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Was lesen Sie gerade, Frau Malchin?

Victoria Malchin, Technische Assistentin, arbeitet seit 2007 am MDC. Als Gebäudemanagerin ist sie verantwortlich für das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie. Sie sitzt in der Anti-Harassment-Task-Force, im Pandemie-Krisenstab und ist eine Interessenvertreterin der TA. Ihr Tipp: ein Buch über Frauen und Macht.

„You can´t easily fit women into a structure that is already coded as male; you have to change the structure.“

"Man kann Frauen nicht einfach in eine Struktur einfügen, die bereits männlich kodiert ist; man muss die Struktur ändern."

Victoria Malchin.

So steht es im Klappentext, und damit war für mich klar, dieses Buch muss ich lesen. Die Autorin Mary Beard hat zwei ihrer Essays zu einem kurzweiligen Buch zusammengefasst. In „Frauen und Macht“ (engl. Women & Power: A Manifesto) zeigt die die Cambridge-Professorin auf, welche kulturellen Muster vermeintlich dazu führten, dass die Worte von Frauen oft weniger Gehör finden als die von Männern. Die Althistorikerin findet bereits frühe Zeugnisse und Belege für das Mundtot-Machen der Frauen: Ihre Thesen und Beispiele – etwa Penelope oder Medusa - stützen sich auf die griechische und römische Literatur. Frauen, so lernen wir, wurden systematisch zum Schweigen gebracht. Beards Manifest bildet einen Abriss der Geschichte von Homers Odyssee über Shakespeares Titus Andronicus bis zu den Hass-Posts der heutigen Zeit und der Me-Too- und Black-Lifes-Matter-Bewegung. Und sie kommt zum Schluss: „Die Rede ist Sache der Männer.“

Was eine gute Rede, eine gute Stimme, was gute Rhetorik ausmacht, beruht laut Mary Beard auf antiken Konzepten, denen wir auch heute noch folgen und die wir verinnerlicht haben. Und diese Konzepte sind männlicher Natur. Es sind Vorurteile, Einstellungen und Annahmen, die fest in uns verankert sind, nicht bewusst und dennoch als Teil unserer Kultur, Sprache und unserer Jahrtausende langen Geschichte. Das Buch regt nicht nur an, diese antiquierten Denkmuster zu hinterfragen, sondern auch die abendländischen Literaturklassiker erneut zu lesen und diesmal vielleicht mit einem anderen, einem wacheren Blick. Um sich bewusst zu werden, dass Gleichberechtigung, Emanzipation und Toleranz nicht von heute auf morgen gelingen kann, wenn systematisches „Nicht-Gehört-Werden“ Teil unserer gelebten Struktur war und ist. Was also zählt, ist die Änderung dieser Struktur.

Mary Beard: Frauen und Macht: Ein Manifest