Two people

Starthilfe für zwei Spin-offs

Das Programm „Pre-GoBio“ fördert dieses Jahr zwei geplante Ausgründungen. Paul Schöpe möchte ein Medikament gegen Darmkrebs-Metastasen auf den Markt bringen. Und Ines Lahmann wird NMJCare weiterentwickeln, ein Modell, an dem sich Therapien gegen neuromuskuläre Krankheiten testen lassen.

Das interne Förderprogramm des Max Delbrück Center „Pre-GoBio“ wird in diesem Jahr die Entwicklung eines neuen Wirkstoffs unterstützen, der sich gegen die Metastasen von Darmkrebs richtet. Paul Curtis Schöpe aus der Arbeitsgruppe „Translationale Onkologie solider Tumore“ von Professorin Ulrike Stein wird ab Mai zwei Jahre lang ein jährliches Budget von 150.000 Euro erhalten, um die Substanz, die er gemeinsam mit Kolleg*innen entdeckt hat, auf den Markt zu bringen. Im Anschluss kann er die Förderung um ein weiteres Jahr verlängern.

Unterstützt wird Schöpes Idee zudem durch ein Field Study Fellowship von Helmholtz Enterprise. „Dort werde ich jetzt drei Monate lang gefördert, um mithilfe von Interviews und Marktrecherchen zunächst die Bedürfnisse unserer potenziellen Kund*innen genauer herauszufinden“, sagt der Forscher. Direkt danach beginnt das Pre-GoBio-Projekt.

Acht hervorragende Ideen

Ines Lahmann

Von dem Helmholtz-Fellowship profitiert indirekt auch Dr. Ines Lahmann aus der Arbeitsgruppe „Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“ von Professorin Mina Gouti. Denn gewöhnlich kann sich das Pre-GoBio-Gremium pro Jahr nur für eine der eingereichten Ausgründungsideen entscheiden. In diesem Jahr jedoch standen aufgrund der zusätzlichen Unterstützung für Schöpe auch Mittel zur Verfügung, um Lahmanns Plan für NMJCare ein Jahr lang zu fördern.

Die Forscherin hat gemeinsam mit Kolleg*innen aus Stammzellen von Patient*innen mit neuromuskulären Erkrankungen ein Hochdurchsatz-System entwickelt, mit dem sich neue Wirkstoffe testen und bestehende Therapien individualisieren lassen. Erst kürzlich war ihre Idee beim Start-up-Wettbewerb Science4Life als eine der zehn besten ausgezeichnet worden. „Mit der Pre-GoBio-Förderung haben wir nun die finanziellen Mittel, einen Proof-of-Concept für NMJCare zu liefern und parallel dazu das Geschäftsmodell auszubauen“, sagt Lahmann.

Acht Teams hatten sich im vergangenen Jahr um die interne Starthilfe beworben. „Es wurden wirklich sehr viele hervorragende Ideen eingereicht – weswegen uns jede einzelne Absage, die wir erteilen mussten, unendlich leidgetan hat“, sagt Dr. Nevine Shalaby, die Leiterin der Abteilung Innovation und Entrepreneurship des Max Delbrück Center. Mit dem Programm Pre-GoBio möchten Shalaby und ihr Team Forschende des Zentrums dabei unterstützen, Projekte mit hohem medizinischen und kommerziellen Potenzial möglichst rasch in die Klinik zu bringen. „Wir wollen unternehmerisches Denken fördern, damit unsere Forschung mehr Wirkung entfalten kann“, sagt Shalaby.

Der Ursprungstumor ist das kleinere Problem

Trotz vieler Fortschritte, die bei der Behandlung von Darmkrebs zuletzt erzielt werden konnten, endet die Erkrankung noch immer oft tödlich. Die wenigsten Patient*innen sterben jedoch an dem Tumor in ihrem Darm. „In etwa neun von zehn Fällen sind Metastasen, zum Beispiel in der Leber oder Lunge, die Todesursache“, erklärt Ulrike Stein. Gemeinsam mit ihrem Team sucht sie nach Ansätzen, um die Ausbreitung des Kolonkarzinoms im Körper besser als bisher zu verhindern.

„Ich freue mich sehr darüber, dass ein so ausgezeichneter Kollege wie Paul Schöpe es nun in die Hand nehmen wird, unsere Entdeckung marktreif zu machen, damit hoffentlich bald die ersten Darmkrebs-Patient*innen von ihr profitieren können“, sagt Stein. Unterstützt wird Schöpe auf diesem Weg nicht nur von seiner Gruppenleiterin, sondern auch von Professor Wolfgang Walther und Dr. Dennis Kobelt von dem Biotech-Unternehmen EPO (Experimentelle Pharmakologie & Onkologie Berlin-Buch), einem bereits bestehenden Spin-off des Max Delbrück Center.

Das Molekül E12 hemmt Metastasen

Paul Schöpe

Verhindern soll die Darmkrebs-Metastasen künftig ein kleines Molekül namens E12, das Schöpe und seine Kolleg*innen aus rund 100.000 potenziellen Wirkstoffen als den aussichtsreichsten Kandidaten herausgefischt haben. „Es hemmt schon in geringen Konzentrationen die Produktion des Proteins S100A4 und in geringerem Maße auch die von MACC1“, erklärt Schöpe. Das Gen für MACC1, das Stein und ihr Team 2009 aufgespürt haben, ist an der Entstehung von Darmtumoren und ihrer Metastasen maßgeblich beteiligt. S100A4 kann Tumore zwar nicht direkt verursachen, fördert aber ihr Wachstum und die Bildung von Metastasen.

Schon jetzt lassen sich MACC1 und S100A4 in Studien als Biomarker nutzen, um Patient*innen mit einem besonders hohen Risiko für Metastasen zu identifizieren. Ein Team um Schöpe zeigte kürzlich zudem in einem Mausmodell für menschlichen Darmkrebs, dass E12 in den Tumorzellen das Ablesen des Gens für S100A4 verhindert und die Transkription des MACC1-Gens beeinträchtigt. Dadurch bildeten sich bei den Tieren weniger Metastasen und auch der Primärtumor ging zurück

Ein Bluttest für die personalisierte Therapie

„Mithilfe der Pre-GoBio-Förderung möchten wir E12 weiterentwickeln“, sagt Schöpe. Zum einen wollen er und seine Kolleg*innen erforschen, wie der Organismus die Substanz verstoffwechselt. Zum anderen möchten sie in Experimenten mit Darmkrebszellen herausfinden, wie E12 auf molekularer Ebene wirkt, was genau seine Zielstruktur ist. „Damit lassen sich Nebenwirkungen besser abschätzen und wir können die Substanz chemisch so modifizieren, dass sie noch effektiver wird“, erklärt Schöpe.

„Mit diesem Wissen wollen wir Investor*innen ins Boot holen, sodass erste klinische Studien mit E12 möglich werden“, sagt Schöpe, der im vergangenen Jahr bereits am GeneNovate Entrepreneurship Programm teilgenommen hat. Dort habe er viel unternehmerisches Wissen erworben. In seinem Start-up möchte der Forscher zudem einen Bluttest entwickeln, der anhand von S100A4 und MACC1 diejenigen Darmkrebs-Patient*innen aufspürt, die von den neuen Therapien besonders profitieren würden.

Text: Anke Brodmerkel

 

Weitere Informationen

 

Kontakte

Paul Curtis Schöpe
AG Translationale Onkologie solider Tumore
Max Delbrück Center
PaulCurtis.Schoepe@mdc-berlin.de

Dr. Ines Lahmann
AG Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung
Max Delbrück Center
Ines.Lahmann@mdc-berlin.de

Dr. Nevine Shalaby
Leiterin Innovation & Entrepreneurship
Max Delbrück Center
Innovation@mdc-berlin.de

Jana Schlütter
Stellvertretende Leiterin Kommunikation
Max Delbrück Center
+49 30 9406-2121
jana.schluetter@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de