Jan Kunze

Trauer um Jan Kunze

Das MDC trauert um Jan Kunze. Der Leiter der Abteilung Forschungsförderung ist am 20. März 2021 im Alter von 52 Jahren gestorben. Er hinterlässt vier Kinder. Ein Nachruf.

Er war klug, sagen die, die mit ihm gearbeitet haben. Er war sensibel und aufmerksam, erzählen Freund*innen und Kolleg*innen. Man konnte mit ihm großen Spaß haben. Er hatte einen feinen, ja hintersinnig-verschmitzten Humor, meinen sie. Er hat uns immer unterstützt, sagen sein Team und viele Forscher*innen. Und auch das heißt es: Der große, wunderbare, neugierige, einfühlsame Jan Kunze trug eine tiefe Traurigkeit in sich. Denn das Schicksal hatte ihm in den letzten Jahren viel zugemutet.

Jan Kunze ist tot. Gestorben am 20. März nach einem Routineeingriff im Alter von 52 Jahren. Die Nachricht vom jähen Ende unseres Kollegen und Freundes, dem Leiter der Abteilung Forschungsförderung, hat viele am Max-Delbrück-Centrum und in der deutschen Wissenschaftslandschaft erschüttert. Unfassbar, dass dieser feine Mensch, der sich trotz aller Tiefschläge nicht unterkriegen ließ, so erbarmungslos aus dem Leben gerissen wurde.

Jan Kunze liebte die Forschung. Besonders groß war seine Leidenschaft für die Neurowissenschaft. Die Wissenschaftler*innen konnten immer auf seinen Rat vertrauen und seine Unterstützung zählen. Für seine Familie, seine zweite Frau, die vor zwei Jahren gestorben ist, und für seine vier Kinder aus beiden Ehen hat er sein Bestes gegeben. Er hat versucht, unter schwierigsten Bedingungen, als trauernder, alleinerziehender Vater – und das in Corona-Zeiten – sein Leben zu meistern und für andere da zu sein.

Jan Kunze kam 2018 ans MDC. Am Zentrum war da schon vielen bekannt. „Ich habe Jan Kunze bei der DFG kennen gelernt. Wir waren häufig zusammen bei SFB-Begutachtungen unterwegs“, erzählt Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.). „Jan war ein ruhiger und ausgleichender Mensch, der Wogen glätten konnte und immer Wege der Vermittlung fand. Er konnte sehr gut zuhören und ging respektvoll mit seinem Gegenüber um. Und er war sehr konstruktiv. Deshalb war ich auch froh, ihn in anderer Funktion am MDC willkommen heißen zu dürfen. Seine Aufgabe bei uns war sicher nicht leicht und die Umstände kompliziert. Trotzdem habe ich ihn auch am MDC immer als sehr positiv, sachorientiert und sehr überlegt agierend erlebt. Ich hätte mir gewünscht, mit ihm gemeinsam noch an vielen Projekten arbeiten zu können“, sagt Sommer.

Kunze hat seine Abteilung sehr umsichtig geführt, das bestätigen seine Kollegen. „Jan wollte immer das Positive sehen“, sagt Ioannis Legouras, sein Stellvertreter. „Er hat uns im Team viel Energie gegeben. Vor ein paar Tagen erst sind wir alle zusammen auf dem Campus umgezogen, und nun sitzen wir endlich als Team beieinander. Jan war voller Pläne und Energie. Wir haben uns auf den Neuanfang gefreut.“ Als Chef, so beschreibt Ioannis seinen Kollegen, hat Jan Kunze Strategien entwickelt, die Richtung aufgezeigt, aber dann den Mitarbeiter*innen viel Freiraum gewährt und sie selbstverantwortlich arbeiten lassen. „Er war freundlich, ruhig und fair. Er hat sich vor uns gestellt oder in Schutz genommen, wenn es sein musste“, heißt es aus der Abteilung. Ioannis Legouras verliert nicht nur einen guten Kollegen, sondern einen Freund. Die beiden sind manchmal abends miteinander ausgegangen, und Legouras hat die Kunzes auch daheim in Wandlitz besucht.

„Jan war sehr warmherzig. Ein einfühlsamer Mensch. Als Abteilungsleiter standen die Belange seiner Mitarbeitenden immer an erster Stelle“, sagt Heike Graßmann, Administrative Vorständin des MDC. „Er war superloyal, hoch motiviert und sehr engagiert. Wir hatten noch so viele Pläne. Wir verlieren einen großartigen Mitarbeiter. Erst wenige Tage vor seinem Krankenhaus-Besuch haben wir beim Kaffee mit so viel positiver Energie über seine private Zeit in der Pandemie und die Zukunft der Abteilung gesprochen. Wir verlieren einen großartigen Mitarbeiter. Seine Abteilung, die Abteilungsleitungen und viele Kolleginnen und Kollegen am MDC haben tief betroffen auf die Nachricht vom Tod reagiert – Jan Kunze wird uns allen sehr fehlen.“

Jan Kunze ist am 25. März 1968 in Berlin zur Welt gekommen und hier aufgewachsen. An der Freien Universität hat er Biologie und Neurobiologie studiert, außerdem in Aarhus und Tucson, Arizona. Vom Jahr 2000 bis Ende 2017 hat Jan Kunze in Bonn für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gearbeitet, begleitet von Auslandsaufenthalten unter anderem in Israel, Schweden, China, Japan oder Indien.

Der DFG blieb er bis zum Schluss verbunden, sagt Dr. Tobias Grimm, Leiter des Bereichs Lebenswissenschaften. „Jan war mit vielen von uns befreundet“, sagt Grimm. „Ich erinnere mich an ihn noch als SFB-Referenten: Für mich war er damals der große Mann, der im SFB-Ausschuss den Überblick über die gehobenen roten und gelben Kärtchen der Abstimmenden behalten musste (und hat)“, erzählt Grimm. Schnell wurde Jan Kunze in der DFG zum Experten für die Belange tierexperimenteller Forschung und die Grundlagen-Neurowissenschaften und dann Grimms Stellvertreter in der Leitung der Gruppe Mikrobiologie, Immunologie, Neurowissenschaften sowie Leiter des Teams Neurowissenschaften. „Seine weitsichtige Art und seine große Menschenkenntnis waren unschätzbar“, sagt Grimm.

Begeisterung für Neurowissenschaften

Grimm erinnert sich aber vor allem an die andere, die private Seite von Jan Kunze, an den Familienmenschen und Mann, den die Natur faszinierte. Jan Kunzes Promotionsthema war übrigens die „Duftwahrnehmung der Bienen“. Jan Kunze habe immer an Orten mit schönem Blick ins Grüne gelebt, sagt Grimm. So war das in Bonn und später auch wieder in Berlin, wo er mit seiner neuen Frau und seinen zwei kleinen Kindern ein Haus in der Nähe des Wandlitzsees bezog. „Jan liebte seine Gärten, die er leidenschaftlich beackerte, und die Tiere. Mit seiner Fotofalle gelangen ihm spannende Nachtaufnahmen der urbanen Tierwelt. Seine große Liebe galt der Ornithologie. Ob dem brütenden Uhu am örtlichen Steinbruch oder dem Vogelzug am Donau-Delta. Mit seinem Beobachtungsfernrohr war Jan mit Geduld und Leidenschaft dabei“, erzählt Tobias Grimm. Viele Mitarbeiter*innen in der DFG seien damals, wie Jan Kunze, in der Phase der Familiengründung gewesen. Bei privaten Treffen flitzten immer auch Kinder durch die Gärten. „Zu den Kunzes, und eben auch zu ihren Kindern bestand bei vielen von uns – und unseren Kindern - ein vertrautes, freundschaftliches Verhältnis. Wir haben einen großartigen, liebenswerten Freund und Kollegen verloren“, sagt Grimm.

Einer, der Jan Kunze ebenfalls aus der Bonner Zeit kannte und mit ihm am MDC befreundet war, ist James Poulet, MDC-Arbeitsgruppenleiter für Neurowissenschaft. „Ich habe Jan bei der Beantragung einer DFG-Forschergruppe kennengelernt. Damals bewarb ich mich als Junior-PI, es war mein erster Förderantrag. Mein Eindruck war der eines intelligenten und sachkundigen Schiedsrichters, jemand, der wahrscheinlich sofort die Schwachstellen meines Antrags erkennen würde. Ich war also nervös – allerdings ganz ohne Grund. Jan war enthusiastisch, aber er übte auch konstruktive Kritik, ganz fair und unterstützend. Ich ging mit dem Gedanken nach Hause, dass wir sehr beruhigt sein könnten, wenn die deutsche Neurowissenschaft in den Händen von Jan Kunze läge“, erzählt Poulet. Besonders schätzte er die besonnene und nachdenkliche Art seines Freundes. „Er war eine freundliche und lustige Person. Mit ihm konnte man über Wissenschaft und über das Leben diskutieren. Deshalb konnte ich das Glück nicht ganz fassen, als er ans MDC kam. In den letzten Jahren habe ich gesehen, wie Jan alles daransetzte, älteren und jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am MDC und in ganz Berlin zu helfen und sie zu beraten.“

Martin Lohse hat Jan Kunze Ende 2017 als damaliger MDC-Vorstand von der DFG ans Max-Delbrück-Centrum gelockt. Auch er lobt dessen Verdienste für die Neurowissenschaft. „Unter anderem ihm ist es zu verdanken, dass dieser Wissenschaftsbereich in Deutschland einen Aufschwung erlebte wie nur wenige andere: Jan Kunze wartete nicht auf die Antragsteller, sondern war mitten unter ihnen, er brachte sich in die Entwicklung von Programmen ein und zeigte jungen Forscher*innen, wie man Anträge schreibt. Alle, die mit der DFG zu tun hatten, kannten ihn als humorvollen und oft verschmitzten, kenntnisreichen, dynamischen und konzeptionsstarken Menschen“, sagt Lohse.

Dass Jan Kunzes Start am MDC Anfang 2018 beschwert war von der Sorge um seine Frau und geprägt war von der großen Herausforderung, seine kleinen Kinder zu stärken, zu halten und zu trösten, wo er doch selbst untröstlich war und manchmal zu zerbrechen drohte, das haben viele am MDC gespürt. Mit Sorge, Empathie und Hochachtung und manchmal auch einfach nur erschüttert und hilflos.

Wir trauern um einen großartigen Menschen, einen Freund und verlässlichen Kollegen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und vor allem bei seinen Kindern.

Text: Jutta Kramm

Es liegt ein Kondolenzbuch im Foyer von Haus 84 aus und Raum 1018 kann als Trauerraum genutzt werden.