2017-12-20_WP_neu

Von schlafenden und aggressiven Stammzellen

Das German Stem Cell Network zeichnete mit ihrem „GSCN 2018 Publication of the Year Award“ den MDC-Forscher Clemens Schmitt im August 2018 für die beste Veröffentlichung des Jahres aus.

Stammzellen sind die Urzellen des Lebens, aus ihnen entwickeln sich alle weiteren Zelltypen. Die guten, lebensnotwendigen und auch die bösartigen, die zu Krankheiten wie Krebs entarten. Für beide Pfade nutzen Stammzellen Strategien, um sich bestmöglich gegen Veränderungen oder Angriffe zu schützen.

Das German Stem Cell Network (GSCN) zeichnet 2018 Forscherinnen und Forscher in Deutschland aus, die sich diese Prozesse im Detail anschauen und verstehen wollen. Den „GSCN 2018 Publication of the Year Award“ erhielten der MDC-Forscher Professor Clemens Schmitt und Dr. Maja Milanovic von der Charité für ihre Publikation „Senescence- associated reprogramming promotes cancer stemness“, die 2018 im Fachjournal Nature erschien.

Krebszellen im Tiefschlaf

Professor Clemens Schmitt

In ihrem Aufsatz beschäftigten sie sich mit der Frage, welche Auswirkungen die akute Auslösung eines Zellalterungsprogramms (Seneszenz) auf Tumorzellen hat. Das Anschalten der zellulären Seneszenz und damit einem an sich endgültigen Zellteilungsstopp ist ein wichtiger Therapieansatz, um Tumorzellen am Wachstum zu hindern.

Die Schattenseite der Seneszenz erforschten Milanovic und Schmitt: Das Alterungsprogramm löst in den Tumorzellen epigenetische Reprogrammierung aus. Dazu zählt ein Stammzell-Programm (Tumor-Stemness), das entgegen des Therapieziels die Tumorzelle dazu befähigt, ein besonders aggressives Tumorwachstum anzutreiben und somit Therapieversagen als womöglich auch die Entstehung von Tochtergeschwülsten zu begünstigen.

Mithilfe einer neuen Einzelzell-Analyse-Methode beobachteten Schmitt und Milanovic den Moment, in dem die stammzell-umprogrammierten seneszenten Tumorzellen manchmal spontan wieder in den Zellteilungszyklus einsteigen, woraufhin sie ihr neu gewonnenes Stammzellpotential erst ausspielen können. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie Tumorzellen sich mit ihrer Reprogrammierung zu Stammzelleigenschaften aggressiv und wirksam gegen Krebsbehandlungen verteidigen können. Zugleich leitete das Forschungsteam aus diesen Erkenntnissen genetische und medikamentöse Strategien ab, um die Tumor-Stemness zu neutralisieren.

Außerdem zeichnete das Netzwerk Forscherinnen mit dem „GSCN 2018 Young Investigator Award“, dem „GSCN 2018 Female Scientist Award“ aus. Die drei GSCN-Awards sind mit je 1.500 Euro dotiert und die Preisträgerinnen halten einen Vortrag im Presidential Symposium am Donnerstag, den 20. September, auf der diesjährigen Stammzellkonferenz des GSCN vom 19. Bis zum 21. September 2018 in Heidelberg.

Das GSCN vernetzt seit 2013 in Deutschland arbeitende Stammzellforscher und vermittelt ihre Ergebnisse und Forschungen einer breiten Öffentlichkeit. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Präsentation herausragender Wissenschaftlerinnen als Frauenförderung finden beim GSCN eine besondere Beachtung.

Quelle: Pressemitteilung des GSCN

Literatur

Maja Milanovic, et al. (2017): “Senescence-associated reprogramming promotes cancer stemness.Nature 553, 96-100. doi:10.1038/nature25167