen Beobachtungen führen, bleiben sie oft genug in den Schubladen der Forscherinnen und Forscher liegen, weil sie nicht in das aktuelle Narrativ des Fachgebiets passen. Das verschwendet Zeit und Geld.

Selbst was veröffentlicht wird, ist oft nicht für die Allgemeinheit zugänglich, betonte Said. Obwohl die Veröffentlichungen von wissenschaftlichen Ergebnissen ein Drittel der weltweiten Forschungsausgaben verschlinge, habe nur ein Prozent der Bevölkerung überhaupt Zugang zu diesen Ergebnissen. „Selbst ein Aufsatz von Charles Darwin aus dem Jahr 1858 ist heute hinter einer Bezahlschranke versteckt“, sagte Said empört. Auf ScienceMatters finden all die Ergebnisse ein Zuhause, die normalerweise für immer in Laborbüchern schlummern – und zwar für jeden kostenfrei zugänglich.

Die Plattform versteht sich als Teil der globalen Open-Science-Bewegung. Diese bricht mit den festgefahrenen und häufig als restriktiv empfundenen Strukturen. Sie will Forschung zugänglicher, transparenter und partizipativer gestalten.

Neue Karrierewege

Den Bruch mit den Konventionen in der Wissenschaft beschränkt Said nicht nur auf Forschungsaufsätze. In einem weiteren Vortrag, diesmal für die „Career Pathways“-Reihe, berichtete sie von Alternativen zur üblichen akademischen Karriere.

Said selbst folgte ihren Interessen und wurde nach ihrer wissenschaftlichen Laufbahn zu einer Tanzlehrerin in Berlin. Danach unterrichtete sie Naturwissenschaften an Schulen in Schweden und zuletzt koordinierte sie die redaktionelle Arbeit von ScienceMatters in der Schweiz. Amani Said sieht sich als Idealistin und will die Wissenschaft zum Besseren verändern, zuerst als Lehrerin und nun durch den Aufbau einer Open-Science-Publikationsplattform.

Solche Projekte und Unternehmen, die wissenschaftliche Arbeit etwas anders betreiben, schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Die Open-Science-Bewegung hat viel Neues hervorgebracht: Datenrepositorien, MOOCs, Workshops, Verlage, Preprints, Podcasts und vieles mehr. Gleichzeitig ist Amani Said ein Beispiel für die unterschiedlichen Arten und Weisen, wie jeder einzelne zur Wissenschaft beitragen kann. Auf dem Weg zu ihrem Ziel sollten Forscherinnen und Forscher ihrem „inneren Kompass“ folgen, sagt Said. Es sei gut zu wissen, dass es viele verschiedene Richtungen gibt, die jeder ausprobieren kann.

Das ORION-Projekt am MDC interviewte Amani Said für die demnächst erscheinenden Open Science Podcasts

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